Lecker, gesund und regional: Wo sind die Apfelsorten hin, wo sind sie geblieben?

Äpfel sind nahezu immer erhältlich, denn das Lagerobst wächst hierzulande zur genüge und überwintert richtig gelagert fast überall. Wie der Apfel richtig lagert und warum sich der Verzehr lohnt, das erfährst du hier.
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von evidero Redaktion
Infos über Äpfel© Pixaby

Hättest du gedacht, dass der Apfel als Kernobst zur Familie der Rosengewächse gehört? Weltweit gibt es 20.000 Apfelsorten und wohl auch 30.000 verschiedene Züchtungen von Rosen. Die Palette der Apfelsorten reicht dabei in unterschiedlichen Ausprägungen von süß über herb bis säuerlich.

Die unterschiedlichen Erntezeitpunkte und die gute Lagerfähigkeit vieler Apfelsorten machen Äpfel nahezu ganzjährig aus heimischem Anbau verfügbar. So gibt es Sommer-, Herbst- und Winteräpfel.

Lediglich in der Übergangszeit von Frühling auf Sommer (Mai und Juni) kann es zu Versorgungsengpässen bei heimischen Äpfeln kommen. Allerdings haben gerade die Gesichtspunkte für eine ganzjährige Versorgung des Marktes die Sortenvielfalt eingeengt, weil eben logistische und ökonomische Aspekte der Vielfalt entgegen stehen. Umso schöner ist es, wenn regional engagierte Züchter wieder beginnen, alte Apfelsorten zu kultivieren und das Angebot zu bereichern.

Die Herkunft des Apfels

Im Zentrum Kasachstans, in Mittelasien also, vermutet man die Wiege des Kulturapfels. Der griechische Philosoph und Naturhistoriker Theophrastus (371-287 v. Chr.) beschrieb in seiner „Historia Plantarum“ bereits den Apfelbaum, woraus zu folgern ist, dass bereits die Griechen Kenntnisse über die Veredelung von Apfelkulturen, wahrscheinlich von den seefahrenden Phöniziern übernommen hatten.

Jedoch erst die Römer führten den großflächigen Apfelanbau, so wie wir ihn heute kennen, ein, denn sie beherrschten bereits die Veredelungstechniken durch Okulieren und Pfropfen.

Mit den Römern gelangten der Apfel und andere Fruchtarten bis nach Germanien. Ortsnamen wie „Pommern“ an der Mosel weisen auf einen Obstgarten (Pomarium) aus römischer Zeit hin. Der germanische Name „Apitz“, wie man ursprünglich den heimischen sauren Holzapfel nannte, übertrug sich auf die neuen schmackhafteren Äpfel (althochdeutsch „apful“).

Ein mittelalterliches schriftliches Zeugnis über die Bedeutung und Pflege des Obstbaus entdeckten Historiker in der Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ (792-800) Karls des Großen.

Mit der Ausbildung durch die Klöster, dann durch die Fürstenhöfe und schlussendlich durch den Schulunterricht verbreiteten sich die Kenntnisse über die Kultivierung des Apfels in ganz Europa. Das 19. Jahrhundert schließlich nannte man auch das Zeitalter der Pomologie, als die größte Sortenvielfalt erreicht war.

In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts diskreditierte man die mühsam über Jahrhunderte gewonnene Vielfalt durch Begriffe wie „Sortenwirrwar“ und zahlte sogar Prämien für die Rodung angeblich nicht mehr gewünschter Sorten. Reste der alten Sortenvielfalt sind heute nur noch auf meist überalterten Obstwiesen, in Hausgärten und vereinzelt an Wegrändern zu finden. Möge eine Renaissance des Sortenwirrwars gelingen!

Kalorien, Nährwerte und gesundheitliche Effekte des Apfels

Gerade weil der Apfel zu 85 Prozent aus Wasser besteht und nur rund 60 Kilokalorien Energieinhalt hat, ist er wie anderes Obst, Beeren und Gemüse gesund. Er sättigt, versorgt dich mit Flüssigkeit und führt dir über die Schale viele Vitamine und Mineralstoffe zu. Wenn du also den Apfel schälst, wirfst du das Beste fort!

Was steckt noch im Apfel?

Dein Immunsystem benötigt Vitamine, die besonders in sonnengereiften Äpfeln gespeichert sind. Aus der Schale werden dir reichlich Vitamin C, Provitamin A, die Vitamine B1, B2, B3 (Niacin), B6, B9 und B11 (Folate) und Vitamin E zugeführt, aber eben nur wenn du die Schale mit isst, denn 70 Prozent dieser wichtigen Nährstoffe sitzen in der Schale.

„An apple a day, keeps the doctor away“ – der Sinnspruch für gesundes Obst

Je nach Apfelsorte sind 5 bis 35 mg Vitamin C pro 100g enthalten. Das Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte und schützt die Zellen. Apfel beinhaltet Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium und Eisen. Besonders die Schale ist reich an Eisen und Magnesium. Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Jod (im Fruchtkern angereichert, iss also das Gehäuse mit) und Zink sind wichtig für den gesamten Stoffwechsel, die Nerven und die Muskeln. Kalium hilft, den Wasserhaushalt im Körper zu regulieren. Jod befindet sich im Kerngehäuse.

