Nachhaltigkeit im Alltag: 10 Tipps für ein nachhaltiges Konsumverhalten

In Deutschland entstehen im Jahr pro Kopf ungefähr 617 Kilogramm Müll. Immer mehr Verpackungsmüll wird produziert - mit steigender Tendenz. Das Umweltbewusstsein ist groß, doch der Konsumdrang ist größer. Und wo viel konsumiert wird, entsteht auch viel Müll.
Autorin_Esther_Hilger
von Esther Hilger
Nachhaltiger konsumieren© Pexels

Minimalismus ist zum Trend geworden. Das hat Vor- und Nachteile. Unabhängig von der Kurzlebigkeit von Trends muss man sich Minimalismus (wie er heute gelebt wird) erstmal leisten können.

Nachhaltigkeit als Lifestyle bringt auch mich manchmal an den Rande des Verstands. Nichtsdestotrotz gibt es (bezahlbare) und notwendige Wege, weniger zu konsumieren und dementsprechend weniger Müll zu produzieren. Wie man seine eigene Müllproduktion verringern kann habe ich im folgenden gesammelt.

Disclaimer: Natürlich kaufe ich nicht IMMER mit Verstand ein und auch mein Konsumverhalten ist nicht in jeder Lebenslage vorbildlich. Doch ich arbeite daran!

1. Lebensmitteleinkauf mit Verstand

Der Lebensmitteleinkauf sollte immer mit der folgenden Vorbereitung beginnen: Pack einen Stoffbeutel oder ähnliches ein, mach dir Gedanken, was du einkaufen willst (ich persönlich mache das grundsätzlich schriftlich – mein Gedächtnis setzt bei bunten, überfüllten Regalen schon mal aus) und solltest du die Möglichkeit haben, auf einem Wochenmarkt oder in einem Unverpackt Laden einkaufen zu können, nimm Aufbewahrungen für einzelne Lebensmittel mit.

Weshalb der Einkaufszettel nötig ist? Wer hungrig oder planlos einkaufen geht, neigt dazu, Lebensmittel einzukaufen, die am Ende keine Verwendung finden und als Impulskauf im Restmüll landen. Um dem vorzubeugen, lohnt es sich, die Gerichte der kommenden Tage grob durchzuplanen. Das Ziel ist simpel: Alles Gekaufte auch essen.

Ich selbst kann mich noch genau daran erinnern, wie meine Eltern im Supermarkt grundsätzlich die Ablaufdaten der Produkte überprüft haben (macht das noch jemand?) und sich dann für das mit der längsten Mindesthaltbarkeit entschieden haben.

Ich persönlich würde das nur noch tun, um die Frischmilch, die bald abläuft, zu finden. Schließlich will ich die Frischmilch doch keine 3 Wochen im Kühlschrank stehen lassen. Und zum Mindesthaltbarkeitsdatum muss ich hoffentlich nichts mehr sagen.

Es ist schon praktisch, das Bund Bananen greifen zu können, die abgepackte Portion Möhren oder die 3 Stängel Petersilie (Wer die 15g Kräuter Packungen kennt, sollte sich in diesem Moment mal Gedanken zu dem Lebensmittel-Plastik-Verhältnis machen). Das Problem: Die meisten Käufer greifen nach den zusammenhängenden Bananen und die Einzelstücke bleiben übrig. Was passiert mit braunen, einzelnen Bananen? Sie werden weggeschmissen.

Gleiches gilt für unschönes Obst und Gemüse – der erste Impuls lässt einen fast immer nach dem gerade gewachsenen greifen, denn wir haben gelernt, schön mit appetitlich gleichzusetzen.

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2. Plastikfrei Lebensmittel einkaufen

Nicht immer – aber immer häufiger – hat man die Möglichkeit, Lebensmittel ohne Plastik einzukaufen. In Unverpackt-Läden bekommt man, wie der Name sagt, Lebensmittel ganz ohne Verpackung.

