Qualität von Aloe Vera: Was macht einen guten Aloe Vera Saft aus?

Der Saft der Heilpflanze Aloe Vera hat viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit, vor allem bei Darm- und Hautproblemen. Doch worauf kommt es beim Kauf eines Aloe Vera Saftes an? Und wie hoch sollte der Aloverose-Gehalt sein?
Thomas Krümmel
von Thomas Krummel
Aus Aloe Vera kann man Saft gewinnenPhoto by Madison Inouye from Pexels

Im Markt tummeln sich heute viele Anbieter, die die zurecht hochgelobte Aloe Vera Pflanze als Säfte, Gels und Pflegeprodukte verkaufen. Sie sollen bei Darm- und Hautproblemen helfen. Das könnten sie in der Tat durchaus leisten – wenn die Qualität stimmt.

Zunehmend gibt es Berichte, die das EU-BIO Siegel in keinem guten Licht erscheinen lassen. Zu wenig Prüfer kommen hier auf zu viele Firmen aus aller Welt, die das bekannte, grüne BIO-Siegel mit den EU-Sternchen tragen wollen. Zu oft aber haben Stichproben gezeigt, dass das Siegel nicht das Etikett wert ist, auf das es gedruckt wurde. Daher tut man gut daran, sich nicht allein darauf zu verlassen, sondern zu Produkten zu greifen, die noch ein begleitendes Siegel wie zum Beispiel dem Deutschen BIO-Siegel, Demeter oder das mallorquinische BIO-Siegel tragen.

BIO ist nicht gleich BIO – worauf muss ich beim BIO-Siegel achten?

Das BIO-Siegel der mallorquinischen Behörden garantiert die Herkunft der Aloe Vera aus ökologischer Landwirtschaft – begleitend zum EU-Bio-Siegel. Das besondere an dem regionalen Bio-Siegel sind die noch strengeren Vorgaben der spanischen Bio-Kontrollbehörde „CRAE“. Die Qualität ist dementsprechend höher und ein Kontrollgremium besucht mindestens einmal im Jahr die Aloe Vera Farm.

Dabei werden nicht nur Pflanzen zur Probe und Analyse direkt auf der Farm „ausgebuddelt“. Die Kommission prüft ebenso die Einhaltung aller Vorschriften und Richtlinien bezüglich dem biologischen und klimafreundlichen Anbau, sowie der fachlich korrekten Blatternte, der unmittelbaren Weiterverarbeitung und dem weiteren Herstellungsprozess.

Biologischer Anbau bedeutet nicht nur den Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter. Wohl dem, der selbst auch vor Ort sein konnte, um sich davon zu überzeugen, dass das Unkraut hier noch von Hand gejähtet wird. Transparenz ist hier alles und sollte in der heutigen, digitalen Zeit keine Hürde mehr sein für alle Anbieter solcher Produkte.

Wie alt muss die Aloe Vera Pflanze bei der Ernte sein?

Erst nach circa fünf Jahren ist das darin enthaltene Aloe Vera Blattmark wirkstoffreich. Die echte Aloe Vera besitzt lanzettförmige Blätter mit glatter Oberfläche. Sie werden 40 bis 50 cm lang und circa sechs bis sieben Zentimeter breit. Charakteristisch sind ihre circa zwei Millimeter langen Zähne an den Blatträndern.

Wie alt nun die Pflanze ist, lässt sich an der Anzahl der Blätter erkennen. Ähnlich wie bei einem Stamm, bei dem die Ringe Auskunft geben, kann man bei der Aloe Vera die Blätter von innen nach außen zählen. Pro Jahr wachsen circa vier bis sechs neue Blätter ringförmig um den „Stamm“ nach. Für die Ernte werden nur maximal sieben bis zehn der äußeren Blätter ganz unten am Schaft abgeschnitten. Es sollten mindestens zehn bis zwölf Blätter stehen bleiben, damit die Pflanze nicht eingeht und weiter gedeihen kann.

Pflanzen, die man im Supermarkt oder online kaufen kann, haben meist ein Alter von nur zwei bis drei Jahren. Natürlich haben die auch Gel in ihren noch dünnen Blättern, aber da sind so gut wie keine Wirkstoffe enthalten.

Warum gibt es keine Aloe Vera Pflanzen „Made in Germany“?

Die echte Aloe Vera enthält mehr als 200 wissenschaftlich nachgewiesene Wirkstoffe. Für deren Bildung benötigt die als „Wüstenlilie“ bezeichnete Pflanze aber viel Sonne. Das bedeutet im Detail mehr als 2.000 Sonnenstunden pro Jahr. Das ist in Deutschland natürlich nicht möglich, auch wenn sich unser Klima spürbar verändert. Nur in Ausnahmesommern wie im Jahr 2018 können wir uns über rund 2.000 Stunden Sonnenschein freuen. Jedoch liegt der normale Jahreswert bei nur rund 1.500 Stunden Sonnenschein im Jahr.

