Profilerin Suzanne Grieger-Langer: Befreie dich von Psychopathen und Pfeifen

Suzanne Grieger-Langer glaubt an das Gute im Menschen, sieht es jedoch wenig entwickelt. Als verdeckte Profilerin erkennt sie die wahre Persönlichkeit eines Menschen. In unserer Rubrik echtSTARK! gewährt sie uns spannende Einblicke in die Psyche.
Jutta Echterhoff
von Jutta Echterhoff
Suzanne Grieger-Langer über Psychopathen© Suzanne Grieger-Langer

Wenn Unternehmen hohe Positionen zu besetzen haben, rufen sie gerne Suzanne Grieger-Langer an. Sie ist darauf spezialisiert, undercover Betrüger und Trickser im Vorfeld zu identifizieren. Nicht selten stößt sie dabei auf Psychopathen und Pfeifen, die in Unternehmen erheblichen Schaden anrichten können. Von ihnen geht eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus – im Business wie auch privat. Und das sehr zum Leidwesen der Guten: der Performer.

Am Anfang stehen genau drei Daten: Name, Foto, Geburtsdatum. Das ist alles. Rein internetbasiert berechnen Europas einzige Profilerin und ihr Team den psychogenetischen Code eines Menschen. Kein Treffen, keine Bewerbungsunterlagen. Wozu auch? „Ich brauche nicht mit den Menschen zu sprechen, denn Blender sind ja hochmanipulativ. Jeder direkte Kontakt in der Beobachtung verändert das System“, erklärt Suzanne Grieger-Langer.

Psychopathen sind Menschen ohne Mitleid, Angst oder Gewissen. Während rund ein Prozent der Weltbevölkerung zu dieser Personengruppe gehört, sind es im Top-Management ganze 14 Prozent. Ein Fehlgriff könnte Unternehmen teuer zustehen kommen.

Im Schnitt beschäftigen sich 12 bis 15 Experten mit einem Profil: Researcher, Analysten und Interpreter. „Die Bedürfnisse der Psyche spiegeln sich in allem – und das ist, was wir lesen“, erklärt die Profilerin. Verwechslungen werden minutiös ausgeschlossen. „Am Ende steht der mathematisch errechnete psychogenetische Code und ich erkläre dann dem Aufraggeber, was es bedeutet, diese Person einzustellen.“

Welches Verhalten zeigen Psychopathen, Pfeifen und Performer?

Suzanne Grieger Langer
Interviewpartnerin: Suzanne Grieger-Langer
Suzanne Grieger-Langer ist Diplom-Pädagogin, Psychologin, Psychotherapeutin, Bestseller-Autorin, Herausgeberin, Lehrbeauftragte und erfolgreiche Unternehmerin seit 1993...
Psychopathen oder Pfeifen gilt es dringend zu vermeiden. Beide sind Ausnutzer und Blender. Gegen diese Spezies führt Suzanne Grieger-Langer einen regelrechten Kreuzzug. Sie glaubt zwar daran, dass Menschen grundsätzlich gut sind, jedoch tun sich diese beiden Charaktere offenbar schwer damit, das auch zu zeigen. „Bei Psychopathen steht die Verbindung von Emotion und Kognition per Werkseinstellung auf off“, erklärt sie.

Anders ist das mit den Leistungsträgern, den Performern, die allerdings nur schwer gegen die Blender ankommen. „Ein Performer ist der, den alle haben wollen. Der oder die gets the job done, unaufgeregt, zieht den Job durch, findet auch Lösungen, wenn es mal schwierig wird. Der Psychopath ist auch ein Performer, sogar ein High-Performer, aber nur für die eigene Agenda. Er ist immer egozentrisch unterwegs, er denkt dual – ich und du, du musst mir was geben, während der Performer eher denkt, wir zusammen können was Großes erreichen. Das ist eine völlig andere Art, in der Welt zu sein.“

Pfeifen sehen sich kurz vor Kanzler

Und dann gibt es da noch die Pfeifen, die sie für ähnlich destruktiv hält wie die Psychopathen. „Bei der Pfeife verhält es sich noch mal anders. Die ist kein Leister, sondern ein Leistungssimulant. Die Pfeife quatscht davon, es zu machen, liefert aber nicht. Das ist jemand, von Beruf Sohn oder Tochter, sieht sich kurz vor Kanzler, kriegt aber keine PS auf die Straße“, bringt Suzanne Grieger-Langer auf den Punkt.