Wer einmalig in Frischhaltedosen, Netze, Stoffbeutel oder Einmachgläser investiert, kann ab diesem Punkt nur noch das, was er wirklich verbraucht, einkaufen und dauerhaft nachhaltiger und im Optimalfall kostengünstiger einkaufen. Mein einziges Bedenken ist in diesem Fall, dass sich solche Läden nicht dauerhaft halten, was uns auf Dauer die Möglichkeit nimmt, unverpackt einzukaufen.

In den USA und Kanada gibt es eine App, die zeigt, wo man “bulk bins” finden kann. Sprich, nicht nur rein verpackungsfreie Läden werden angezeigt, sondern auch jeder Laden, in dem man Lebensmittel abfüllen bzw. einzeln kaufen kann.

Eine Auflistung der Läden, in denen man in Deutschland, Österreich und der Schweiz verpackungsfrei einkaufen kann gibt es hier: www.wastelandrebel.com/de/liste-unverpackt-laeden/

Die Möglichkeit, die eigene Wunschmenge eines Lebensmittels einzukaufen, hat man zudem auf Wochenmärkten. Ob Obst, Gemüse, Brot oder Käse – bisher habe ich noch nie die Erfahrung gemacht, dass man mir die Lebensmittel nicht in meine selbst mitgebrachten Aufbewahrungsmöglichkeiten eingepackt hat.

Wer nichtsdestotrotz am liebsten in Supermärkten und Discountern einkauft, kann auch hier die Plastikmenge vermindern. Häufig gibt es sowohl unverpackte als auch verpackte Möhren – die Entscheidung sollte klar sein. Es lohnt sich auch, den einmalig “Aufwand” in Kauf zu nehmen und die Rosmarinpflanze im Topf anstatt der abgepackten drei Stiele mitzunehmen.

Die wohl größte Verschwendung, der ich persönlich immer noch verfallen bin, sind Plastikflaschen. In Deutschland gibt es meines Wissen nach keinen Ort, an dem das Leitungswasser nicht sehr gut trinkbar ist. Gefiltert schmeckt das Wasser auch noch wesentlich länger frisch. Und wer auf Sprudelwasser nicht verzichten möchte, kann sich einen Wassersprudler anschaffen.

Bei mir scheitert es meist daran, dass ich keine befüllbare Flasche bei mir habe, häufig, weil sie nicht in meine Tasche passt. Ich muss wohl meine Taschenwahl überdenken.

3. Essensreste als Ressource

Logisch, was nicht aufgegessen wird, muss nicht weggeschmissen werden. Häufig schmeckt es am nächsten Tag sogar noch besser. Aber auch Reste, die sich nicht zum Verzehr eignen, können genutzt werden. Beispiel Kaffeesatz: Getrockneter Kaffeesatz taugt hervorragend als Pflanzendünger, Körperpeeling oder Geruchsneutralisierer.

Möchtest du mehr über den Nutzen von Kaffeesatz erfahren? 6 Tipps für die Wiederverwendung findest du hier

Die Schale von Zitrusfrüchten kann in selbst hergestellten Putzmitteln als natürlicher Duftstoff verwendet werden. Auch viele Nachspeisen und süße Snacks werden mit Zitronenschale aufgewertet.

Grundsätzlich gilt: Wer ungespritztes, biologisch angebautes Obst und Gemüse kauft, braucht keine Angst vor der Schale haben. Auch Süßkartoffeln, Möhren und andere Wurzelgemüse brauchen nicht geschält werden.

Das Grün von Rote Bete, Kohlrabi, Sellerie und vielen weiteren Gemüsesorten kann ebenfalls verwendet werden. Wer kein Freund von allzu “grün” schmeckenden Zutaten ist, kann das Grün in Säften und Smoothies verstecken. Bananen, Mangos oder Birnen kaschieren den Geschmack.

4. Kompostieren in der Großstadt

Kompostieren ist nicht nur im eigenen Garten möglich. Wer seine Lebensmittel nicht zu einem Kompost oder Biomüll transportieren will, kann auch ganz gemütlich in der Stadtwohnung kompostieren – und zwar mit einer Wurmfarm.

