Essen nach den 5 Elementen: Die 5-Elemente-Ernährung im spätsommerlichen Erd-Element

Die Ernährung nach den 5 Elementen entspringt der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und versteht die Nahrungsaufnahme als unsere wichtigste Energiequelle, mit der wir unsere angeborene Lebensenergie ergänzen können.
von Sabine Spielberg
Herbst Ernährung TCM© Maya Kruchancova - Fotolia.com

In der chinesischen Ernährungslehre steht das Erd-Element für den Spätsommer als Übergang von Sommer zum Herbst. Es ist die Zeit der Ernte und der Fülle. Die zerstreuende Energie des Feuer-Elements im Sommer wird jetzt gesammelt, stabilisiert und zentriert. Es ist eine runde, harmonische und ausgleichende Energie, die den Menschen auf die stärker nach innen gehende Stimmung von Herbst und Winter vorbereitet. Sabine Spielberg, 5-Elemente-Köchin nach der Traditionellen Chinesischen Medizin, erklärt, wie wir uns jetzt über die Ernährung stärken und nähren können.

Die Erde stellt die Mitte aller Dinge dar. Obwohl Teil des Kreislaufs, kehrt alles zu ihr zurück: Ein Same, der in der Erde keimt, wird mit seinen Wurzeln stets mit ihr in Verbindung bleiben – je stärker die Pflanze verwurzelt ist, umso höher kann sie in den Himmel wachsen (Elemente Holz und Feuer). Und wenn ihre Zeit vorbei ist, nimmt die Erde die Pflanze wieder auf (Elemente Metall und Wasser).

So entstehen alle Elemente aus der Erde und kehren auch wieder zu ihr zurück. Sie bildet das Zentrum, die Mitte, weswegen sie oft auch im Zentrum der Elemente dargestellt wird. Das Erd-Element zu stärken bringt daher auch alle anderen Elemente in Einklang.

Mehr Energie durch ein starkes Erd-Element

Die Erde steht auch für unsere körperliche Mitte, für unsere Ernährung und Verdauung, und ist wesentlich dafür verantwortlich, dass wir uns ausgeglichen und energiegeladen fühlen. Die zugehörigen Organe sind Milz/Bauchspeicheldrüse und Magen, deren Hauptaufgabe darin besteht, Energie (Qi) aus der Nahrung zu gewinnen und es dem Körper zur Verfügung zu stellen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die Milz in ihrer Funktion zu unterstützen, vor allem mit gekochten, naturbelassenen Speisen, denn am besten funktioniert die Verdauung, wenn die Nahrung bereits körperwarm aufgenommen wird. Kommt sie bereits als warmer Nahrungsbrei im Magen an, kann sie energiesparender und effizienter verwertet werden, als das bei kalten Mahlzeiten der Fall ist.

Während wir also im Sommer durch kühlende und erfrischende Lebensmittel einen Ausgleich zur Hitze geschaffen haben, führen wir dem Körper jetzt mehr Wärme und Energie über die Nahrung zu und bereiten uns somit auch auf die kühlere Jahreszeit des Herbstes vor.

Ernährung im TCM Erd-Element: süß, rund und orange

Der süße Geschmack wirkt harmonisierend auf Milz und Magen und wird daher der Erde zugeordnet. Die Geschmacksrichtung süß entspannt den Körper, nährt und liefert die notwenige Energie, damit wir uns auf unsere Arbeit konzentrieren können. Daher steht in der chinesischen Ernährungslehre der süße Geschmack im Vordergrund jeder Mahlzeit: 80% der Nahrung eines Erwachsenen sollte süß schmecken und beim Kind sogar 90%!

Damit ist natürlich nicht Zucker, Honig oder Schokolade gemeint. Es geht um den natürlichen süßen Geschmack, den viele Grundnahrungsmittel haben: die verschiedenen Getreidesorten, die meisten Fleischsorten, viele Gemüse- und Obstsorten, allen voran die mit einer runden Form und/oder einer orangen Farbe (Kürbis, Aprikosen, Pfirsiche, Möhren, Maronen, Süßkartoffeln), sowie hochwertige Fette und Öle, Nüsse und Samen. Auch Hülsenfrüchte haben einen mild-süßen Geschmack.

Die Kochtechnik des Langkochens unterstützt diesen süßen Geschmack, wie wir das zum Beispiel von italienischem Tomatensugo kennen, der in Italien gerne den ganzen Vormittag vor sich hin köchelt.

Der süße Geschmack – besser als sein Ruf

Für viele mag die Betonung einer süßen Ernährung befremdlich wirken, da der süße Geschmack in unserer Gesellschaft leider einen recht schlechten Ruf hat. Und zu Recht, wenn er durch Fabrikzucker entsteht. Denn Zucker gibt immer nur einen kurzen Energieschub, der bald darauf wieder zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels führt, und neues Verlangen nach Süßem auslöst.

Dabei zerstreut er die Energie und ist völlig ungeeignet, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Im Gegenteil, er raubt dem Körper wertvolle Vitamine und Mineralien.

Stammt er jedoch aus einer guten, natürlichen Quelle, wie zum Beispiel durch süße Gemüse- und Obstsorten, Getreide und Kompotte, dann wirkt er nährend, gibt körperliche und innere Stabilität, entspannt und harmonisiert.

Reismalz, Stevia oder Agavendicksaft sind außerdem ein guter Zuckerersatz und geben eine so große Befriedigung, dass wir auf Dauer zusätzliche Süßquellen nur noch in geringen Maßen brauchen.

Warme Mahlzeiten sind laut TCM besonders gut

Um dem Heißhunger auf Süßes vorzubeugen, kann es helfen, den Tag mit einem warmen Getreide-Frühstück zu beginnen, das den Körper über das Erd-Element nährt.