Dabei kommen die Pfeifen erst mal harmlos daher. Sie geben sich freundlich und sozial, was allerdings nur dazu dient, egozentrisch das eigene Ding durchzuziehen. „Sie sind damit nicht besser als die Psychopathen. Sie haben nur eine andere Strategie. Der Psychopath könnte sich ja noch mit einer psychischen Störung rausreden, aber die Pfeife hat keine Störung, sie ist einfach nur zu faul, feige und fixiert.“

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In unserer Rubrik „echtSTARK!“ stellt evidero Redakteurin Jutta Echterhoff außergewöhnliche Frauen vor, die durch einen bewussten Lebens- oder Arbeitsstil auffallen.

Mit ihrem Engagement und couragiertem Handeln machen sie die Welt für sich und andere jeden Tag ein Stück besser.

Auf den ersten Blick wirken beide charmant und nett, aber ihre wahre Identität zeigen sie oftmals erst, wenn es drauf ankommt. Und dabei kommt meistens nichts Gutes heraus. „Psychopathen wissen, dass sie anders sind“, weiß die Psychotherapeutin. „Sie üben sogar Selbstkritik und sind völlig klar. Sie wissen, dass sie Leute zu allem bringen können, was sie wollen und machen davon Gebrauch, wann sie wollen. Die Pfeifen hingegen üben keine Selbstkritik. Was die Pfeifen so gefährlich macht, ist, dass sie nicht bereit sind, sich zu entwickeln und einzusehen, wie wenig sie liefern.“

Wie manipulieren die Psychopathen und Pfeifen?

Das perfekte Opfer für den Psychopathen ist der Narzisst. Ihm gaukelt der Psychopath vor, ein wahrer Fan von ihm zu sein – und rennt beim Narzissten offene Türen ein. Schnell verbrüdern sich beide auf dem Weg nach oben bis der Psychopath mit oft krimineller Energie und auf seinen eigenen Vorteil bedacht anfängt, den Narzisst für krumme Dinger im Unternehmen einzuspannen – oft unbemerkt vom selbstverliebten Narzisst.

Aber auch die Pfeifen manipulieren perfide. Allerdings verfolgen sie eine andere Strategie. Auf eine moralisierende Art und Weise greifen sie die ihnen überlegenden Performer persönlich an. Als Beispiel nennt Suzanne Grieger-Langer Menschen, die sich durch Äußerlichkeiten zur Schau stellen. „Jeder sieht es von außen, aber keiner traut sich was zu sagen. Das ist der Teil Fremdschämen, wo dann auch schnell Performer mit wenig Selbstbewusstsein sagen, oh Gott, so möchte ich auf keinen Fall sein. Bin ich eventuell auch so?“ Das ist die Stunde der Pfeifen.

Die Pfeifen greifen auf der Beziehungsebene an

Denn auch Performer haben eine Macke: Sie sind ständig mit Selbstaktualisierung beschäftigt, überprüfen sich und sind sehr kritisch mit sich selbst. Die Pfeife erkennt die Unsicherheit des Performers und kontert: „Genau da bist du nicht gut genug, wird die Pfeife dem Performer sagen. Die Pfeife kann in der Sache nicht mithalten und wird eine Ebene tiefer auf die Beziehungsebene gehen und sagen, weißt du, du bist gar nicht so gut, wie du meinst, ich bin moralisch das höhere Wesen und weil ich so nett bin, sag ich dir das.“

Die Folge: Der Performer ist verunsichert und liefert weniger, weil er verwirrt ist. Die Pfeife arbeitet also nach dem Schema: Du kannst sie nicht besiegen, also verwirre sie. Und damit steht die Pfeife im Vergleich deutlich besser da als der Performer.

Letztendlich sind also sowohl Psychopaten und Pfeifen manipulativ und gefährlich. Die Pfeife wirkt harmlos, ist es aber nicht. Sie geht auf die soziale Schiene, der Psychopath auf die charmante.

