Glück - The World Book of Happiness: Glücksforscher zeigen uns 350 Wege zum Glück!

Was haben die vielen Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, der freie Wille, aber auch Schmerz und Traurigkeit eigentlich mit unserem Glück zu tun?
Annette Coumont
von Annette Coumont
Glückliche Frauen reden miteinander© Pixaby

Glück ist kein Zufall und viele Wege führen zum Ziel. So viele, wie die neuesten Erkenntnisse von Glücksforschern weltweit, die Leo Bormans in seinem neu überarbeiteten Bestseller “Glück” zu Wort kommen lässt. Die Beiträge der Forscher eröffnen ungeahnte Denkräume und neue Wege zu den Grundlagen des Glücks: Erfolg, menschliche Nähe, Genetik oder Humor. Das Buch führt uns Leser auf die richtige Spur, denn hier ist das Wissen der Glücksforschung aus aller Welt gebündelt – ohne philosophische oder spirituelle Spekulationen. Wir müssen es nur noch anwenden, um unser persönliches Glück zu finden.

Das Glück auch im Unglück finden

Es geht schon wieder um Glück. Dabei können wir es eigentlich mittlerweile kaum noch ertragen. Wir werden ja regelrecht von Smileys verfolgt. Es scheint ein Zwang zu sein, immer und überall glücklich zu sein. Leider sind wir das aber meist nicht. Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Es ist durchsetzt von individuellen Hochs und Tiefs.

Aber es gibt immer wieder Menschen, die sich als glücklich bezeichnen, trotz schwieriger Lebensumstände und andauernder Rückschläge. Und hier liegt das eigentliche Geheimnis des Glücks versteckt: was genau ist das Glück, wenn man es doch auch im vermeintlichen Unglück finden kann?

Der Zauber der positiven Psychologie – Was heitert uns auf, was macht uns glücklich?

Lange ist die Zeit vorbei, in der Forscher das Glück in materiellem Reichtum oder im Status suchten. Wer reich ist oder eine gesellschaftlich anerkannte Funktion erfüllt, ist nicht unbedingt glücklicher als ein Arbeiter oder normaler Angestellter.

Internationale Forscher suchen die Glücksfaktoren in ihren Studien vielmehr in der sogenannten “Positiven Psychologie”. Dabei gehen die Forscher nicht von den negativen Dingen aus, die den Menschen Krankheiten oder Schmerzen verursachen, sondern von aufheiternden und glücksbringenden Faktoren.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass wir das Glück zu ca 50 Prozent selbst beeinflussen können und dies nicht, entgegen bisheriger Annahmen, von unserem Charakter oder unseren Lebensumständen abhängt.

Am meisten Glück erfahren demnach Menschen, die offen sind und lernwillig, die eine sichere soziale Bindung und ein gutes persönliches Netzwerk haben. Sie können ihre Gefühle gut ausdrücken und werden nicht von der Angst, sondern stets von ihrer Hoffnung gesteuert. Und diese Haltung gilt selbst in schwierigen Zeiten.

Glück in zwei Wörtern? Andere Menschen. Und wir alle sind für irgendjemanden “der” oder “die” andere. Christopher Peterson, Gründungsvater der positiven Psychologie

Glücksfaktor Hoffnung – Stärke durch Wohlbefinden und Widerstandskraft

Ein zentrales Element der Positiven Psychologie ist tatsächlich die Hoffnung. Damit beschäftigt sich der ägyptische Wissenschaftler Ahmed M. AbdelKhalek, der als Professor für Psychologie an der Universität Alexandria forscht.

„Es ist wünschenswert und möglich, Hoffnung zu erlernen“, glaubt Ahmed M. Abdel­Khalek. „Wichtig ist es, die zentrale Rolle von Kontrolle, Meisterung, Autonomie und hoffnungsvoller Orientierung im Leben zu erkennen. Um Hoffnung zu entwickeln, müssen wir lernen, auf flexible Weise über die eigene Wirksamkeit und unsere Kontrolle über das Schicksal nachzudenken.“

Die Hoffnung, also das Denken in möglichen Lösungswegen, ist eine Fähigkeit, erfolgreich seine Ziele zu erreichen. Sie ist eng verknüpft mit dem Glauben an das Positive und die eigene Selbstwirksamkeit. Sie ermöglicht eine flexible geistige Anpassung an die Lebensumstände, erhöht das Selbstwertgefühl und stabilisiert soziale Kontakte sowie die äußere Erscheinung.

Dies gilt laut Ahmed M AbdelKahlek umso mehr für Menschen, die religiös sind, denn Glaube bietet immanent die Hoffnung, dass alles gut wird. Viele Völker dieser Welt leiten ihre Hoffnung und damit ihr Glück weitgehend aus religiösen oder spirituellen Überzeugungen ab.

“Hoffen heißt, die Melodie der Zukunft zu hören”

Universelles Glück – Glück und Wohlergehen für alle

Religiosität und kultureller Hintergrund sind also auch entscheidend für das Erleben von individuellem Glück. Deshalb beschäftigt sich Samuel Ho, der das erste Labor für Positive Psychologie in China eröffnet hat, mit der Erforschung eines Modells für das Universelle Glück.