Hinzu kommt der Frost bei uns, den eine Aloe Vera Pflanze nicht verträgt. Sie geht bei Temperaturen unter fünf Grad ein. Jetzt könnte man ja sagen, dass man die Blätter dann aus Südamerika, Afrika oder Mallorca importiert und hier nach gutem, deutschen Standard verarbeitet. Da gibt es nur einen Haken: Aloe Vera muss sofort an Ort und Stelle verarbeitet werden!

Ein unbedingtes Muss ist die sofortige Verarbeitung der frisch geernteten Blätter noch vor Ort. Denn die Uhr tickt. Der Transport von Aloe Vera Blättern zu weit entfernten, länder- oder kontinentübergreifenden Produktionsstätten ist daher nachteilig für eine hochwertige Qualität, da hier mit jeder Stunde wertvolle Wirkstoffe und das entscheidende Accemanan (Aloverose) verloren gehen.

Dieses leistungsfähige Polysaccharid ist ein messbares Qualitätskriterium für Aloe Vera Produkte. Je höher sein Gehalt im Aloe Vera Blattmark, umso intensiver die heilende Wirkung auf die Haut. Die direkte Weiterverarbeitung der feldfrischen Blätter erhält den ganzheitlichen Wirkzusammenhang aufrecht. Daher ist das Prädikat „Made in Germany“ eher irreführend und definitiv kein Qualitätsmerkmal.

Wie hoch muss der Aloverose-Gehalt in Aloe Vera Saft sein?

Die Konzentration von Aloverose ist ein direktes Indiz für die Qualität und die Dichte des Wirkstoffgehaltes der Aloe Vera Produkte und nur wenige Hersteller und Vertreiber im Markt kennen überhaupt den Aloverose-Gehalt beziehungsweise wissen, was das ist. Gute Produkte haben einen Aloverose-Gehalt von Minimum 1.200mg/l, darunter sollte man erst gar nicht anfangen.

Hier haben wir einen echten, quantitativen Wert, den Vertreiber und Hersteller mit einem Zertifikat (zum Beispiel von Spectral Service in Köln) belegen können sollten. Wer also zu einen Aloe Vera Saft oder Gel greifen möchte, sollte immer nach dem Aloverose-Gehalt fragen und sich auch das Zertifikat darüber zeigen lassen. Wir sind oft erstaunt, wie wenig das können, ihren Saft aber als das Non-Plus-Ultra verkaufen.

Welche Rolle spielt das Klima für die Bildung der Wirkstoffe?

Ein wechselhaftes Klima hat einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit der Aloe Vera. Kühl im Winter – heiß im Sommer. Die perfekte Umgebung für einen hohen Aloverose-Gehalt. Das Wechselspiel aus den jahreszeitlich bedingten Temperaturdifferenzen regt die Aloe Vera Pflanze an, von sich aus besonders viele Wirkstoffe zu produzieren. Sie legt sich im Grunde einen eigenen Vorrat für „schlechte“ Zeiten an, in denen sie aufgrund der wenigen Sonnenstunden und der niedrigen Temperaturen nur wenig Nährstoffe bilden kann.

Über die Wachstumsphase der Pflanze hinweg bedeutet dieser Wechsel aber auch ein natürliches Abhärten der Aloe Vera Pflanzen und führt zu einem besonders robusten und gesundem Blattwachstum. Aloe Vera aus meist gleichbleibend beziehungsweise mildem Klima wie Süd- oder Mittelamerika oder auch den Kanaren kann oft nicht mithalten mit der aus recht wechselhaften Klimazonen, wie zum Beispiel Mallorca. Hier gab es im Frühjahr 2018 sogar leichten Frost. Im Sommer aber die vollen 40 Grad und mehr. Das lässt die Pflanze kämpfen und abhärten.

Was ist der Unterschied zu getrocknetem Aloe Vera Pulver?

Beim Sprühtrocknungsverfahren entzieht ein bis zu 250 Grad Celsius heißer Luftstrahl dem Blattmark das Wasser. Übrig bleibt dann nur noch ein getrocknetes Pulver, das vor allem als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommt. Als Pulver findet die Aloe Vera häufig auch den Weg in Kosmetik oder als verdünnter Aloe Vera Saft.

Man kann sich fast nicht vorstellen, dass es selbst in Deutschland erlaubt ist, Leitungswasser mit Aloe Vera Pulver zu vermischen und das Ganze als hundert Prozent Aloe Vera Saft zu verkaufen, wie es in hiesigen Supermärkten und Drogerieketten oder auf großen Shopping-Portalen der Fall ist.

