Wieder erhöhter Dosen-Konsum: Totgesagte leben länger: Das Comeback der Dose

Die Rückkehr der Getränkedose in die deutschen Supermärkte wurde von der Dosenhersteller-Lobby in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben.
von Annette Bonse
Getränkedosen sind umweltschädlich© iStockphoto / Waltraud Ingerl

Nachdem es eine Weile so aussah, als sei die Getränkedose endlich überholt, taucht sie wieder immer häufiger auf. Warum? Und was bedeutet das für die Zukunft? evidero-Bloggerin Annette Bonse hat sich diese Frage gestellt und versucht, Antworten zu finden.

Nachdem ich über mein kleines persönliches Mehrwegflaschenkauf-Dilemma geschrieben hatte, merkten einige User – vollkommen richtig – an, dass man mit der passenden Tasche und im richtigen Supermarkt relativ komplikationslos nachhaltig Mehrweg einkaufen kann. Mit ein bisschen Willen ist das möglich, das sehe ich ein.

Und trotzdem behandeln diese Ratschläge nur einen Aspekt: Die Bereitschaft jedes Einzelnen (in dem Fall also meine), seine eigene Faulheit und die eingefahrenen Verhaltensmuster zu überwinden. Zu einer Verhaltensänderung braucht es aber zunächst einmal überhaupt ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum.

Und da dieses Bewusstsein bei vielen Leuten (noch) nicht vorhanden ist, finde ich einen anderen Aspekt eigentlich viel interessanter und diskussionswürdiger: Warum ist der nachhaltige Konsum häufig mit (nicht unüberwindbaren, aber doch spürbaren) Hindernissen verbunden, während sich ökologisch problematischere Produkte dem Käufer oft regelrecht aufdrängen? Ein gutes Beispiel dafür ist eine altbekannte Getränkeverpackung, die sich seit einiger Zeit wieder gehäuft in den Supermarkt- und Tankstellenregalen stapelt:

Die Dosenlobby im Öko-Kostüm

Die Getränkedose erlebt momentan ein großes Revival. Hatte man vor ein paar Jahren noch das Gefühl, dass es sich bei der Dose um eine aussterbende Art handelt, so konnte der europäische Dosenherstellerverband 2011 eine Umsatzsteigerung von 20% in Deutschland vermelden: Rund 1,1 Milliarden Dosen wurden hierzulande verkauft.

Hauptgrund dafür ist, dass immer mehr Supermarktketten die Getränkedosen nach jahrelanger Verbannung wieder in ihr Sortiment aufgenommen haben. Warum dieser Schritt zurück in die Vergangenheit?! Sicherlich, viele Leute meinen, eine Cola aus der Dose schmecke um Welten besser als die Flaschencola und es mache einfach mehr Spaß, aus der Dose zu trinken (finde ich übrigens in bestimmten Momenten auch) – dennoch werden auch diese Menschen nicht behaupten können, dass ihre Lebensqualität gelitten hat, als es in den vergangenen Jahren seltener Dosen zu kaufen gab.

Die Rückkehr der Getränkedose in die deutschen Supermärkte wurde von der Dosenhersteller-Lobby in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben, indem sie versuchte, die Ökobilanz der Dose aufzuschönen. Dabei arbeitete sie mit den Ergebnissen einer Studie, die der Getränkedose – allerdings nur unter extrem realitätsfernen Bedingungen – eine ähnliche Umweltfreundlichkeit wie der Mehrwegflasche bescheinigte.

In ihrer Imagekampagne verwendeten die Dosenhersteller nur diese, aus dem Zusammenhang gerissenen, Extremszenarien. Erst als die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Jahr 2010 gerichtlich gegen diese „dreiste Form der Täuschung des Verbrauchers“ vorging, mussten die Dosenhersteller ihre verfälschende Imagekampagne beenden und eine Unterlassungserklärung unterzeichnen.

Förderung des Mehrwegsystems von politischer Seite?!

