Vermehrte Bürgerbeiligungen in Städten: Politik vs. Bürger – Wege zu mehr Betei­ligung

Wenn einer träumt, ist es ein Traum, wenn viele träumen, entsteht eine neue Wirklichkeit. Das aber reicht nicht aus für eine wirksame Bürgerbeteiligung.
von Holger Doetsch

Finanzkrise, Systemkrise, Megaprojekte wie Stuttgart 21 oder der Flughafen Berlin-Brandenburg fordern die Menschen. Sie spüren, dass ihr Engagement nottut.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Wenn einer träumt, ist es ein Traum, wenn viele träumen, entsteht eine neue Wirklichkeit.” Das allein aber reicht nicht aus für eine wirksame Bürgerbeteiligung.

Bürger engagieren sich vielfältig, damit unsere Gesellschaft funktioniert: Ehrenamtlich krempeln sie die Ärmel hoch, in den Kommunen wirken sie als „Sachkundige Bürger”, sie schreiben Leserbriefe, spenden oder gründen gar eine Stiftung. Auch in Infrastrukturprojekte bringen sie sich ein, weil es ihnen nicht in den Sinn kommen mag, Kommunalpolitikern einfach so das Feld zu überlassen. Dr. Gunter Thielen, Chef der “Bertelsmann Stiftung”, bringt es auf den Punkt: „Die Menschen (…) wünschen sich viel mehr aktive Teilhabe. Die Politik ist deshalb gut beraten, wenn sie die bestehenden Formen der Beteiligung ausweitet und die Menschen auch in Entscheidungen direkt einbezieht.”

„Facebook” und „Fairtrade”, „Stuttgart 21″ und Ökologiebewegung – es gibt viele Formen der „Bürgerbeteiligung”

Sklavenaufstand © evidero
Drastische Worte, klare Botschaft: Bürger wollen mitentscheiden

Die einfachste Form der Bürgerbeteiligung lässt sich im Internet finden, wo kommentiert und protestiert wird, was das Zeug hält. In Blogs und in sozialen Netzwerken wie „Facebook” werden weltweit minütlich rund 700.000 Status-Updates vorgenommen und 500.000 Kommentare verfasst. Doch was davon ist „politisch“, verfügt das Medium Internet damit wirklich über Macht? Die segensreiche Rolle etwa von „Facebook” während den arabischen Revolten ist unbestritten, hierzulande aber lässt sich nicht unbedingt sagen, dass die Bürger durch soziale Netzwerke mehr Einfluss gewonnen hätten. Ein Beispiel: Als sich die Guttenberg-Plagiatsaffäre zuspitzte, war bei „Facebook” die Hölle los. Auf Seiten für oder gegen den Mann tummelten sich Abertausende. Gleichwohl betont das enge Umfeld der Bundeskanzlerin, dass diese Form der Bürgerbeteiligung eine nur untergeordnete Rolle für sie gespielt habe, und Frau Merkel die Brisanz dieses Skandals erst da vollends bewusst wurde, als zehntausend Wissenschaftler auf die Barrikaden gingen und mit einem Offenen Brief protestierten.

„Bürgerbeteiligung” hat viele Formen, doch geht es zumeist um ein nachhaltiges Denken in einer globaler werdenden Gesellschaft. Menschen vernetzen sich, die in ihren Wertevorstellungen Gemeinsamkeiten ausgemacht haben. Sie streben damit Veränderungen an und verweisen auf einen Realitätssinn, den sie Politikern allzu oft absprechen. Mehr noch: Bürger erheben den Vorwurf, dass Politiker realitätsfern sind, und die Probleme in dieser Welt kleinreden und so entwerten. Um das zu belegen, reicht ein Blick auf die Anfänge der Ökologiebewegung. Es war eben nicht die Politik, die die sich abzeichnende Klimakrise in den 1980er Jahren erkannt und auf die Agenda dringlicher Entscheidungen gehoben hat. Kritische Bürger waren die Akteure der Ökologiebewegungen, und es mußte in Tschernobyl erst ein Atomkraftwerk in die Luft gehen, bis Bundeskanzler Helmut Kohl mit Klaus Töpfer zum ersten Mal einen Umweltminister berief.

