Unterschiedliche Kommunikation bei Männern und Frauen: Was redest du denn da?

Warum Frauen und Männer nicht immer vom Selben reden, wenn sie das Gleiche sagen.
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von maaS Magazin
Kommunikation von Männern und Frauen© Antonioguillem - Fotolia.com

Am Tag vor ihrer Urlaubsreise fragt Carina Ferdinand „Hast du schon den Koffer vom Speicher geholt?“ Ferdinand verneint: „Nein, noch nicht.“ Am Abend sucht Carina den Koffer, der aber immer noch am Speicher steht. Sie reagiert verärgert: „Auf dich kann man sich aber auch gar nicht verlassen!“ Ferdinand wehrt sich konsterniert: „Wieso? Wir haben da nichts ausgemacht!“ Carina schimpft: „Na aber, du hast doch selbst gesagt, dass du ihn noch holen wolltest?“ Schon bahnte sich ein Streit darüber an, wer was gesagt oder gemeint haben soll …

Für Carina war es völlig klar, dass das „ich habe ihn noch nicht geholt“ gleichbedeutend war mit „aber ich werde es gleich tun“. Für Ferdinand hingegen galt seine Aussage so, wie er sie gesagt hatte. Er hatte es eben noch nicht gemacht. Was weiter geschehen würde, hätte man besprechen können. Beide hatten vom Gleichen gesprochen, dies aber völlig unterschiedlich interpretiert.

Wenn Carina Ferdinand mitteilt, dass der Schrank kaputt sei oder die Winterreifen gewechselt werden müssen, gibt sie Ferdinand aus ihrer Sicht deutlich genug zu verstehen, dass er sich bitte entsprechend darum kümmern möge. Ferdinand nimmt seinerseits diese Aussagen erst mal als Information auf, ohne einen sofortigen Handlungsdruck abzuleiten – davon, dass er sich darum kümmern sollte, ist aus seiner Sicht nicht die Rede.

 

Männer und Frauen sind gleichwertig, aber Frauen sind einfach eloquenter

Männer und Frauen sind „gleichwertig“, diese Tatsache ist unstrittig, aber eben nicht „gleich“. Eine Ebene, in der die Unterschiede ebenso unbewusst wie deutlich sind, ist die Sprache.

Das fängt schon allein damit an, dass Frauen deutlich sprachbegabter sind als Männer. Sie haben einen größeren Wortschatz und sprechen nicht nur mehr, sondern auch differenzierter, das heißt mit mehr Variationen und Komplexitäten in Vokabular, Grammatik, Syntax, Sprechmelodie etc.

Frauen haben auch ein besseres und differenzierteres Hörvermögen. Sie können Sprache besser verstehen, einordnen und sich merken. (Männer können hingegen schnelle Bewegungen visuell deutlich schneller erfassen und einordnen.)

Männer fühlen sich von komplexer Sprache überfordert und verstehen einfache eindeutige Ansagen besser

Wenn die Frauen so viel eloquenter sind als Männer – warum haben sie dann nicht die „Nase vorn“? Warum gelingt es denn dann ausgerechnet den Männern so viel leichter, im Business-Kontext zu punkten? Ein arabisches Sprichwort gibt dazu eine Antwort: Eine Karawane ist immer so schnell wie das langsamste Kamel. Das (Kommunikations-)Tempo richtet sich dementsprechend nach den sprachlich Schwächeren.

Wer einfache und klare Statements besser versteht als ausdifferenzierte Argumentationsketten, hält ebendiese für glaubwürdiger und relevanter als Verbalsalven, mögen sie argumentativ auch noch so ausgefeilt sein. Männer, die sich „zugetextet“ fühlen, schalten gern auf Durchzug.