Eine Kiste voller Essensreste und Kompostwürmern kann nämlich ein ganz eigenes Ökosystem aufleben lassen. Letztlich entsteht ein sogenannter Wurmhummus, ein hochwertiger Dünger, der im Handel sehr kostenintensiv ist.

Wer im Herzen SelbstversorgerIn ist, in der Realität aber noch ganz schön weit entfernt, kann es ja wenigstens mit ein paar essbaren Pflanzen auf dem Balkon und Dünger aus der Wurmkiste versuchen.

5. Nicht plastikfrei, aber freier

Dass unser Lebensmitteleinkauf viel weniger Plastik verursachen könnte, habe ich nun deutlich gemacht. Es gibt noch viele weitere Möglichkeit, im Alltag auf Plastik zu verzichten. Dank Coffee To Go landen jährlich 2,8 Milliarden Einwegbecher in Deutschland im Müll.

Natürlich kann man mal seinen Mehrwegbecher vergessen, doch auf Dauer lohnt sich vermutlich bei 90% der Kaffeetrinker ein To Go Becher aus Glas oder vergleichbarem. Häufig gibt es hierbei auch eine Vergünstigung für den gekauften Kaffee.

Nicht nur Kaffee kann man sich in den eigenen Becher füllen lassen, auch mit Lebensmitteln ist das immer häufiger möglich. Eine Frischhaltebox und eigenes Besteck (Bambusbesteck macht die Mitnahme besonders einfach, da es ausgesprochen leicht ist und wenig Platz einnimmt) machen das möglich. Wer also ohnehin plant, sich in der Mittagspause Essen zum Mitnehmen zu holen, kann auch seine eigenen Utensilien mitbringen.

An dieser Stelle ist es wohl Zeit, dem Argument der Spontanität den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nichts spricht dagegen, sich spontan für einen Eisbecher To Go zu entscheiden, doch zumindest sollte das Eishörnchen in Erwägung gezogen und es nicht zur Regelmäßigkeit gemacht werden.

Wer sich jeden Morgen ein Brötchen beim Bäcker kauft, kann auch jeden Morgen seine Brotdose einpacken. Auch im Umweltschutz gibt es nicht nur ganz oder gar nicht.

Was mittlerweile ebenfalls unheimlich viel Müll verursacht sind Verpackungen von Drogerieprodukte. Dank unzähliger “DM Hauls” auf Youtube boomt die Schönheitsindustrie wie nie. Duschgels mit Chiasamen, Duschseren mit Hyaluronsäure oder Duschschäume mit Himbeer-Thymian-Geschmack. Es gibt alles, was die Welt nicht braucht. Und jeder Unsinn muss ausgetestet werden.

Gezielt werden Produkte in sehr regelmäßigen Abständen aus dem Sortiment genommen, ob sie sich gut verkaufen ließen oder nicht. Denn so muss der Nutzer nach gefundenem Lieblingsprodukt wieder auf die Suche gehen und kann sich währenddessen hervorragend manipulieren lassen.

Wer sein Duschgel nun nicht gerade auf Basis von Kernseife selbst herstellen möchte, kann sich Drogerieprodukte auch in verpackungsfreien Geschäften abfüllen oder wie Seifenblöcke, auch am Stück kaufen.

6. Do it yourself

Wie gerade angesprochen gibt es meist auch die Möglichkeit, etwas selbst herzustellen. Das geht vom Spülmittel über einen neuen Schreibtisch bis hin zur Stereoanlage. Mit der richtigen Anleitung kann so einiges gelingen.

Produkte wie Bodenreiniger, WC-Reiniger, Shampoo, Duschgel, Conditioner und Lippenbalsam produzieren selbstgemacht kaum Müll, sind meist gesünder und belasten die Umwelt weniger.

Ich selbst habe mir kürzlich einen neuen Schreibtisch gebaut. Nicht nur, dass ich reichlich Geld und Verpackung gespart habe, ich habe währenddessen so manch nützliches gelernt, was mir bei zukünftigen Reparaturen sehr hilfreich sein wird. Und mich hoffentlich so von unnötigen Neuanschaffungen bewahren kann.