Oft also waren es die Bürger, die mit ihrem konkreten Handeln ein notwendiges Umdenken beförderten, wobei exemplarisch die in den 1990er Jahren geborene Idee des „­Fairtrade” dient. Erst diese von den Konsumenten gewollte ­Fairhandelsbewegung hat dafür gesorgt, dass es heute eine Sensibilisierung für ethische Grundsätze beim Import von Waren aus Entwicklungsländern gibt. Dass Markt und Moral also kein Widerspruch sein muss. Bürger machten durch ein verändertes Kaufverhalten klar: Geiz ist nicht zwingend geil, und es geht nicht nur um „billig”, sondern es geht auch um die Linderung von Armut und um eine nachhaltige Entwicklung der betroffenen Regionen. Damit wurde ein „Gesetz” aufgehoben, das den Menschen jahrzehntelang von der Politik und der Wirtschaft vorgegaukelt worden war: Nur die Skrupellosen bestehen auf den Märkten. Die „­Fairtrader” haben deutlich gemacht, dass das, was man Markt nennt, eben kein starres Gebilde ist, das irgendwelchen Naturgesetzen folgt, sondern aus Menschen besteht, die für ihr Handeln eine Verantwortung tragen, der sie auch gerecht werden müssen. Dazu passt auch, dass aktuell immer mehr Investoren neuen Organisationen wie der „Carbon Action ­Group” beitreten. Dies, um Druck auf börsennotierte Unternehmen zu machen, damit diese ihren Ausstoß an Kohlendioxid senken.

Die Bundesregierung entwickelt ein „Handbuch für mehr Bürgerbeteiligung”

Ökologiebewegung, Ehrenamt, „Fairtrade” und Stiftungen. Lässt sich in diese Galerie der verschiedenen Formen einer „Bürgerbeteiligung” auch der “Wutbürger” integrieren? Nur bedingt, denn der hat bei seinem Handeln ja zumeist das Verhindern eines bestimmten Projekts vor Augen, und dabei blickt er nicht immer über Zeiten, Grenzen und Tellerränder hinweg. Ungeachtet dessen aber scheint die Bundesregierung durchaus zu meinen, die wütenden Proteste um den Stuttgarter Hauptbahnhof seien sehr wohl eine Form der „Bürgerbeteiligung”. Eine Form, die freilich einer Reglementierung bedarf.

So lässt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ein „Handbuch für mehr Bürgerbeteiligung” entwickeln: „Die Zeiten sind vorbei, in denen die Verwaltung wie in einem sterilen Labor ihre Planung erarbeiten konnte”, sagte Ramsauer der FAZ. Er will Bürger künftig bei Infrastrukturprojekten einbeziehen, und vielleicht hatte er dabei ja die 25.000 Protestler vor Augen, die eine Menschenkette um den Berliner Müggelsee bildeten, um gegen Nachtflüge vom demnächst eröffnenden Großflughafen zu demonstrieren. Insofern lassen sich die Ramsauer-Pläne auch als eine Erinnerung an die „Wutbürger” verstehen, denn der Minister gibt ja unumwunden zu, dass es die Zeiten eben einmal gab, in denen „steril”, also ohne die Bürger, geplant worden war. Und man kann der Bundesregierung durchaus unterstellen, dass sie bei ihren Plänen, wonach “Betroffene zu Beteiligten” gemacht werden sollen, auch die Bilder von den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 vor Augen hatte. Vor allem das Bild dieses blutenden Mannes, der sich einem Wasserwerfer entgegenstellte und dabei sein Augenlicht verlor. Ein Bild, das quasi dafür steht, dass Bürgerbeteiligung selbst in einer Demokratie nicht zwingend ungefährlich sein muss.

Grünen-Politiker Robert Habeck: „Dagegensein und Wut ist keine Bürgertugend!”

Demo Füße© evidero
Abstimmung mit den Füßen: Stuttgart, Fehmarnbeltquerung und co. – immer mehr gehen auf die Straße 

Aber war das, was in Stuttgart geschah, beziehungsweise waren die 4.000 Demonstrationen, die es 2011 allein in Berlin gab, wirklich markante Ausdrucksformen klassischer Bürgerbeteiligung? Robert Habeck (42), Grünen-Spitzenkandidat bei der Schleswig-Holstein-Wahl im Mai, sagt: „Dagegen sein und Wut ist keine Bürgertugend!” In einem Gespräch mit der Tageszeitung konkretisierte er: „Zwei Prozesse laufen parallel ab: Der eine ist Stuttgart 21, (…), internetbasierte neue Protest- und Artikulationsformen und der Wunsch von vielen, sich einzubringen. Dem entgegen steht das Entkoppeln wichtiger Entscheidungen von demokratischen Prozessen, permanente Gipfeltreffen und Personenkulte um Politiker.” Damit drückt Habeck aus, was viele Menschen bewegt: Sie wollen sich engagieren, sehen sich dabei aber mit weltfremden Politikern konfrontiert, die – so ihre Wahrnehmung – nur um sich kreisen.

