Singen macht glücklich und gesund: Sing doch einfach! – 8 Gründe, warum wir unbedingt die Stimme erheben sollten

Ob Karaoke, im Chor oder unter der Dusche - wo spielt überhaupt keine Rolle. Hauptsache wir singen! Denn die Schwingung des Gesangs macht uns glücklich und klug und hält uns gesund.
Annette Coumont
von Annette Coumont
Eine junge Frau hört Musik, singt und ist glücklich© Africa Studio - Fotolia.com

“Wo man singt, da lass Dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder …” Die moderne Variante des Gedichts von Johann Gottfried Seume trägt den wahren Kern über das Singen in sich: Es bietet Heimat, denn es führt uns zu uns selbst, es macht Freude und vertreibt Gram und Bosheit. Das Singen muss gefühlt werden, es gehört zu den Grundbedürfnissen von uns Menschen. Nun wird durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mittlerweile amtlich, was bereits Generationen unserer Vorfahren gewusst haben: Singen macht glücklich und gesund!

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Johann Gottfried Seume, “Die Gesänge” (1904)

1. Singen bringt unsere schönsten Gefühle zum Vorschein, wie ein Zauberspiegel die Seele

Wer kennt das nicht: Das Gefühl, wenn wir ein Lieblingslied einfach mal laut mitsingen, wenn wir unter der Dusche oder im Auto endlich mal richtig laut den Opern- oder Popstar in uns zum Tönen bringen, oder wenn wir Weihnachten in der Kirche besinnlich gemeinsam mit anderen Weihnachtslieder singen.

Ein Gefühl von Erfüllung und Befreiung, von Leichtigkeit und Energie, von Glück und Besinnlichkeit stellt sich ein. Oder wenn wir gemeinsam mit anderen singen – Chorsänger kennen das Gefühl: Wir erleben Verbundenheit und Einheit, ein Aufgehen in der Musik, ein universelles Gefühl von Friede, Freude oder Frohsinn. Singen erweckt die schönen Gefühle in unserer Seele zum Leben und lässt sie wie ein Zauber nachhaltig in uns weiterstrahlen.

2. Singen macht uns glücklich und hilft gegen Stress, Depressionen und Angst

Was wir fühlen, ist auch wissenschaftlich belegt: Wenn wir singen, wird die Produktion unserer Glückshormone wie Serotonin und Beta-Endorphin angekurbelt. Die Hormone helfen uns gegen Depressionen und Angst und erzeugen Glücksgefühle. Gleichzeitig bilden sich laut Dr. Karl Adamek, Musikpsychologe und -Wissenschafter, Hormone wie Testosteron, Adrenalin und Kortisol zurück, die uns eher stressanfällig oder gar aggressiv machen.

Wer es also noch nicht aus eigener Erfahrung kennt, dem sei geraten: Singen befreit und macht uns gesünder, lebensfroher, zuversichtlicher und tatkräftiger.

3. Singen ruft in uns Kindheitserinnerungen wach und weckt gute Gefühle

Zumindest in Deutschland singen Kinder vor allem im Kindergarten und in der Schule. Zwar hegen auch noch manche Familien den Brauch Lieder gemeinsam zu singen: zu Festen, zum Einschlafen oder einfach zum eigenen Vergnügen. Doch bereits auf der weiterführenden Schule muss das in unserer Alltagskultur eher wenig beachtete Singen dem strengen Zeitplan des Schulstoffs weichen.

Wenn es keine familiäre Anbindung zum Singen gibt, oder das Kind seine musische Seite nicht aus eigenem Antrieb pflegt, wird Gesang ganz schnell zur Sache von Stars und Sternchen. Deshalb werden wir als Nichtsänger bei konkreten Anlässen wie Weihnachten, Geburtstagen oder Gottesdiensten beim Singen immer mal wieder an die schönen Gefühle unsere Kindheit erinnert. Denn das Singen konserviert unsere guten Gefühle und kann diese auch jederzeit wieder auslösen – wenn wir wirklich singen.

4. Singen fördert die Entwicklung von Kindern und hilft, ohne Anspannungen besser zu lernen

Als Kinder lernen wir durch Singen unsere eigenen Gefühle besser kennen und sie sprachlich und tonal auszudrücken. Singen macht Kinder zufrieden und ausgeglichen, da es ein spielerischer Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist. Außerdem lernen Kinder durch Singen besser und in Verbindung mit dem Gesang sogar besonders gut. Es wirkt auch ausgleichend bei Stress und Anspannung und wird deshalb in Kindergärten und Schulen oft zur Einstimmung oder in Pausen zur Auflockerung eingesetzt.

Kinder die singen, schneiden in wissenschaftlichen Untersuchungen sogar besser bei der Schuleingangsuntersuchung ab. Das Singen trägt also deutlich zur gesunden kindlichen Entwicklung bei.

5. Singen ist eine Entspannungsmethode, die Stress verringert und Regeneration fördert

Was in der pädagogischen Forschung für Kinder gilt, gilt für Erwachsene ebenso: Auch wir können während oder zwischen bestimmten Anforderungen, zum Beispiel in Arbeitspausen, auf Autofahrten oder einfach zwischendurch, durch Singen unseren Stresspegel senken, uns entspannen und danach wieder mit mehr Energie handeln. Schon ein paar Strophen unter der Dusche, in der Pause, bei der Arbeit, beim Autofahren oder gemeinsam mit Kindern geträllert, helfen uns ad hoc zu entspannen.

