Gelassenheit erlernen 6 - Einsicht und Training: Wie lernt man Gelassenheit?

Wer glaubt, die äußeren Umstände müssten sich ändern, um gelassener zu werden, der irrt. Wir können üben, in jeder Situation gelassen zu denken und zu handeln.
Thomas Hohensee
von Thomas Hohensee
Gestresste Frau liegt mit vielen Büchern auf dem Boden© Piotr Marcinski - Fotolia.com

In unserer Reihe “Gelassenheit Erlernen” veröffentlichen wir Auszüge aus dem Buch “100mal gelassener” von Thomas Hohensee, Autor und Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Darin werden die wichtigsten Fragen zum Thema Gelassenheit beantwortet. In unserem sechsten Teil fragen wir:
“Wie lernt man Gelassenheit?”

Gelassenheit lernt man durch Einsicht und Training. Man muss sich klarmachen, wie Stress wirklich entsteht. Ist die wahre Ursache erkannt, kann man sie beseitigen. Dies einmal zu tun genügt leider nicht. Man kommt nicht umhin, den Vorgang so lange zu wiederholen, bis man automatisch gelassen bleibt.

Das dauert seine Zeit.

Äußerliche Ursachen von Stress

Über die Ursachen von Stress existieren viele Theorien. Die verbreitetste besagt, dass allein äußere Umstände wie Krankheit, Scheidung, viel Arbeit oder schwierige Menschen dazu führen, dass man sich überlastet fühlt.

Die Psychiater Holmes und Rahe haben eine Skala erstellt, die 43 Ereignisse nach ihrem Stresswert auflistet. Auf Platz 1 steht mit einem Wert von 100 der Tod des Ehepartners. Scheidung schafft es mit 73 Punkten auf Platz 2. Weihnachten rangiert auf Platz 42 mit einem Wert von 13. Diese äußeren Umstände gelten als Stressoren, also Reize, die als belastend erlebt werden.

Stress ist individuell – Nicht jeder empfindet dasselbe als stressig

Sowohl die Theorie als auch die Skala halten einer Überprüfung nicht stand. Richtig ist, dass der Tod des Partners und die Scheidung tatsächlich sehr belastend sein können, vor allem wenn die Betroffenen nicht wissen, wie man angemessen damit umgehen kann.

Es stimmt zum Beispiel nicht, dass eine Scheidung ohne Ausnahme bei jedem Stress hervorruft. Manche empfinden sie als Befreiung. Andere trennen sich einvernehmlich und bleiben Freunde.

Weihnachten ganz allgemein als zu Stressor zu bezeichnen, wenn auch minderer Intensität, geht an der Sache vorbei. Es gibt immer noch zahlreiche Menschen, die sich auf diese Zeit freuen und sie genießen. Das schließt nicht aus, dass ein Teil unangenehme Gefühle mit diesem Fest verbindet. Aber das liegt nicht an Weihnachten an sich.

Wir entscheiden, ob etwas Stress macht oder nicht

Äußere Ereignisse sind neutral. Es sind Tatsachen. Erst ihre Bewertung löst angenehme oder unangenehme Emotionen aus. So erklärt sich, dass Menschen auf Situationen unterschiedlich reagieren, ja sogar ein einzelner Mensch auf die gleiche Situation mal so und mal so.

Diese Einsicht ist der Ausgangspunkt, um sich von Stress zu befreien. Viele sehen ihr Heil einzig und allein darin, die Umstände zu ändern. Ist dies nicht möglich, fühlen sie sich ohnmächtig. Man kann jedoch über jede Situation auf eine Weise denken, die zur Gelassenheit führt.

Gelassener werden durch das richtige Einschätzen von äußeren Umständen

Dies setzt jedoch ein Training voraus; denn fast jeder lernt zunächst das Falsche, nämlich dass die äußeren Verhältnisse die Gefühle bestimmen und damit automatisch Stress hervorrufen können. Dieser Glaube sitzt tief. Aber durch Übung kann man erreichen, die unzutreffenden Ansichten aufzugeben und durch ein wirklichkeitsgemäßes Denken zu ersetzten.

Thomas Hohensee
Thomas Hohensee ist Coach und Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung in Berlin.

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