Geld und Glück: Weniger ist mehr

Auch, wenn Geld wichtig ist: Wenn wir glücklicher werden wollen, liegt das nicht mehr an unserem Einkommen
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von maaS Magazin
Happy woman©unsplash.com

Stelle dir vor, du strandest wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel. Das Meer spült vom untergegangenen Schiff einige Wrackteile an Land. In einer großen Kiste findest du einen riesigen Stapel von 100-Dollar-Scheinen. Vor zwei Stunden noch wärst du fast ertrunken und jetzt bist du steinreich…

Was fängst du jetzt mit dem vielen Geld an? Einen Supermarkt, in dem du dir eine Flasche Mineralwasser kaufen könntest, gibt es nicht. Nicht mal einen winzigen Kiosk. Auch der Affe lässt sich vom Wedeln mit einer 100-Dollar-Note nicht beeindrucken. Weder ist er gewillt, seine Banane rauszurücken, noch bereit, für dich auf die Palme zu klettern und eine Kokosnuss zu holen. Ach wären doch bloß in der Kiste ein Messer, ein Seil und eine Angel gewesen …

Mehr Geld mehr Glück?

Ein 10-Euro-Schein in der Hosentasche kann dagegen sehr sinnvoll sein, wenn ich mich irgendwo anders befinde: Im Irati in Barcelona bekomme ich dafür ein paar frische Tapas; im Café Florian in Venedig einen köstlichen Cappuccino und im Pariser Bistro Frenchie wird mir der Serveur anstandslos einen Sancerre bringen, obwohl er mich vor drei Minuten noch gar nicht kannte.

Wir sehen also, dass Geld an sich wertlos ist. Nur in einer Gesellschaft, in der alle an den Wert des Geldes glauben, sind andere bereit, dafür Waren herzugeben oder Dienstleistung zu erbringen. Warum sind wir dann so auf Geld fixiert? Warum schuften wir jahrein, jahraus, um eine möglichst große Menge davon anzuhäufen? Um ein Auto zu kaufen. Warum? Um damit an einen anderen Ort zu fahren. Warum? Weil es dort schöner sein soll als hier. Was bringt das? Weil die andere Schönheit verspricht, mich glücklich zu machen.Um ein Kleid zu kaufen. Warum? Weil ich darin wahrscheinlich toll aussehe. Was bringt das? Weil dann vielleicht ein toller Mann auf mich aufmerksam wird. Und dann? Heiratet er mich vielleicht. Und dann? Dann bin ich wahrscheinlich glücklich.

Wieviel Geld brauchen wir um endlich glücklich zu sein?

Wir sehen also, Geld ist immer Mittel zum Zweck. Man muss nur oft genug nach dem Sinn fragen. Am Ende der Warum-Kette steht immer: Glück. Ob Essen oder Fasten, Heirat oder Scheidung, Bewerbung oder Kündigung, Kinder kriegen oder keine, egal, wofür wir uns entscheiden oder wogegen, egal, was wir tun oder unterlassen, egal, was wir suchen oder meiden, immer erwarten wir, anschließend glücklicher zu sein als vorher. Das ist umfassend, global und ewig. Glück ist das Ziel des Lebens.

Wenn Glück das Ziel des Lebens ist, warum gehen wir dann so viele Umwege? Warum malochen wir 50 Wochen, um uns dann zwei als die angeblich „schönsten Wochen des Jahres“ leisten zu können? 2 : 50 ist ein ziemlich mieses Geschäft. Warum setzen wir Gesundheit, Familie und Freundschaften aufs Spiel, um den Stoff anzuhäufen, von dem wir uns versprechen, dass er uns am Ende glücklich macht? Wenn dann die Pension gekommen ist, ist zwar genug Geld da, um sich den einen oder anderen kleinen Traum zu erfüllen. Aber leider wird das mit dem Bergsteigen nichts mehr – nach dem Herzinfarkt. Die Reise nach Venedig ist auch nicht mehr so attraktiv, denn die einst so Geliebte hat vor Jahren das Haus verlassen. Für ausgiebiges Angeln mit den Kumpels von einst wäre jetzt zwar genug Zeit, leider haben die Freunde längst das Weite gesucht, weil uns der Job immer wichtiger war als sie.

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Die Wissenschaft vom Glück

Was Glück ist und wie wir es am besten erlangen, beschäftigt die Menschen seit Urzeiten. Schon Aristoteles hat dazu sehr Kluges gesagt und geschrieben, Konfuzius und Buddha hatten dazu tiefgreifende Erkenntnisse, die auch heute noch gültig sind. Philosophen aller Epochen haben lang und ausgiebig über das Phänomen Glück nachgedacht.
Noch sehr jung in der Menschheitsgeschichte ist, dass sich auch Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler mit dem Thema befassen. Im Zusammenhang von Geld & Glück wollen wir uns hier in aller Kürze einige ihrer Erkenntnisse ansehen:

Die Industriestaaten haben nach dem 2. Weltkrieg einen beispiellosen Aufstieg erlebt. Wir verdienen heute dreimal so viel wie 1960. Wir fahren größere Autos, leben in größeren Häusern und gönnen uns mehrfach im Jahr Urlaub. Wir sind aber keinen Deut glücklicher. Fazit der Wissenschaftler: Wenn die Grundbedürfnisse gestillt sind – Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf – dann trägt Geld nicht oder nur sehr gering zum Glück bei.

