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Kommunikation in der Beziehung: So kann kreatives Schreiben Beziehungen stärken

Wie das kreative Schreiben langjährige Partnerschaften stärken und frische Beziehungen vertiefen kann – mit vielen praktischen Anregungen und Übungen.
Sabrina Gundert - Fotografin Alexandra Stehle
von Sabrina Gundert
Zwei Männer lesen einen BriefFoto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Das kreative Schreiben kann langjährige Partnerschaften stärken und frische Beziehungen vertiefen. Denn oftmals wagen wir es nicht zu sagen, was uns schreibend viel leichter auszudrücken fällt. Briefe, ein Tagebuch für Verliebte oder auch ein gemeinsames Schreibritual sorgen für mehr Nähe und Austausch.

In den meisten Beziehungen nimmt wahrhaftige Kommunikation eher einen untergeordneten Stellenwert ein. Einkaufsliste, Erziehung, Tagesplanung – das sind die Kernthemen, um die sich der Großteil der täglichen Kommunikation dreht. Doch um eine Beziehung lebendig zu halten, braucht es mehr als das: Ein Eingehen aufeinander, ein Austausch miteinander. Achtsam, bewusst und gerne auch kreativ.

1. Ein Brief für dich

So erzählte mir eine Schreibwerkstatt-Teilnehmerin vor einiger Zeit davon, dass ihr Mann und sie sich seit 40 Jahren Liebesbriefe schreiben. Einmal in der Woche sitzen sie sich gegenüber, einigen sich auf eine Frage, ein Thema oder schreiben einfach ganz frei dem anderen, was sie im direkten Gespräch nicht sagen können. Immer liebevoll und auf den anderen eingehend. Dann lesen sie die Briefe einander vor. Es ist eine Form des Austauschs, die ihre Beziehung vertieft und über all die Jahre lebendig gehalten hat.

Denn oftmals wagen wir es nicht, über unsere Ängste, Sorgen und Probleme zu sprechen. Schreibend hingegen ist die Hemmschwelle zumeist niedriger, ist das Papier doch ein geduldiges, ruhiges und aufmerksames Gegenüber. Es hilft uns, das, was wir sagen wollen, zu transportieren – wenn nicht mit dem gesprochenen Wort, dann doch mit dem geschriebenen. Häufig meinen wir zwar, zu wissen, was unsere Partnerin, unser Partner denkt, liegen jedoch nicht selten stark daneben.

Und so kann es zu einem neuen Alltagsritual werden, einander zu schreiben: Sei es zusammen an einem Tisch, sich die Briefe anschließend vorlesend. Oder auch als Überraschung den Brief oder die Karte mit der Post zu schicken. Vielleicht auch einmal etwas selbst zu machen, ein kleines Geschenk beizulegen, etwas, dass den anderen wissen lässt: Ich denk an dich, du bist mir wichtig – ob nach zwei Monaten oder 30 Jahren Beziehung.

2. Austausch über das Schöne und Herausfordernde

Es gibt dieses schöne Kommunikations-Ritual des buddhistischen Mönchs Thich Nhat Hanh, das sich wunderbar auch schreibend umsetzen lässt. Traditionell sitzen sich die Beteiligten bei der Praxis des Neubeginns gegenüber oder in einem Kreis zusammen. Dabei nimmt sich der, der reden möchte, einen Stein oder eine Blume aus der Mitte und teilt den anderen zunächst mit, was schön war in der vergangenen Zeit. Die anderen hören dabei aufmerksam zu. Nachdem jeder zu Wort gekommen ist, gibt es eine zweite Runde, bei der alle Beteiligten sagen können, was ihnen leid tut – für welche Worte oder Taten der vergangenen Zeit sie sich entschuldigen möchten. In der dritten Runde schließlich ist Raum, zu äußern, was jeder selbst als schwierig im Umgang mit den anderen erlebt hat. Den Abschluss bilden einige Minuten der Stille – diskutiert wird das Gesagte hinterher nicht.

In Beziehungen lässt sich diese Form des Austauschs sowohl zu zweit als auch alleine durchführen. So ist es möglich, dass jeder – ähnlich dem Briefe schreiben – aufschreibt, was ihm zu den einzelnen Punkten einfällt und dies anschließend vorgelesen wird.
Natürlich kann aber auch der Wunsch aufkommen, sich dem Partner in solch einer schreibenden Form mitzuteilen, ohne dass dieser selbst zum Stift greifen möchte. Hier kann der eine Partner dem anderen dann einfach in einem Brief oder auf einer schönen Postkarte mitteilen, wofür er dem anderen danken, wofür er sich entschuldigen möchte und was schwierig war in letzter Zeit.

Dies ist eine sehr kraftvolle Übung, nähren wir doch zunächst das Positive, Schöne in unserer Beziehung, um anschließend zudem das Schwierige zu klären. Es ist ein Weg raus aus Schuldzuweisungen, vermeintlich Gehörtem und Alltagsunterhaltungen. Gerade auch in Krisenzeiten vermag die Praxis des Neubeginns so manches zu klären – und überzeugt den Partner vielleicht schon bald durch ihre Wirksamkeit darin, sie zu einem regelmäßigen Bestandteil der Beziehung werden zu lassen.

3. Tagebuch für Verliebte und Paare

Ebenso wie das Tagebuch für Verliebte und Paare, in dem sowohl Platz für Worte und einen Austausch über den jeweiligen Tag, das gemeinsame Treffen, als auch für Eintrittskarten, Fotos und Kreatives ist. Solch ein Buch kann fertig gekauft oder komplett selbst gestaltet werden. Ein Blick hinein vermag einen in langjährigen Partnerschaften durch so manches Tal zu tragen und wieder eine Verbindung zu den schönen Momenten der Beziehung schaffen. Gerade zu Beginn einer Beziehung ist es eine wunderbare Möglichkeit, mehr über den anderen zu erfahren – wie er denkt, schreibt, fühlt –, die Liebe somit zu vertiefen und natürlich eine schöne Erinnerung an die Momente der Anfangszeit lebendig zu halten.

4. „Ich denk an dich!“

Und auch die klassischen Zettelchen, die wir in der Schule so gerne an die haben weitergeben lassen, in die wir heimlich verliebt waren, dürfen ihren Weg zurück in den Erwachsenenalltag finden. Morgens am Frühstückstisch ein kleiner Gruß, ein versteckter Zettel auf dem Kopfkissen, eine Nachricht auf dem Badezimmerspiegel, eine geschriebene Überraschung im Portemonnaie – es sind gerade die kleinen Dinge, das Selbstgemachte und Handgeschriebene, die den Alltag zu zweit zu etwas Besonderem machen. Die ihn nähren und uns auch dem nächsten Montagmorgen zusammen wieder freudig entgegensehen lassen.

Sabrina Gundert - Fotografin Alexandra Stehle
Experting: Sabrina Gundert
Sabrina Gundert ist Autorin und Coachin. Vom Bodensee aus unterstützt sie Menschen dabei, ihren Weg zu finden.