6. Singen ist Selbstwirksamkeit und Ausdruck unserer Persönlichkeit

Wer es selbst schon erlebt hat, der wird sich darin wiedererkennen: Wer singt, der erlebt sich als selbstwirksam, denn wenn wir richtig singen, erlebt unser Selbstvertrauen in die eigene Stimme und ihr Ausdrucksvermögen. Wir selbst sind es, die den Gesang erzeugen und wir hören ihn in uns und um uns, wir spüren seine Schwingungen und seine mächtigen Gefühle. Durch unseren Gesang können wir diese selbst steuern und jederzeit erzeugen.

Wenn wir vor anderen singen, geben wir unsere Stimme preis und öffnen uns für die Rezeption durch andere. Sie wird nun von uns und den anderen gehört und verleiht uns damit eine ganz eigene Stimm-Persönlichkeit, die sich durchaus von unserer bisherigen Selbst- und Fremdwahrnehmung unterscheiden kann.

7. Singen ist heilsam und hilft bei der Bewältigung von extremen Gefühlen und Traumata

Wissenschaftlich nachweisbar ist auch, dass Menschen, die schwere körperliche Arbeit leisten müssen, diese leichter bewerkstelligen, wenn sie dabei singen. Ein leider trauriges Beispiel dafür ist der Gesang der Sklaven, die einst schwere körperliche Arbeit auf Baumwollfeldern ihrer Gutsherren verrichten mussten. Ihre typisch schleppender Gesang half ihnen, ihr Elend besser zu ertragen.

Aber nicht nur körperlich vermag das Singen heilsam zu sein, sondern auch bei extremen Gefühlen wie Trauer kann es uns helfen. Das zeigen zum Beispiel die Klagelieder, wie sie auf dem Balkan oder in Südeuropa auch heute noch gesungen werden, wenn Tote betrauert werden. Der Gesang spiegelt unsere jeweilige Gemütslage und hilft uns so auch bei der Verarbeitung schwieriger Gefühle wie Trauer, Angst, Wut und Aggression.

8. Singen hilft, Hemmungen durch Scham oder Versagensängste abzubauen

Gesang ist eine emotionale Ausdrucksform des Körpers und der Seele, die Stimme ihr Instrument. In einer Gesellschaft unter Leistungs- und Bewertungsdruck, in der nur eindeutig quantifizierbare Ergebnisse zählen, hat Gesang meist nur auf professioneller Ebene, also auf der Bühne, eine Chance. Nur wer sich frühzeitig als sängerisches Talent qualifiziert und dessen Stimme eindeutig Zustimmung einer anerkannten Jury gefunden hat, kann sich vor ein Publikum wagen.

Laiengesang und gemeinsames Musizieren, welches um der Gemeinschaft, der Stimmung oder einfach der Musik wegen praktiziert wird, ist dagegen allgemein gering anerkannt. Singen gilt bei vielen Männern sogar als “weichlich”, während Frauen schon eher den Weg zu einem privaten Chor oder Gesangs-Ensemble finden. Scham und Versagensängste dominieren bei vielen Menschen das Gefühl, ihre Stimme nicht zu zeigen, da sie Angst haben, mit ihrer Stimme den allgemein hochgesteckten Ansprüchen unserer Leistungsgesellschaft nicht genügen könnten.

Zugang zum Singen finden durch Gesangsunterricht oder Mitgliedschaft in einem Chor

Doch es gibt Hoffnung! Denn immer mehr Menschen finden Zugang zum Singen und engagieren sich bereits in privaten Chören. Wer tief in sich den Wunsch zu singen spürt, sich aber nicht traut, der kann Zugang dazu über einen Chor finden. In einem Chor tritt die eigene Stimme nicht unmittelbar zum Vorschein und das Singen mit Gleichgesinnten ist ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Chöre gibt es zu vielen Gesangsrichtungen, ob Jazz, Gospel, Pop oder Klassik. Wer sich für einen Chor interessiert, der nimmt zunächst meist einige kostenfreie Probestunden, bevor er sich entscheidet dort zu bleiben oder doch noch andere Chöre auszuprobieren.

Wer sich gar nicht sicher ist, ob er überhaupt sängerische Qualitäten hat, der kann probeweise 2-3 Stunden privaten Gesangsunterricht nehmen und seine Stimme durch einen Gesangslehrer austesten lassen. Dabei bekommt man recht schnell Gewissheit, dass sich eigentlich fast jede Stimme zum singen eignet, wenn man sie nur richtig anwendet. Denn dies ist meist nur eine Sache von Atem und der richtigen Technik.

Weitere Informationen:

  • Deutscher Chorverband: http://www.deutscher-chorverband.de/news/
  • Dr. Karl Adamek, Musiktherapeut: http://www.karladamek.de/

Annette Coumont
Annette arbeitet als freie Redakteurin und Autorin mit Schwerpunkt Achtsamkeit und bewusst nachhaltige Lebenstile. Sie schreibt auch für die evidero Redaktion…

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