Hochsensibel in der Arbeitswelt: Nebenberufliche Selbständigkeit? 3 unschlagbare Pros für Sensible

Reizt dich die Selbstständigkeit, aber die Unsicherheit hält dich zurück? Unsere Expertin Nicole Lindner hat die Lösung und Tipps, wie du dich langsam an die Selbstständigkeit heran wagst.
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von Nicole Lindner
Junge Frau arbeitet mir ihrem Laptop zuhause

Du bist zartbesaitet und hegst einen beruflichen Traum, den du gerne verwirklichen würdest? Der Gedanke 40 Stunden für ein Unternehmen zu arbeiten schreckt dich ab? 20 Stunden Festanstellung reichen dir völlig und die verbleibende Zeit möchtest du in deinen Traum investieren oder trägst du dich auch immer wieder mit dem Gedanken, deinen Job zu kündigen, traust dich aber nicht, es endlich durchzuziehen? Möglicherweise plagt dich ja die Angst, mit deiner Idee zu scheitern und danach nie wieder (oder gar nicht erst) einen Job zu finden?

Falls du dich von diesen Worten angesprochen fühlst, könnte eine nebenberufliche Selbständigkeit etwas für dich sein. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum…

Endlich unabhängig sein und die eigene Zeit so einteilen, wie man will. Kein nerviger Chef, keine zeitraubende Teamsitzung, anstrengende Kunden oder dauermuffelnde Kollegen. Kein „ach, mach doch bitte mal“ oder „kannst du nicht noch…?“ Keine Überstunden, Arbeitsstapel oder nervige Weihnachtsfeiern, bei denen sowieso jeder nur über jeden lästert.

Selbstverwirklichung durch Selbstständigkeit

Stattdessen Selbstverwirklichung. Ein eigenes Produkt oder eine Dienstleistung. Scharen von Kunden, welche zu dir strömen und dich jeden Tag aufs Neue für das vergöttern, was du ihnen schenkst. Freiheit, Unabhängigkeit, Erfolg. So oder so ähnlich stellen sich viele Angestellte die Selbständigkeit vor. Und ja, ich gebe es zu, manchmal ist es auch so – du bist gut dabei, das Geld fließt nur so rein und alles ist super! Doch es gibt auch Zeiten, in denen das nicht so ist und pure Existenzangst deinen Höhenflug ablöst: Dann bist du ängstlich und gehemmt, traust dir nichts zu und möchtest am liebsten zurück ins (ach so sichere?) Angestelltenverhältnis flüchten.

Die unschlagbare Lösung für dieses Dilemma: Eine nebenberufliche Selbständigkeit. Gerade für sensible Menschen bietet sie sich sehr gut an, weil sie dir einerseits die nötige finanzielle Absicherung verschafft und gleichzeitig eine einmalige Chance bietet, die eigenen Träume Schritt für Schritt im eigenen Tempo zu verwirklichen.

Du bist diesem Gedanken nicht abgeneigt? Dann schauen wir uns die Pros doch einmal genauer an:

1. Eine nebenberufliche Selbständigkeit verschafft dir Unabhängigkeit

Viele Feinfühlige träumen davon, ohne Vorgaben zu arbeiten und komplett ihr eigenes Ding zu machen: mit einer nebenberuflichen Selbständigkeit rückt dieser Traum in greifbare Nähe! Dabei darf der Begriff der Unabhängigkeit auf unterschiedliche Art und Weise verstanden werden.

Zum einen ist da zum Beispiel das Wegfallen von starren Strukturen einer übergeordneten Instanz, welche sich im Regelfall Chef nennt – übrigens ein häufiger Problemfaktor vieler Feinfühliger im Angestelltenverhältnis. Auch sehnen sich diese empfindsamen Menschen nicht selten danach, sich mit ihrem Tun selbst zu verwirklichen – in einem regulären Job mit Fremdbestimmung oftmals gar nicht so leicht möglich.

Wenn du diese Erfahrung ebenfalls gemacht hast, liegt es nahe, dass du dich nebenberuflich selbständig machst, denn hier bekommst du die einmalige Chance, dir diese Unabhängigkeit selbst zu erschaffen (d.h. du bist frei in deinen Entscheidungen und darfst tun und lassen, was du möchtest). Natürlich trägst du bei aller Freiheit aber auch das Risiko und bist für dein Unternehmen selbst verantwortlich.

Keine Sorge, die Ängstlichen unter uns können trotzdem aufatmen, da das finanzielle Risiko im Normalfall eher gering ist. Da du hauptberuflich immer noch im Angestelltenverhältnis arbeitest, bist du mit deinem regulären Gehalt abgesichert und darfst dir problemlos auch mal den einen oder anderen kleinen Fauxpas erlauben.

