Yoga für alle: Du kannst mit jedem Gewicht Yoga üben

Yoga kennt keine Konfektionsgröße! Wieso du mit jeder Figur deine Matte ausrollen kannst und sollst!
Gina Capitoni
von Gina Capitoni
Yoga mit jedem Gewicht© Gregory Lee - Fotolia.com

In einer Yoga-Welt, geprägt von schönen schlanken YogalehrerInnen in Studios oder bei Instagram, kann es schnell passieren, sich in “Body-Shaming” Gedanken zu verlieren. Aber eigentlich ist Yoga doch eine spirituelle Welt, die frei von Stigmata, Vergleichen und Spott sein sollte. Die Medien fördern aber das Gegenteil und auch die Auswahl an LehrerInnen in Studios sieht anders aus. Wir finden, da muss sich etwas ändern: “Yoga for everyBODY”!

Wenn du mit dem Hashtag #yoga durch Instagram scrollst, dann findest du Millionen von Bildern mit beeindruckenden Posen, ausgeübt von wunderschönen, meistens hellhäutigen und schlanken Personen. Keineswegs möchte man diesen Menschen ihr Glück missgönnen, jedoch kann der Inspirations-Faktor auch umkippen: In Selbstzweifel, Neid und die Angst, etwas zu verpassen.

Yoga für Übergewichtige – Eine positive Einstellung für ein positives Körpergefühl

Schon seit es die Massenmedien gibt wurden junge Menschen von ihnen und dem “perfekten” Körperideal geprägt. Da macht auch die Yoga-Welt keine Ausnahme. Es passiert leider zu oft, dass Menschen mit mehr Körpergewicht denken, sie können oder dürfen kein Yoga praktizieren und sie spüren einen Druck, unbedingt abzunehmen.

Aber: die Yoga-Praxis ist individuell, für jede und jeden geeignet, körperliche Asanas und die spirituelle Praxis gleichermaßen. Gerade die Kombination von Körper und Geist schult uns in Selbstliebe und Selbstakzeptanz.

Deshalb ist es in unserer Gesellschaft, die Selbstzweifel fördert, so wichtig, Yoga zu üben. Das “Dünn = Glücklich und akzeptiert”-Stigma muss verändert werden. Oder man findet für sich selbst einen Weg, sich dadurch nicht schlecht zu fühlen, egal wo man herkommt und wie man aussieht.

Das Verlangen, schlank zu sein, kann auch verändert werden: ein Verlangen nach einem starken und gesunden Körper. Dieser positive Fokus fördert dein Selbstbewusstsein und führt so zu einem tollen Körpergefühl.

Online-Community für Selbstliebe – Gemeinschaft stärkt

Der Trend “Yoga für Übergewichtige” ist nur eine neue Form des Schubladen-Denkens. Heißt es jetzt, nur Menschen mit Übergewicht dürfen diese Yogapraxis üben? Wieso heißt es nicht einfach: Yoga für alle? Die Hürde, in ein Yogastudio zu gehen, wenn man nicht so aussieht wie alle anderen, ist groß. Auch sieht man selten füllige YogalehrerInnen. Aber genau das würde etwas verändern.

In den Staaten ist der “Stop Body Shaming” Trend gerade sehr groß. Instagram-Yogis setzen sich stark dafür ein und spielen eine wichtige Rolle. Es gibt durchaus positive Seiten der sonst zu perfekten Social-Media-Welt. Mit Accounts wie Jessamyn und Nolatreesbildet sich eine Gemeinschaft von selbstbewussten Frauen, die alle “Regeln” der Beauty- und kommerziellen Yoga-Industrie bricht.

Am Ende des Tages und vor allem während des Yoga-Unterrichts kommt es nicht darauf an, ob du Übergewicht hast, groß, klein, weiblich, männlich, dünn oder irgendetwas dazwischen bist. Nichts davon ist wichtig. Das Einzige, was wichtig ist, ist dass wir alle einfach nur Menschen sind. Menschen die zusammenkommen, um zusammen zu atmen und zu leben.

Denkmuster brechen – Für ein starkes Selbstbild

Yoga ist nicht Fitness, es ist ein achtsamer Lebensweg. Und genau auf diesem Weg können wir uns darin üben, aus den limitierenden Denkmustern auszubrechen. Für wen ist Yoga? Wer sollte es unterrichten? Yoga für alle von allen ist die einzig richtige und faire Antwort!

Viel vorhandene Körpermasse sollte nicht gerechtfertigt, kritisiert und tabuisiert werden, dies gilt ebenso für wenig vorhandene Körperfülle. Auch dünne Menschen sind oft mit Bodyshaming konfrontiert. Und ob der Körper zu dünn oder zu dick, abweichend von der Norm oder genau die Norm ist, all das sollte schlicht und ergreifend nicht von verletzenden Fragen und limitierenden Vorstellungen begleitet sein. Ein starkes Selbstbild und Selbstbewusstsein formen sich durch Toleranz und Akzeptanz.

