Rückenschmerzen selbst lindern: So hilft die Gua Sha Behandlung gegen Rückenleiden

Rückenleiden haben die unterschiedlichsten Ursprünge und lassen sich auf viele unterschiedliche Weisen behandeln. Unsere Expertin Grit Nusser stellt uns in dieser Reihe eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten nach der traditionellen chinesischen Medizin vor, die sowohl als Selbst-, als auch als Partnerbehandlung funktionieren. Den Anfang macht die Schmerzbehandlung mit Gua Sha.
Grit Nusser
von Grit Nusser
Junge Frau vor einer Mauer© Freestocks.org

Rückenschmerzen – ein Volksleiden? Etwa 80% der Deutschen haben mindestens einmal in ihrem Leben Rückenschmerzen. Nicht immer sind es die Bandscheiben.

Jeder dritte Deutsche fühlt sich gestresst und überfordert. Die Muskeln verspannen und verkrampfen, der Schmerz führt zu einer Fehlhaltung und dadurch wieder zu Muskelproblemen – ein Teufelskreis!

Rückenschmerzen – wie hilft die traditionelle chinesische Medizin (TCM)?

Aber auch Herzprobleme können Schmerzen an der Wirbelsäule verursachen, ebenso wie Magen-Darm- und auch Nieren-Erkrankungen und gynäkologische Probleme, wie Myome und Zysten. In der TCM findet man die Zusammenhänge bei den Shu-Punkten am Blasen-Meridian.

Shu- oder Zustimmungspunkte

Shu_oder_Zustimmungspunkte_TCM
Bl 13 = Shu-Punkt der Lunge
Bl 14 = Shu-Punkt des Kreislaufs, bei Hyper- und Hypotonie (4.BW)
Bl 15 = Shu-Punkt des Herzens (5.BW), hat eine ausgleichende Wirkung auf den
Herzmuskel, bei Angst
Bl 17 = Shu-Punkt des Zwerchfells + Meister des Blutes (Anämiepunkt) (7.BW),
Roemheld, Singultus (Hicks)
Bl 18 = Shu-Punkt der Leber (9.BW); Erkrankungen der Leber, der Galle, des Magens;
bei Augenerkrankungen; psychische Erregungen
Bl 19 = Shu-Punkt der Gallenblase (10.BW), bei Leber- und Gallenblasenerkrankungen,
seitliche Rippenschmerzen
Bl 20 = Shu-Punkt der Milz + Pankreas (11.BW), Wirkung auf das Lymphsystem,
Verdauungsstörungen, schwächlichen Konstitution
Bl 21 = Shu-Punkt des Magens (12.BW), Verdauungsstörungen, Völlegefühl,
Blähungen, Übelkeit
Bl 22 = Shu-Punkt zu 3 – Erwärmer (1.LW), Kreuzschmerzen, Verdauungsstörungen
Bl 23 = Shu-Punkt der Niere (2.LW), Kreuzschmerzen, Erkrankungen von Niere und Blase,
Regelschmerzen
Bl 25 = Shu-Punkt des Dickdarms (4.LW), Dickdarmerkrankungen, Obstipation,
Schmerzen im Kreuzbereich, Lumbago,
Lähmungen und Sensibilitätsstörungen in den Beinen
Bl 27 = Shu-Punkt des Dünndarms (seitlich vom 1. Foramen sacrale = Sakralloch),
Lumbago, Diarrhoe
Bl 28 = Shu-Punkt der Blase (seitlich vom 2. Foramen sacrale),
Blasenentzündung,Lumbago, Ischias

Was bewirkt die traditionelle chinesische Medizin (TCM)?

Unter dem Begriff der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden fünf verschiedene Behandlungsmethoden und Techniken zusammengefasst, die auf der Lehre des kosmischen Gleichgewichts zwischen Yin und Yang beruhen: die Akupunktur, die Massage (TuiNa, BaGuan), die Wärmebehandlung durch Moxibustion und die Ernährung. Als fünfte Möglichkeit kennen wir die Bewegungsübungen (Taijiquan, Quigong,…). Es ist die Wissenschaft von der energetischen Medizin.

Die Behandlung beginnt vor der Erkrankung

Die TCM will mehr als heilen. Sie versucht, die Gesundheit aufrecht zu erhalten in der Entwicklung der Welt, der Jahreszeiten, des Klimas, des Raumes und der Zeit. So steht im Nei ching: „Der wahre Arzt pflegt den Kranken vor der Krankheit“. Ärzte wurden im alten China auch nicht für die Heilung der Krankheit, sondern für die Gesunderhaltung des Menschen bezahlt.

Die Philosophie der traditionellen chinesischen Medizin

Grundlage der TCM ist die Vorstellung, dass Mikrokosmos und Makrokosmos eins sind und dass alles bestimmten logischen Regeln unterliegt: „wie im Großen, so im Kleinen“. So gelten diese Regeln nicht nur für den gesamten Kosmos, sondern auch für Mensch und Tier bis in die winzigen Zellen.