Ähnliches zeigt sich im Vergleich ganzer Nationen. Menschen in Staaten mit sehr geringem Bruttoinlandsprodukt (BIP) – vor allem in Afrika und in früheren Ostblock-Staaten – befinden sich auf der Glücksskala ziemlich unten. Steigt das BIP etwas an, geht es mit dem Glückspegel zunächst steil nach oben und verflacht dann immer mehr. Menschen in Costa Rica sind glücklicher als wir Deutschen, obwohl unser BIP pro Einwohner 4,5 mal so groß ist. Fazit der Wissenschaftler: Kein oder sehr wenig Geld macht unglücklich. Etwas mehr Geld hilft viel. Die Industriestaaten haben ein BIP erreicht, welches schon lange nicht mehr zum Glück beiträgt.

Das Glück oder Unglück erzeugt der Mensch selbst durch Vergleiche mit den anderen. Der Geschäftsführer mit einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro fühlt sich als Krösus im Kreis von Angestellten, die alle unter 100.000 Euro verdienen. Zöge er jetzt nach Monaco, würde er sich bald als armer Schlucker vorkommen, denn jetzt ist er von lauter Multimillionären umzingelt. Fazit der Wissenschaftler: Am glücklichsten sind die Menschen in egalitären Gesellschaften (z. B. Skandinavien). Die Schere zwischen Arm und Reich sollte nicht zu groß sein.

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So kannst du auch ohne viel Geld glücklich sein

Was können wir nun mit den Erkenntnissen im täglichen Leben anfangen? Dazu ein paar Anregungen:

  • Überlege dir gut, ob du wirklich bereit bist, den Preis (in Form von Glücksverlust, Zeit, Gesundheit) zu zahlen, um mehr Geld zu ergattern. Lohnt es sich wirklich, den neuen Job in einer anderen Stadt anzutreten? Bist du wirklich bereit, für 800 Euro mehr im Monat jeden Tag zwei Stunden zu pendeln?
  • Dinge machen selten glücklich – und wenn, nur für kurze Zeit. Investiere lieber in Erlebnisse. Ich sehe noch das Ehepaar vor mir, welches einen großen Lottogewinn erzielt hatte. Den Eingangsbereich der Villa schmückte ein Klavierflügel. Aber keiner konnte darauf spielen. Das Ding war nur zum Angeben da. Ein altes, gebrauchtes Klavier und eine Investition in einen guten Klavierlehrer wären sinnvoller gewesen. Die vielen Stunden selbst zu musizieren, machen garantiert tausendmal glücklicher als die wenigen Sekunden, in denen andere Neureiche beeindruckt werden.
  • Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Vor allem in Bezug auf Geld und Besitz. Jetzt wo du weißt, dass ein Porsche nur marginal glücklicher macht als ein Polo, kannst du die 80.000 Euro Unterschied sparen. Hör auf, Sendungen über Promis zu sehen oder Klatschblätter zu lesen. Wenn du die 18-Zimmer-3-Bäder-Villa mit deinen mickrigen 3 ZKB vergleichst, wirst du dich anschließend mies fühlen.
  • Gib Geld für andere. Das wird dich sehr viel glücklicher machen als den Beschenkten. Das funktioniert auch, wenn der Beschenkte nichts von dem Geschenk erfährt. Probiere es aus: Wirf 50 Cent in die Parkuhr, die gleich abläuft. Du wirst dich den ganzen Tag gut fühlen, weil du einen Unbekannten vor einem Knöllchen bewahrt hast. Die Höhe des Geldes ist gar nicht entscheidend, sondern die Tat.
  • Hör auf, Schnäppchen zu jagen. Das kostet unglaublich viel Zeit und am Ende kaufst du Dinge, die du gar nicht brauchst, um Menschen zu beeindrucken, die du nicht leiden kannst. Für Dinge, die du nicht kaufst, brauchst du nicht zu arbeiten. Nicht gekaufte Dinge brauchen keine Pflege, keine Versicherung und keinen Platz. Nicht gekaufte Dinge verbrauchen weder Rohstoffe noch Energie, verpesten weder Luft noch Wasser. Man muss keine Angst haben, dass sie gestohlen werden, kaputtgehen oder schnell an Wert verlieren. Und entsorgen muss man sie auch nicht. Setze das gesparte Geld und die gesparte Zeit lieber dafür ein, Dinge zu tun, die wirklich glücklich machen.
Dieser Text ist ein Artikelauszug von Wolff Horbach, Glücksforscher und Autor, aus dem Magazin maaS No. 6 ‚Geld und Glück‘. Alle Ausgaben des maaS Magazins können hier eingesehen und bestellt werden.
Bisher erschienen sind die Titel No.1 Beruf und Berufung, No.2 Frauen und Männer, No. 3 Leben und Sterben, No. 4 Ich und Gemeinschaft, No. 5 Körper und Geist. Das neue maaS Magazin Geld und Glück erscheint im September 2017.
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Autoren: maaS Magazin
maaS ist ein Mindstyle Magazin für ein erfülltes Leben, das inspiriert, ermutigt und Antworten gibt auf die wichtigsten Fragen des Lebens.
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