Die Konsumenten werden, wie im Fall der „Dose im Ökodress“, von Herstellerseite bewusst falsch informiert oder sind häufig überhaupt nicht informiert. Da stellt sich die Frage, wie Verbraucher unter diesen Umständen dazu bewegt werden können, trotz eines mangelnden Bewusstseins nachhaltiger einzukaufen.

Ein sehr Erfolg versprechender Ansatz könnte die von der „Allianz für Mehrweg“ gestellte Forderung sein, das Mehrwegsystem mit einer Lenkungsabgabe auf Einwegverpackungen zusätzlich abzusichern. Damit würden Einwegprodukte dauerhaft verteuert und wären somit unattraktiver für den Verbraucher. Mit den Einnahmen aus dieser Einwegsteuer (die Allianz für Mehrweg fordert 20 Cent pro Verpackung bzw. Flasche) könnten dann zum Beispiel Maßnahmen zur Förderung klimafreundlicher Mehrwegsysteme finanziert werden.

Eine Umsetzung dieser oder ähnlicher Ideen scheint derzeit allerdings nicht besonders wahrscheinlich:  Bereits die von der schwarz–gelben Bundesregierung im Koalitionsvertrag 2009 vereinbarte Einführung einer verbraucherfreundlichen Kennzeichnung von Ein- und Mehrwegflaschen wartet noch immer auf ihre Umsetzung.

Weitere Informationen:

Hier eine Studie zur Umweltbilanz der verschiedenen Systeme
Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...
  • Peterlustig

    Ich habe mich auch schon gewundert über die Dosenvermehrung bei Aldi, Lidl und Co! Sicher kann (und sollte!) die Politik den Verkauf von umweltschädlichen Verpackungen nicht verbieten – eine Steuer auf umweltschädliche Verpackungen wäre daher wohl eine gute Form der "Konsumlenkung". Denn – wie man in letzter Zeit ja häufig liest und hört – wir Deutschen sind eben Schnäppchenjäger und gehen – im Gegensatz zu den Italienern beispielsweise – beim Lebensmittelkauf leider immer in erster Linie nach dem Preis.

  • adrianoesch

    schade, dass nicht auf argumente eingegangen wird. aluminium schmilzt doch viel früher als glas, und kann nahezu ohne qualitätsverluste wiederverwendet werden. halte die dose auch nach der lektüre ihres artikels weiterhin für umweltfreundlich.

  • Bernhard

    Ich warte immer noch auf eine wirklich objektive Gesamt-Ökobilanz der verschiedenen Getränkeverpackungen (Glas-Mehrweg, PET-Mehrweg, PET-Einweg, Karton-Einweg, Dose-Einweg). Auch die "Mehrweg-Fraktion" hat eine einseitig argumentierende Lobby.
    Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie zunächst erscheinen: Bei Mehrweg fällt z.B. der Aufwand für den Rücktransport des Leergutes und die Reinigung der Flaschen an (weil es sich um Lebensmittel handelt, ist der Aufwand an Wasser, Energie und Reinigungs-Chemikalien hoch).
    Bei Einweg ist m.E. entscheidend, wie hoch der ökologische Gesamtaufwand für die Herstellung einer neuen Verpackung ist (bei Kartonverpackungen schätze ich ihn ziemlich gering) und wie hoch die tatsächliche Recycling-Quote ist. Da schneidet m.E. die Getränkedose gar nicht schlecht ab, weil sich die Dosen, die aus Aluminium oder Weißblech hergestellt sind, wirklich zu praktisch 100 % unbegrenzt recyceln lassen und bei dem Pfandpreis von 25 Cent pro Dose wohl auch zu einem hohen Prozentsatz zurückgegeben werden. Bei PET-Einwegflaschen dürfte die tatsächliche Recycling-Quote viel niedriger liegen.
    Die gewünschte Gesamt-Ökobilanz wäre eine Aufgabe für ein neutrales Institut wie z.B. die Stiftung Warentest (vielleicht hat die so etwas auch schon mal gemacht?) und sie müsste alle paar Jahre wiederholt werden, weil sich durch technische Fortschritte, Änderung der Rückgabe-Gewohnheiten usw. die Verhältnisse im Laufe der Zeit stark ändern können.