Zuckerarten im Vergleich: Welche Süße ist die Beste

Zucker wird zu viel konsumiert. Aber süß muss nicht ungesund sein. evidero zeigt, welche Produkte die Besten für eine gesunde Ernährung sind.
von Janine Otto
Zuckerarten im Vergleich © aboikis - Fotolia.com

Volksdroge Zucker – kein anderes Lebensmittel ist ungesünder, für den Körper überflüssiger und mit so vielen Fehlinformationen behaftet. Dennoch wird Zucker mehr denn je konsumiert. Aber süß muss nicht ungesund sein. Der evidero-Ernährungstipp zeigt, welcher süße Weg der Beste ist für eine nachhaltige und gesunde Ernährung.

Wieso grinst die Verkäuferin? „Vorsicht, das macht süchtig!” Dann tippt sie die Preise in die Kasse: fünf Euro für ein Cassis-Törtchen. Ein stolzer Preis, doch in dieser Kölner Edelpatisserie völlig normal – viele, die es probiert haben, sagen, es lohnt sich. Das tropfenförmige Kunstwerk besteht aus einer dunkelbraunen Schicht Schokoladen- und einer rosafarbenen Cassismousse, drapiert auf einem dunklen Mandelbiskuit, gekrönt von einem feuerroten Spiegel aus Johannisbeer-Gellee, einer frischen Himbeere, einer Blaubeere und einem Zartbitterschokoladenblatt.

Im Mund verbindet sich die dunkle Schwere von Schokolade und Nüssen mit der Frische der Sahne und der Schwarzen Johannisbeere. „Es zerfließt auf der Zunge”  seufzen die Törtchen-Tester daheim. Nach dem ersten Löffel hatte sich zunächst andächtige Stille im Raum verbreitet.

„Süß“ ist bei den meisten Menschen die beliebteste der fünf Geschmacksrichtungen – neben salzig, sauer, bitter und dem Brühe-würzigen umami. War Zucker vor zwei Jahrhunderten noch so viel wert wie Gold und nur für Könige und Reiche bestimmt, änderte sich dieses Bild mit der Züchtung der Zuckerrübe. In den letzten 150 Jahren stieg der Jahresverbrauch auf über 36 Kilo pro Kopf. Wissenschaftler und Ärzte schlagen daher seit Jahren Alarm, da gerade die süßen Lebensmittel als Ursache für viele Zivilisationskrankheiten diagnostiziert wurden.

Zuckerverbrauch in DeutschlandGrafik: Doris Mertens © evidero
Seit 1840 steigt kontinuierlich der Zuckerverbrauch in Deutschland.

Schlechter Geschmack durch Überzuckern

Die Köstlichkeit eines Törtchens kann nicht jeder erfahren, denn einigen fehlt ein gut entwickelter Geschmacksinn. Sie können die Süße nicht so wahrnehmen, da ihre Zungen durch überzuckerte Gerichte desensibilisiert wurden. Abhilfe verspricht nur eine Radikalkur: Wer eine Woche lang keinen Zucker mehr isst, dessen Zunge kann sich erholen.

Nach solch einem Verzicht senkt sich bei den meisten der Zuckerkonsum – jedoch nicht bei allen. Die Ursache hierfür liegt meist in der Kindheit: Untersuchungen mit drei- bis achtjährigen Kindern haben gezeigt, dass sie Zucker erst ab einer höheren Dosierung wahrnehmen als Erwachsene, da sie noch keine geschmacklichen Vergleichserfahrungen besitzen.

Ein normales Süßeempfinden ist für diese Menschen nur über viele Wochen, wenn nicht sogar Monate, erlernbar.

Damit Kinder ihren Geschmackssinn entwickeln können, sollten ihre Eltern ein Vorbild sein und konsequent darauf achten, dass süße Getränke wie Limo oder Säfte und auch Süßigkeiten nicht täglich auf den Speiseplan stehen. Stattdessen sollten gerade Kinder täglich Wasser und ungesüßte Früchtetees trinken und Obst essen anstelle von Süßigkeiten. Viele Eltern wollen ihren Kindern etwas Gutes tun und greifen immer häufiger zu Kinderlebensmitteln. Doch dass dies gar keine gute Idee ist, haben Studien längst bewiesen.