Wie erkennt man Psychopathen?

„Von Psychopathen kriege ich erst mal ganz viel geschenkt. Ich bin richtig besoffen geschmust“, sagt die Profilerin. Deshalb sind sie auf Anhieb auch nicht zu erkennen. Erst mit der Zeit kristallisieren sich bestimmte Muster heraus. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn gute Freunde warnen, man selbst aber die Warnzeichen nicht wahrhaben will. „Psychopathen zu erkennen, ist wirklich schwierig. Ab Mitte 30 sind sie so gut im Schauspielern und Kaschieren, dass man sie nicht spontan erkennt.“

Sollte man doch einen Psychopathen erkennen, rät die Profilerin: „Weg da! Nie mit einem Psychopathen den Kampf aufnehmen. Er kennt keine ethischen Grenzen!“ Der Psychopath spürt sehr genau, wann hängt mein Opfer noch an der Angel und wann nicht. Wie ein Angler lässt er ein bisschen Leine, um sein Opfer dann wieder ranzuholen und bleibt dabei völlig ruhig.

Die guten Performer werden ausgebremst

Von der Wirtschaft wünscht sich die Profilerin eine stärkere Wertschätzung von Performern. In Unternehmen kämpfen sie oft gegen Windmühlen. Den Strategien der Psychopathen oder Pfeifen setzen sie zwar all ihre Talente und Stärken entgegen – oftmals mit Erfolg, aber eben nicht immer. Dann verharren sie weit unter ihren Leistungen, weil ihre Talente von den manipulativen Strategien der Pfeifen und Psychopathen ausgebremst werden oder gar nicht erst zutage kommen.

Eine mögliche Folge: Sie verlassen das Unternehmen und flüchten sich in die Selbstständigkeit. „Performer neigen dann dazu, als Einzelkämpfer weiterzumachen, weil so viele sie nicht verstehen“, erklärt Suzanne Grieger-Langer.

Ihnen rät sie, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und weitere Performer zu suchen, damit sie gemeinsam jagen können. „Je weiter man kommt, desto eher muss man seinen eigenen Rudel bilden, um etwas zu bewirken.“

Echt stark! Jutta Echterhoff stellt Powerfrauen vor, lies hier ihr Interview mit Sina Trinkwalder
Jutta Echterhoff
Jutta Echterhoff ist Kommunikationswissenschaftlerin mit Schwerpunkt PR, Content Marketing und Personal Branding. In ihrer evidero Rubrik echtSTARK! stellt sie Frauen vor, die durch einen bewussten Lebens- oder Arbeitsstil Außergewöhnliches leisten.

Buchtipps
Bücher von Suzanne Grieger-Langer
  • Wolf

    Rechnen statt reden- willkommen in der Maschinenwelt

    „Ich brauche nicht mit den Menschen zu sprechen, denn Blender sind ja
    hochmanipulativ. …Am Ende steht der mathematisch errechnete
    psychogenetische Code und ich erkläre dann dem Aufraggeber, was es
    bedeutet, diese Person einzustellen.“
    (Suzanne Grieger- Langer)

    Dazu würde Einstein sagen:

    „Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere menschlichen
    Interaktionen übertrifft. Die Welt wird eine Genration von Idioten bekommen.“

    Der Performer als nützlicher Idiot für das Kapital

    „Der Psychopath ist auch ein Performer, sogar ein High-Performer, aber nur
    für die eigene Agenda. Er ist immer egozentrisch unterwegs, er denkt dual – ich und du, du musst mir was geben,
    während der Performer eher denkt, wir zusammen können was Großes erreichen.“ (Suzanne Grieger- Langer)

    Ja, Kapitalisten und „Performer“ erreichen ständig etwas Großes, sie dürfen nur keine „Psychopathen“ sein.

    Gesunde Ausbeutung, bitte! Mit den üblichen Kollateralschäden, versteht sich:

    Jean Ziegler, einst UN- Berater:

    “Der II. Weltkrieg forderte 56 Mio Opfer in sechs Jahren. Das schafft der Imperialismus heute locker in einem Jahr.”