Regionale Sauerkirschen: Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchweh bekommen?

Wer kein Kirschkenner ist, wird sich wohl noch nie große Gedanken zu dem Unterschied der Süß- und Sauerkirschen gemacht haben. Was die Sauerkirsche so besonders macht? Das haben wir versucht zu beantworten.
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von evidero Redaktion
Sauerkirschen in einer Papiertüte© Pixabay

Gerade noch hast du die süße der Sommerkirschen genossen, schon wendet sich die Ernte den Sauerkirschen zu. Die Saison der frühen Sorten endet Anfang Juni, die späten Sorten bleiben bis Ende Juli.

Die Sauerkirschen und ihre Kreuzungen mit der Süßkirsche haben auch Gebiete mit niedrigeren Temperaturen erobert. Bis weit jenseits des 60sten Breitengrades und bis hinauf in Höhen von 1800 Meter finden wir Anbaugebiete der Sauerkirsche. Zu den Sauerkirschen gehören unter anderem die berühmten Weichselkirschen, die Schattenmorellen, die weniger bekannten Amarellen sowie die sogenannten Glaskirschen.

Wie anderes Kernobst gehören Sauerkirschen zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Eine Unterteilung erfolgt in echte Sauerkirschen (Schattenmorellen, Strauchweichsel), Amarellen (Kreuzung aus Süß- und Sauerkirsche wie Glaskirschen und Baumweichsel) und dunklere Morellen (Süßweichsel).

Eine Stadt als Namensgeber für die Kirsche

Die uns heute bekannte Form der kultivierten Kirsche war ursprünglich in den Gegenden rund um das Schwarze Meer angesiedelt. Der römische Feldherr Lukullus nahm 74 v. Chr. einige Pflanzen aus der Hafenstadt Kerasos, die heute Giresun heißt und in der Türkei liegt, nach Italien mit. Von dort aus verbreitete sich die Kirsche bis nach Nordeuropa.

Das Wort Kirsche geht auf Kerasos zurück, sozusagen die Frucht aus Kerasos. In vielen europäischen Sprachen findet sich bei den Ausdrücken für Kirsche ein Bezug zum Wort Kerasos. Heute wird die Kirsche in allen gemäßigten Klimazonen der Welt angebaut. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts unterscheidet man zwischen Süß- und Sauerkirschen.

Wer kennt den Spruch aus seiner Kindheit nicht? Wer Kirschen ist und Wasser trinkt, der bekommt Bauchschmerzen. Handelt es sich dabei um einen Mythos oder die Wahrheit? Woher der Mythos stammt ist nicht klar, sicher ist jedoch, dass man Kirschen und Wasser problemlos mischen kann. Zwar setzen Kirschen Gärprozesse frei, doch werden diese durch die Magensäure abgetötet.

Die Römer brachten die Steinfrucht über die Alpen an den Bodensee. Versierte Obstbauern züchteten neue Sorten, mehr als tausend kennt man heute. Sie tragen rote, gelbe oder fast schwarze Früchte, die kugel- oder herzförmig sind, mal weich, mal fest, mal groß, mal klein. Verschieden Sorten schmecken so unterschiedlich wie sie aussehen.

Deutschland ist eines der weltweit größten Anbauländer für das beliebte Steinobst; die Kirschbaumblüte in Gegenden rund um den Kaiserstuhl und in Rheinhessen zwischen Mainz und Ingelheim lockt jährlich viele Touristen an.

Regional und saisonal kochen ist gesünder – für dich und für die Umwelt. Die Kirsche ist ein guter Kandidat für die saisonale Küche im Sommer. Was gibt es sonst noch?

Sauerkirschen fördern die Leistungsfähigkeit von Sportlern

Kalorien stecken kaum in Sauerkirschen: 100 Gramm haben gerade einmal 22 kcal. Sauerkirschen enthalten Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Auch Spurenelemente und verschiedenste Vitamine sind förderlich für die Gesundheit und Bestandteil der Sauerkirsche.

Sauerkirschen beinhalten Betacarotin, B-Vitamine (B1, B2, B6), Vitamin C und auch Folate. Die Kirschen enthalten viel Vitamin C. Durch Studien mit Vergleichsgruppen ohne und mit Gaben von Sauerkirschsaft konnte eine Absenkung des Harnsäurespiegel nachgewiesen werden; Sauerkirschen können somit wirksam gegen Gicht eingesetzt werden. Folate sind besonders für Schwangere wichtig und unentbehrlich für die Zellteilung und die Blutbildung.

