Soziale Projekte für jeden: Crowdfunding — Eine Idee, viele Geld­geber

Durch Crowdfunding können kreative und ungewöhnliche Projekte auch ohne eigenes Geld finanziert werden.
von Sabrina Gundert
Fahrender GartenFoto: © Sabrina Gundert

Wer Gutes tun möchte und eine kreative Idee hat, aber kein Geld, für den bietet Crowdfunding (deutsch: „Schwarmfinanzierung“) neue Möglichkeiten. Das Prinzip: Der Initiator stellt sein Projekt auf einer Onlineplattform vor, die Nutzer können Fans und Supporter werden und das Projekt finanziell unterstützen.

Alfred ist nun schon seit vier Wochen verschwunden. Vielleicht ist er in einem Hinterhof, vielleicht hat ihn jemand geklaut. So richtig weiß das niemand. Nur einen Tag lang stand er in der Kieler Innenstadt, bepflanzt mit Thymian, Petersilie und einem großen Johannisbeerenstrauch. Dann war er weg.
Alfred ist einer der sieben Fahrenden Gärten, die seit Anfang Mai 2012 in Kiel unterwegs sind. Kräuter, Blumen und Obststräucher wachsen in alten Einkaufswagen, die Namen wie Lieselotte oder Frieda tragen, und die Passanten auf einem Schild dazu auffordern, sie in der Stadt dorthin zu schieben, wo sie am dringendsten gebraucht werden — in graue, farblose, zubetonierte Ecken. Finanziert hat die 21-jährige Initiatorin Theresa Weinelt ihr ungewöhnliches Projekt unter anderem durch Crowdfunding.

Die Masse finanziert gemeinsam ein Projekt

Beim Crowdfunding finanziert die Masse gemeinsam ein Projekt. Privatpersonen, vor allem Künstler und Kreative, aber auch Vereine, Verbände und Firmen, stellen ihre Projektideen online vor: Worum geht es, was sind die Ziele des Projektes, wer steckt dahinter, wofür wird das Geld benötigt? Interessierte können Fans der Projektidee werden und diese somit ideell unterstützen oder als Supporter das Projekt mitfinanzieren.
Die Initiatoren legen die Höhe des benötigten Budgets vorab fest. Wird dieses erreicht, erhalten sie das Geld, falls nicht, geht es zurück an die Sponsoren. Im Gegenzug für ihre Unterstützung bekommen die Sponsoren bei erfolgreicher Finanzierung zuvor gewählte Dankeschöns: Eine handsignierte CD, Requisiten vom Filmdreh, einen gesungenen Videogruß, ein Privatkonzert im eigenen Wohnzimmer, selbstgemachte Ziegenseife, Kunstwerke oder Treffen mit den Projektinitiatoren. Besondere Dinge, die es so nicht zu kaufen gibt.

Geld gegen ungewöhnliche Dankeschöns

So auch bei den Kieler Multimedia-Studenten Lisa Kaltenbach und Christoph Zickler. Die beiden wollten einen Dokumentarfilm über eine psychiatrische Spezialstation im schleswig-holsteinischen Rickling drehen. Alles, was ihnen hierzu fehlte, waren 300 Euro. Bei der Suche nach einer alternativen Geldquelle wurden sie auf das Crowdfunding aufmerksam. Wer ihr Projekt unterstützt hat, wurde beispielsweise für zehn Euro im Abspann des Films genannt, ab 50 Euro gab es die Film-DVD mit zusätzlichem Bonusmaterial mit dazu. Die benötigten 300 Euro bekamen die Studenten innerhalb weniger Wochen zusammen.

Crowdfunding – junge Idee aus den USA

Die Idee des Crowdfundings ist noch recht jung. 2009 startete in den USA die Crowdfunding-Plattform kickstarter, wo seitdem mehr als 30.000 Projekte erfolgreich finanziert wurden. In Deutschland wird das Jahr 2011 als Startjahr für Crowdfunding benannt. Mittlerweile gibt es verschiedene deutschsprachige Plattformen, wie Startnext, Inkubato oder die VisionBakery, auf der Projekte vorgestellt und unterstützt werden können. Die 2010 gegründete Plattform Startnext ist mittlerweile Marktführer im deutschsprachigen Raum. „Die Quote für eine erfolgreiche Finanzierung liegt bei uns zwischen 40 und 45 Prozent“, so Anna Theil von Startnext. Bis Ende Dezember 2012 wurden allein auf Startnext insgesamt über 500 Projekte mit einer Summe von rund 2,4 Millionen Euro erfolgreich finanziert. Bei erfolgreichen Projekten unterstützen durchschnittlich 45 Personen die Idee mit jeweils rund 64 Euro. Besonders beliebt bei den Unterstützern sind Filme, gefolgt von Musik, Events und Literatur.

Ein Spielplatz fürs Dorf — soziale Projekte erfolgreich umsetzen

Während sich einige Plattformen vor allem auf Künstler und Kreative spezialisiert haben, nimmt die VisionBakery bewusst auch soziale Projekte mit ins Boot: „Wir wollten unsere Plattform so offen wie möglich halten“, sagt Janine Scharf von der VisionBakery. „Bevor wir mit der Plattform gestartet sind, haben wir in unserem Umfeld nachgefragt, welche Projekte interessant wären. Da hat sich ganz klar gezeigt, dass viele Menschen in Vereinen engagiert sind und Crowdfunding gerade für diesen Bereich eine Erweiterung der Finanzierungsmöglichkeiten darstellt.“ Aber auch Dorfgemeinschaften würden vom Crowdfunding profitieren: „Vor einiger Zeit hatte ich Kontakt mit einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es viele Kinder, aber keinen Spielplatz. Neben dem Sammeln von Spenden vor Ort wollen die Dorfbewohner jetzt auch eines der Spielgeräte über die VisionBakery finanziert. Hier gibt es auch schön Gegenleistungsmöglichkeiten, zum Beispiel, dass Kinder als Dankeschön einen Kalender basteln.“

Mitverfolgen, was mit Spenden passiert

Die Spendenplattform betterplace.org sieht ihr Angebot als eine Art von sozialem Crowdfunding: „Bei uns können die Organisationen konkrete Hilfsprojekte und Bedarfe einstellen und genau angeben, wofür die Spenden benötigt werden. So wissen die Spender was mit ihrem Geld geschieht. Außerdem können sie über die Blogpost und Bilder auf der Projektseite verfolgen, wie mithilfe ihrer Spende das Hilfsprojekt umgesetzt wird“, sagt Kirsten Mieves von betterplace.org.
Die Schwarmfinanzierung lässt sich durch die unterschiedlichen Plattformen somit vielfältig einsetzen — ob für kreative, soziale oder auch ökologische Projekte.

Expertin: Sabrina Gundert
Sabrina Gundert ist Schreibcoachin, freie Journalistin und Autorin. Ihr Studium der Geographie hat sie die äußere Welt erforschen lassen, das Schreiben die innere...
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