Glücksgefühle ohne Nebenwirkung: Kenne und aktiviere deine Glückshormone

Schokolade macht glücklich. Das Argument hat wohl schon fast jeder Mensch mit einem süßen Zahn benutzt. Aber warum macht Schokolade glücklich und wie ist es möglich, Glückshormone aktiv zu erzeugen?
Birgit van Hulst
von Birgit van Hulst
Glückliche Frau in der Natur im WinterPhoto by Alex Vans Colina on Unsplash

Glück, wollen wir das nicht alle, immer jederzeit abrufbar, schnell herstellbar, ohne Zusatzstoffe, unkompliziert… Wenn es so einfach wäre, hätten viele Menschen mehr Freude im Leben.

Gibt es Möglichkeiten, sich selber glücklich zu stimmen, oder muss immer ein bestimmtes Ereignis eintreten, damit man dieses Gefühl erreicht? Das ist wohl bei jedem unterschiedlich, doch wenn man selber weiß, wie man sich glücklich machen kann, ist man vielen einen großen Schritt voraus.

Immer nach mehr zu streben, mehr besitzen zu wollen, mehr Reichtümer anzusammeln, immer mehr reisen zu wollen und so weiter, ist sicher keine Glücksstrategie.

Was bedeutet Glück?

Die meisten Menschen, die diesen Artikel lesen, kennen Glücksgefühle, die allerdings nicht permanent anhalten. Für manche bedeutet Glück

  • Zeit mit der Familie
  • spazieren gehen in der Natur
  • gesund sein
  • Urlaub zu haben
  • Sonnenuntergang
  • ein Abend mit guten Freunden
  • gemeinsames Lachen
  • Autofahren mit guter Musik
  • im See zu schwimmen
  • in wunderbare Seelen zu schauen

Die Liste könnte unendlich lang sein, oft nimmt jeder einzelne diese Momente nicht mehr bewusst wahr, sondern sie werden so selbstverständlich, dass wir sie nicht mehr richtig genießen. Diesen einen Augenblick, wie gerne würden wir ihn einfrieren und immer wieder auftauen.

Und genau das geht. Sich immer wieder innere Dias abrufen und versuchen, den Moment noch einmal zu fühlen. Es funktioniert, bedarf jedoch eines Momentes der Besinnung.

Wie entsteht Glück im Körper?

Glück aus medizinischer Sicht ist eine Freisetzung bestimmter Hormone. Sei es beim Verliebtsein, beim Schokolade essen, beim Yoga oder Meditieren, bei gutem Sex, beim Umarmen von Freunden, bei Betrachtung vom Meer, bei einer Autofahrt mit dem Traumauto et cetera.

Ihre Wirkung beeinflusst unser psychisches und physisches Wohlbefinden und sie werden daher häufig als körpereigene Drogen bezeichnet. Als Botschafter in unserem Körper, leiten sie Nervenerregungen über die Synapsen an das Gehirn weiter und sind so Basis jeder Emotion, jedes Gedankens und jeder Bewegung.

Diese Glückshormone gibt es

Unser Körper produziert sechs verschiedene Glückshormone: Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Endorphine, Phenethylamin und Oxytocin.
(“Glückshormon” ist kein fachlich korrekter Begriff. Der Begriff wird lediglich populärwissenschaftlich gebraucht und eignet sich in diesem sehr gut zum Verständnis.)

1. Serotonin

Serotonin nimmt an Prozessen im zentralen Nervensystem teil und wirkt sich auf unser Schmerzempfinden, Schlaf- und Sexualverhalten und den emotionalen Zustand aus. Insbesondere wenn die Tage wieder länger und heller werden, übernimmt das Glückshormon Serotonin das Regiment und sorgt für mehr Elan.

Im Winter stehen wir übrigens stärker unter dem Einfluss von dem Hormon Melatonin, das ausschließlich nachts produziert wird und den Schlaf fördert.

2. Dopamin

Dopamin ist der entscheidende Botenstoff für unsere Glücksempfindungen. Seine Aufgabe ist es, Gefühle und Empfindungen weiterzuleiten, die Durchblutung der inneren Organe zu steuern und Impulse an die Muskeln weiterzugeben. In Kombination mit frischer Luft und Bewegung führt es mit Serotonin und Adrenalin zum lebendigen Wohlfühl-Mix.

3. Noradrenalin

Noradrenalin wird in Verbindung mit einem Enzym aus Dopamin hergestellt. Es befindet sich im zentralen Nervensystem und in den Nebennieren. Noradrenalin wird in geistigen oder körperlichen Stresssituation ausgeschüttet. Es steuert unseren Wachheits- und Aufmerksamkeitsgrad, steigert die Motivation und fördert die geistige Leistungsbereitschaft.

4. Endorphine

Endorphine funktionieren als körpereigenes Schmerzmittel und werden zum Beispiel bei starken Verletzungen ausgeschüttet. Sie lindern dann die Schmerzen und versetzen den Körper in eine Art Rauschzustand. Außerdem regulieren sie das Hungergefühl, unsere Stimmung und die Produktion von Sexualhormonen.

Auch intensive sportliche Aktivität setzt Endorphine frei. Erschöpfungssymptome werden gemindert und als Sportler bekommt man die „die zweite Luft“.

5. Phenethylamin

Das Hormon Phenethylamin ist für unsere Lust- und Glücksempfindungen verantwortlich. Die Ausschüttung kann körperliche und psychische Ursachen haben. Durch langes Ausdauertraining zum Beispiel wird Phenethylamin freigesetzt und hinterlässt ein berauschendes Glücksgefühl beim Sportler.

Aber auch bei der Gefühlsachterbahn des “Verliebt-Seins” ist Phenethylamin am Werk. Es fördert typische Symptome wie das Kribbeln im Bauch, Herzklopfen und Konzentrationsstörungen.

6. Oxytocin

Oxytocin ist in erster Linie für seine Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung bekannt. Es fördert das Auslösen der Wehen bei der Geburt und die Milchabgabe beim Stillen. Weitere Wirkungen, die sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern bemerkbar machen, sind die Reduktion von Angst und Stress, die Förderung des allgemeinen Wohlbefindens und die Steigerung kognitiver Empathie bzw. der sozialen Kompetenz.

So kannst du schnell einige Glückshormone aktivieren

Sich bewusst machen, woran man Spaß hat, ist also das eine. Der zweite Schritt ist zu wissen, wie man aktiv Glückshormone freisetzt.

Beispielsweise braucht das Hormon Serotonin, das gerne auch das Gute-Laune-Hormon genannt wird, Licht. In der kalten Jahreszeit ist es also wichtig, dass man sich dem Tageslicht ausreichend aussetzt, etwa in Form von Spaziergängen. Sollte das nicht möglich sein, gibt es künstliche Möglichkeiten, etwa ein Lichtwecker.

Sport stellt für einen sportbegeisterten Menschen ohne Frage eine Form von Glück dar, für einen weniger bewegungsfreudigen Menschen im ersten Moment wohl nicht. Sicher ist jedoch, dass Endorphine durch sportliche Aktivitäten freigesetzt werden können.

In manchen Situationen reicht ein Spaziergang an der frischen Luft, an anderen Tagen spürt man erst die sportliche Belastung und im Anschluss die schmerzlindernde und stimulierende Wirkung der Endorphine.

Also viel Freude bei der Aktivierung deiner Hormone.

Birgit van Hulst
Birgit van Hulst ist seit ihrer Kindheit sportlich unterwegs. Heute ist sie zertifizierter Coach für Ernährung, Bewegung und Mentaltraining...
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