Schmerztherapie nach TCM: Was du gegen deine Arthroseschmerzen tun kannst

Arthrose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild. Es führt häufig zu langanhaltenden Schmerzen und kann zu einer chronischen Schmerzerkrankung führen.
Dr. Caroline Boettcher
von Dr. med. Cornelia Böttcher
Junge Frau mit Gelenkschmerzen sitzt auf dem BodenPhoto by Imani Clovis on Unsplash

Arthrose kann unterschiedliche Ursachen haben. Überbelastungen, altersbedingte Abnutzung oder eine Gelenkfehlstellung können Grund für die schmerzhafte Versteifung des Gelenks sein. Erfahre, welche Behandlungsmöglichkeiten die chinesische Volksmedizin gegen die Schmerzen anbietet.

Was ist der Unterschied von akuten und chronischen Schmerzen?

Beim akuten Schmerz steht die aktuelle Gewebeschädigung im Vordergrund (wie ein Knochenbruch oder eine Schnittwunde). Die Schmerzen bei solchen Verletzungen gehen in der Regel rasch zurück, nämlich in dem Maße, wie sich das Gewebe wieder erholt.

Von chronischem Schmerz spricht man, wenn die Schmerzen lange anhalten, auch, wenn das Gewebe schon verheilt ist. Der ständige Schmerz führt zur psychischen Belastung, die Menschen können oft ihren normalen Lebensalltag nicht mehr bewältigen. Sie ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und dies führt zu Niedergeschlagenheit und Frustration bis hin zu Depression.

Hier spricht man von einer Schmerzerkrankung. Der Schmerz hat den Menschen und sein Umfeld fest im Griff und beeinflusst das Leben.

Wie können akute und chronische Schmerzen behandelt werden?

Die Behandlung dieser zwei Arten von Schmerz ist komplett unterschiedlich. Beim akuten Schmerz hilft Schonung und Unterstützung der Gewebeheilung.

Beim chronischen Schmerz müssen alle Aspekte des Menschen behandelt werden, die durch den Schmerz in Mitleidenschaft gezogen sind (Körper, Geist, Seele). Hier sind viele Therapeuten beteiligt.

Der wichtigste Therapeut ist dabei aber der betroffene Mensch selbst! Aus meiner langjährigen Erfahrung als Schmerztherapeutin in einer interdisziplinären Schmerztagesklinik weiß ich, dass es am Ende immer die Menschen selbst sind, die für ihre eigene Heilung verantwortlich sind. Wir sind Begleitende auf diesem Weg.

Behandlungsmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Mit der traditionellen chinesischen Medizin kannst du selbst einiges für dich tun. In der TCM ist Schmerz immer eine Blockierung der Lebensenergie „Qi“. Hier einige Anregungen:

Mit Gua Sha Schmerzen lindern

Gua Sha ist eine Behandlungsmethode, die aus der chinesischen Volksmedizin kommt und heute auch im Westen immer beliebter wird. Dabei wird über die Haut geschabt, bis sich eine Rötung und kleine rote Punkte (Petechien) bilden.

Als Werkzeug wird traditionell ein chinesischer Suppenlöffel benutzt. Ich bevorzuge den Schraubdeckel eines Marmeladenglases mit abgerundetem Rand. Gelenkschmerzen kommen häufig aus der umgebenden Muskulatur und strahlen in das Gelenk aus. Die Behandlung der Muskulatur führt oft zu einer deutlichen Beschwerdelinderung.

Die Behandlung folgender Muskelpartien sind bei Gelenkschmerzen sinnvoll:

  • Knieschmerz – Oberschenkel-Muskulatur (vorne, seitlich, hinten)
  • Hüftschmerz – Oberschenkel und Gesäß
  • Ellbogenschmerz – Unterarmmuskulatur
  • Schulterschmerz – Nackenmuskulatur

Durchführung: Reibe zunächst die Haut mit etwas Öl ein und schabe dann über die Muskulatur (bitte nicht über Knochen oder verletzte Haut). Schabe solange, bis keine neuen roten Punkte mehr entstehen. Diese verschwinden meist nach einigen Stunden bis Tagen wieder. Du kannst diese Behandlung ein- bis zweimal pro Woche durchführen, bis die Muskulatur weicher geworden ist.

Qi Gong als Schmerzbehandlung

Qi Gong ist ein Bewegungssystem der TCM, bei dem durch sanfte Bewegungen die Lebenskraft Qi in unserem Körper wieder in den Fluss gebracht wird. Die Bewegungen werden langsam und mit innerer Sammlung praktiziert.

Übung: Den Berg mit beiden Händen schieben

Stelle dich in den Qi Gong Stand (Beine schulterbreit geöffnet, Füße parallel, die Knie nicht ganz durchgestreckt). Setze nun langsam den linken Fuß in Schrittstellung nach vorne auf. Gleichzeitig schiebst du mit beiden Händen (Handflächen zeigen nach vorne) einen imaginären Berg von dir weg. Dabei verlagerst du das Gewicht zu 70 % auf das linke Bein.

Vorne angekommen drehst du die Handflächen, so dass sie zu dir zeigen und ziehst nun eine imaginäre Last zu dir her, verlagerst das Gewicht wieder langsam auf das rechte Bein und ziehst das linke wieder in die Ausgangsstellung zurück. Arme und Schultern sollten immer locker und die Ellbogen nicht ganz durchgestreckt sein. Nun wiederholst du die Übung mit dem anderen Bein.

Diese Übung kräftigt und bewegt die großen Gelenke, die Rückenmuskulatur und trainiert das Gleichgewicht.

Lege nach der Übungseinheit deine Hände auf den unteren Teil des Rückens und reibe diesen Bereich etwas. Dann streiche mit deinen Händen über die Flanken nach vorn zum Unterbauch, lege die Hände übereinander und führe kreisende Bewegungen aus. Dabei fokussiere dich auf diesen Bereich, deine Körpermitte, um das Qi wieder zur Ruhe zu bringen.

Lokale Maßnahmen: Das tut der Lebensenergie Qi gut

Zusätzlich kannst du am Gelenk selbst behandeln. Beklopfe den Bereich um das Gelenk herum mit den Fingerspitzen. Dies aktiviert die Akupunkturleitbahnen und bewegt das Qi. Bei Kälteempfindlichkeit tun Wärmflasche oder Kirschkernkissen gut. Bei Rötung und Hitzegefühl hilft auch der gute alte Quarkwickel (kühlen Quark auf ein Küchentuch streichen und auf das Gelenk legen bis der Quark trocken ist). Auch leichte Massage und Ausstreichen des Gelenkes tun immer gut und bewegen das Qi.

Grundsätzlich gilt: Bewegung tut den Gelenken gut. Allerdings solltest du die Belastung gut dosieren und nicht gleich übertreiben, wenn der Schmerz besser ist.

Bei erstem Auftreten von Symptomen sollte man immer auch eine fachärztliche Diagnose einholen.

Ich wünsche dir von Herzen gutes Gelingen.

Dr. Caroline Boettcher
Dr. med. Cornelia Böttcher ist Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin mit den Schwerpunkten Akupunktur, Chirotherapie/Manuelle Medizin, spezielle Schmerztherapie und Coaching/Begleitung in Lebenskrisen. Sie arbeitet in Klinik und Praxis und bietet Workshops an...
Bücher
Mehr von Dr. Cornelia Böttcher