Kopfstand Wirkung: 7 Gründe, deine Welt öfter auf den Kopf zu stellen

Erfahre hier alles über die gesunde Wirkung von Umkehrhaltungen wie Kopfstand, Schulterstand oder Handstand.
Melanie Lotz Yogalehrerin
von Melanie Lotz
Diese Wirkung hat der Kopfstand© Annatamila - Fotolia.com

Der Kopfstand ist die Königin unter den Yogapositionen. Er gehört ebenso wie Handstand, Unterarmstand und Schulterstand  zur Familie der Umkehrhaltungen. Regelmäßig die Welt auf den Kopf zu stellen gilt als Wundermittel für körperliche und emotionale Gesundheit. Doch nicht jeder traut sich an die akrobatisch anmutenden Yogahaltungen heran. Es gehört Übung und Mut dazu, freiwillig den Boden unter den Füßen zu verlieren. Diese 7 Gründe motivieren, regelmäßig die Welt upside down zu betrachten.

Der Kopfstand gehört zu den bekanntesten Yogahaltungen überhaupt. Viele Yogaschüler sehen es als einen bedeutenden Meilenstein ihrer Praxis an, sicher und leicht im Kopfstand zu balancieren. Sirsasana, wie der Kopfstand in der Yoga Ursprungssprache Sanskrit heißt, ist eine Umkehrhaltung: Das schließt alle Körperhaltungen ein, bei denen dass das Herz oberhalb des Kopfes ist.

7 Gründe, öfter mal Hals-über-Kopf im Leben zu stehen am Beispiel der Kopfstand Wirkung

1. Kopfstand und Durchblutung: Ein stärkeres Herz und bessere Versorgung mit Nährstoffen

feetup Kopfstandhocker 3 Das Anheben der Beine über den Kopf entlastet die Venen, vor allem der unteren Extremitäten: “Verbrauchtes Blut” fließt schneller zurück und wird durch frisches Blut ersetzt. Die erhöhte Durchblutung regt die Herzmuskulatur an und stärkt die Herzfunktion. Der gesamte Organismus wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

2. Kopfstand schärft die Konzentration: Der Frischekick für Körper und Geist

Besonders der Kopf und das Gesicht profitieren von dem Extra-Frischekick: Der Geist wird wach und klar, die Haut rosig und frisch, die Augen glänzen. Die Konzentration verbessert sich, trübe Gedanken verfliegen. Im Anschluss an Umkehrhaltungen sprühen wir meist vor guter Laune, Energie und Übermütigkeit.

Wenn du später am Abend übst, solltest du es daher nicht zu wild mit den Umkehrhaltungen treiben und sie mit ausgiebigen und tiefen Vorbeugen im Sitzen ausgleichen – sonst wirst du eventuell schlecht einschlafen können.

3. Kopfstand und Psyche: Ein Perspektivenwechsel öffnet den Blick für neue Wege

Wenn wir kopfüber die Welt betrachten ist es schier unmöglich, in eingefahrenen Denkmustern verhaftet zu bleiben. Wir benötigen unsere gesamte Kraft und Konzentration für den ungewohnten Balance-Akt: Keine Zeit, keine Kapazität um in den ewig gleichen Gedanken zu kreisen. Beste Gelegenheit für Geistesblitze: Während wir ausnahmsweise mal wenig bis nichts denken, kann unsere Intuition endlich in unser Bewusstsein dringen: Plötzlich erkennen wir Wege und Lösungen, wo vorher nur Chaos war.

Die Kopfstandmethode: Der Weg zu kreativen Ideen und Lösungen

Die Kopfstandmethode ist eine Kreativitätstechnik, bei der eingefahrene Denkmuster aufgelöst werden, um frische Ideen und neue Lösungswege zu erforschen. Dafür drehen wir eine Aufgaben- oder Fragenstellung “auf den Kopf”: Wir kehren sie in ihr Gegenteil um und finden für das umgekehrte Problem Lösungen. Diese Lösungen stellen wir wiederum auf den Kopf und generieren so für die ursprüngliche Aufgabe Wege und Lösungen.

“Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind” (Albert Einstein)

4. Kopfstand stärkt Körper und Geist: Booster für Selbstvertrauen und Mut

Die Überwindung, die es möglicherweise kostet, auf dem Kopf oder den Händen zu stehen, ist unser Einsatz, um mit jedem Üben mehr Selbstvertrauen und innere Stärke zu entwickeln. Dabei hilft auch das dritte Chakra, der Sitz des Sonnengeflechts: Um kopfüber balancieren zu können, wird unser Core und besonders die Region um den Solarplexus angeregt.

Das Manipura Chakra steht für das Element Feuer: Hier entwickeln wir Willenskraft und den Mut, unsere Pläne umzusetzen und auch furchteinflößende Aufgaben in Angriff zu nehmen.

5. Kopfstand Wirkung: Entlastung der inneren Organe und bessere Verdauung

Die Bauchorgane werden entlastet und angeregt: Sie “rutschen” nach oben in Richtung Brustkorb und können sich so wieder ausdehnen. Die erhöhte Blutzufuhr regt zusätzlich die Verdauungsfunktion an.

6. Im Kopfstand atmen: Kräftigere Lunge und tiefere Atmung

Weil die inneren Organe mit ihrem Gewicht auf dem Zwerchfell liegen, wird der Lungenraum komprimiert. Um dennoch genügend Luft zu bekommen, atmen wir langsamer und tiefer, wodurch die Aufnahme von Sauerstoff begünstigt wird.

7. Kopfstand gesund für die Wirbelsäule: Streckung und stärkere Core-Arbeit

In Umkehrhaltungen wie dem Herabschauenden Hund wird der gesamte Oberkörper entlastet: Dessen Gewicht liegt nun nicht mehr auf dem Becken und Beinen auf, sondern wird vom Becken bis zum Kopf gestreckt. Dadurch wird die Wirbelsäule entlastet: Die Streckung lässt auch die Bandscheiben aufatmen.

Klassische Inversionen wie Kopfstand und Handstand stärken den kompletten Core-Bereich: Bauchmuskulatur, Flanken und Rücken werden gleichzeitig gestreckt und gekräftigt, was ebenfalls die Wirbelsäule entlastet. Regelmäßiges Üben von Inversionen verbessert daher dauerhaft unsere Haltung, auch wenn wir wieder auf den Füßen stehen: Mit einer starken Mitte und mehr Länge im Oberkörper können wir aufrecht durch’s Leben leben.

Der Kopfstand ist eine Yoga Umkehrhaltung

Lucie Beyer übt Handstand auf dem Kopfstandstuhl© feetup
Lucie Beyer übt Handstand auf dem Kopfstandstuhl

Wenn im Yoga von Umkehrhaltungen die Rede ist, dann sind damit klassischerweise Asanas gemeint, bei denen nicht nur der Oberkörper, sondern auch Beine, Becken gleichzeitig über dem Kopf schweben: Dazu zählen die unterschiedlichen Variationen von Kopfstand (Sirsasana), Schulterstand (Sarvangasana), Handstand (Adho Mukha Vkrsasana) und alle Balancehaltungen auf den Unterarmen: Unterarmstand (Pincha Mayurasana), Scorpion Pose (Vrischikasana), Kinn Balance (Ghanda Berundasana).

Kopfstand lernen, oder gar Handstand, ist eine herausfordernde Übung und erfordert körperliche Fitness und Erfahrung. Wenn du noch nicht so lange Yoga übst, solltest du dich langsam an schwere Haltungen wie den Kopfstand machen. Erst einmal herantasten und zunächst einmal ausschließlich mit einem erfahrenen Yogalehrer üben: Der Körper muss insgesamt warm und geschmeidig sein und bestimmte Muskelgruppen, besonders Bauch, Schultern und Nacken, müssen optimal vorbereitet werden, sonst könntest du dich verletzen.