Zucker macht krank – Und Krankheiten sind nicht süß

Die Gesundheit leidet unter den täglichen Angriffen mit  Zuckerbomben. Zahnärzte müssen jährlich allein 85 Millionen Zahnlöcher füllen, da der häufige Zuckerkonsum Karies fördert. Die daraus resultierenden Kosten für Zahnbehandlungen lagen 2010 bei 84,2 Milliarden Euro – Geld, das woanders fehlt.

Grafik mit Angabe, wieviel Zucker in welchem Lebensalter gegessen werden darfGrafik: Doris Mertens © evidero
Wieviel Zucker ist gesund? Alter und Geschlecht bestimmen die Höchstmenge an Zucker.

Wissenschaftlich ist ebenfalls bewiesen, dass zuviel Zucker  das Risiko mehrt, an Adipositas, der Fettsucht, zu erkranken. Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Süßigkeiten oder Kuchen haben allesamt einen hohen “glykämischen Index”, also eine starke Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Nach ihrem Verzehr schüttet die Bauchspeicheldrüse verstärkt Insulin aus, was zu einem geringen Sättigungsgefühl führt. Eine Tafel Schokolade oder ein Törtchen sättigen deshalb nicht so lange wie ein Brötchen. Viele bekommen schnell wieder Hunger auf neues Süßes – Fettsucht ist meist eine Sucht nach Zuckrigem.

Doch starkes Übergewicht ist nur die erste Stufe. Diabetes, die Zuckerkrankheit, ist in der westlichen Welt längst wie eine Epidemie. Diabetes vom Typ I, der sogenannte Jugendzucker, wird zwar nicht durch die Ernährung ausgelöst, sondern ist genetisch bedingt – anders verhält es sich jedoch bei Diabetes II, dessen Ursache eindeutig Übergewicht ist. In Deutschland erkranken jährlich rund fünf Prozent mehr an dieser Krankheit. Für die meisten passiert dies aus heiterem Himmel, dabei hat sich die Stoffwechselstörung unbemerkt über Jahrzehnte entwickelt.

Zucker – Nein Danke?

Also Ade Baiser? Auf Nimmerwiedersehen Schokolade? Noch bis vor wenigen Jahren wurde allen Diabetikern abgeraten, Zucker zu sich zu nehmen; heute gehen die Expertenratschläge in die entgegengesetzte Richtung: Diabetikerlebensmittel sind seit 2008 sogar gesetzlich verboten. Mediziner raten Zuckerkranken, in “gesundem Maße” zu süßen.

Selbst Diabetiker können beruhigt zehn Prozent des Energiebedarfs mit Zucker decken, das entspricht rund 20 Stücken Zucker.Doch schon eine Schachtel Kekse bedeutet neun, ein Tafel Schokolade 19 und ein Törtchen etwa 12 Zuckerwürfel. Das heutige Problem sind jedoch meist nicht die offensichtlichen Süßigkeiten, sondern der versteckte Zucker.

Wer weiß schon, dass in einem Liter normalem Apfelsaft 40 Würfel Zucker enthalten sind– sogar noch etwas mehr als in einem Liter Cola. Gerade durch Getränke nehmen die meisten ihre Überdosis Zucker auf – und das macht krank.

Sind Süßstoffe daher die Lösung – oder sind sie nicht krebserregend? Was ist mit dem Wunderkraut Stevia? Gibt es eine gesunde Alternative zum Rübenzucker? Die Lebensmittelindustrie bietet ein breites Angebot; moderne Pulver wie Cyclamat, Sorbit oder Xylit oder zähflüssige Klassiker wie Apfeldicksaft, Ahornsirup oder Agavendicksaft. Sie alle schmecken süß und versprechen irgendwie gesund zu sein – in der Werbung. Doch kann man sich darauf verlassen? Wer blickt da noch durch, ohne vorher Chemie studiert zu haben? Welche Süße ist nun die Beste – für mich, für die Umwelt und natürlich für mein Törtchen?