Sind Äpfel schmackhafte Zahnpflegeprodukte?

Der Apfel soll mit seinen Fruchtsäuren und Ballaststoffen einen stark reinigenden Effekt für die Zähne haben. Die Fruchtsäure des Apfels zerstöre die Fäulniserreger des Mundes und verhindere so die Bildung von Zahnstein. Das Zähneputzen kann ein Apfel aber nicht ersetzen – auch wenn es in der Legende gerne anders behauptet wird.

Das Pektin in den Äpfeln wirkt verdauungsanregend

Ein hoher Anteil an Ballaststoffen in Form von Pektin und Cellulose fördert die Verdauung und wirkt vorbeugend gegen Verstopfung. Pektin senkt den Cholesterinspiegel, bindet Schadstoffe und schwemmt sie mit den Bakterien des Dickdarms wieder aus. Pektin hält den Blutzuckerspiegel konstant, sodass sich ein Hungergefühl erst verzögert einstellt. Äpfel können deswegen beim Abnehmen helfen.

Geriebene Äpfel machen das Pektin zugänglicher und lässt es mehr Wasser binden. Aufgrund seiner chemischen Struktur kann Pektin bis zum 100-fachen seines Eigengewichtes an Wasser binden und reguliert dadurch die Darmtätigkeit.

Der Apfel soll vor Demenz und Krebs schützen

In der Schale des Apfels sind sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole enthalten. Besonders der gelblich-rote Farbstoff – das Quercetin – ist hier zu nennen. Studien sollen ergeben haben, dass Quercetin die gefährlichen freien Radikale einfängt. Damit schützt es die Zellen und wirkt entzündungshemmend.

Die bisherigen Ergebnisse deuten an, dass Antioxidantien im Apfel durchaus helfen können, Nervenzellen zu schützen und sie gelten als wirksame Anti-Aging-Substanz gegen Demenz.

Wissenschaftliche Untersuchungen geben außerdem Hinweise, dass Apfelesser seltener an Bronchial- und Lungenkrankheiten leiden. Auch dies wird auf sekundäre Pflanzenstoffe im Apfel, die Katechine, zurückgeführt.

Die in der Frucht enthaltenen Flavonoide und Carotinoide scheinen das Krebsrisiko zu mindern und sollen eine antioxidative Wirkung im Organismus haben. Das weiße Fruchtfleisch des Apfels könne das Risiko von Schlaganfällen senken.

Äpfel sind der perfekte Snack für Kinder

Der Apfel ist Energiespender, vertreibt Müdigkeit und Konzentrationsschwäche und ist daher auch für Kinder wichtig. Besonders für Kleinkinder ist das Essen ganzer Äpfel empfehlenswert, da es die Entwicklung der Zähne und des Kauens unterstützt – also am besten nicht immer nur in Spalten servieren.

Kinder und Ernährung – kein ganz einfaches Thema. Tipps für den Umgang mit wählerischen Essensgästen und passende Rezepte findest du hier.

Der Apfel in der klassischen Volksmedizin

  • Bei Durchfall: Der Apfel ist ein altes Hausmittel gegen Durchfall, dafür sollte man einen rohen, mit der Schale geriebenen Apfel essen.
  • Bei Erkältungen: Apfelessig kann Hals- und Rachenentzündungen verringern, wenn man ein Glas heißes Wasser, einen Esslöffel Honig und einen Teelöffel Apfelessig schluckweise trinkt. Auch ein gebratener Apfel mit Honig kann bei Heiserkeit helfen.
  • Bei Schlafstörungen und Müdigkeit: Ein Apfel vor dem Schlafengehen soll Schlafstörungen verhindern, ein Apfel am Morgen soll beim Wachwerden helfen.
  • Bei Schwangerschaftsübelkeit: Die Übelkeit am Morgen kann durch das Essen eines Apfels vor dem Aufstehen vermieden werden.
  • Bei Nervösität: Wer nervös ist, sollte sich aus einem in Scheiben geschnittenen, ungeschälten Apfel einen Tee zubereiten. Die Apfelscheiben mit einem Liter kochendem Wasser übergießen und zwei Stunden ziehen lassen: fertig ist der Apfelfruchttee.

Die richtige Lagerung von Äpfeln

Sie reifen während der Lagerung nach und geben dabei das Reifungsgas Ethylen ab. Äpfel sollten daher nicht neben anderen Obst- oder Gemüsesorten gelagert werden, da diese dann schneller reifen und möglicherweise verderben. Äpfel werden am besten in kühlen Räumen (zwischen zwei bis sieben Grad), luftig und bei hoher Luftfeuchtigkeit gelagert (zum Beispiel ein luftiger Keller).

Apfelsaft versus frische Äpfel

Ein konventioneller Apfelsaft ersetzt kein frisches Obst, denn beim Pasteurisieren werden viele wichtige Inhaltsstoffe wie die Vitamine und Pflanzenstoffe zerstört. Kalium bleibt allerdings erhalten. Nicht umsonst trinken Sportler ja gerne eine Apfelsaftschorle. Trotzdem gilt: Der frische Apfel ist gesünder. Und wenn schon Apfelsaft, dann sollte er naturtrüb sein oder noch besser: frisch gepresst.

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