Planen gibt Sicherheit: Wieviel Planung braucht mein Leben?

Zeitmanagement-Experte Wolfgang Precht beschäftigt sich mit der Frage, wie viel Planung im Leben sinnvoll ist.
von Wolfgang Precht
Das Leben planen: Ein Ziel vor Augen habenFoto: 07-08-11 @ small_frog

Planung begegnet uns immer wieder — im privaten, aber ganz besonders auch im beruflichen Umfeld. Sie gibt einem Halt, einen Rahmen und das Gefühl von Sicherheit. Wir wissen, was auf uns zukommt. Eigentlich ein gutes Gefühl, oder? Unser evidero-Zeitmanagement-Experte Wolfgang Precht schildert in einer dreiteiligen Serie, woher das Bedürfnis zur Planung kommt und wie viel Planung im Leben sinnvoll ist.

Das Bedürfnis nach Sicherheit scheint bei vielen Menschen grundlegend vorhanden zu sein. Nicht umsonst hat die Stressforschung als einen der Haupt-Stressoren das Gefühl ausgemacht, nicht zu wissen, was auf einen zukommt. Mit dem Begriff der „mangelnden Vorhersagbarkeit“ ist die Angst verbunden, ins Dunkle zu tappen, sich ausgeliefert, schutzlos, quasi planlos durchs Leben zu bewegen.

So gesehen ist also der Wunsch nach Planbarkeit bei den meisten Menschen verständlich und nachvollziehbar. Aber wir alle wissen und haben es selber schon erlebt, dass sich die Dinge nicht immer so entwickeln, wie wir sie mal geplant haben. Nicht immer ist das Ergebnis schlechter als geplant, es kann allerdings anders sein als erwartet.

Welchen Stellenwert also sollte Planung in unserem Leben einnehmen? Diese Frage ist sicherlich individuell sehr unterschiedlich zu beantworten, wie auch das oben angesprochene Sicherheitsbedürfnis unterschiedlich ausgeprägt ist.

Planung ist wichtig im Leben, weil es Sicherheit gibt

Niemand wird bestreiten, dass ein gewisses Maß an Planung sinnvoll ist. Wenn ich ein Haus bauen möchte, sollte ich schon planen, welchen Ansprüchen dieses Haus genügen soll. Kein Mensch käme wohl auf den Gedanken, einfach mal ein Haus drauf los bauen zu lassen, um am Ende zu schauen, was dabei herauskommt. Genauso ist es im beruflichen Umfeld sinnvoll, bestimmte Dinge zu planen. Wenn ich im Außendienst arbeite, sollte ich meine Touren planen. Wenn ich ein Meeting organisieren muss, ist es sinnvoll, die Inhalte und den Ablauf zu planen, damit das Ganze nicht im Chaos mündet.

Aber wie steht es mit unserem Privatleben? Muss ich hier alles und jedes planen? Wir hören immer wieder in den Nachrichten und lesen in der Presse, dass wir für unseren Lebensabend planen, das heißt, vorsorgen sollen. Wer seine diesbezügliche Planung auf bestimmten Finanzprodukten basiert hat, konnte in den letzten beiden Jahren erleben, wie schnell eine solche Planung obsolet sein kann.

Man kann nicht alles planen

Vor kurzem las ich in der Zeitung, dass sich ein beamteter Lehrer hat „entamten“ lassen, weil er diesen Status als einengend und nicht vereinbar mit einem sozial dienenden Beruf empfand. Dies bedeutet, dass er später auch keine Beamtenpension bekommen wird, seine diesbezügliche Lebensplanung also schlagartig von der sicheren auf die eher ungewisse Seite gewechselt hat. Ein Einzelfall? In dieser Form sicherlich, aber in der heutigen Zeit erleben wir es immer häufiger, dass einmal geplante Abläufe sich nicht so realisieren lassen, wie es einmal gedacht war.

Oftmals ist die Enttäuschung über nicht umsetzbare Pläne bei den Betroffenen riesengroß. Eine Welt scheint zusammenzubrechen. Ich hatte doch alles so schön geplant, und was soll ich jetzt machen?

Lebenspläne können auch scheitern – Mehr Flexibilität für mehr Vertrauen

Jeder von uns kennt solche Situationen. Viele von uns haben allerdings auch erlebt, dass sich die Dinge danach zwar anders, aber manches Mal durchaus auch besser entwickelt haben. Ich selber habe im Verlauf meines Berufslebens einige vermeintliche Rückschläge einstecken müssen, die sich im Nachhinein geradezu als segensreich erwiesen haben. Im jeweils akuten Moment gab es hin und wieder das Gefühl der Unsicherheit, ja Hilflosigkeit. Mittlerweile habe ich jedoch eine Art von Vertrauen entwickelt, die mich solche gescheiterten Planungen mit relativer Entspanntheit betrachten lässt.

Welchen Schluss kann man nun aus solchen Betrachtungen ziehen? Ich denke, das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe für mich entschieden, dass ich durchaus kurzfristige Aktivitäten und Vorhaben plane, aber letztlich einen Schritt nach dem anderen tue. Wenn ich dann sehe, wohin mich dieser Schritt geführt hat, plane ich den nächsten. Auf langfristige Planungen habe ich gelernt, zu verzichten – und bin bis jetzt gut damit gefahren.

ielleicht lassen Sie sich mal davon überraschen, wohin Ihr Weg Sie führt, wenn Sie versuchen, nicht alles im Voraus zu planen. Das zu entdecken, kann höchst spannend sein. In jedem Falle vermeiden Sie die Enttäuschung über eine gescheiterte Planung. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg auf ihrer Entdeckungsreise.

Wolfgang Precht (Jahrgang 1955) ist gelernter Industriekaufmann. Seit 1996 ist er selbstständiger Managementtrainer und Berater sowie Geschäftsführer der Precht Consult GmbH in Wuppertal...
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