Die Grenzen von „Occupy” als markantester Ausdruck einer „Bürgerbewegung”

Dieses Politikerbild wird auch von den Anhängern der „Occupy”-Bewegung kritisiert. Zunächst handelte es sich nur um ein paar Studenten mit Guy-Fawkes-Masken, die im New Yorker Börsendistrikt gegen die Bankenmacht demonstrierten und dabei soziale Ungerechtigkeit anprangerten. Eine ansteckende Empörung dies, denn bald schwappte der Protest nach Europa über. „Occupy” hat inzwischen mächtige Fürsprecher. So meint der Wirtschaftsethiker und Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach, die Folgelasten der Schuldenkrise werden der Allgemeinheit aufgebürdet, private Banken hingegen geschont. In Die Welt beklagte er: „Die Regierenden sind erpreßbar geworden. Sie haben die Rolle kooperativer Geiseln übernommen.” Regierungen als Geiseln der Banken?

Dies anzuprangern und dabei den Kredithaien einen Strich durch ihre Rechnungen zu machen, hat sich „Occupy” zum Ziel gesetzt. Gleichwohl lassen sich hier aber auch die Grenzen dieser Form der „Bürgerbeteiligung” festmachen, denn eine solche funktioniert nur, wenn sie organisiert ist. Genau hier aber liegt die Krux der „Occupy”-Bewegung, denn sie beklagt eine Systemkrise, handelt aber selbst kaum systematisch und dafür eher rein aktivistisch. Die Engagierten beklagen soziale Ungleichheit und einen Kapitalismus, der auf einer Ausbeutung der Schwachen basiert, doch gibt es kaum Strukturen, die dafür sorgen könnten, dass die Bewegung den Kritisierten, hier also Finanzwelt und Politik, wirklich wehtut. Der Chor der „Vielen“, kann er den charismatischen „Anführer” ersetzen, den jede Protestbewegung zu brauchen scheint?

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Wenn einer träumt, ist es ein Traum, wenn viele träumen, entsteht eine neue Wirklichkeit.” Neue Wirklichkeiten entstehen tatsächlich Dank aktiverer Bürger; wie viel viele Einzelne bewegen können ist die Frage.

Holger Doetsch, Jahrgang 1963, ist Bankkaufmann, Buchautor und Publizist, seine Reportagen und Essays sind u. a. erschienen in Die Zeit, Frankfurter Rundschau oder in der taz, die tageszeitung...
  • MaSa

    Der Artikel ist sehr sehr gut und lässt gut reflektieren, wie wir alle mehr oder weniger mittlerweile agieren, agieren könnten und uns aktiv beteiligen an globalen Themen. „Wenn einer träumt, ist es ein Traum, wenn viele träumen, entsteht eine neue Wirklichkeit.” Das ist ein sehr schönes Bild. Und ja, ich glaube auch noch dran! Und es wirkt :-)) Habe erst gestern wieder mal eine riesen Enttäuschung erlebt, bzgl. eines Bekannten, der "sowas von null versteht", was denn Nachhaltigkeit sein oder bedeuten könnte…und dabei war er auch noch so selbstüberzeugt…-hat nicht verstanden (und wollte es auch gar nicht) wie es sehr wohl funktionieren könnte. Einiges eben mal anders zu "machen" und zu "denken", als es die Masse/die Oberfläche in unserer Matrix 🙂 halt so üblich und bequem ist.