Denn in der Zeit zwischen 7 und 11 Uhr morgens läuft der Funktionskreis Magen-Milz auf Hochtouren und alles, was in dieser Zeit gegessen und getrunken wird, kann um ein Vielfaches leichter verdaut werden und spendet dem Körper die nötige Energie für den Tag. Auch darüber hinaus stärken regelmäßige warme Mahlzeiten das Erd-Element, unsere Mitte, und schenken uns eine gute Verdauung.

Die Erde zu nähren bedeutet, sich selbst zu nähren

Das ganze Jahr über das Erd-Element in die Ernährung einzubeziehen, bedeutet im chinesischen Sinne, die innere Mitte zu bewahren und sich selbst gut zu nähren. Die Erde ist so die Mutter in uns, die uns Geborgenheit und Sicherheit schenkt. Denn Essen ist nicht nur die Aufnahme von Nährstoffen und Kalorien, sondern bedeutet vielmehr eine körperliche und geistige Befriedigung.

3-Gänge-Menü nach TCM für den Spätsommer

TCM Herbst Suppe © Sabine Spielberg

Süßkartoffel-Kokos-Suppe

  • 4 kleine Süßkartoffeln
  • geröstetes Sesamöl
  • 600 ml Gemüsefond
  • 400 ml Kokosmilch
  • Salz nach Geschmack
  • frische Petersilie

Süßkartoffeln schälen und in große Stücke schneiden. Geröstetes Sesamöl in einem Topf erhitzen und Süßkartoffelstücke darin anbraten. Mit Gemüsefond aufgießen und 35 Minuten köcheln lassen. Danach pürieren. Kokosmilch einrühren und mit Salz abschmecken. Petersilie waschen, trocken schleudern, grob hacken und über die Suppe streuen.

Kürbis-Kichererbsen-Curry

  • 1 rote Zwiebel
  • 600 g Hokkaido-Kürbis
  • 400 g Kichererbsen, gegart
  • 250 g Aubergine
  • 1 El Rapskernöl
  • 2 El rote Currypaste
  • 600 ml Kokosmilch
  • 1 daumengroßes Stück Kombu-Alge
  • 1 Bund Basilikum
  • 1 Limette
TCM Herbst Curry © Sabine Spielberg

Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. Kürbis waschen, vierteln, entkernen und würfeln. Kichererbsen mit kaltem Wasser abspülen. Aubergine waschen, Enden abschneiden und Fruchtfleisch würfeln. Öl in einem Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen. Zwiebel und Currypaste ca. 2 Minuten darin andünsten, bis die Zwiebel glasig und weich wird. Kürbis, Kichererbsen und Aubergine dazu geben und miteinander vermengen. Kokosmilch dazu gießen, Alge dazu geben und kurz aufkochen lassen.

Den Topf mit einem Deckel schließen und bei kleiner Temperatur ca. 35 Minuten köcheln. Basilikum grob hacken und über das Curry streuen und mit Limettenspalten servieren. Lecker mit Basmati-Reis oder mit Orangen-Kardamom Reis.

Orangen-Kardamom-Reis

  • 250 g Rundkornreis
  • 250 ml Orangensaft
  • 250 ml Wasser oder Gemüsefond
  • 1 Messerspitze Kurkuma
  • 1/2 Stange Zimt
  • 2 Kapseln Kardamom

Reis ohne Öl in einem Topf leicht anrösten. Mit Orangensaft und Wasser oder Gemüsefond ablöschen. Gewürze dazu geben und aufkochen. Mit geschlossenem Deckel drauf bei kleiner Hitze 45 Minuten köcheln lassen, bis alle Flüssigkeit aufgenommen wurde.

Wichtig dabei: bitte nicht umrühren, sonst brennt der Reis an!

TCM Herbst Pickles © Sabine Spielberg

Apfel-Fenchel Pickles

  • 250 ml Apfelsaft
  • 100 ml Reisessig
  • 3/4 TL Salz
  • 2 EL Agavendicksaft
  • 2 Äpfel
  • 1 Fenchel
  • 1/2 Gurke

Äpfel waschen, vierteln, entkernen und in würfeln. Fenchel waschen, den Strunk entfernen und (falls vorhanden) mit Fenchelgrün hacken. Gurke waschen, längs halbieren und in Halbmonde schneiden. Apfelsaft, Reisessig, Salz und Agavendicksaft aufkochen und über Obst-Gemüse-Mischung gießen.

Möhren-Apfel-Dessert mit süßer Kürbiskernpesto

  • 4 Möhren
  • 3 Äpfel
  • 8 El Sonnenblumenöl
  • 1 Prise Salz
  • Apfelsaft
  • 100 gr Kürbiskerne
  • 2 El Reismalz
TCM Herbst Dessert © Sabine Spielberg

Möhren schälen und in große Stücke schneiden. Äpfel schälen, vierteln und entkernen. 1 El Sonnenblumenöl in einem Topf erhitzen und Möhrenstücke darin anbraten. Die Möhren salzen, Apfelstücke hinzugeben und mit Apfelsaft ablöschen. Mit geschlossenem Deckel bei niedriger Hitze ca. 45 Minuten köcheln lassen und dann pürieren.

Für die Pesto: Kürbiskerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Die gerösteten Kerne abkühlen lassen, mit restlichem Öl pürieren und mit Reismalz süßen.

Sabine Spielberg ist Köchin und Ernährungsberaterin nach den 5 Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie gibt regelmäßig Kochkurse in Köln und betreibt einen veganen Foodblog...
Kochen nach TCM
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