Kein Mensch kann etwas für Veranlagungen und braucht sich damit auch nicht als weniger geeignet (für beispielsweise Sportarten) zu fühlen. Wenn du etwas mehr Gewicht hast oder auch Übergewicht, dann können dir diese Tipps für deine Yoga-Praxis vielleicht helfen. Ganz nebenbei, diese Tipps gelten für jeden Körpertyp!

Tipps für Yoga mit jedem Gewicht und Körpermaß

1. Finde das, was zu dir passt. Individuelles Yoga

Verschwende deine Zeit nicht damit, im falschen Kurs und bei den falschen LehrerInnen zu sitzen. Finde Yogastil und LehrerIn, die zu dir passen und womit du dich richtig gut fühlst. Yoga ist dafür da, dich erfrischt und wohl zu fühlen. Und vor allem muss Toleranz herrschen.

Höre gleichermaßen auf die/den LehrerIn und auf deinen Körper. Denn jeder Körper ist ein Unikat und bringt andere Voraussetzungen mit in den Raum.

2. Übung in Selbstliebe

Dein Körper steckt voll von unentdecktem Potential. Erinnere dich immer wieder daran: Warum bist du auf der Matte? Yoga ist eine mentale Praxis und die Asanas bringen dich dazu, im Moment ganz da zu sein, mit dem Körper den du hast, in dem du wohnst, alles zu akzeptieren und zu beobachten – genauso wie du in dem Moment bist! So gelangen wir zu mehr Kontrolle über unsere Gedanken, die negativen Sätze machen mal Pause und es stellt sich so etwas wie Frieden ein.

Wenn du auf deine Yogamatte trittst, ist es dasselbe Prinzip, wie an den Strand zu gehen: “So bekommst du einen Strand-Körper: 1. Nimm (d)einen Körper 2. Trag einen Bikini. Voilá!” Es gibt nicht den einen perfekten “Yoga-Körper” um Yoga zu üben. 1. Nimm deinen Körper. 2. Geh damit auf die Matte. Voilá!

3. Keine Asana ist tabu – Yoga-Hilfsmittel

Es ist nur eine Frage des Arrangements. Jede Asana kann dir zugänglich gemacht werden. Wenn du beispielsweise viel Bauch und eine große Oberweite hast, nimm dir in der Kindeshaltung einen Bolster unter deinen Oberkörper. So entlastest du den Druck.

Mach es zu deinem Yoga! Lass dich von alternativen Positionen nicht runter ziehen, denn deine Grenzen zu erkennen und danach zu handeln ist eine der wichtigsten Herausforderungen im Yoga. Blöcke, Gurte oder Bolster beugen Verletzungen vor und machen viele Asanas richtig angenehm. Beanspruchte Muskeln und Gelenke profitieren sehr von einer entspannten Yin-Yoga Praxis.

4. Du bist nicht allein! Die Vorteile von Gruppen-Yoga

Erinnere dich mal an das inspirierende Gefühl, jemanden mit deinem Körperbau etwas ganz selbstbewusst machen zu sehen. Das kannst du auch und ganz wichtig: Du wirst auch zu Inspiration für andere Menschen und ermutigst sie. Du musst dich nicht verstecken und nur alleine zuhause vor dem Computer Yoga üben.

Finde neue Freunde in Studios oder geh mit einem Freund / einer Freundin zusammen und genießt die Gruppen-Energie einer Yoga-Klasse. Ihr teilt euch die Praxis und die Hingabe und es stärkt das Gefühl von Gemeinschaft.

5. Lass es langsam angehen – Bewegung für jeden Körper

Wir sind darauf getrimmt, zu denken, dass Sport schnell und hart sein muss, um von Vorteil zu sein. Auch im Yoga gibt es diese Meinung, viele üben, um zu schwitzen und mit schnellen Vinyasa und Power-Yoga Klassen werden sie fündig.

Aber es ist gerade dann genau so wichtig, auch mal runter zu fahren, langsam zu werden und dem Körper Zeit zu geben. Langsamere Yogastunden fördern die Flexibilität und Kraft des Körpers. Dabei wird das Nervensystem beruhigt und alle chemischen Stoffe des Körpers, die bei Stress und Entzündungen produziert werden, können abfließen.

Gina Capitoni
Expertin: Gina Capitoni
Gina Capitoni schreibt seit 2015 für evidero. Sie ist Ernährungsexpertin, Yogalehrerin und veranstaltet Events...
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