Mütter kennen diesen Unterschied: Während ihre Töchter gegen alles und jedes argumentieren, reagieren Söhne eher auf einfache und eindeutig vorgetragene Ansagen und sind auch deutlich robuster, wenn diese scharf klingen. Versucht eine Kollegin im männlich dominierten Team durch detailreiche Erklärungen zu punkten, wird sie meist eher das Gegenteil erleben. Frauen, die viel argumentieren, werden als „sich rechtfertigend“ und unsicher abgestempelt.

Kooperative Ausdrucksformen in der weiblichen Kommunikation werden als Schwäche wahrgenommen

Interessanterweise werden Frauen, die sich zudem bewusst höflich ausdrücken, von Männern als vage erlebt. Konjunktivformulierungen „könnten Sie …? / wäre es möglich, dass …?“ sind für Männer Zeichen von Ungewissheit. „Mann“ versteht: „Ich kann, wenn ich möchte, muss aber nicht.“

Frauen, die sich im Team rücksichtsvoll einbringen (Was hieltet ihr davon wenn wir …?) werden von ihren männlichen Kollegen (unbewusst!) abgehängt, die dem Team ihrerseits vorschlagen: „Hey Leute, das machen wir jetzt so.“ Frau findet das dominant und rücksichtslos – aber es kommt bei den männlichen Kollegen als „zielorientiert“ und fokussiert an: „Der weiß, was er will.“ Damit ist er glaubwürdig. Oft unterstreicht eine eindeutigere Körpersprache bei Männern diese Aussagen.

Sogar die Art und Weise, wie wir einen Dialog führen, unterscheidet sich: Unterbricht eine Frau im Gespräch, bezieht sie sich inhaltlich auf den Vorredner. Männer fallen ins Wort und ziehen das Thema an sich ohne Rücksicht darauf, was zuvor gesagt wurde. Männer bringen sich ins Spiel und wollen als Person überzeugen. Frauen wollen durch die „richtigen Argumente“ gewinnen und hinken eher hinterher.

Die Kombination weiblicher und männlicher Lösungsstrategien ist am erfolgreichsten

Diese Liste der Unterschiede ist lang. Doch sei zu guter Letzt hier noch eines erwähnt: Kommt es zu einem Problem, suchen Männer nach einer konkreten Lösung; Frauen hingegen fragen und wollen gefragt werden, wie es dazu kam. Nicht selten führt es hier zu Konflikten, dass nur die jeweils eigene Umgangsform damit als passend erlebt wird.

Dabei macht es wenig Sinn, von Frauen zu verlangen, dass sie „wie Männer agieren sollen“ oder umgekehrt. Gerade die Kombination aus (männlicher) Dynamik und (weiblicher) Umsichtigkeit ist Erfolg versprechender als die einseitige Förderung einer dieser beiden Herangehensweisen!

Unterschiede im Kommunikationsverhalten der Geschlechter sind evolutorisch bedingt

Viele dieser Unterschiede lassen sich historisch ableiten: Diejenigen, die auf Jagd gingen, wären aufgeschmissen gewesen, hätten sie das Bedürfnis nach regelmäßiger Kommunikation gehabt. Die Beute wäre ihnen schlichtweg davon gelaufen oder geschwommen. Haben Sie jemals zwei Frauen beim Angeln gesehen?

Diejenigen, die sich um die Familie gekümmert haben, brauchten jedoch viel Kommunikationskompetenz: Eine variationsreiche Stimmmelodie und das schnelle Erfassen (Erhören) von „Stimmungen“ sowie das Orten und Erkennen von Geräuschen und (Stimm-)klängen waren schon deswegen notwendig, weil Licht zum Sehen nur tagsüber zur Verfügung stand. Stimme und Sprache waren die Garanten für das Überleben.

Gegenseitiges Verständnis führt zu einem produktiven Miteinander von Männern und Frauen

Maas Magazin Cover Ausgabe 2 Maas Magazin Cover Ausgabe 2

Den Frauen ist die Begabung geblieben, mit ihrer variationsreichen Stimme Empathie zu vermitteln. Männer besitzen nach wie vor die Fähigkeit, auch mit wenigen Informationen schnelle Entscheidungen zu treffen.