Gerade am Anfang ist das für alle Sicherheitsbedachten ein sehr beruhigender Gedanke, da du ja noch nicht genau weißt, ob deine Idee auf dem Markt überhaupt greift und du wahrscheinlich verschiedene Strategien ausprobieren wirst.

Wovon du dich übrigens noch unabhängig machst, ist dein gegenwärtiger Arbeitgeber. Indem du dir ein zweites berufliches Standbein aufbaust, beugst du der Gefahr vor, bei einem möglichen Jobverlust auf der Straße zu stehen – eine sehr gute Absicherung für den Ernstfall. Und wer weiß, vielleicht läuft deine nebenberufliche Selbständigkeit bis dahin ja so gut, dass du komplett auf eigenen beruflichen Beinen stehen kannst?

Klingt gut? Super! Was könnte es dir noch bringen, wenn du neben der regulären Arbeit dein eigenes Ding startest?

Betrachten wir Punkt zwei:

2. Eine nebenberufliche Selbständigkeit bietet dir die Chance, dein kreatives Potential zu leben

Ruhige Menschen tragen nicht selten ein hohes kreatives Potential und einen großen Ideenreichtum in sich. Oft sind sie diejenigen, die auf unterschiedliche Art und Weise versuchen, etwas Gutes in die Welt zu tragen und so die inneren Ideale zu verwirklichen. Nicht selten finden sich unter ihnen Künstler oder Menschen in sozialen Berufen – in diesen Berufsfeldern lassen sich die inneren Leitbilder oft noch am ehesten verwirklichen.

Bist du auch jemand mit einem inneren Ideal? Hast du immer wieder neue Ideen, wie du die Welt ein Stückchen besser machen könntest? Suchst du nach einem Sinn in deiner Tätigkeit, den du an andere weitergeben möchtest?

Eine nebenberufliche Selbständigkeit verschafft dir die wunderbare Chance, deine Vorstellungen endlich in die Realität umzuwandeln. Was du dafür brauchst, bringt dein empathisches Wesen ohnehin bereits von Natur aus mit: Eine gute intuitive Gabe und den Wunsch, diese in kreativer Form ins Leben zu bringen.

Um dies allerdings optimal umzusetzen, benötigst du den letzten Punkt meiner Auflistung:

3. Eine nebenberufliche Selbständigkeit ermöglicht dir Raum für individuelles Arbeiten

Feinfühlige sind nicht dafür geschaffen, unter ständigem Zeitdruck und Kontrolle von „oben“ zu arbeiten, das ist schlicht und ergreifend Fakt. Sie brauchen sowohl im Privat- als auch im Berufsleben immer wieder zeitliche bzw. räumliche Rückzugsmöglichkeiten, um die auf sie einstürmenden Eindrücke zu verarbeiten und neue Kraft zu tanken. Haben sie diese Kraft getankt, sind sie auch wieder voll einsatzfähig – können sie das nicht, leidet auf Dauer die eigene Gesundheit und Psyche.

Wenn du nebenberuflich selbständig tätig bist, kannst du dir die Zeit so einteilen, dass sie deiner Leistungskurve entgegenkommt. Bist du zum Beispiel jemand, der bereits früh am Morgen Gas geben kann oder läufst du erst am Abend so richtig warm? Arbeitest du gerne alleine oder brauchst du Gesellschaft?

Wie lange am Stück kannst du arbeiten und wann brauchst du eine Pause? Wie kannst du dich in dieser Pause am besten erholen? Mit einem Spaziergang, guter Musik oder einem kurzen Schläfchen in deinem eigenen Bett? Brauchst du ein Büro, eine Praxis oder arbeitest du gerne zuhause auf der Couch?

Möglichkeiten des individuellen Arbeitens gibt es bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit viele – suche dir am besten diejenigen raus, die zu deinem sensiblen Wesen passen. Damit schaffst du die besten Voraussetzungen für einen gelungenen nebenberuflichen Neustart!

Zum Abschluss noch etwas Persönliches:

Auch ich habe vor Jahren mit einer nebenberuflichen Selbständigkeit angefangen und mir mit viel Fleiß und Durchhaltevermögen ein neues und sinnstiftendes berufliches Dasein erschaffen. Genau aus diesem Grund möchte ich dir gerne zum Abschluss dieses Artikels dieses raten:

Sollten die vorangegangenen Worte in irgendeiner Weise etwas in dir zum Klingen gebracht haben, höre bitte auf dein Herz, fange irgendwo an und folge beharrlich deinen Träumen, selbst wenn es dir am Anfang Angst macht. Aus eigener Erfahrung kann ich dir versichern: Es lohnt sich, dranzubleiben!

Viel Erfolg!

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Expertin: Nicole Lindner
Nicole Lindner ist Sozialpädagogin und betreibt eine Onlineplattform für feinfühlige Menschen.
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