Süßen ohne Reue – Die evidero Zucker-Empfehlung

Der evidero-Check berücksichtigt nicht nur die Gesundheit, sondern auch den Preis, die Umweltbelastung und die Arbeitsbedingungen der Hersteller. Das Ergebnis überrascht!

1.   Obst                  – empfehlenswert

2.   Stevia                – empfehlenswert

3.   Honig                – empfehlenswert

4.   Fruchtdicksäfte – weniger empfehlenswert

5.   Agavendicksaft – weniger empfehlenswert

6.   Süßstoffe          – nicht empfehlenswert

7.   Zucker               – nicht empfehlenswert

8.   Zuckeralkohole – nicht empfehlenswert

9.   Isolierte Zucker – nicht empfehlenswert

10. Rohrzucker       – nicht empfehlenswert

 

1. Empfehlenswerte Zuckeralternative: Frisches Obst und ungeschwefeltes, eingeweichtes Trockenobst

Früchte im LadenFoto: Peter Lemper © evidero
Früchte im Laden

Egal ob im Joghurt oder Quark, altmodisch als Kompott, angesagt als Lassie oder Smoothie – oder eben einfach pur: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen. Kein anderes Süßungsmittel besitzt mehr Mineralien und Vitamine und hat dabei so wenig Kalorien wie Obst. Der große Vorteil: Obstesser haben kaum Heißhunger auf Süßigkeiten.

Fazit

Regionales und saisonales Bio-Obst ist der Königsweg in Sachen einer süßen, gesunden und nachhaltigen Ernährung. Davon kann jeder so viel essen, wie er will bzw. kann.

 

 

2. Empfehlenswerte Zuckeralternative: Stevia – die süßeste Pflanze der Welt

 

SuesskrautFoto: D.Harms © picture alliance/WILDLIFE
Stevia

Andere Bezeichnung: Süßkraut, Honigkraut

Form: getrocknete Blätter, Pulver, Tabs

Geschmack: extreme Süße, tendenziell bitterer Nachgeschmack

Herkunft: Deutschland

 

Nach über zehn Jahren Diskussion über mögliche Gesundheitsschäden ist Stevia seit dem 2. Dezember 2011 in Europa als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und darf nun auch in Deutschland angebaut werden.

Der aus Südamerika stammende Strauch ist die süßeste Pflanze der Welt – ohne dabei Zucker zu enthalten. Der Preis liegt mit etwa sieben Euro für 100 Gramm getrocknete Steviablätter recht hoch – doch die Süßkraft ist enorm. Außerdem darf auf einen Preisverfall nach dem ersten Anbaujahr gehofft werden.

Da Stevia so extrem süß ist, wirkt der Geschmack wie bei allen reinen Süßstoffen schnell metallisch, bitter und künstlich. Um einen unangenehmen Beigeschmack zu vermeiden, sollte sie daher mit einer anderen Süßquelle kombiniert werden, wie etwa Zucker oder Obst.

Fazit

Stevia ist der einzige natürliche Süßstoff und hervorragend als Zuckerersatz oder -reduktion geeignet. Am besten benutzt man die getrockneten Blätter, da die reinweiße Form als Pulver oder Dragee chemisch behandelt ist und gegenüber den klassischen Süßstoffen keinen Vorteil bietet.

3. Empfehlenswerte Zuckeralternative: Honig

 

Nährstoffdichte in LebensmittelnGrafik: Doris Mertens © evidero
Im Vergleich mit anderen Lebensmitteln wird schnell klar, dass Honig nicht unbedingt “gesund” ist.

