Selbstsicherer werden: Wie kann ich mein Selbstwertgefühl steigern?

Die Begriffe Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden von vielen Menschen verwechselt. Lerne hier den Unterschied und erfahre, was sie miteinander zu tun haben.
Miriam Kegel
von Miriam Kegel
Frau sieht sich selbst im Spiegel| © xixinxing - Fotolia.com

Wie kann ich mein Selbstbewusstsein verbessern? Diese Frage wurde mir in meiner therapeutischen Arbeit mit Frauen immer wieder gestellt. Dabei verfügen die meisten Frauen meiner Erfahrung nach über ein sehr gutes Selbstbewusstsein (im klassischen Wortverständnis).

Frauen machen sich in der Regel viele Gedanken darüber, wie sie wirken, warum sie etwas getan haben, was sie gesagt haben und, wenn etwas schief läuft, denken die meisten Frauen zuallererst darüber nach, was sie SELBST falsch gemacht haben.

Das Problem ist also nicht, dass kein Selbstbewusstsein vorhanden wäre, sondern, dass dies oft von einem kritischen Blick geprägt ist und eine zu starke Fokussierung auf uns selbst und eigene Fehler zur Ausblendung wichtiger Faktoren führen kann, die außerhalb unserer eigenen Person liegen. Dies kann dann unter Anderem auch dazu führen, dass wir schlechte Entscheidungen für uns treffen; zum Beispiel eine uns schädigende Beziehung fortsetzen, weil wir uns zu viel Verantwortung zuschreiben.

Was viele Frauen sich eigentlich wünschen, ist ein stärkeres Selbstwertgefühl zu entwickeln. Sie wünschen sich, sich selbst besser akzeptieren zu können, sich selbst mehr zu lieben und für sich selbst mehr einstehen zu können. Ich möchte also einmal den Unterschied von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl erklären.

Was ist Selbstbewusstsein?

Unter Selbstbewusstsein wird die Fähigkeit, uns selbst wahrzunehmen, verstanden. Dazu gehört es, unsere eigenen Handlungen reflektieren und hinterfragen zu können. Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis ist essentiell, um das eigene Verhalten verändern zu können.

Erst, wenn ich weiß, aus welchen Gründen ich mich wie verhalte, kann ich abwägen, ob eine Veränderung für mich wünschenswert ist.

Grundlage aller psychotherapeutischen Ansätze ist zunächst das Verstehen! Den Menschen in seiner Entwicklung zu verstehen ist die Basis, um den bisherigen Lebensweg zu würdigen und Veränderungen behutsam anzugehen!

Verhalten durch Selbstreflektion verstehen

Wir Menschen neigen dazu, durch den Selbstoptimierungswahn in unserer Gesellschaft unsere eigenen Verhaltensweisen zu kritisch zu sehen. Bevor du eine Verhaltensweise änderst, möchte ich dich zu einem genauen Überprüfungsprozess anregen.

Schau auf dein Verhalten nicht nur von der Richtung, warum ist dieses Verhalten schlecht, sondern schau auch darauf, ob es eine positive Seite an diesem Verhalten gibt. Erst, wenn du dir beide Seiten bewusst gemacht hast, kannst du dich auf einer guten Grundlage entscheiden, wie du dein Verhalten beeinflussen kannst.

Mein Ziel im Umgang mit Selbstbewusstsein ist immer, eine größere Flexibilität zu erlangen. Ich möchte dich dabei unterstützen mehr Auswahl zu haben.

Beispiel: Körperbewusstsein / aufrechter Gang

Ein aufrechter Gang ist gut für:

  • Die Ausstrahlung einer starken Körperpräsenz
  • Die Ausstrahlung von Selbstsicherheit
  • langfristige Vermeidung von Gesundheitsschäden

Ein leicht gebückter Gang mit Blick auf den Boden ist gut für:

  • Situationen, in denen ich mich nicht gut fühle und auf keinen Fall auffallen oder angesprochen werden möchte
  • Situationen, in denen ich etwas auf dem Boden finden möchte

Was ich damit sagen möchte: Hinterfrage immer, wofür etwas gut ist, bevor du etwas änderst. Glaube niemandem außer dir selbst und überprüfe immer, ob dir eine Veränderung gut tut! Damit meine ich, dass sie dazu führt, dass du dich besser fühlst und deinen Zielen näher kommst.

Du bist der Maßstab deines Lebens. Nur du kannst entscheiden, was gut für dich ist und was nicht und du fühlst es!

Der Weg zu einem “besseren” Selbstbewusstsein ist immer der Weg, der dich mehr zu dir führt und dazu, dich besser zu verstehen, dich zu würdigen mit den Lösungen, die du bislang in deinem Leben entwickelt hast und die Fähigkeiten zu entwickeln, die dein Leben noch schöner machen.

Was ist Selbstwertgefühl?

Der Begriff Selbstwertgefühl wird oft mit dem Begriff Selbstbewusstsein verwechselt. Menschen, die ein besseres oder größeres Selbstbewusstsein haben möchten, meinen damit oft, dass sie ein größeres Selbstwertgefühl haben möchten oder selbstsicherer auftreten möchten.

Das Gefühl unseres eigenen Wertes ist etwas, was wir in unserer Lebensgeschichte erwerben, aber auch etwas, dass wir durch unser eigenes Verhalten gezielt beeinflussen können.

Wie entstehen Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit?