Dank ihres Intellekts hat sich die Menschheit weiter entwickelt. Sehr begabte männliche Schriftsteller und erfolgreiche weibliche Informatikerinnen zeugen davon, dass wir uns in unseren Domänen stark aufeinander zubewegt und vermischt haben. Doch spielen die archaischen Muster nach wie vor eine wichtige Rolle im Miteinander.

Solange die Frauen jedoch über „männliches Dominanz-Gehabe“ schimpfen und Männer sich über das „Zickengeschnatter“ beschweren, können wir davon ausgehen, dass das Verständnis für das jeweils andere nach wie vor fehlt.

Erst wenn wir erkennen, wie wertvoll diese Unterschiede sind, können wir im Miteinander erfolgreich werden. Dabei gilt es eben auch die eigene Art im Zusammenspiel mit anderen wertzuschätzen und nicht einfach nur unterzuordnen. Es geht also nicht darum, sich an die Sprache des anderen Geschlechts anzupassen, sondern darum, sie verstehen zu lernen. Das allein dient dem Verständnis zwischen den Geschlechtern!

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem maaS Magazin No. 2 „Frauen und Männer“ von der Autorin Christine Muderlak

maaS ist ein Mindstyle Magazin für eine erfülltes Leben, das inspiriert, ermutigt und Antworten gibt auf die wichtigsten Fragen des Lebens. Jede Ausgabe widmet sich einem besonderen Thema. Bisher erschienen sind die Titel No.1 Beruf und Berufung, No.2 Frauen und Männer, No. 3 Leben und Sterben, No. 4 Ich und Gemeinschaft. Im April erscheint die maaS No. 5 Körper und Geist. Alle Titel können hier eingesehen und bestellt werden.

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  • evidero

    Ein Kommentar unseres Leser Domenico:

    Vielen Dank erstmal für diesen Beitrag, liebe Frau Muderlak!

    Zuallererst finde ich Ihre Quintessenz sehr schön, richtig und wichtig: Wir müssen lernen einander zu verstehen und entsprechend auf das einzugehen, was mein Gegenüber senden wollte oder was mein Gegenüber empfangen hat, nicht was ICH sende oder ICH empfange … und das gilt nicht nur zwischen Partnerin und Partner, und nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern zwischen allen Menschen.

    Jedoch finde ich einige Aussagen nicht zutreffend oder auch anders interpretiert als ich es erfahren habe:

    “Beide hatten vom Gleichen gesprochen, dies aber völlig unterschiedlich interpretiert”.

    Sprachen haben sich entwickelt um eindeutige Aussagen zu treffen. Dies äußert sich letztendlich auch dadurch, dass die Regel menschlichen zusammen seins in Gesetzesbücher festgehalten sind. Dabei hat man sich bemüht, möglichst eindeutig zu sein und Interpretationsspielräume zu minimieren. Bei diesem Beispiel gibt es keinen Interpretationsspielraum. Aus sprachlicher Sicht ist (zumindest für mich als Mann :-)) alles klar! Aber Ferdinand hätte schon wissen sollen, was gemeint ist bzw. was dahinter steckt …

    “Männer fühlen sich von komplexer Sprache überfordert”

    Eine falsche Aussage meiner Meinung nach. Ich glaube eher, dass “männliches” Denken gerade dafür prädestiniert ist mit komplexen Problemen umzugehen, dies betrifft auch die Sprache. Viele moderne Philosophen haben das bewiesen. Ich würde eher schreiben “Männer tun sich schwer damit, die Vielfältigkeit der Interpretation eindeutiger Aussagen für Menschen zu erkennen, die es nicht gewohnt sind eindeutig in der Sprache zu sein”

    “Wenn die Frauen so viel eloquenter sind als Männer – warum haben sie dann nicht die „Nase vorn“? Warum gelingt es denn dann ausgerechnet den Männern so viel leichter, im Business-Kontext zu punkten? Ein arabisches Sprichwort gibt dazu eine Antwort: Eine Karawane ist immer so schnell wie das langsamste Kamel.”