Landläufig und vor allem in Vollwertküche gilt Honig als ein „gesundes“ Lebensmittel – manche Wissenschaftler behaupten hingegen, Honig sei nur eine gesättigte Zuckerlösung. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen: Vergleicht man das Bienenprodukt mit Reinzucker, besitzt es in der Tat mehr Mineralstoffe und Vitamine. Im Vergleich zu Obst sind diese jedoch verschwindend gering: Um annähernd die Vitamin- und Mineralstoff-Menge eines einzigen Apfels aufzunehmen, müsste man drei bis vier Gläser Honig essen.

Honig ist nicht gleich Honig, da die Arten auch von Imker zu Imker Unterschiede aufweisen. So besitzt kalt geschleuderter Honig eine höhere Qualität als wärmebehandelter. Gerade in Süßigkeiten oder Gebäck, bei denen nur die Zutat „Honig“ erwähnt ist, wird meist nur die qualitativ schlechtere Variante genommen – dann könnte man auch direkt Zucker verwenden.

Die schonende Behandlung des Honigs ist auch nicht unbedingt eine Garantie für ein „gesundes“ Lebensmittel. Kaltgeschleuderter Honig kann für Säuglinge und Kleinkinder zu einer lebensbedrohlichen Krankheit führen – Säuglingsbotulismus. Laut Robert-Koch-Institut ist Honig deshalb erst für Kinder ab frühestens einem Jahr geeignet.

Ein großes Risiko birgt ebenfalls ein besonders edler Honig: „Gelée royale“. Das Futter der Bienenkönigin wird mit mehr als 150 Euro pro Kilo gehandelt und verspricht Gesundheit. Oft jedoch ist das Gegenteil der Fall. Im Gegensatz zu normalem Honig besitzt Gelee Royal einen sehr hohen Anteil an Aminosäuren und Proteinen – die schnell zu allergischen Reaktionen führen können. Die Folgen: Schwellungen, Asthmaanfälle bzw. Verschlimmerung von bestehendem Asthma, Erbrechen, Durchfall, Blutdruckabfall bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Fazit

Honig ist für Säuglinge und Allergiker nicht geeignet. Nicht wärmebehandelter Honig kann in Maßen als Genuss- und Süßungsmittel konsumiert werden – in den gleichen Mengen wie Zucker. Gesünder ist er deswegen nicht.

4. Weniger empfehlenswert als Ersatz für Zucker: Fruchtdicksäfte und Fruchtkraut

 

Topf mit AhornsirupFoto: Henry, P. © picture alliance / Arco Images GmbH
Dicksäfte werden wie Ahornsirup eingekocht

Form: Apfel, -Birnen oder Traubendicksaft bzw. -Kraut

Geschmack: fruchtige Süße

Herkunft: Deutschland

Bei der Herstellung wird Fruchtsaft auf die gewünschte Konsistenz eingekocht. Hierdurch besitzen Dicksäfte und Kraut weitgehend die Zucker-Inhaltsstoffe der Grundfrucht. Apfel-, Birnen- und Traubendicksäfte bestehen daher aus Fructose und haben daher weniger Kalorien als normaler Zucker. Fructose wirkt abführend, schädigt die Leber, kann Gicht verursachen und wirkt sich negativ auf den Fettstoffwechsel aus.

Fazit

Fruchtdicksäfte und Fruchtkraut sollten genau wie Zucker nur sparsam verwendet werden. Gesünder als Zucker sind sie unter keinen Umständen.

 

5. Weniger empfehlenswert als Ersatz für Zucker: Agavendicksaft

 

Agave plantation. Tequila. Jalisco. Mexico.Foto: Prismaarchivo © picture alliance / prismaarchivo
Feld mit blauen Agaven in Jalisco, Mexico

Andere Bezeichnung: Agavensirup

Form: flüssig

Geschmack: neutrale Süße

Herkunft: Mexiko

Schon die Ureinwohner Mexikos kannten den hohen Zuckergehalt von Agaven; sie brauten daraus bereits 300 Jahre vor Christus einen Vorläufer des heutigen Tequila. Nicht nur der mexikanische Nationalschnaps, auch der Sirup der Agave erfährt seit Jahren einen weltweiten Boom – als Agavendicksaft. Wie schon in den Mythen der Azteken wird ihm auch heute Gutes nachgesagt: Er soll weniger Kalorien haben und sogar gesünder sein.