Je nach Ausgangsposition in unserem Leben können wir bessere oder schlechtere Voraussetzungen für ein positives Selbstwertgefühl haben. Je mehr Anerkennung ich in meinem Leben für mein authentisches Verhalten erhalten habe, umso sicherer bin ich mir meines Wertes, umso mehr traue ich meiner Wahrnehmung, umso besser kann ich Grenzen setzen.

Bin ich in einem Umfeld groß geworden, in dem ICH mit meinem Sein und meinen Bedürfnissen wenig wahrgenommen wurde, laufe ich eher Gefahr, dies in meinem Leben immer wieder zum Beispiel in meinen Beziehungen zu tolerieren und Verhaltensweisen zuzulassen, die meinem Selbstwertgefühl schaden.

Doch auch unter diesen Umständen kann ich lernen, mich ernster und wichtiger zu nehmen, indem ich anfange, darüber nachzudenken, welchen Wert ICH mir geben möchte.

Entdecke deinen eigenen Wert

Ich kann anfangen, mich mit der Frage zu beschäftigen, in welchen Situationen ich mich wertlos fühle und wie diese Situationen zu stande kommen. Dies ist der erste Ansatzpunkt, um sich die Frage zu stellen: Was müsste in dieser Situation anders sein, damit ich mich als wertvoller Mensch empfinde.

Häufig müssen Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, lernen, genau da anzusetzen, wo entweder sie selbst, oder andere Menschen ihre Wichtigkeit übergehen!

Stelle dir immer wieder folgende Fragen:

  • Was tue ich in meinem Leben dafür, um meine Bedürfnisse und meine Person wichtig zu nehmen?
  • Was könnten kleine Schritte sein, um mich selbst wichtiger zu nehmen?
  • Durch welche Verhaltensweisen anderer Personen, fühle ich mich wertlos?
  • Wie könnte ich dazu betragen, von anderen Personen als wichtiger genommen zu werden?

Selbstwertgefühl steigern: Liebe deinen Körper

Mein erster Tipp auf dem Weg zu einem besseren Selbstwertgefühl ist: Steh zu deinem Körper! Für viele Frauen ist der eigene Körper ein Riesenschauplatz von Selbstkritik. Und Gründe, den eigenen Körper abzulehnen, werden im Leben der meisten Frauen zahlreich geliefert.

Übergriffige Verhaltensweisen auf unseren Körper, negative Kommentare in unserer Jugend, später von Partnern, anderen Frauen, der ständige Vergleich mit Models, die uns aus allen Zeitschriften entgegen springen … Nein, uns Frauen wird es wirklich nicht leicht gemacht, uns so wie wir sind schön zu finden.

Übung: Den eigenen Körper lieben lernen

Wenn du die folgende Übung machst, versuche dabei auch die Frage für dich zu beantworten, was in deinem Leben hat dazu geführt, dass du nicht vollkommen zu deinem Körper stehen kannst.

Gab es eine Zeit, in der es für dich vielleicht gerade zu wichtig war, deinen Körper zu verstecken, um dich vor Angriffen zu schützen? Überlege ganz genau, welches Gift in deinem Leben dazu geführt hat, dass du mit deinem Körper nicht im Reinen sein konntest.

Und dann überprüfe für dich, ob es für dich jetzt an der Zeit ist, das zu verändern. Überlege dir, was sich in deinem Leben bereits verändert hat, dass du dich heute trauen möchtest, mehr von dir zu zeigen und mehr zu dir zu stehen!

Übung: Selbstsicherheit durch einen aufrechten Gang

Der erste Schritt zu einem besseren Selbstwertgefühl ist eine aufrechte Körperhaltung.

  1. Beobachte ob du, wenn du stehst und gehst, wirklich aufrecht bist. Gehe eine Weile in deiner Wohnung umher und beobachte dich ganz genau. Wenn möglich schaue auch in einen Spiegel, um deine Körperhaltung noch bewusster wahrzunehmen.
  2. Stelle dir vor, du wirst in deinem Brustbereich ein Stück nach oben gezogen, wie von einem Bindfaden.
  3. Versuche, dich ein Stück größer zu machen.
  4. Nimm deine Schultern zurück, ohne, dass du im Rückenbereich in eine Spannung gerätst.
  5. Achte auf deinen Kopf. Ist dein Kopf gesenkt, verfällst du automatisch in eine leicht gebückte Körperhaltung. Recke dein Kinn etwas nach oben, wenn du magst.
  6. Überprüfe, ob du deinen Körper durch deine Körperhaltung auf irgendeine Weise versteckst. Wie würde deine Körperhaltung aussehen, wenn du damit ausdrücken wollen würdest “Da bin ich und ich habe überhaupt keinen Grund mich zu verstecken. Ich gehe mit hoch erhobenem Kopf durch mein Leben! Ich schreite voller Stolz durch meinen Alltag! Ich bin eine starke Frau.”

Experimentiere damit, welche inneren Sätze zu deiner aufrechten Körperhaltung passen und dir ein gutes Gefühl geben! Denk immer daran, dass dein Körper und wie du mit ihm umgehst, maßgeblich dein Erleben von dir selbst beeinflusst!

Miriam Kegel
Expertin: Miriam Kegel
Diplom-Psychologin Miriam Kegel arbeitet als Psychotherapeutin in Köln in eigener Praxis und ist neben ihrem Fachgebiet Verhaltenstherapie auf die Bereiche Paar- und Sexualtherapie spezialisiert.
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