„Wenn ich meine chinesischen Patienten frage, ob sie glücklich sind oder nicht, schauen mich viele von ihnen mit leerem Blick an, weil sie nicht wissen, wie sie antworten sollen“, sagt Samuel Ho. Er findet, es sei an der Zeit, östliche und westliche Ansichten in einem universellen Modell des Glücks zusammenzubringen.

Die Philosophie der taoistischen Religion geht davon aus, dass Ying und Yang zwei Prinzipien eines großen Ganzen, also die zwei Seiten einer Medaille sind. Damit folgt stets das Unglück auf das Glück und das Glück auf das Unglück. Ein scheinbar unauflösbarer Gegensatz – aber wer die Mechanismen des Lebens achtsam beobachtet, kann diese Erfahrung sicher teilen. So zieht, wer Glück hat, automatisch das Unglück, z.B. in Form von Eifersucht und Neid der anderen, auf sich. Umgekehrt das Mitgefühl anderer, bei selbst erlebtem Unglück.

Diese zwischenmenschliche Dimension des Glücks scheint weltweit zu gelten und eine reine Selbsteinschätzung des eigenen Wohlergehens kann demnach nie ausreichen, um wirklich umfassendes Glück zu erfahren. Ein universelles Glücksverständnis sollte also stets das Wohlergehen wichtiger Mitmenschen oder ganzer Gruppen im Auge behalten, welches mehr gelten sollte, als das kleine individuelle Glück.

Grundlos glücklich sein – Das Glück ist immer schon in uns vorhanden

Guy Corneau, Psychoanalytiker und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Glück, geht sogar noch weiter und stellt die These auf, dass wir unser Glück, völlig unabhängig von den äußeren Umständen, immer in uns tragen. Wir können es sozusagen selbst abrufen, wenn wir nur beschließen, die vorhandene Freude in uns zu spüren.

“Die Tibeter sagen sogar, sie sei der leuchtende Boden, auf dem alles menschliche Leben aufgebaut ist, und jeder von uns könne sie wahrnehmen, wenn wir in einen spontanen Zustand von Glückseligkeit oder Ekstase eintreten. Wenn sie also schon da ist, warum sollten wir auf den Glücksfall einer schwierigen Erfahrung warten, um sie zu erkennen? Warum zielen wir nicht direkt auf sie ab, indem wir unseren inneren Zustand verändern?” so Corneau.

Unser Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab. Guy Corneau

Und weiter: “Der Weise behauptet nicht, er könne die Geschehnisse ringsum verändern; er beschließt eher, das zu verändern, was in ihm selbst vorgeht, indem er seinen Geisteszustand frei wählt. Diese Entscheidung kann jeder treffen. Genau wie ein Künstler die Farben wählt, die seinem Gemälde Harmonie und Schönheit verleihen, können wir alle die Farben und Schattierungen aussuchen, die unsere Existenz tönen. Wer das tut, wird zum Schöpfer des eigenen Glücks.” So einfach könnte es mit dem Glück sein.

Dem Glück auf der Spur – Database of Happiness und persönliches Glück

Ruut Veenhoven, emeritierter Professor für „Soziale Bedingungen des menschlichen Glücks“ an der Erasmus-Universität Rotterdam (Niederlande), untersucht in seiner Database of Happiness in tausenden von Studien, empirischen Untersuchungen und statistischen Ergebnissen das Glück und seine Begleitumstände im internationalen Kontext.

In der Auswertung nach Ländern sind die Deutschen demnach ein überwiegend glückliches Volk, wohl auch weil die Bedingungen für Glück gesellschaftlich, wirtschaftlich und sozial gewährleistet sind.

Doch bisher ist es noch immer nicht eindeutig belegt, was das Glück tatsächlich ausmacht und welche Begleitbedingungen notwendig sind. Glück scheint eine höchst individuelle Angelegenheit zu sein und bleibt damit relativ. Glückliche Menschen sind überdurchschnittlich oft intellektuell besser ausgestattet als Unglückliche, das konnten Studien belegen. Dass Glück ein Charakterzug sein könnte, wurde dagegen widerlegt.

Wir können uns also aussuchen, ob und wie wir glücklich werden möchten. Ob durch unsere eigene Geisteshaltung, durch das Prinzip steter Hoffnung, oder durch positive Zuwendung zum Glück der anderen. “Glück” von Leo Bormans zeigt uns noch viel mehr als diese drei Möglichkeiten. Mit über 350 Thesen zum Glück kann es als Buch voller Inspirationen für unser individuelles Glückskonzept gelesen werden. Darunter findet gewiss jeder Mensch einen Weg zu seinem individuellen Glück, den es sich lohnt, weiter zu verfolgen.

Annette Coumont
Annette arbeitet als freie Redakteurin und Autorin mit Schwerpunkt Achtsamkeit und bewusst nachhaltige Lebenstile. Sie schreibt auch für die evidero Redaktion…
Buchtipp
Hier findet ihr das vorgestellte Buch