Der Dicksaft aus der blauen Agave besitzt tatsächliche einen hohen Fructoseanteil – mit den Problemen, die dazu gehören. Durch die gestiegene weltweite Nachfrage wird diese Süße jedoch rar. Wie das Magazin Schrot und Korn berichtet, ist daher der Naturkosthersteller Allos auf die günstigere Variante, die „Wilde Agave“ umgestiegen. Geschmacklich sind die Dicksäfte nicht zu unterscheiden.

Fazit

Oft gefälscht und überbewertet. Mit großem Energieaufwand wird Agavendicksaft aus Mexiko nach Europa geschifft und ist deshalb ökologisch bestenfalls sinnlos – zumal er keine gesundheitlichen Vorteile besitzt. Tipp: Ein selbst hergestellter Sirup aus braunem Rübenzucker schmeckt fast identisch, ist billiger und schont die Umwelt.

 

6. Nicht empfehlenswert als Zuckerersatz: Süßstoffe

 

Aspartam auf einem LöffelFoto: Caste © picture alliance/Photocuisine.d
Aspartam auf einem Löffel

Arten: Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Thaumatin, Neohesperidin

Form: Tabs, Pulver oder flüssig

Süßstoffe sind synthetische Lebensmittel, deren Ursprung rein chemischer Natur ist. Bei ihrer Herstellung fallen Nebenprodukte an, die die Umwelt belasten.

Bis auf Thauatin, das als toxikologisch unbedenklich gilt, hat die WHO für alle Süßstoffe Grenzwerte (ADI-Werte) festgelegt. Wenn diese nicht überschritten werden, sollte ein lebenslanger, täglicher Konsum unbedenklich sein. Trotzdem stehen Süßstoffe immer wieder in der Diskussion. So soll Aspartam an Krämpfen, Sehstörungen und Kopfschmerzen schuld sein. Bei Säuglingen sollte man Süßstoffe vermeiden, da sie aufgrund ihres geringen Körpergewichts ein höheres Risiko besitzen, einen lebenslangen Schaden zu erleiden.

Fazit

Zum akuten Kaloriensparen, z.B. während einer Diät, sind Süßstoffe geeignet. Eine gesunde Ernährung sieht allerdings anders aus. Zudem schädigt die Produktion der Süße aus dem Labor die Umwelt.

 

7. Nicht empfehlenswert: Zucker

ZuckerFoto: Nick Ansell © picture alliance / empics
Zucker

Andere Bezeichnung: Haushaltszucker, Rübenzucker, Rohrzucker oder brauner Zucker, Puderzucker, Kandis

Form: kristallin bis pulvrig

Geschmack: neutrale Süße

Herkunft: Deutschland

Die unterschiedlichen Formen und Farben täuschen schnell darüber hinweg, dass Zucker immer Zucker ist. Dabei entsteht weißer Zucker im Vergleich zum braunen nicht etwa durch eine chemische Behandlung, sondern durch eine höhere Drehzahl der Zentrifuge mit dem Zuckerrübendicksaft. Die Grundsubstanz und auch die Inhaltstoffe sind fast identisch. Kandis entsteht ebenfalls aus derselben Grundmasse, die lediglich getrocknet wird – der gelbe Kandis wird dabei mit der als krebserregend eingestuften Zuckercouleur eingefärbt, damit er natürlicher aussieht.

Den meisten Zucker nehmen die Deutschen nicht durchs Essen, sondern in Getränken zu sich. Cola, Limonade, Energie-Getränke und Säfte sind die meistkonsumierten Zuckerwaren in Deutschland 2010. Dabei ist der Zuckerverbrauch in den letzten fünf Jahren besorgniserregend gestiegen – um fast ein Drittel . Auf Platz zwei der beliebtesten Zuckerquellen liegt die Schokolade, dicht gefolgt von Süßigkeiten und Brotaufstrichen.