  • MiScho

    Es stellt sich mir die Frage, ob der homo politicus allein auf die Funktion eines (weiblichen oder männlichen) Mandatträgers zu beschränken ist. Oder ist damit nicht der vielmehr gesellschaftlich interessierte und engagierte Bürger eines Gemeinwesens im Allgemeinen gemeint. Wer kreiert den Politiker, wer bildet politische Meinung. Aus der politischen Strömung entsteht der Politiker, in der Demokratie wird er von der Gesamtheit der Stimmberechtigten gewählt. So ist die Absicht. Diese Kausalität sollte sich jeder politische Aktivist merken. Denn so behält er die Nähe zu seinen Wurzeln. Heute stellen wir fest, dass diese Nähe oftmals nicht mehr besteht. Abschottung aus vielerlei Gründen schafft Distanz zwischen den gewählten Politikern und den Bürgern. Der Glaube an die Unfehlbarkeit der eigenen Sichtweise verhindert manchmal die ernsthafte Wahrnehmung der begründeten bürgerlichen Intereressen. Verschiedene Meinungsfilter schaffen ein virtuelles Zerrbild der Gesellschaft, man sieht nur auf den äußeren Anschein, ob in den Medien oder der Wirtschaft oder in der selbst erlebten Alltäglichkeit der Politik. Flugzeuge, Hubschrauber, gepanzerte Limousinen, Sonderrechte im ÖPNV, Assistenten zur Erledigung der Aufgaben aber auch Schutzbedürfnisse separieren Politiker von ihrer Wählergemeinschaft. Lobbiesbereiten oder bilden Entscheidungsgrundlagen, komplexe und ganzheitlich zu betrachtende Fragestellungen werden parzelliert in Teilaspekte und Teillösungen. Die generalistische Betrachtung und Handlungsweise geht verloren, wenn nur noch Fachkompetenz (interessengesteuert?) zu Rate gezogen wird. Wohltuend sind die Politiker, die sich ihrem gesellschaftlichen Mandat bewusst sind und den sich den gesellschaftlichen Werten verpflichtet sehen. Der(die) Bürger(in) ist schlauer, als einige Politiker unterstellen oder als Meinungsbild aus den Medien beziehen. Er/sie Bürger hat zu deren Leidwesen auch noch eine eigene Meinung. Er sieht die oftmals bestehende Diskrepanz zwischen Predigt und gelebter Realität. Da wünsche ich mir mehr Hinhören, Hinschauen, Kommunikation und Differenzierung. Ein gutes Beispiel für die Aggregation von politischer Lenkungsfunktion und bürgerlicher Beteiligung ist meines Erachtens die Schweiz als nahestehendes demokratisches Land. Diese Entscheidungsbildung ist mit einer "wir auch" Strategie leicht übertragbar auf unsere Verhältnisse. Da nobody perfekt ist, sind auch dort kleine Mängel unabdingbar und überaus menschlich. Sie lasssen sich aber im permanenten Verbesserungsprozess beseitigen. Ich fordere deshalb als demokratisches Muss die Wahlpflicht für jeden stimmberechtigten Bürger, denn die bisher mögliche Verweigerung der Stimmabgabe ist ein Manko der eigenen Beteiligung am politischen Entwicklungsprozess.

  • Sandra Hermanski

    sehr guter artikel! selbstverständlich ist bürgerbeteiligung unglaublich wichtig. auch wenn oft nicht so zielführend wie gewünscht, auf welche art sonst kann man dinge aufzeigen, verändern, aufschreien? es sollte viel mehr, intensiver und beherzigter auf die straße gegangen werden. viel zu faul sind wir geworden, gesättigt, entmutigt, desillusioniert…engagement – von allen – und es können aus den "vielen träumen wieder eine neue wirklichkeit entstehen".

  • Nam

    Ein sehr ausgewogener Beitrag

  • Frank Happel

    es mag ja leute geben, die noch nichts von facebook, fairtrade, s21, fluglärmprotesten und occupy gehört haben. sollten die nun vermuten, dass sie nun "bescheid" wüssten, hat ihnen der autor aber einen gehörigen bären aufgebunden. aber die gefahr, hier einem infofake aufzusitzen, ist gering. im gegenteil, es darf vermutet werden, dass die meisten leser über die themen mehr wissen als der autor selbst anbietet. warum also tut er das? was will er uns damit sagen? dass er auch was weiss (herr leser, ich weiss auch was!).
    in der überschrift deutet er an, dass aus einer gegnerschaft politik-bürger neue wege der bürgerbeteiligung entstehen, um im beitrag die diesbezüglichen bemühungen der politik herauszustellen. hmm? zum ende gar wird der anführer vermisst, um dann die vielzahl der bürger und deren veränderungspotetial zu benennen, um dann doch wieder die kraft der "einzelnen" zu hinterfragen. hmmm? da schreibt einer mal was daher. damit da halt was steht. nichts wird erklärt, nichts wird analysiert, nichts wird in gesellschaftliche soziale bezüge gesetzt, keine bemühung sich der motivation der unterschiedlichen "bewegungen" zu nähern. ein beitrag den, sich bemühende, engagierende, politische menschen so nötig brauchen, wie ein loch im kopf.

