Seitan als Fleischersatz: Schnitzel ohne Tier dank Seitan

Seitan hat kaum Fett, kein Cholesterin und die Konsistenz eines Steaks. Es ist vegetarisch und wird aber oft als Fleischersatz genutzt.
von Clara-Sophie Zink
Veganes Seitan Schnitzel mit Nudeln© Kitty - Fotolia.com

Kaum Fett, kein Cholesterin und die Konsistenz eines Steaks, so soll er sein: Seitan. Vegetarisch. Ein Fleischersatz. Als überzeugte Fleisch-Esserin wagt sich unsere neue evidero-Bloggerin Clara-Sophie Zink an dieses Experiment und brät sich ein Seitan-Schnitzel.

Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett – das sind die Bestandteile, aus denen der Fleischersatz besteht. Besonders bei Vegetariern und Veganern ist Seitan recht beliebt, weil es viel Eiweiß enthält. Dazu kommt, dass viele Vegetarier behaupten, das Produkt besitze eine „fleischähnliche Konsistenz“, weshalb sie es gerne zum Kochen von Fleischgerichten benutzen – bloß eben gänzlich ohne Fleisch. Tatsache ist außerdem, dass der Fettanteil in Seitan in der Regel nur etwa ein Prozent ausmacht – weshalb das Produkt zunehmend auch das Interesse der Fleischesser wie mir weckt. Denn wenn all diese Infos stimmen, warum sollten wir dann im Kühlregal noch immer nach der „echten“ Bratwurst greifen?

Hergestellt wird Seitan lediglich aus Weizen- oder Glutenmehl und Wasser. Das klingt noch nicht sonderlich wohlschmeckend, es handelt sich anschließend jedoch auch erst um die Rohmasse. Für diese wird die Stärke aus dem Mehl gewaschen, bis nur noch das Eiweiß übrig ist und eine zähe, glutenreiche Masse übrigbleibt. So ganz ohne  Geschmacksverstärker geht es dann doch nicht: Seitan wird angebraten oder in einer Marinade gekocht, damit es den gewollten Geschmack und die beabsichtigte Konsistenz erhält. Die Marinade besteht dabei meistens aus Algen, Gewürzen und Sojasauce. Und auch nach dem Einlegen erhält Seitan seinen eigentlich Geschmack in der Regel durch zusätzliches, intensives Würzen. Anschließend sind der Fantasie jedoch keinerlei Grenzen gesetzt: Allein im Internet wimmelt es nur so von Seitan-Rezepten,  von Chili con Seitan über Seitan in Rotweinsauce bis hin zur Seitan-Bolognese und Seitan-Gyros.

Wer auf Fleisch nicht verzichten möchte, sollte Fleisch essen

Der erste Biss: Es schmeckt in Ordnung, ein wenig fad, vor allem aber nach der würzigen Panade. So richtig erinnert weder der Geschmack noch die Konsistenz an ein echtes Schweineschnitzel. Trotzdem: Dafür, dass ohnehin kein sehr breitgefächertes Angebot an solchen Fleischersatzprodukten existiert, ist Seitan meiner Meinung nach absolut essbar – als Schnitzel für die Pfanne, ganz so wie ein klassisches Sojaschnitzel. Dennoch lässt sich, ähnlich wie bei Soja- und Tofuprodukten auch,  darüber streiten, ob Seitan dem Begriff „Fleischersatz“ gerecht wird. Unter den Vegetariern, die auf Fleisch verzichten, weil sie keine Tiere essen möchten, den Geschmack und die Optik von Fleischgerichten jedoch vermissen, ist Seitan jedenfalls ausgesprochen beliebt – vor allem, wenn es darum geht, klassische Fleischgerichte „originalgetreu” nachzuahmen. Bei der „Seitan-Ente“ beispielsweise, die man heutzutage fertig kaufen kann, erhält man das erbaute „Tier“ sogar noch mit seiner Haut am Leib, die beim Original vielen Menschen ganz besonders gut schmeckt. Ob so etwas sein muss, ist eine andere Frage. Ein ehemaliger Raucher freut sich schließlich auch nicht besonders, wenn ihm eine Kaugummizigarette angeboten wird.

Ich esse fleischfreie, panierte Fladen à la Seitanschnitzel gern, weil sie mir schmecken. Ich würde dabei aber nie an ein Steak denken – und möchte das auch gar nicht. Wer auf Fleisch nicht verzichten mag, sollte Fleisch essen. Denn die Vorstellung vom Vegetarier, der mit allen Mitteln versucht, sein Mittagessen wie ein totes Tier aussehen zu lassen, wirkt noch abstoßender auf mich.

Clara-Sophie Zink ist 19 Jahre alt und studiert ab Oktober Kulturanthropologie und Soziologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit etwa anderthalb Jahren arbeitet sie regelmäßig als freie Journalistin für verschieden Online- und Printmedien.
  • Gast

    "Überzeugte" Fleischesserin? Was hat dich denn "überzeugt"? Die Abholzung grosser Flächen des Regenwaldes für Weideflächen? Die Zerstörung der Ozonschicht durch Verdauungsgase riesiger Rinderherden, welche neben Auto- und Industrieabgasen zu den Hauptverursachern der Erderwärmung und den katastrophalen Folgen für den gesammten Planeten zählen? Die Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Menschen wegen des Futtermittelanbaus? Die unmenschliche, unsäglich grausame Massentierhaltung und -schlachtung? Die Tatsache, dass der hohe Fleischkonsum nachweislich verantwortlich für viele der tödlichen, sogenannten "Zivilisationskrankheiten" ist?Wovon bist du denn "überzeugt"?

    Oder handelt es sich hier einfach um das Nicht-Sehen-Wollen oder Wissen eines jungen Mädchens, das lieber an das tolle Geschmackserlebnis auf ihrem Teller denkt als an den hohen Preis, den die Welt dafür bezahlt?

    Viele Menschen sind nicht deshalbVegetarier, weil sie Fleisch nicht mögen, sondern schlichtweg aus ethischen und moralischen Gründen. Aus Konsequenz. Wenn sie sich dann aus Seitan eine Ente formen, die das Auge, welches ja bekanntlich mitisst, erfreut, ohne das Gewissen zu belasten, dann ist daran nichts abstossend. Abstossend ist alles, was zu einer echten Ente auf dem Teller führt, liebe Clara-Sophie Zink.

    Denk mal drüber nach und informiere dich …wenn du dann Bescheid weisst und ein denkender und fühlender Mensch mit einem Minimum an Verantwortungsbewusstsein bist, wirst du niemanden mehr zum Fleischkonsum animieren wollen, Das verspreche ich dir.