Action Sport: Action-­Stunts selber machen

Ein kurzer Abriss über BMX, Snowboarding, Bungee-Jumping und Paintball. Nur was für Teenies? Sicher nicht - aber schlagen Sie es doch Ihren Kindern mal vor!
von Manuela Hartung
Foto: © germanskydive110 - Fotolia.com

Mit Skateboard, BMX und Co. verbindet man vor allem Jugendliche in Schlabber-Kleidung und schief aufgesetzten Mützen. Aber Actionsport ist keineswegs nur etwas für unter 20jährige, sondern kann jedem Spaß machen, der sich für spannenden Sport interessiert — und nicht nur zugucken will, sondern selbst mitmachen. evidero gibt einen kurzen Überblick über Sportarten, bei denen es etwas actionreicher zugeht.

Motocross und BMX

Motorrad- oder Fahrradfahren gehört längst zu den etablierten Sportarten. Das Kraftfahrtbundesamt zählte zum 1. Januar 2013 ganze 3.982.978 Motorräder in Deutschland, wobei sich natürlich darüber streiten ließe, ob eine sonntägliche Spazierfahrt wirklich als Sport gelten sollte. Motorsport ist auch bei Fernsehzuschauern beliebt und dazu zählen nicht nur Formel 1 oder Motorradrennen auf den bekannten Pisten. Abwechslungsreicher sind Motocross oder BMX Sport, das ist die Abkürzung für “Bicycle Moto Cross” (Fahrrad Moto Cross). Cross ist Englisch und bedeutet Kreuz, beziehungsweise überqueren, daher auch das “X” in BMX. Beide Sportarten beinhalten vor allem das Rennen-Fahren, Tricks und Stunts mit dem jeweiligen fahrbaren Untersatz. Ob Motorrad, Quad oder BMX-Bike, wichtig ist die richtige Schutzkleidung. Es gibt auch größere Wettbewerbe, allen voran die X-Games, die 2013 in München ausgetragen wurden. Hier messen sich die besten Biker und Skateboarder in den verschiedenen Disziplinen. Und wer jetzt einwenden möchte, dieser Sport sei zu alternativ oder zu amerikanisch: BMX-Rennen sind seit 2008 sogar eine Disziplin bei den Olympischen Spielen — und der Sieger 2012 war kein Amerikaner!

  • Schutzkleidung: Ja! Helm, Knieschoner und Schienbeinschoner mindestens
  • Wettbewerbe: X-Games, Olympische Spiele
  • Kosten: Einsteiger-BMX-Räder zwischen 200 – 500 Euro

Skateboard und Snowboard

Auf den ersten Blick wesentlich alternativer ist das Skateboarding, das ebenfalls bei den X-Games einen professionelleren Anstrich erhält, ansonsten aber ein reiner Freizeitsport ist. Mal abgesehen davon, dass ein Skateboard im Großstadtverkehr auch ein ganz passables Fortbewegungsmittel sein kann, kommt es den richtigen Skatern natürlich darauf an, möglichst schwierige Tricks zu beherrschen, die meistens in einer Halfpipe vorgeführt werden. Das ist eine — nennen wir es mal — Sportanlage in Form einer längs durchschnittenen Röhre. Sprünge, Saltos oder Drehungen mit dem Board unter den Füßen erfordern aber sehr viel Übung – Skateboarding ist kein schnell wieder verfliegender Trendsport, sondern braucht die Bereitschaft, viel Zeit zu investieren und auch mal blaue Flecken zu kassieren.

Sehr ähnlich, jedoch schon etwas etablierter, ist das Snowboarding. Hierbei fährt man nicht auf einem Brett mit Rollen über den Asphalt, sondern auf einem Brett ohne Rollen über Schnee, beziehungsweise die Piste hinab. Das Snowboard wird gerne als Alternative zu Skiern benutzt und ist deshalb lange Zeit von der Ski-Industrie nicht gerne gesehen worden. Immerhin bietet das Snowboard eine jüngere und innovativere Alternative zu den alterhergebrachten Skiern. Die Abneigung seitens der Ski-Industrie hat den Siegeszug des Snowboards natürlich nicht bremsen können und mittlerweile musste auch die Industrie einsehen, dass Snowboarding kein Hippie-Sport ist, sondern bei einem breiten Publikum Anklang findet. Die zwei wichtigsten Unterschiede zum Skifahren sind dabei: Beide Beine sind auf einem Brett fixiert und nicht wie bei Skiern unabhängig voneinander. Und: Man fährt ohne Stöcke. Das macht es für einen Skifahrer vielleicht schwierig, sich einzugewöhnen – der Spaß am Fahren ist dennoch garantiert. Snowboarding gehört bereits seit 1998 zu den Olympischen Spielen.

