Zutaten für Grüne Smoothies: So einfach machst du dir die grünen Vitalstoffbomben selbst

Was gehört eigentlich rein in einen Grünen Smoothie - und was hat darin überhaupt nichts zu suchen? So gelingt der Superfood-Drink!
Andrea Nossem
von Andrea Nossem
Grüne Smoothies mixenFoto: © tashka2000 - Fotolia.com

Wie mixt man einen vernünftigen Grünen Smoothie? Wir haben Andrea Nossem gefragt, die Autorin des Buches “Grüne Smoothies”. Und erfahren: Es gibt ein Reinheitsgebot, aber der Kreativität sind beim Grünen Smoothie keine Grenzen gesetzt!

evidero   Frau Nossem, wie sind Sie selbst zu den kleinen, grünen Alleskönnern gekommen?

Andrea Nossem
Expertin: Andrea Nossem
Andrea Nossem forscht mit ihrer Firma Energy Food & Art seit gut drei Jahren auf dem Gebiet von Energie & Ernährung. Die Wechselwirkungen von Energie und Nahrung beeinflussen uns unmittelbar. Der ganz individuelle Zugang zum Thema Genährt-Sein ist aus ihrer Sicht dabei der Schlüssel...
Das waren im Prinzip zwei Anläufe. Im ersten Anlauf hat mir ein Kollege immer wieder einen Grünen Smoothie hingestellt. Weil er aber schon 3-4 Jahre Erfahrung mit Grünen Smoothies hatte, waren diese wirklich sehr, sehr grün, das heißt es war nur noch wenig Obst drin. Das war für meinen Gaumen fast ungenießbar, hat aber meine Neugierde geweckt. Zwei Monate später war ich in Italien im Urlaub und zufälligerweise hatten meine Nachbarn einen Hochleistungsmixer dabei – und plötzlich gab es jeden Morgen einen Grünen Smoothie. Das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich zuhause einfach weitermachen musste.

evidero   Was hat denn Ihre Leidenschaft daran so stark geweckt, dass Sie direkt ein Buch geschrieben haben?

Mich haben vor allem das besondere Gefühl des Genährt-Seins sowie die vielen individuellen Möglichkeiten der Zubereitung fasziniert. Jeder kann seinen Grünen Smoothie den eigenen Bedürfnissen und Geschmacksnerven anpassen. Dem einen schmeckt der Löwenzahn, dem anderen nicht. Dafür mag der vielleicht gerne Brennnesseln. Man kann den Grünen Smoothie jeden Tag anders gestalten, er hat eine unglaubliche Vielfalt. Das hat auch eine sehr hohe Kreativität, man fühlt sich fast wie ein Künstler, wenn man morgens am Mixer steht. Und dieses Gefühl von wirklichem Genährt-Sein, das kannte ich so vorher nicht. Ich esse zwar sehr viel, bin aber ein schlechter Verwerter. Grüne Smoothies sind eine Nahrung, die in meinem Körper und meinen Zellen ankommt.

evidero   Gibt es eine Empfehlung für das Mengenverhältnis der Zutaten?

Ja, vom Grundsatz her sagt man immer: Mindestens 50% grüne Blätter, 50% Obstanteil und dann stilles Wasser dazu. Dabei geht es aber nicht nach Gewicht, sondern nach Sichtanteil im Becher. Das ändert sich schnell zu 70% Blattanteil und 30% Obst – vor allem wegen der basischen Komponente der Blätter und dem Fruchtzucker des Obstes, das zu Übersäuerung führen kann. Man gewöhnt sich sehr schnell an die Bitterstoffe der Blätter und erkennt deren Nutzen für die Organe und den Körper.

Achtet man das Reinheitsgebot, also z.B. keine tierischen Produkte, keine stärkehaltigen Gemüse, nichts Erhitztes oder Denaturiertes etc., also reine Rohkost-Produkte, kann man natürlich auch noch ganz andere Zutaten hinzugeben. Zum Beispiel Trockenfrüchte, Datteln, Gewürze wie Ingwer, Pfeffer & Salz. Da sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.

evidero   Was mache ich denn, wenn ich mich mit Kräutern nicht so gut auskenne, oder schlicht keine Zeit zum Sammeln habe?

Im Endeffekt sind die Wildkräuter ein weiteres Plus für den Grünen Smoothie. Auch wenn ich keine Kräuter in der Natur sammeln kann, gibt es viele kultivierte grüne Blätter, die ich mixen kann. In jedem Bioladen kann ich Grün kaufen, Spinat, Mangold, Petersilie oder auch das Grün von einer Karotte oder Stangensellerie. Durch die Wildkräuter gebe ich dem Grünen Smoothie eine noch kraftvollere und stärkere Energie, weg vom kultivierten, hin zur lebendigen Natur. Es ist keine Voraussetzung für die Wirkung des Grünen Drinks, es ist ein Mehrwert, dem sich immer mehr Menschen öffnen.

evidero   Ich kann also ganz nach meinem individuellen Geschmack gehen?