    Interessante feministische Aussage. Würde es umgekehrt sein, dass Männer so wären, würden hier als Aussage stehen: “Männer sind anscheinend eloquenter und haben anscheinend sprachlich die Nase vorn, das liegt aber daran, dass die Frau durch Ihre soziale Kompetenz, mehr an die Karawane und das langsamste Kamel denkt als daran Ihre sprachlichen Vorteile zu nutzen.” Interessant nicht wahr, wie man sich Dinge so zurechtbiegen kann, wie man sie gerade braucht ;-). Können Sie sich nicht vorstellen, dass gerade Männer im Business und in der Technik deswegen die “Nase vorn” haben, weil sie es besser schaffen, den Kern Ihrer Aussagen auf das Wesentliche und Eindeutige zu reduzieren?

    “Frauen, die sich im Team rücksichtsvoll einbringen (Was hieltet ihr davon wenn wir …?) werden von ihren männlichen Kollegen (unbewusst!) abgehängt, die dem Team ihrerseits vorschlagen: „Hey Leute, das machen wir jetzt so.“ Frau findet das dominant und rücksichtslos – aber es kommt bei den männlichen Kollegen als „zielorientiert“ und fokussiert an: „Der weiß, was er will.“ Damit ist er glaubwürdig.

    Sogar die Art und Weise, wie wir einen Dialog führen, unterscheidet sich: Unterbricht eine Frau im Gespräch, bezieht sie sich inhaltlich auf den Vorredner. Männer fallen ins Wort und ziehen das Thema an sich ohne Rücksicht darauf, was zuvor gesagt wurde. Männer bringen sich ins Spiel und wollen als Person überzeugen. Frauen wollen durch die „richtigen Argumente“ gewinnen und hinken eher hinterher. ”

    Ich kann aus 20-jähriger Erfahrung eines Ingenieurs sprechen, das ausschließlich die “Frauenvariante” bei anderen Ingenieuren ankommt. Die “Männervariante” wird nur selten angewendet, wenn Menschen nicht gelernt haben, dass Arbeit keine Demokratie ist, sondern es einen Grund gibt, dass es Hierarchien gibt und das man Dinge manchmal tun muss, auch wenn man sie nicht immer versteht.

    “Sehr begabte männliche Schriftsteller und erfolgreiche weibliche Informatikerinnen zeugen davon, dass wir uns in unseren Domänen stark aufeinander zubewegt und vermischt haben.”

    Es klingt ja so, als würde es erst in der neueren Zeit (einige) begabte männliche Schriftteller geben. Begabte männliche Schriftsteller gibt es seit Menschen Gedenken, mit höchst sprachlicher Eloquenz und feinfühliger Diversität in der Beschreibung von Stimmungen, Gefühlen und Emotionen, und die Anzahl männlicher Schriftsteller ist weitaus größer als die Anzahl der Schriftstellerinnen. Wie können Sie denn so eine Aussage in der Form hier präsentieren?

    Wie gesagt in Ihrer Zusammenfassung, wie man miteinander umgehen sollte bin ich voll und ganz Ihrer Meinung, aber die Begründung bzw. die Beschreibung des Sachverhaltes, wie “Frauen und Männer so sind” ist nicht richtig.

    Mit diesem Artikel spornen sie das falsches “Ego” der Frauen an, populistisch, wie ich finde. Leider erreichen Sie bei solchen Aussagen nicht die Männer, sondern heizen dadurch das Thema noch mehr an … mich zumindest haben Sie dadurch überhaupt nicht erreicht.

    Viele liebe Grüße,

    Domenico