  • Simone Hartung

    Es ist für mich schwer nachvollziehbar wie die Politiker auf der einen Seite mehr "Bürgerbeteiligung"wünschenswert fänden,auf der anderen Seite aber jegliche "Einmischung des Bürgers ins politische Geschehen" konsequent ignorieren..In Zeiten des Internets und seinen Kommunikationsmöglichkeiten finde ich es schon ein wenig seltsam anmutend ,das diese Art,seine Meinung kundzutun,bei den Politikern wohl eine untergeordnete Rolle spielt.Dabei spiegelt sich doch genau hier die "Bürgermeinung" und ihre Interessen so drastisch und deutlich wider,das man sie keinesfalls einfach ignorieren dürfte-im Gegenteil!Es sollte vielmehr eine ganz andere Art von Nähe zur Politik erzeugen,wie sie bisher üblich war.Doch daran scheint die Politik nicht interessiert.Ein politisch engagierter Bürger sollte wirklich nicht zu schnell mit dem "Wutbürger"(der in dem Text schön beschrieben ist) in einen Topf geworfen werden,und das passiert mir von seitens der Politiker einfach zu schnell.Als "einfacher" Bürger erreicht man einfach nichts in politischen Landen,man wird nicht gehört,man wird ignoriert weil man-platt gesagt-eh keine Ahnung vom "grossen Geschehen" hat.Dabei interessiert es wohl auch nicht,das sich der Wunsch nach mehr Einbeziehung gerade durch Ehrenämter,Stiftungen oder einfacher Meinungsäusserung und direktem Nachfragen immer mehr ,und für viele auch sichtbar,bemerkbar macht.Viele gemeinsam sollten viel bewirken können-nur wie viele sollen noch nach mehr Beteiligung rufen,ohne gehört zu werden???

  • Elfi MEYER

    Das ist ein sehr guter Beitrag. Gefällt mir sehr gut.

    Es ist aber leider so, dass Menschen sich über Vieles aufregen, sich jedoch selten bis gar nicht tatsächlich aktiv beteiligen wollen – kritisieren ist immer leichter als es besser machen – und findet sich dann mal "Einer" oder "Eine", die sich an die Spitze stellen würde(n), Ausreden für eine Mitarbeit erfinden und diese Person womöglich sogar noch "in den Dreck" ziehen.

    Da darf man sich dann nicht wundern, wenn jemand der wirklich etwas Bewegen könnte, das Handtuch wirft.

  • Elfi MEYER

    Das ist ein wirklich toller Beitrag/Kommentar von Holger Doetsch, mir gefällt er sehr gut.

    Es ist aber leider so, dass Menschen sich über Vieles aufregen, sich jedoch selten bis gar nicht tatsächlich aktiv beteiligen wollen – kritisieren ist immer leichter als es besser machen – und findet sich dann mal "Einer" oder "Eine", die sich an die Spitze stellen würde(n), Ausreden für eine Mitarbeit erfinden und diese Person womöglich sogar noch "in den Dreck" ziehen.

    Da darf man sich dann nicht wundern, wenn jemand der wirklich etwas Bewegen könnte, das Handtuch wirft.

  • m.Laff

    Ein wirklich sehr gut zu "greifender" Artikel. Realitätsnah, hochaktuell und aufgrund diverser Beispiele, entnommen aus unserer Gesellschaft, anregend seinen Kopf zwecks Eigeninitiative auch mal wieder anzuschalten. thumbs up!

