Entspannen mit Entschleunigung: 5 Tipps zum Entschleunigen

Stress ist ein ständiger Begleiter unseres Lebens. Wie man es schafft, mal innezuhalten und zu entschleunigen, verrät Karima Stockmann.
von Karima Stockmann
Achtsamkeit im AlltagFoto: Andrea Warnecke © picture alliance / dpa Themendienst

Bei zig Terminen, klingelnden Handys und ständiger Berieselung fällt es schwer innezuhalten. Teil drei der evidero-Entspannungsreihe: Die Entschleunigung. Unser Leben ist immer schneller geworden – Kommunikation via Mobiltelefon und E-Mail machen uns überall erreichbar. Und auch Fernsehen, Radio und Zeitungen überhäufen uns mit ungefilterten Informationen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig die „Bremse zu ziehen“ und sich immer wieder intensive Momente der Entspannung zu gönnen. Um innezuhalten, die Gedanken kreisen zu lassen und sich und das eigenes Umfeld bewusster wahrzunehmen. Karima Stockmann von lebensfreude-heute.de ist Entschleunigungs-Expertin und gibt auf evidero Tipps.

Entschleunigung: Rasten statt Rasen und einfach mal nichts tun

Unser Geist leistet in der heutigen schnelllebigen Zeit wahre Kunststücke, um ständig „voll da“ zu sein und nichts zu verpassen. Gönne ihm doch einmal am Tag fünf Minuten im „Standby-Modus“ und tu einfach mal: NICHTS. Diese fünf  Minuten können helfen, das innere Stresslevel zu senken – Stresshormone werden abgebaut, Herzschlag und Atmung werden reguliert und du schöpfst innerhalb kürzester Zeit neue Energie für den Tag.

Auch sogenannte „Mikropausen“, die du innerhalb weniger Sekunden in deinem Arbeitsalltag einbaust, entschleunigen deinen Tag spürbar. Blicke aus dem Fenster, schließe deine Augen und atme tief in deinen Bauch oder fahre dir durch die Haare und massiere dabei deinen Kopf. Diese Mini-Auszeiten halten dich nicht von der Arbeit ab – im Gegenteil: sie helfen dir sogar dabei, effektiver zu sein.

Alltagstaugliche Entspannungsübungen zum Entschleunigen

Wusstest du, dass allein dein Puls – also der Rhythmus deines Herzens – ganz viel über deinen momentanen Entspannungs- oder eben Anspannungs-Zustand sagen kann? Das Interessante dabei ist, dass du die Möglichkeit hast, deinen Puls durch verschiedene Übungen positiv zu beeinflussen.

Mach doch heute mal folgende Übung – für den Anfang am besten in einer Situation, in der du dich relativ ruhig fühlst. Wenn du ein wenig damit „trainierst“, werden diese Übung künftig auch sehr gut in stressigen Situationen nutzen können, um dich innerlich zu beruhigen:

  • Du kannst diese Übung im Sitzen, Liegen oder sogar Stehen probieren, also z.B. auch während du irgendwo wartest oder im Auto, kurz bevor du den Heimweg antritst – Hauptsache, du bist sind ungestört.
  • Lege nun deine Hände vor dem Oberkörper zusammen, so dass sich die Finger der linken und der rechten Hand genau gegenüber liegen und sich die Fingerspitzen berühren.
  • Spüre zunächst, wie sich deine Finger und Hände anfühlen. Sind sie kalt? Warm? Oder kribbeln sie ein wenig?
  • Jetzt drücke deine Fingerspitzen langsam immer fester gegeneinander, bis du deinen Puls in den Fingern spürst. Sei nicht ungeduldig, gib dir ein bisschen Zeit…
  • Atme währenddessen ganz langsam tief ein und aus. Konzentriere dich dabei vor allem auf das Ausatmen und zähle dabei deine Pulsschläge. Versuche wahrzunehmen, ob dein Herz gerade hastig oder ganz gemächlich schlägt.

Du wirst merken, je länger du diese Übung machst, desto ruhiger wird dein Puls und umso ausgeglichener fühlst du dich. Du hast ganz nebenbei und innerhalb von wenigen Minuten „entschleunigt“!

Entschleunigung bedeutet Langsamkeit

Mach heute bewusst alles eine Stufe langsamer, lass dir richtig Zeit und tanke dabei neue Energie – probieren es mal hiermit:

Langsam wach werden und erst einmal genüsslich strecken, ganz gemächlich Frühstück machen und dem Kaffee dabei zusehen, wie er nach und nach die Kanne füllt… Jetzt wirst du vielleicht sagen:  „Gemütlich frühstücken?! Ich muss arbeiten, ich hab‘ keine Zeit für so was!” Ich bin mir sicher, dass es viele nachvollziehbare Gründe gibt, um etwas NICHT zu tun – doch sei dir bitte stets bewusst, dass trotz der Arbeiten und Pflichten immer noch du selbst über deine Zeit entscheidest.