Auch die Umweltbilanz ist nicht überzeugend: Um ein Kilo Zucker mit einem Nährstoffgehalt von 4.000 Kalorien herzustellen, werden sieben Kilo Zuckerrüben und 2.500 Kalorien Energie benötigt. Zucker gibt dem Körper also nur etwas mehr an Energie als für seine Herstellung benötigt wird. Die dabei produzierten Emissionen liegen bei 1.580 Gramm CO2-Äquivalent – das entspricht ungefähr einer Fahrt von acht Kilometern in einem Mittelklassewagen. Obwohl sie ernährungsphysiologisch betrachtet unwichtig ist, verbraucht die Zucker- und Süßwarenindustrie weitaus die meiste Energie unter allen Nahrungsmittelbetrieben.

Fazit

Zucker gehört zu unserem Leben dazu – als Genuss- und Süßmittel. Mehr als 50 Gramm pro Tag, das entspricht 16 Würfeln, sollten es aber nicht sein, da er schädlich ist für die Umwelt, die Figur und die Gesundheit. Der einfachste Weg, viel Zucker und somit auch Kalorien zu vermeiden ist der Wechsel von zuckerhaltigen Getränken auf zuckerfreie wie Wasser oder ungesüßte Früchtetees.

8. Nicht empfehlenswert als Zuckerersatz: Zuckeralkohole

 

SorbitFoto: Aribert Jung © Picture-Alliance/Klett GmbH
Sorbitkristalle

Arten: Sorbit, Xylit, Mannit, Laktit, Maltit, Isomalt

Form: Als Zuckeraustausch-Stoff in Produkten

Zuckeralkohole werden großtechnisch durch Hydrierung von Zucker mit hohem Energieaufwand hergestellt. Sie wurden bis Anfang 2010 als Zuckerausstauschstoffe für Diabetiker eingesetzt, da der Körper kein Insulin benötigt um sie verbrennen. Zuckeralkohole finden sich in Abnehm-Produkten oder „zahnschonenden” Lebensmitteln.

Der Blick auf die Zutatenliste von angeblich zuckerreduzierten Lebensmitteln zeigt oft, dass ersatzweise Zuckeralkohole verwendet werden: Sorbit, Xylit, Mannit, Laktit, Maltit, Isomalt. Die süßschmeckenden Lebensmittel wirken zwar für den Laien zuckerreduziert, haben aber kaum weniger Kalorien. Zuckeralkohole wirken im Übrigen in höheren Dosen stark abführend.

Fazit

Im menschlichen Stoffwechsel wirken die Zuckeralkohole genau wie die isolierten Zuckersorten und sollten aus den gleichen Gründen nicht konsumiert werden.

 

9. Nicht empfehlenswert als Zuckerersatz: Isolierte Zucker

 

Fructose Molekühl 3DFoto: Alexander Limbach / CHROMORANGE © picture-alliance
Molekühl 3D

Arten (deutscher Name): Glukose (Traubenzucker oder Dextrose), Fruktose (Fruchtzucker), Maltose (Malzzucker), Laktose (Milchzucker)

Form: pulvrig

Isolierte Zucker werden chemisch aus Grundzucker herausgelöst. Seit den 1970er Jahren galt Fructose als ein guter Zuckeraustauschstoff für Diabetiker. Über fast 40 Jahre wurde so unbeabsichtigt ein großer Feldversuch gestartet – mit negativem Ergebnis. Denn über viele Jahre hinweg konsumiert kann Fructose die Leber schädigen und Gicht verursachen, sodass heutzutage allen Zuckerkranken vom Konsumabgeraten wird und Diabetikerlebensmittel verboten sind.