Warum geht das? Weil Wasser nicht ausgezeichnet werden muss. Also ist ja quasi nur Aloe Vera drin – zu hundert Prozent. Der Verbraucher freut sich über einen günstigen Preis und die Hersteller über eine hohe Marge. Man vergisst allzu leicht, dass wir hier von einem Lebensmittel sprechen, das mit 0,2 bis 0,3 Prozent Zitronensäure konserviert werden muss.

Ein hundert Prozent Aloe Vera Saft ist also gar nicht möglich, so direkt aus der Pflanze. Man kann das machen und auch trinken, nur bleibt infrage zu stellen, in wie weit noch wirkende Inhaltsstoffe vorhanden sind. Wir empfehlen immer den höchstmöglichen Erhalt der Bioverfügbarkeit, das heißt, das Produkt möglichst so zu belassen und zu verwenden, wie es die Natur aufgebaut hat. Wir essen ja auch Gemüse am besten frisch und als Ganzes und nicht pulverisiert.

Wie erkennt man den Aloe Vera Gehalt, und ob mit Pulver gearbeitet wurde?

Es empfiehlt sich immer, auf die Rückseite des Produktes und auf die Liste der Inhaltsstoffe zu schauen. An erster Stelle sollte „Aloe Vera Barbadensis Miller Juice / Gel“ stehen. Also der Name der Echten Aloe mit dem Zusatz „Juice“ beziehungsweise „Gel“. Alles, was an erster Stelle steht, ist auch am meisten drin. Das heißt, ein Aloe Vera Lippenbalsam, dessen Inhaltsstoffliste von „Aqua“ angeführt wird, hat überwiegend Wasser enthalten und nicht die versprochene Aloe.

Des Weiteren Finger weg von Produkten mit den Begriffen Extrakt oder Powder. Da wurde ganz klar mit Pulver-Wasser-Gemischen gearbeitet. Im schlimmsten Fall also steht auf einem Aloe Vera Produkt an erster Stelle „Aqua“ und an fünfter oder sechster Stelle „Aloe Vera Barbadensis Extrakt / Powder“. Das ist Augenwischerei und dient allein dazu, ein Produkt günstig auf den Markt zu bringen bei gleichzeitig sehr hohen Gewinnmargen.

Welche Rolle spielt die richtige Bewässerung?

Die Aloe Vera ist eine Wüstenpflanze und kommt grundsätzlich mit sehr wenig Wasser aus. Auf vielen Farmen dieser Welt wird aber unnötig bewässert, um das Wachstum zu beschleunigen. Die Pflanzen pumpen sich dann voll mit Wasser, weisen aber so gut wie keinen Wirkstoffgehalt aus. Verantwortungsvolle Aloe Farmer bewässern nur an sehr heißen Tagen, bevor die Pflanze von ihrem Blattgel zehrt, das für die Produkte gedacht ist.

Was ist Aloin? Und warum wird von Hand filetiert?

Die Natur hat sich hier ein raffiniertes Abwehrsystem gegen Fressfeinde ausgedacht mit dem Aloin direkt unter der Blattschale der Aloe Vera Pflanze. Dieser gelblich-braune Pflanzensaft hält die Schädlinge fern, da er als giftig wahrgenommen wird und ansonsten auch ungenießbar ist. Er wirkt beim Menschen stark abführend und kann sogar Schwangerschaften gefährlich werden.

Der Gesetzgeber hat hier schon Ende der 90er verfügt, dass alle frei zugänglichen (außerhalb von Apotheken) Aloe Vera Produkte aloinfrei sein müssen. Das geschieht in der Produktion durch Filetierung der Blätter von Hand (wird weltweit nur noch selten gemacht), Waschungen und spezielle Verfahren, in denen das Aloin extrahiert wird. Übrig bleiben sollte ein klarer, farbloser Aloe Vera Saft, der leicht säuerlich schmeckt. Dabei gibt es auch kein Fruchtfleisch oder Naturtrübung wie Hersteller von Pulver-Wasser-Gemischen das oft gerne suggerieren möchten.

Auf die Qualität kommt es an

Wie in so vielen Märkten geht Preis über Qualität. Und ohne das Insider-Wissen tappen Verbraucher wie so oft im Dunkeln. Wir können an dieser Stelle nur unser Bestes tun und aufklären, um die Hersteller und Vertreiber zu schützen, die es wirklich ernst meinen. Denn die Aloe Vera Pflanze kann Mensch und Tier tatsächlich helfen. Sie muss nur richtig verarbeitet und angewandt werden. Dann ist sie ein echter Quell an gesundheitlichem Wohlsein.

Thomas Krümmel
Thomas Krummel ist Gründer von BIODALOE und schult Aloe Vera Expert*innen
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