Und wenn es mit dem Frühstück nicht klappt, kann es ja auch der Arbeitsweg sein, bei dem du dir heute gezielt EXTRA viel Zeit lässt: Schon zehn Minuten früher losfahren reicht aus, um ohne Hektik ein paar Meter zu Fuß zu laufen und dabei den Vögeln zu lauschen, einer vorbei streunenden Katze den Rücken zu kraulen oder noch zwei Minuten länger im Auto sitzen zu bleiben, um das schöne Lied im Radio zu Ende zu hören.

Achtsamkeit – bewusst im Hier und Jetzt sein

Wie oft hören wir solche Sätze: „Ich fühle mich wie auf der Flucht!“ oder „Die Zeit vergeht heute viel schneller als früher”…

Die Ursache dieser gefühlten Schnelllebigkeit liegt vor allem darin, dass wir oft nicht im Moment leben, durch den Tag hetzen oder uns im Alltagstrott verlieren. Doch versuche es heute mal anders als sonst – und zwar mit Achtsamkeit. Durch achtsames Durchführen einer alltäglichen Tätigkeit gewinnen Sie wertvolle „bewusste Lebenszeit“.

Ihr Tag wird Ihnen „länger” und vor allem erfüllter vorkommen, wenn du wieder mit all deinen Sinnen wahrnimmst, was du jeden Tag erlebst und was mittlerweile vielleicht schon zur Normalität geworden ist.

Um deine Achtsamkeit zu trainieren, gibt es zahlreiche Übungen. Probieren du es für den Anfang zum Beispiel beim Duschen aus und nutze diese wenigen Minuten, um jeden einzelnen Schritt zu „analysieren”:

Wie fühlt sich die Seife auf Ihrer Haut an? Spürst du die Wassertemperatur? Wie nimmst du deine Haut wahr? Wonach riecht dein Duschgel und Haarshampoo? Genieße die kurze Kopfmassage, während du dir deine Haare einseifst und versuchst, deine Kopfform zu „ertasten“. Atme die warme Luft ein und realisiere, dass du gerade ein paar völlig ungestörte Minuten verbringst, die einfach nur dir und deiner Wahrnehmung gehören – tja, so einfach lässt sich Achtsamkeits-Training in deinen Tag einbauen, um dein Leben zu “entschleunigen”.

Rituale zum Entschleunigen – steter Tropfen höhlt den Stein

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ebenso, wie wir uns das „Beschleunigen“ antrainiert haben, können wir üben, die „entschleunigten“ Momente immer öfter Teil unseres Lebens werden zu lassen. Der Schlüssel für neue Gewohnheiten liegt in der Wiederholung neuer Denk- und Verhaltensweisen. Aus diesem Grund habe ich die inspirierenden „lebensfreude-heute Botschaften“ ins Leben gerufen, die meine Leser jeden Tag per E-Mail erreichen und immer wieder daran erinnern, das Leben bewusst zu genießen.

Für viele ist es zu einem liebgewonnenen Morgenritual geworden, zunächst die Lebensfreude-Post zu lesen, um dann bewusst in den Tag zu starten. Anregende Zitate, Weisheiten und Gedanken über Motivation, Optimismus, Zeit, Lebensträume und natürlich Entschleunigung erinnern immer wieder daran, dass jeder Tag lebenswert ist und die Lebensfreude nicht nur für den Urlaub oder das Wochenende aufgespart werden darf.

Karima Stockmann ist zertifizierte Diätassistentin und mit ganzem
Herzen Lebensfreude-Coach. Getreu dem Motto: „Reicht Dir das Leben
eine Zitrone, mach‘ Limonade daraus!“...
Tipp
Entschleunigen und Stress abbauen
  • Laura Hämmer

    Danke für die Tipps – das mit dem Entschleunigen hört sich ja eigentlich gar nicht so schwer an 🙂
    Werd das mit dem Duschen heut Abend gleich mal ausprobieren…LG

  • Christiane

    Tue zwei wirklich wichtige Dinge beruflich wie privat. Nutze das Zeit- und Aufgabenmanagement als Technik und lerne, dir nicht zu viel aufzuhalsen. Frage, muss ich das wirklich machen oder was passiert, wenn ich nein sage. Danach lebe ich immer mehr und schaffe mehr und bin zufriedener. Die anderen sehen einen immer, wie man sich selbst sieht. Seitdem ich nicht immer mehr das fleißige Lieschen bin, werde ich besser angesehen. Wenn ich jetzt etwas mache, ist das mehr wert.