Reizüberflutung bei Hochsensibilität: Hochsensibilität positiv gelebt – mit Reizen richtig umgehen

Hochsensible Menschen nehmen äußere und innere Eindrücke stärker wahr und müssen dementsprechend anders mit ihnen umgehen. Dafür müssen sie die Hintergründe der Reizüberflutung kennen.
Silvia Christine Strauch
von Silvia Christine Strauch
Musik hören in der Natur: Was tun bei Reizüberflutung durch Hochsensibilität? © Alen-D - Fotolia.com

Wann ist ein Mensch sensibel, hochsensibel, empfindlich oder nur zickig? Das wird sich so manch einer fragen, der meint, hochsensibel zu sein oder mit einer hochsensiblen Person zusammenlebt. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass 20 bis 25 Prozent der Menschheit hochsensibel ist. Aber wie stelle ich fest, ob ich dazu gehöre? Es gibt eine Menge Tests, die dies versprechen. Schaue ich mir das Ergebnis an, so sehe ich hier mehr, dort weniger stimmige Punkte und insgesamt: bin ich oder nicht oder nur ein wenig…?

Viele Menschen sind in verschiedenen Bereichen hochsensibel. Was macht denn nun Hochsensibilität aus? Hochsensible besitzen keine anderen Sinnesorgane als andere. Sie besitzen auch keine verstärkte Reizleitung, allerdings eine etwas andere Reizverarbeitung.

Äußere und auch innere Eindrücke werden neurologisch stärker wahrgenommen bzw. verarbeitet. Über unsere fünf Sinne riechen, schmecken, fühlen, sehen und hören nehmen wir Reize aus unserer Umgebung auf, die zur Reizverarbeitung ins Gehirn weitergeleitet werden.

Würden alle oder auch nur die Hälfte dieser Reize vom Gehirn verarbeitet und in unser Bewusstsein geleitet, dann würden wir unter einem extremen Feuerwerk unserer Sinne leiden und könnten keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Bist du hochsensibel? Hier kommst du zum Hochsensibilitäts-Test

Hochsensible Wahrnehmung – so werden Reize verarbeitet

Das Gehirn filtert, sortiert und verarbeitet unsere Eindrücke erst einmal ohne dass wir etwas davon mitbekommen. Die Filterkriterien sind äußerst subjektiv, Konditionierungen, Genetik, Erfahrungen und vieles mehr spielen hier eine Rolle.

Es gibt keine absolute Wahrnehmung, wie viele Beispiele mit optischen Täuschungen zeigen. Die Filterfunktion im Gehirn ist auch von Überträgerstoffen, sogenannten Neurotransmittern, abhängig und hat nicht nur eine Qualität, also Eigenschaft, was wird verarbeitet, sondern auch eine Quantität, sprich wie viel an Reizen wird verarbeitet.

Reizüberflutung bei hochsensiblen Menschen

Die Menge an Reizen, die pro Sinn weiterverarbeitet werden, können ziemlich unterschiedlich sein. Wird ein Vielfaches an Reizen vom Gehör weiterverarbeitet, fühlt man sich schnell überlastet, überreizt, wenn es laut wird. Man kann sich auch von Gerüchen überwältigt fühlen, angenehm wenn es um Blumenduft geht, unangenehm, wenn in der Fußgängerzone jeder Mensch in eine Parfümwolke gehüllt ist.

Dieses Überangebot an Wahrnehmung kann sich auf jeden einzelnen Sinn beziehen. Sind mehrere Sinne davon betroffen, fühlt man sich besonders schnell überlastet.

Hochsensible haben eine ausgeprägte Intuition

Auch die inneren Eindrücke sind bei hochsensiblen Personen sehr bunt und vielfältig. Sie besitzen durch diese Form der Wahrnehmung buchstäblich den siebten Sinn. Man nimmt schnell Veränderungen in der Umwelt wahr, man nimmt sein Gegenüber sehr intensiv wahr und verspürt leicht, wie authentisch der andere ist. Dies kann zu einer sehr stimmigen Intuition führen.

Das Leben ist durch diese feine Wahrnehmungen sehr abwechslungsreich und feinsinnig, einfach vielfältig.

Was bei Reizüberflutung hilft

Um sich von diesen vielen Reize nicht überrannt zu fühlen, ist es zu allererst einmal nötig, diese Hintergründe zu erkennen. Dadurch verschwindet recht schnell der Druck des „sich anders fühlen“, das „mit der Situation nicht zurechtkommen“.

Dann heißt es, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Eigenschaft positiv ins Leben zu integrieren. Ein hochsensibler Mensch braucht mehr Ruhepausen als manch ein anderer, um sich von der Reizflut zu erholen, so wie man bei einem Computer den Arbeitsspeicher löscht.

Um diese Ruhepausen realisieren zu können, braucht man ein gutes Zeitmanagement, Entspannungstechniken und das nötige Selbstbewusstsein, um dies durchzusetzen. All dies kann man lernen.

Wann ist sensibel hochsensibel?

Genau wird das keiner festmachen können, wirklich objektive Kriterien gibt es hierfür nicht. Um dies festzustellen, muss man sich auf die Reise in sein inneres Selbst machen. Reflektieren, hinterfragen, Konditionierungen und Vorurteilen auf die Spur kommen und dazu bereit sein, Hochsensibilität nicht als Ausrede für irgendetwas zu benutzen.

Für einen entwickelten, bewussten Menschen ist Hochsensibilität eine große Gabe und eine immense Bereicherung. Ich hoffe, dass sich viele Menschen auf den Weg dorthin aufmachen, um diese besondere Begabung positiv zu leben und somit auch unter die Leute zu bringen.

Silvia Christine Strauch
Die erfahrene Buchautorin Silvia Christine Strauch, geboren 1955, beschäftigte sich beruflich über 40 Jahre lang mit dem Themengebiet der Naturheilverfahren...
Buchtipp
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