7. Upcycling: Denk nicht so linear

Apropos Neuanschaffungen – letzte Woche habe ich mir eine neue Pflanze gekauft, leider hatte ich keine passende Vase, was ich jedoch hatte, war eine ausrangierte Tasse, die sich nun hervorragend als Vase macht. Wer Anregungen für Upcycling-Ideen braucht, wird online sehr schnell fündig. Aus Autoreifen wird ein Fahrradständer, aus Glasflaschen wird ein Kerzenständer, aus Hüten werden Lampenschirme und aus Wäscheklammern werden Blumentöpfe.

Gegenständen einen neuen Zweck geben rettet sie vor dem Müll und kann trotzdem das Gefühl von etwas Neuem wecken.

8. Teilen

Sollte die ausrangierte Tasse dann doch so gar keine Freude mehr schenken, sollte sie trotzdem nicht auf dem Müll landen. Verschenken, verkaufen oder tauschen – es gibt sowohl online als auch offline die Möglichkeit, ein neues Zuhause für alte Produkte zu finden.

Kaufen, Verkaufen und Verschenken kannst du auf Flohmärkte in deiner Nähe, bei dir zuhause, indem du Freunde und Bekannte einlädst, in Second Hand Shops (wie Emmaus und Humana) und auf folgenden Online-Portalen

9. Slow Fashion vs. Fast Fashion: Shoppen mit Bedacht

Besonders Modetrends sind extrem schnelllebig. Fast Fashion Konzerne aktualisieren ihr Produktangebot permanent. Wem etwas gefällt, der kauft am besten sofort oder das Produkt ist nicht mehr länger erhältlich. Je impulsiver der Kauf, desto unwahrscheinlicher ist eine lange Nutzungsdauer. Zudem kommt die häufig minderwertige Qualität. Kleidungsstücke, die schnell die Form verlieren oder Löcher bekommen, landen dementsprechend schnell im Müll.

Wer mit Bedacht kauft und in hochwertig produziertes investiert, bekämpft Fast Fashion und damit nicht nur die Wegwerfmentalität, sondern auch die Massenproduktion unter äußerst schlechten Bedingungen.

Der Klassiker, der regelmäßig im Müll landet, ist übrigens der Regenschirm. Auch hier lohnt es sich, ein paar Euro mehr zu investieren. Dann verliert sich auch das Argument, dass der Regenschirm ständig vergessen wird. Sobald man ihm einen gewissen Wert gibt, wird er nicht mehr so einfach aus den Augen gelassen.

10. Wegwerfprodukte austauschen

Zum Schluss habe ich eine Übersicht typischer Wegwerfprodukte und ihrer Alternativen zusammengestellt

Tampons – Menstruationstasse
Binden – Stoffbinden
Strohhalme – Metallstohhalme
Flüssigseife – Stückseife
Kaffeebecher – To-Go Becher aus Glas, Thermoskannen
Plastikflaschen – wiederbefüllbare Flaschen
Plastikbesteck – Bambusbesteck (eignet sich besonders durch das geringe Gewicht für unterwegs), Essstäbchen
Teebeutel – Loser Tee im Teesieb
Kaffeekapseln – wiederbefüllbare Kapseln oder Verwendung einer French Press/eines Espressokocher
Rasierklingen – Rasierhobel
Abschminktücher und Wattepads – waschbare Mikrofasertücher
Papiertüten – Brotdosen, Stoffbeutel oder Frischhaltedosen
Kinderspielzeug aus Plastik – Holzspielzeug (haltbarer)
Windeln – Stoffwindeln
Eisbecher – essbare Hörnchen
Regenschirme – qualitativ hochwertige Schirme
Elektromüll – Reparieren, denn auch wenn es sich finanziell nicht lohnt, für die Umwelt lohnt es sich
Einweggrills – Tragbare, faltbare Grills

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Autorin: Esther Hilger
Esther Hilger studiert Erziehungswissenschaften und Ethnologie an der Universität zu Köln

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