  • Schutzkleidung: Ein Helm ist zu empfehlen
  • Wettbewerbe: X-Games, Olympische Winterspiele
  • Kosten: Skateboards ab 70 Euro, Snowboards ab 200 Euro

Bungee-Jumping und Fallschirm-Springen

Noch höher hinaus geht es für alle, die den ultimativen Nervenkitzel im freien Fall oder in der Luft suchen. Dafür muss man nicht wie Felix Baumgartner aus dem Weltraum abspringen, ein Turm, Berg oder Flugzeug reicht völlig aus. Wichtig bei allen Sportarten, die mit Sprüngen aus großer Höhe zu tun haben, ist natürlich die Absicherung. Auch wenn viele mit ihrem Gewicht gerne schummeln, in diesem Fall ist eine exakte Gewichtangabe angebracht, schließlich muss beispielsweise beim Bungee-Jumping die Länge des Seiles daran angepasst werden, wenn kein Unglück geschehen soll. Furore im deutschen Fernsehen machte das Bungee-Jumping im Jahr 2012, als beim “Supertalent” der 87jährige Helmut Wirz seinen Sprung nicht etwa durch eine feste Halterung absicherte, sondern durch seinen Partner Franz Müllner, einen Extremsportler und mehrfachen Weltrekordhalter aus Österreich. Das Ganze gelang – auch ein weiteres Mal beim Aufstellen des Weltrekordes beim Sprung von einem 80 Meter hohen Kran. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern zeigt uns auch: Fürs Bungee-Jumping ist man selbst mit 90 Jahren noch nicht unbedingt zu alt. Allerdings hat nicht jeder von uns den stärksten Mann der Welt zur Verfügung, also bleiben wir doch eher bei “herkömmlicher” Absicherung. Ein Bungee-Seil unterliegt einer besonderen Qualitätskontrolle und wird auf Reiß- und Überdehnungsschutz geprüft. So soll garantiert werden, dass es den Bungee-Springer, an dessen Fußgelenk es befestigt wird, aufhält, bevor er am Boden ankommt, aber kein ruckartiger Fallstopp entsteht. Stattdessen wird der Springende wieder ein Stück nach oben katapultiert und hat eine zweite Runde freien Fall, bis er sich schließlich auspendelt.

Älter aber keineswegs langweiliger ist das Fallschirm-Springen. Da dieses wesentlich häufiger aus fliegenden Transportmitteln stattfindet als das Bungee-Jumping (ja, man kann z.B. aus Helikoptern einen Bungee-Sprung ausführen), reden wir hier auch von respektableren Höhen. Fallschirm-Absprünge finden meist 1000 – 4000 Meter über Grund statt, im Extremfall kann die Höhe aber auch bis zu 6000 Meter betragen. Der Fallschirm braucht einerseits genügend Zeit, sich zu öffnen und den Fall zu bremsen, dann will der Fallschirmspringer natürlich auch eine Zeit freien Fall haben und zu hoch darf man nicht starten, wenn man noch atmen möchte. Und das möchten die meisten Menschen. Neben Einzelsprüngen gibt es auch Tandemsprünge, also Sprünge mit mehr als einer Person am selben Fallschirm.

Die Risiken bei diesen beiden Sportarten sind wohl offensichtlich: Gibt es Probleme mit dem Bungee-Seil oder dem Fallschirm, kann ein Unfall bei derartigen Extrem-Sportarten im schlimmsten Fall auch zum Tode führen. Aber: Angeblich wurden bereits Stürze aus 800, 1.000 und – Rekord – 10.000 Metern Höhe auch ohne Fallschirm überlebt; zumindest laut Guiness-Buch der Rekorde. Wie? Das weiß kein Mensch. Darauf verlassen würde ich mich also nicht. Die meisten Sprünge verlaufen aber problemlos, sonst wäre Freifallsport auch kaum so beliebt.

  • Schutzkleidung: Bei Sprüngen aus großer Höhe empfiehlt sich Schutzkleidung gegen die Kälte
  • Wettbewerbe: European Para Trophy
  • Kosten: Fallschirmspringen 200 – 600 Euro, Bungee-Jumping 100 – 200 Euro

Paintball

Als letzte Action-Sportart möchte ich Paintball ansprechen. Damit assoziieren die meisten wahrscheinlich amerikanische Waffen-Narren, die sich freuen, auf andere Leute schießen zu dürfen. Okay, man schießt auch auf andere Leute, aber mit Farbe und nicht mit Kugeln. Um dem ganzen mehr Sport-Charakter zu geben, gibt es auch Ligen und Wettbewerbe, in denen dann Mannschaften gegeneinander antreten können. Dabei wird nicht unbedingt einfach nur drauf los geschossen, es gibt auch Spielvariationen wie etwa das “Capture the flag”, bei dem die eine Mannschaft die Fahne der anderen erobern muss. Der ein oder andere von Ihnen kennt das vielleicht von sich oder seinen / ihren Nachkommen aus PC-Kriegsspielen wie “Modern Warfare”. Macht aber nichts, schließlich kann man beim Paintball alles rund um Taktik, Geschicklichkeit, Ausdauer und Reaktionsvermögen trainieren. Eingefleischte Pazifisten werden diesen Sport vielleicht ablehnen, aber hier möchte ich einwenden: Statt Schwerter zu Pflugscharen geht doch vielleicht auch Blei zu Farbe.

  • Schutzkleidung: Maske, Schutzweste, Handschuhe
  • Wettbewerbe: Organisiert in einer Bundesliga, Weltmeisterschaft
  • Kosten: Grund-Pakete für ein Spiel ab 30 Euro pro Person

evidero-Redakteurin Manuela Hartung hat an der Uni Köln Germanistik, Linguistik und Phonetik studiert. Zu ihren Hobbies zählen Radfahren und kreatives Schreiben.