Absolut. Entweder ich habe Zeit und Lust zum Kräutersammeln, oder ich kann mir auch eine Bio-Kiste oder Wildkräuter liefern lassen und habe immer frisches Grün zuhause. Damit versorge ich meinen Körper schon mal mit wesentlich mehr Vitalstoffen als die meisten von uns. Die Blätter haben grundsätzlich viel mehr Vitalstoffe (das sind Chlorophyll, Vitamine, Mineralien, Enzyme, Aminosäuren, Antioxidantien, viele sekundäre Pflanzenstoffe etc.) als die Knolle oder Wurzel einer Pflanze, die unter der Erde wächst, vor allem haben sie den einen entscheidenden Unterschied: Das Chlorophyll. Um diesen Pflanzenfarbstoff geht es im Grünen Smoothie hauptsächlich, denn er ist sozusagen der Vitalstoff Nummer Eins, den es eben nur im grünen Blatt gibt!

evidero   Warum essen wir dann vor allem das, was unter der Erde wächst?

Ich habe mal gelesen, dass das eine Folge des neuen Wohlstandes nach dem Krieg war. Während der Hungerzeit waren die Wildkräuter, die Brennnesseln oder der Giersch oft die einzige Mahlzeit, die man zur Verfügung hatte. Es prägte sich der Name „Arme-Leute-Essen“. Nach dem Krieg kamen die Lebensmittelindustrie und der Wohlstand und plötzlich gab es Nahrung im Überfluss, Genussmittel, geschmacklich verändert und farblich verschönert. Heute ist es dagegen schon wieder fast ein Luxus, die Möglichkeit zu haben, sich selbst etwas anzubauen und zu wissen, wo es herkommt und was eigentlich drin ist. Das ist der neue Wohlstand unserer Zeit.

evidero   Was gibt es jetzt im Sommer an heimischen Pflanzen, die sich gut in einen Smoothie mixen lassen?

An Kräutern steht uns im Sommer fast alles zur Verfügung. Nur ganz wenige der wilden Kräuter sind jetzt schon verblüht und nicht mehr genießbar. Im Moment können wir zum Beispiel Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnessel oder auch manche Baumblätter wie Lindenblätter sammeln. Dann ist der Sommer natürlich die Zeit der Beeren, das sind unsere Sommerfrüchte. Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, von deren Sträuchern wir auch die Blätter mitessen oder mixen können! Man kann auch eine Wassermelone oder einen Pfirsich kaufen und mitmixen – sogar mit Schale, wenn man den richtigen Mixer hat und biologisches Gut einkauft. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

evidero   Aber muss ich nicht auch aufpassen, weil nicht alles essbar ist?

Natürlich, das ist die Grundvoraussetzung! So wie wir als Kinder schon lernen, dass der Rhabarber nicht roh essbar ist, so müssen wir uns auch den Wildkräutern nach und nach annähern. Wir haben viele nicht essbare Pflanzen und Blumen, aber auch das Feld der essbaren Kräuter und Pflanzen ist immens groß. Sammeln und essen Sie nur das, was Sie wirklich zu 100 Prozent kennen. Ich sage das so drastisch, weil es wirklich wichtig ist. Bei vielen Pflanzen kann man die Früchte zwar essen, die Blätter aber nicht. Dazu gehören alle Nachtschattengewächse, also Tomaten, Paprika etc. Bei anderen Pflanzen hingegen kann man sogar die Blüten mitessen, beispielsweise beim Holunder, aber eben nicht die Blätter! Am besten kauft man sich ein Bestimmungsbuch, in dem man immer nachschlagen kann und nimmt an Wildkräuter-Wanderungen oder botanischen Exkursen teil.

evidero   Vielen Dank für das Gespräch, Frau Nossem! Nächstes Mal geht es um das Thema “Hochleistungsmixer” – aber jetzt gibt es erstmal noch ein leckeres Smoothie Rezept!

Die Fragen stellte: Manuela Hartung

Rezept: Erfrischend-grüner Sommer-Smoothie

Zutaten:

  • eine Handvoll Spinat oder Feldsalat
  • frischer Giersch und/oder Sauerampfer (ansonsten andere Wildkräuter, die verfügbar sind)
  • eine Scheibe Bio-Zitrone mit Schale
  • ein großes Stück reife Bio-Wassermelone mit Kernen und etwas Schale
  • ein reifer Tellerpfirsich (ohne Kern) – alternativ 1-2 eingeweichte Datteln
  • ein paar Minze-Blättchen zur Dekoration
  • wenig kühles stilles Wasser

 

Smoothierezept mit Melone © Andrea Nossem Smoothierezept mit Melone © Andrea Nossem

Zubereitung:

Alles zusammen in einem Hochleistungsmixer fein pürieren.

In ein schönes, dekoratives Glas füllen und mit den Minzblättern garnieren.

Haben Sie viel Freude an dem kühlenden Genuss!

Ihre Andrea Nossem

Andrea Nossem
Expertin: Andrea Nossem
Andrea Nossem forscht mit ihrer Firma Energy Food & Art seit gut drei Jahren auf dem Gebiet von Energie & Ernährung. Die Wechselwirkungen von Energie und Nahrung beeinflussen uns unmittelbar. Der ganz individuelle Zugang zum Thema Genährt-Sein ist aus ihrer Sicht dabei der Schlüssel...
Tipp
Leckere Smoothies selbst machen