  • Regina Görner

    Der Gedanke der Bürgerbeteiligung ist nicht neu, aber durch social media erhält er eine ganz neue Dimension. Dadurch wird die politische Kommunikation revolutioniert werden. Ist noch schwer abzusehen, in welche Richtung das im Einzelnen geht. Das spürt man auch in diesem Artikel.Wir alle machen damit ja erst Erfahrungen. Eines scheint mir heute schon sicher: Politische Projekte wird man künftig nicht mehr auf den Weg bringen können, ohne sich bereits zu Beginn mit der Frage auseinanderzusetzen, wie man sie gegenüber die betroffenen Menschen und nicht nur gegenüber den politischen Entscheidungsträgern durchsetzt. Ob das mit einem "Handbuch" leichter geht, wage ich zu bezweifeln, aber vielleicht wird wieder deutlich, dass Politik nicht einfach nur das Ablassen von Meinungen ist, sondern ein Handwerk, das man erlernen, entwickeln und beherrschen muß. Früher reichte es, wenn man die Kommentare großer Zeitungen auf seiner Seite hatte, heute reicht das nicht mehr. Das wird Politik verändern – so oder so!

  • Ein sehr gelungener Beitrag von Holger, der mich gestern mehrere Stunden zum Nachdenken brachte. … )

    Bürgerinitiativen haben sehr wohl ihren Sinn und können sehr effektiv sein – immer vorausgesetzt, sie agieren mit Können und Verstand. Pure Wutinitativen nützen meistens überhaupt nichts.
    Ich lebe auf dem Lande, auch hier werden Bürgerinitativen betrieben – meist nachhaltig und oft über Jahre hinweg. – und sehr oft mit Erfolg, denn steter Tropfen höhlt den Stein. Die Mitgliedergewinnung erfolgt in der Regel noch über Mundpropaganda nach dem Motto " Komm, mach auch mit – ich erzähle dir genau, worum's geht. ", und so beteiligen sich viele Mitbürger einschließlich unseres Bürgermeisters, der sich sehr engagiert.

    Es gibt bei uns seit Jahren eine Bürgerinitiative gegen eine stark befahrene Bundesstrasse mitten durch unseren Ort, der sowohl das Ortsbild als auch die anliegenden Bürger sehr beeinträchtigt. Vieles wurde schon unternommen über die Jahre, Presseberichte, Ortsbegehungen mit den zuständigen Politikern, Nachtmärsche, Strassensperrungen, Informationsschilder, Vorsprachen bei der Landesregierung in Stuttgart – erst neulich mal wieder haben mehrere Bürger die Bundesstrasse mit Traktoren bei 3o km/h befahren und so einen Stau bis zur nächsten Stadt verursacht, um auf das Dilemma aufmerksam zu machen. . So setzt sich Steinchen auf Steinchen und das Ziel rückt näher. – das alles ohne Krawalle und auf friedlicher Basis.

    Was mich jedoch gestern sehr beschäftigt hat, ist die Frage " Wo engagiere ich mich eigentlich im Moment ?- welche gute Sache unterstütze ich derzeit tatkräftig und effektiv ?" . Und beschämt muß ich gestehen : " Eigentlich keine so richtig " – Das muß sich ändern, und somit hat Holger's Artikel schon etwas bewegt – zumindest bei mir.

    Und hier muß ich noch Elfi Meyer Recht geben, die oben schreibt, daß sich Menschen über vieles aufregen, jedoch selten bis gar nicht tatsächlich aktiv beteiligen wollen. Parolen sind schnell ausgesprochen, damit ist der Frust raus und man geht zum Alltag über, weil man " gegen die da oben ja sowieso machtlos ist. " !! Und deshalb versucht man erst gar nicht , und das ist falsch. – und auch feige. Wenn sich jeder oder auch nur jeder zweite oder dritte mündige Bürger an einer sinnvollen Initiative beteiligen würde, was könnte man erreichen !!

    Was das Internet betrifft, so ist es eine einmaliges Instrument in beide Richtungen. Sowohl, um Stammtischparolen im Sekundentakt hirnlos zu verbreiten – aber auch um wohlüberlegte Initiativen sinnvoll zu organisieren und die richtigen und kompetenten Personen zu mobilisieren. Fast alles im Leben hat eben zwei Seiten.

  • Andrea Koster

    Sehr gelungener Artikel. Ich habe auch den Eindruck, dass heutzutage die Menschen mehr und mehr nach Beteiligung verlangen. Das wird mir in ganz unterschiedlichen Themenbereichen bewusst. Die Zeiten, in denen einer (oder eine Gruppe) vorgibt, was man denken, tun und lassen soll und die Menschen das einfach nur schlucken, sind wohl – zum Glück – vorbei.