Kopfstand lernen mit Yoga Props: Mit Hilfsmitteln in den Kopfstand

Noch mehr Unterstützung finden wir durch den Einsatz von Yoga Props: Ein Gurt hilft, den richtigen Abstand zwischen den Ellenbogen zu wahren. Ein Block zwischen den Oberschenkeln sorgt für eine stabile Zentrierung der Beine. Es ist auch möglich, Kopfstand zwischen zwei Stühlen zu üben.

Und schließlich gibt es einen Kopfstand-Hocker, der für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen ein wunderbares Hilfsmittel ist, um den Kopfstand in all seinen Variationen sicher und stabil zu üben. Der Kopf liegt hier gar nicht auf dem Boden auf, so dass der Nacken keinerlei Belastung erfährt: Das Gewicht wird von den Schultern auf dem gepolsterten Stuhl getragen und die Hände können die Stuhlbeine sicher umgreifen. So lastet kein Druck auf der Halswirbelsäule.

Yoga Umkehrhaltungen für Einsteiger: Herabschauender Hund oder Stehende Vorbeuge

Du musst dich jedoch nicht gleich in den Kopfstand stellen oder auf die Hände, um die wohltuende Wirkung von Umkehrhaltungen zu genießen. Zur Familie der Umkehrhaltungen gehören alle Positionen, in denen das Becken oder die Füße über dem Kopf schweben und so die Durchblutung in Richtung Schultern, Nacken und Kopf erleichtert wird.

Dazu zählen auch Positionen wie der Herabschauende Hund (Ado Mukha Svanasana) und die Stehende Vorbeuge (Uttanasana), die bereits in der allerersten Yogastunde unterrichtet werden. Sie ermöglichen auch dem absoluten Yoga Anfänger, sofort eine körperlich und seelisch spürbare Erleichterung wahrzunehmen: Das Becken ist in beiden Haltungen deutlich erhöht, wir können den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes los lassen, die Wirbelsäule streckt sich und der Atem geht tiefer.

Sehr sanfte und erholsame Umkehrhaltungen sind mit leicht erhöhtem Becken die Kindeshaltung (Balasana) und mit erhobenen Füßen die Happy Baby Pose (Ananda Balasana).

Urdhva Dhanurasana im Kopfstandstuhl© feetup
Urdhva Dhanurasana im Kopfstandstuhl

Yoga Rückbeugen können ebenfalls Umkehrhaltungen sein

Das Umgekehrte Rad (Urdhva Dhanurasana) und die Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana) sind ebenfalls Umkehrhaltungen. Wem weniger nach Anstrengung und mehr nach Entspannung ist, der findet in der Halben Kerze (Viparita Karani) die volle wohltuende Wirkung einer “Umgekehrten / Nach innen gerichteten Handlung”, so die Übersetzung von Viparita Karani.

Kopfstand einfach lernen: Nicht “Können” sondern “Üben” ist das Ziel

Generell gilt: Weniger ist mehr. Im Yoga üben wir, jeden einzelnen Schritt lebendig zu spüren und auszukosten. Genuss und Freude auf dem Weg sind wichtiger als das Erreichen einer Zielposition. Das Üben, das Ausprobieren und das Entdecken, selbst das Fallen und immer wieder Aufstehen… das alles ist Teil des Yoga Glücks.

Melanie Lotz Yogalehrerin
Expertin: Melanie Lotz
Melanie ist Vinyasa Yogalehrerin aus Köln: Ihre Ausbildung machte sie bei Lord Vishnus Couch und unterrichtet nun regelmäßig dort und bei yes!yoga. Seit Mitte 2015 arbeitet sie auch für die evidero Redaktion.
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