Dieses ganzheitliche Denken beeinflusst auch die Vorstellung über Krankheiten und ihre Ursachen. Bitte kläre bei chronischen Schmerzen die Ursachen mit einem Arzt ab.

Entdecke Grit Nussers fünfteilige Reihe zur Traditionellen Chinesischen Medizin.

Die Behandlung des Rückens mit Gua Sha

Diese Form der Massage stammt aus der TCM und beruht auf dem Prinzip, dass das Körperinnere mit dem Körperäußeren (Yin und Yang) verbunden ist. Krank machende Faktoren sollen so abgeleitet werden.

Dabei wird die angefeuchtete oder eingeölte Haut mit speziellen Schabern aus Jade, Kunststoff oder einem Kuhhorn gereizt. Du kannst aber auch einen chinesischen Suppenlöffel aus Porzellan oder den Deckel eines Marmeladenglases o.ä. verwenden.

Verwende zur Massage ein gutes Aromaöl, entsprechende Massageöle oder einfach ein gutes Lebensmittelöl.

Gua Sha als Selbst- und Partnerbehandlung

Man fährt mehrfach paravertebral (neben der Wirbelsäule) entlang des Blasenmeridians vom Kopf zum Steiß, entlang der Meridiane, der Head’schen Zonen oder in den betroffenen Bereichen (Muskeln, Schmerzzonen) über die Haut bis zur Erwärmung oder noch besser, bis die Haut kleine oder größere fleckenförmige Rötungen zeigt. Dann stoppt man die Manipulation. Es können Hämatome auftreten, die nach einigen Tagen verschwinden (erwünscht: Ausleitung von „Giftstoffen“ oder krankmachenden Faktoren!).

Die Durchblutung wird gefördert, der Stoffwechsel angeregt, die Verspannungen gelöst und über die geöffneten Hautporen wird durch das Schwitzen das Bindegewebe entgiftet.

Es wird bei fieberhaften Erkrankungen, bei Schmerzen und Verspannungen am Bewegungsapparat eingesetzt, erreicht aber über die entsprechenden Reflexzonen auch die inneren Organe.

Achtung: Da sich Hämatome bilden, solltest du Lehrer oder Erzieher darauf aufmerksam machen, um einem Besuch des Jugendamtes vorzubeugen!

Gua Sha – wogegen hilft die TCM-Behandlung?

Gua Sha hilft bei Rücken- und Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen, aber auch bei inneren Erkrankungen und zur Immunstimulierung.

Vorsicht bei Veränderungen des Blutbildes, bei Blutgerinnungsstörungen und blutverdünnenden Medikamenten, bei Hauterkrankungen und -veränderungen wie Leberflecken, Pickel, Sonnenbrand…., über akuten Verletzungen. Während der Menstruation und in der Schwangerschaft dürfen Bauch und unterer Rücken nicht behandelt werden!

Wie funktioniert die Gua Sha Behandlung?

Der zu Behandelnde liegt entweder auf dem Bauch oder sitzt im „Reitersitz“ auf einen Stuhl.

  1. Fahre leicht mit den Händen über den Rücken und suchen Myogelosen (=knotenförmige Muskelverhärtungen) und Verspannungen im Rücken und Veränderungen entlang der Wirbelsäule.
  2. Bei schlanken Patienten schabe ohne starken Druck entlang der Wirbelsäule oder den knöchernen Bereichen.
  3. Die Striche werden nicht in einem entlang des Rückens geführt, sondern in etwa 8 bis 10 Zentimeter langen Abschnitten.
  4. Bei schwachen Patienten werden mehrere kurze Striche gemacht.
  5. Vergiss nicht, als Abschluss die behandelten Stellen und den Rücken auszustreichen.

Beschwerden an der Halswirbelsäule (HWS)

Durch Blockierung eines einzelnen Wirbelgelenks (ausgerenkter Wirbel) kann es zu lokalen Schmerzen und Bewegungseinschränkung (Nackensteife) beim Drehen des Kopfes in eine Richtung kommen. Die Muskulatur ist verspannt und schmerzhaft. Je nach Art der Störung strahlen Schmerzen in den Arm- und Schulterbereich aus.

Gua Sha kann die Schmerzen lindern und die verspannte Muskulatur lockern.

Rückenleiden: Finde heraus, wo der Schmerz seinen Ursprung hat

Kreuzschmerzen können sowohl körperliche, als auch psychische Ursachen haben und in unterschiedlichen Bereichen und ein- oder beidseitig des Rückens auftreten. Klären Sie ab, ob Verletzungen, ein Bandscheibenvorfall oder Tumore Auslöser sind.

Fehlhaltung oder Fehlbelastung führen zu Verspannungen. Häufige Ursache ist die Arbeit oder der Arbeitsplatz. Kälte und Feuchtigkeit verschlimmern die Schmerzen.

Grit Nusser
Expertin: Grit Nusser
Grit Nusser ist Sozialpädagogin, Heilpraktikerin, Gründerin, langjährige Leiterin und Dozentin u.a. für Akupunktur an der Tierheilpraktiker-Schule FAT in Gelsenkirchen.

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