Krafttraining - Auswirkungen auf den Körper

Warum Kraft­training besser ist, als sein Ruf

Krafttraining genießt bislang nicht gerade das beste Image. Damit bekomme man nur mehr Muskeln, werde aber nicht fitter. Wahrheit oder Märchen?
Sling-TrainingFoto: 06-25-12 © Svetlana Braun

Krafttraining hat keinen allzu guten Ruf. Für Schwarzenegger ist es vielleicht nützlich, aber als Ausdauersportler oder zum Abnehmen kann man es nicht gebrauchen. Stimmt nicht! Denn durch Krafttraining bekommt man nicht nur mehr Muskeln, man steigert auch seine Fitness und verbessert seine Gesundheit! evidero Experte Clifford Opoku-Afari räumt mit Vorurteilen auf.

Über kaum ein Thema ranken sich so viele Mythen wie über das Krafttraining. Frauen denken häufig, sie bekämen zu dicke Muskeln, wenn sie Gewichte stemmen. Männer wiederum sind oft der Meinung, je mehr Gewicht sie bewegen, desto breiter werden ihre Schultern. Und wehe es wird sich nach dem Krafttraining nicht ausführlich gedehnt, dann drohen die gefürchteten Verkürzungen. Und überhaupt wird gerne unterstellt, dass Gewichte stemmen unbeweglich macht.

Krafttraining- viel besser als sein Ruf?

Jedoch ist nichts an den aufgestellten Behauptungen dran. Um zu verstehen auf welche Weise Muskeln wirklich wirken und warum Krafttraining für Sie so unglaublich wertvoll sein kann, ziehen wir einfach ein paar grundlegende Erkenntnisse über die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers hinzu.

Tatsächlich ist es so, dass Krafttraining selbst erst einmal Muskeln abbaut! Ja, Sie haben richtig gelesen, denn Muskeltraining ist zunächst ein sogenannter kataboler Prozess , d.h. zuerst wird der Trainierende schlechter. Die Energiereserven sind nach dem Training niedriger als vorher. Die Muskelstränge weisen mikroskopisch kleine Verletzungen auf und müssen in der folgenden Ruhephase repariert werden. Der eigentliche Muskelaufbau findet daher in Ruhe statt. Für diesen Prozess benötigt der Körper allerdings die entsprechenden Nährstoffe aus der Nahrung. Damit lässt sich über die Ernährung auch ganz einfach steuern, ob Muskelstränge “nur” repariert oder verdickt werden, was sich dann Muskelaufbau nennt. Nebenbei ist Muskelaufbau im großen Stil für Frauen ohnehin recht schwierig, denn ihnen fehlt die notwendige Portion Testosteron, was starkes Wachstum von Oberarm- und Oberschenkelmuskeln erheblich erschwert.

Auf der Suche nach Fitness-Übungen? Wie wäre es mal mit Trainings-Bändern, die man überall mit hinnehmen kann? Sieh dir die Übungen in unserer Fotostrecke an

Anders sieht das bei den Männern aus. Ihre Muskeln reagieren auf Krafttraining grundsätzlich deutlich besser und schneller. Nicht selten sind daher in Fitness-Clubs zahlreiche Männer zu beobachten, die das Prinzip “viel hilft viel” bei ihrem Training anzuwenden scheinen. Vollgepackte Hantelstangen sollen vermutlich den Muskelaufbau forcieren und die Strandfigur in erreichbare Nähe rücken lassen. Doch hierbei gilt eine ganz einfache Regel: Je höher die Gewichte und je niedriger die Wiederholungszahlen (unter acht), umso geringer der Effekt auf den Muskelaufbau! Denn dafür sind kontrolliert bewegte Gewichte unter permanent hoher Muskelspannung für eine Zeitspanne von mindestens 20 Sekunden nötig. Mehr Gewicht ist dabei überhaupt nicht hilfreich, sondern kann sogar für dieses Ziel kontraproduktiv sein.

Und was ist mit der oft gebetsmühlenartig wiederholten Aussage, Krafttraining mache steif und unbeweglich? Besonders wenn nach dem Training nicht gedehnt wird? Das Gegenteil ist der Fall, wenn Krafttraining richtig betrieben wird. Denn das zum Teil lieblose Rumziehen an Muskeln und Sehnen kann gar keinen “muskelverlängernden” Effekt haben. Muskeln sind in Wahrheit nicht mal länger oder mal kürzer, sondern bloß mal entspannter oder mal angespannter. Das wiederum entscheidet der Muskel nicht selbst, denn der reagiert bloß auf die Befehle der Zentrale – dem zentralen Nervensystem (ZNS).

Liegt demnach eine übermäßige Anspannung im Muskel vor (die als “Verkürzung” erlebt wird) müssen die Ansteuerungen über das ZNS verändert werden. Und wie geht das? Zum Beispiel durch funktionelles Krafttraining mit speziellen Übungen, welche die komplette Bandbreite des Gelenkes abfordern.

Und was können Sie nun tatsächlich mit Krafttraining erreichen?

Mehr Kraft, effektives Formen Ihrer Figur, Reduktion von Körperfett, eine bessere Haltung, verbesserte Blutzuckerverwerte, stärkere Rumpfmuskeln (zur Prävention oder Beseitigung von Rückenbeschwerden), dichtere Knochen (zur Vorbeugung von Osteoporose) und jede Menge Spaß! Dazu können Sie Übungen mit Ihrem eigenen Körpergewicht machen, Hanteln stemmen, an Bändern ziehen, Kettlebells schwingen, an Sling-Trainern hängen und vieles mehr.

Lies hier mehr über die Vorteile des Kettlebell-Trainings!

Clifford Opoku-Afari
Clifford Opoku-Afari (35) ist Sportwissenschaftler (M.A.), Diplom Trainer für medizinische Fitness (DTA), ehemaliger Leichtathlet (Sprinter & Weitspringer) und heute aktiver Kraftsportler....

 

Angebote unserer Experten zum Thema

Das könnte dich auch interessieren

Fitnessboxer beim Training
Power dich mal richtig aus!
von Marc Saha
Training im eigenen Wohnzimmer
Das beste Training – Zuhause oder im Studio?
von Tanja Korsten
Glaub an dich selbst!
Ein Pokerface für mehr Selbstvertrauen
von Rüdiger May
Ein sexy Körper
Übungen für einen straffen Körper
von Clifford Opoku-Afari
Yoga ist ein idealer Frühsport
Wann sollte man am besten Sport machen?
von Prof. Dr. Ingo Froböse
Chia Samen sind ein Superfood
4 Gründe, täglich Chia-­Samen zu essen
von Birgit van Hulst