Gemüsekiste-Abo im Test

ÖkoCheck – Nachhaltig­keit im Realitäts­test

Gemüse im Abo ist eine praktische Lösung, um regional und saisonal Lebensmittel zu beziehen. Klingt gut, ist es aber auch praktisch? Hier ein Selbsttest.
Paprika© evidero

Seit zwei Wochen sind meine Mitbewohnerin und ich (zwei Mädels Mitte zwanzig und in der Uniabschlussphase) Gemüsekisten-Abonnenten auf Probe. Alle sieben Tage bekommen wir eine frische Ration Bio-Grünzeug direkt vor die WG-Tür geliefert. Pioniere sind wir damit in unserem Freundeskreis nicht. Im Gegenteil, jede zweite WG in unserem Umfeld gehört ebenfalls zum Kundenstamm unseres Biolieferanten. Was der Quellekatalog vor 40 Jahren war und der Bofrost-Mann vor 10 Jahren, das ist bei uns die Gemüsekiste.

Ein Obsthändler trägt seine WareFoto: © Science Photo Library/getty-Images
Frisches Obst und Gemüse gibt es nicht nur auf dem Markt, sondern auch direkt im Abo vor die Haustüre.

Es gibt viele Gründe, warum das essbare Abo so beliebt ist: Die Fußfaulen ersparen sich den Weg zum Supermarkt; diejenigen, die beim Einkaufen unter notorischer Entscheidungsschwäche leiden (geschweige denn eine Sellerie- von einer Fenchelknolle unterschieden können), profitieren von der fertigen Zusammenstellung und für die meisten ist die Unterstützung ökologisch nachhaltigen Anbaus ausschlaggebend. Die Bio-Idee ist auch unsere Hauptmotivation für das Gemüse-Abo. Außerdem wollen meine Mitbewohnerin und ich das Experiment starten, sozusagen einmal nahe am eigenen Tellerrand zu bleiben. Wir wollen testen, ob wir es als Küchenlaien und Kochshow-Verschmäher schaffen, essbare Mahlzeiten aus Kohlrabi, Schwarzwurzeln und dem, was sonst noch bei uns um die Ecke wächst (und was wir bis jetzt selten außerhalb einer Dose gesehen haben) zu kochen.

Der Händler, den wir für unseren Test ausgesucht haben, beliefert den ganzen Bonner Raum mit allem, was kontrolliert biologisch angebaut und hergestellt wird. Gegründet von einer Kommune in den 80er Jahren ist aus dem klaustrophoben Biolädchen inzwischen ein richtiger Supermarkt geworden – mit eigenem Parkplatz, Bistro, Lieferservice und Onlineshop. Auf der Internetseite winkt uns per Foto ein langhaariger Mittvierziger fröhlich entgegen, der eine Art Lastenfahrrad made in China vor sich herschiebt. Der sieht vertrauenswürdig aus, finden wir: Gerade so, als hätte er das im Anhänger befindliche Obst und Gemüse eben noch persönlich gepflückt und handverlesen. Wir entscheiden uns zwischen Tausenden von Wahlmöglichkeiten auf der Bestellseite der Homepage kurzerhand für eine Gemüsekiste Größe L (10 Euro) und einer Obstkiste M (5 Euro).

Die Probekiste, die wir einige Tage später erhalten, hat etwas von einem gesunden Überraschungs-Ei: In dem Pappkarton befindet sich eine Obst- und Gemüsezusammenstellung, von der wir uns zu zweit locker 14 Tage ernähren könnten. Unter anderem eine Aubergine, Champignons, Brokkoli, Tomaten und Klementinen. Allein die Klementinen würden für die Versorgung unseres kompletten Wohnhauses reichen.

Gemüse in einer KisteFoto: © Martin Poole/getty-Images
Alles in Bio: Ob Gemüsekiste oder Gemüsetüte – frisches Obst und Gemüse im Abo sind gesund.

Im Vergleich zu Discounterpreisen kostet das Ganze knapp das Doppelte. Würden wir es selbst direkt im Biomarkt kaufen, wäre der Preis etwa derselbe. Die kostenlose Lieferung ist also sozusagen der Ausgleich dafür, dass man die eigene Essensplanung nach dem ausrichten muss, was der wöchentliche Pappkarton hergibt. So weit, so gut – aber einen Haken hat die Sache: Unser Ziel war es ja, das zu essen, was auf dem Acker um die Ecke wächst. Laut Beipackzettel kommt jedoch fast der komplette Kisteninhalt aus Ländern außerhalb Deutschlands: Bio-Brokkoli und Auberginen etwa mussten erst aus Spanien zum Händler in Bonn gekarrt werden, bis sie schließlich bei uns landeten.

Unser Fazit nach der ersten Woche fällt deshalb eher gemischt aus: Die Bioqualität ist deutlich schmeckbar und ihren Preis allemal wert. Wir Küchenlaien haben es tatsächlich geschafft, aus dem Kisteninhalt einige leckere Mahlzeiten zuzubereiten; mal mit Nudeln oder Reis, mal in Auflauf- und auch in Suppenform (und zum Nachtisch gab es selbstverständlich die tägliche Dosis Klementinen!). Unser eigentliches Ziel aber – mehr von dem zu essen, was in der Region angepflanzt wird – hat diese Lieferung nicht erfüllt. Die Testphase geht somit in die zweite Runde und wir werden jetzt beim Biomann unseres Vertrauens fragen, ob er uns eine Gemüsekiste zusammenstellen kann, die nicht nur Bio ist, sondern deren Inhalt auch aus der Region kommt. Ganz nach dem Prinzip „Iss, was vor deiner Tür wächst“.

Auch wenn der Winter vor der Tür steht. Kohl soll ja sehr vielseitig sein.

Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...
Tags: Natur

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