Bei Sauerkirschen sind die folgenden Mineralstoffe hervorzuheben: Eisen, Kalium, Calcium, Phosphor und Magnesium. Weil sie sehr kaliumreich sind, besitzen sie eine entwässernde Wirkung.

Auch enthält die gesunde Frucht das Spurenelement Zink, was für die Fruchtbarkeit des Mannes funktional wichtig ist. Sauerkirschen enthalten eine organische Bindung mit dem Element Cobalt als Zentralatom (Cyanocobalamin); diese biologisch inaktive Verbindung ist als Vitamin B12 bekannt und wird im Körper zu einem Coenzym umgebaut, welches für die Energiegewinnung in den Muskelkraftwerken, den Mitochondrien zuständig ist. Nach sportlichen Belastungen trägt dies zur schnelleren Regeneration bei.

Können Sauerkirschen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen?

Mit bioaktiven Inhaltsstoffen wirken Kirschen vorbeugend gegen Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs; in Kirschen sind verschiedene wertvolle Stoffe dieser Art enthalten. Im Vergleich zu Orangen-, Aprikosen- und Pfirsichsaft hat Sauerkirschsaft den höchsten Gehalt an Phenolen, die als die wertvollsten sekundären Pflanzenstoffe anzusehen sind.

Im Vergleich mit den süßen Sorten bringen es Sauerkirschen im Schnitt auf die doppelte Menge an Polyphenolen. Von diesen sind vor allem die Anthocyane in der Frucht hochkonzentriert und für die rotviolette Farbe der Sauerkirsche verantwortlich. Je dunkler die Kirsche, desto mehr Anthocyane beinhaltet sie. Die Anthocyane der Sauerkirschen haben eine starke antioxidative und entzündungshemmende Wirkung.

Im Körper fangen Polyphenole freie Radikale ein, die durch ultraviolette Strahlung, Umweltgifte, aber auch beim Verdauen und nach dem Sport entstehen sollen und in Überzahl die Zellmembranen oder das Erbmaterial angreifen können. Die Anthocyane können auch die Mikrobenflora im Darm positiv verändern. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die guten Bakterien sich ausbreiten, während ungünstige Spezies zurückgedrängt werden.

Sauerkirschsaft für besseren Schlaf

Ein wirksamer Gehalt des Antioxidants Melatonin in Sauerkirschen zeigte in neueren Studien an amerikanischen Universitäten eine positive Wirkung auf den Schlaf der Versuchspersonen. Die Produktion von Melatonin nimmt in unserem Körper mit zunehmendem Alter ab.

Forscher haben in Versuchsreihen mit älteren Menschen, die an Schlaflosigkeit litten, nachgewiesen, dass bereits kleine Mengen an Kirschen den Melatoningehalt im Blut steigern und dabei die Schlafdauer verlängerten. So können die Sauerkirschen die Schlaflosigkeit auf einem natürlichen Weg positiv beeinflussen.

Sauerkirschen: sauer macht lustig

Die Sauerkirsche trägt ihren Namen zu recht: Da sie erheblich mehr Fruchtsäure als süße Kirschen enthalten, schmecken sie je nach Sorte entsprechend säuerlich bis sehr sauer.

Meist werden sie frisch genossen, werden aber auch in Kompotten, im Nektar, in Mehlspeisen und im Sirup verarbeitet.

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Sauerkirschen lagern und verarbeiten

Sie gehören bis zum Verzehr an den Stiel, da sonst Saft austritt, welcher der Fäulnis Vorschub leistet. Kirschen sind leicht verderblich und nicht zum langen Lagern geeignet. Im Kühlschrank können sie maximal zwei bis drei Tage aufbewahrt werden. Am besten in einem geschlossenen Gefäß in den Kühlschrank geben.

Kirschen reifen nach der Ernte nicht nach und sollten daher möglichst reif gepflückt werden – erst kurz vor dem Verarbeiten oder Verzehr solltest du sie gut waschen. Beim Einkauf auf eine feste und glänzende Fruchthaut achten! Der Stiel soll noch vorhanden, grün und glatt sein. Kirschen eignen sich sehr gut zum Einfrieren (mit oder ohne Kern).

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