Außerdem haben 10-20 Prozent aller Deutschen unbemerkt eine Fructose- oder Laktoseintoleranz. Ihr Darm ist nicht in der Lage, größere Mengen dieser Zucker aufzunehmen, sodass es zu starken Bauchschmerzen und Durchfall kommt. Auch der vielbeworbene Traubenzucker wird überschätzt – es sei denn, sie laufen gerade Marathon.

Fazit

In vielen älteren Büchern über Ernährung wird Fruchtzucker als ein gesundes Lebensmittel beschrieben. Dies ist falsch. Der mögliche Schaden übersteigt weit einen möglichen Nutzen. Daher sollten diese Zuckersorten aus gesundheitlichen Gründen nicht konsumiert werden.

 

10. Nicht empfehlenswert: Rohrzucker

 

Costa Rica - ZuckerrohrernteFoto: Rolf Haid © dpa – Report
Costa Rica – Zuckerrohrernte

Form: weiße oder braune Kristalle

Geschmack: neutrale Süße

Herkunft: Brasilien, Kuba, Karibik

So weit das Auge reicht: Zuckerrohr. Gerade in Brasilien werden noch immer Regenwälder für Zuckerrohrplantagen zerstört. Zur Gewinnung von Biosprit und eben für Zucker. In der braunen Version unterscheidet sich Rohrzucker noch minimal vom braunen Rübenzucker, als weiße Kristalle lassen sich Rohr und Rübe chemisch nicht mehr unterscheiden – nur dass die Tropensüße mit enorm viel Energie erst aus den fernen Ländern importiert werden muss.

Hinzu kommt: Die meisten Zuckerrohrbauern leben an der Armutsgrenze. Durch den Anbau von Zuckerrohr gehen vor allem in Ländern der dritten Welt landwirtschaftliche Nutzflächen verloren, die eher für den Anbau von Lebensmitteln für die eigene Bevölkerung genutzt werden könnten.

Fazit

Rohrzucker ist meist überteuerter Haushaltszucker aus fernen Ländern mit einem unsozialen Hintergrund. Gerade aus ökologischen Aspekten ist Rohrzucker nicht akzeptabel – meist selbst wenn „Bio“ draufsteht.

Fazit des evidero Zucker-Checks

Zucker zu ersetzen ist nicht so einfach, wie man zuerst glaubt. Es gibt viele verschiedene Kriterien zu beachten: Wie künstlich ist der Ersatzstoff, wieviele Kalorien hat er, wie wirkt er sich auf die Umwelt aus? Dennoch kann man zusammenfassend sagen, dass natürliche Süße für den menschlichen Körper auf jeden Fall gesünder ist – selbst, wenn er genauso viele Kalorien wie Industriezucker aufweist.

Anschließend kann man die natürliche Süße nacht ihren ökologischen Kriterien bewerten. So sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Obst, Honig und Stevia die empfehlenswertesten Zuckeralternativen sind. Bereits bei Agavendicksaft, Fruchtdicksäften oder auch Ahornsirup sollte man die Folgen für die Umwelt bedenken.

Möglichst gänzlich verzichten sollte man hingegen auf alle künstlichen Produkte wie raffinierten Zucker, Süßstoffe oder Zuckeralkohole. Diese belasten den Körper nur, da sie in der Natur in dieser Form nicht vorkommen und er sie nicht richtig verarbeiten kann.

Letztlich ist es natürlich am besten, zu versuchen, sich vom süßen Geschmack zu entwöhnen und dem Körper wieder mehr gesunde Inhaltsstoffe zu bieten, die das Verlangen nach Zucker und Süßigkeiten senken. Hier findet ihr Tipps, wie ihr euer Zuckerverlangen besiegen könnt.

Autorin: Janine Otto
Studium: Biologie, Mathematik und Physik. Nach 5 Jahren als Lehrerin und Ausbilderin am Berufskolleg begann sie ihr Volontariat als Technische Redakteurin. Seit 2007 ist Janine Otto Redakteurin und freie Autorin - hauptsächlich für Technik und Naturwissenschaft. Ihre größte Leidenschaft ist das Kochen.
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