Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden - Teil 2: Befreie dich von deinem Ego

Gibt es eine universelle Weisheit hinter allen Religionen? In seinem Roman Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden geht der französische Erfolgsautor Laurent Gounelle genau dieser Frage nach. evidero veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch. Teil 2.
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von evidero Redaktion
Wasserlilie auf einem See© Pexels

Im zweiten Teil unser Serie geht Protagonistin Alice weiterhin der Frage nach, ob hinter allen Religionen eine universelle Weisheit steckt. Bei ihren Recherchen stößt sie beim Daoismus, Buddhismus, Hinduismus und dem Christentum auf den Begriff des Ego. Sie vermutet, dass es eine Art kosmische Wahrheit gibt, bei der es um die Lossagung vom Ego geht und die sich über Jahrhunderte und über Kontinente erstreckte, ohne die Menschen je erreicht zu haben. Ihr Ego, so scheint es, ist die Ursache für ihre Probleme und ihr Leiden. Um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen, trifft sie sich mit einem Spezialisten für fernöstliche Religionen, Raphael Duvernet, und führt ein hochinteressantes Gespräch.

Er nahm einen großen Schluck, bestaunte die Bernsteinfarbe des Getränks, dann begann er langsam zu sprechen. Er drückte sich sehr genau aus, aber das Sprechen schien ihn ungemein anzustrengen und er hielt häufig zwischen den Sätzen inne.

“In den Worten Laotses bezeichnet der Geist das Mentale. Der Daoismus vereint sich hier mit dem Hinduismus und dem Buddhismus, wenn er dazu aufruft, sich von dem Mentalen zu befreien. Das Mentale ist das unablässige Grübeln, das sich über Herz und Körper erhebt, auf Kosten der Intuition, des Instinktes und des bewussten Seins.”

Das Ego entstammt der Angst, nicht zu genügen

“Des bewussten Seins?” Vorübergehendes Schweigen. “Wenn Sie im Mentalen sind, dann ist das ein bisschen so, als würden Sie nicht mehr in Ihrem Körper stecken, nicht mehr auf Ihr Herz hören, Ihr Dasein nicht mehr spüren: Sie interpretieren die Realität, häufig, indem Sie sie deformieren, Sie schreiben anderen Absichten zu, die nicht die ihren sind, Sie projizieren Ihre Ängste und Probleme, Ihre Zweifel und Erwartungen.

Sie vergeistigen die Ereignisse, statt sie zu erleben. Die fernöstlichen Lehren fordern dazu auf, sich vom Einfluss des Mentalen zu befreien, damit man die Dinge so erfährt, wie sie sind, in der Gegenwart, wohingegen das Mentale nur Vergangenheit oder Zukunft kennt.”

Nur Vergangenheit oder Zukunft … “Ich verstehe nicht, was Sie hier für eine Verbindung zwischen dem Mentalen und der Zeit herstellen.” Einen Moment lang schaute er sie an, dann atmete er wieder tief durch. Es fiel ihm schwer, diese Themen anzusprechen.

Laurent Gounelle Laurent Gounelle © Zoé Gardeur

Laurent Gounelle, sind Sie gläubig?

“Ich glaube, dass eine schöpferische Kraft existiert, eine überreligiöse Kraft, die uns einerseits beinhaltet und sich auch ganz tief in uns befindet. Der Mensch hat etwas Göttliches in sich, mit dem er in Kontakt kommen kann.”

“Ihr Mentales interpretiert das, was geschieht oder was jemand sagt, ganz nach Ihren persönlichen Erfahrungen, Überzeugungen und Ihrer Ansicht über Sie selbst, die anderen und die Welt. All diese Dinge sind in der Vergangenheit verortet. Und wenn Sie in der Gegenwart Angst verspüren, dann projizieren Sie Ihre Interpretationen, die aus der Vergangenheit hervorgehen, mental in eine imaginäre Zukunft. Das Mentale schneidet Sie demnach von der Gegenwart ab.«

“Und Laotse vergleicht sich mit einem Toren, weil er sich von seinem Mentalen befreit hat, ist es das?” Schweigen. “Allem Anschein nach.” Selig sind, die da geistlich arm sind, sagte Jesus. Zweifellos bezog er sich damit auf dieselbe Sache. Und nicht auf einen armseligen Geist, wie der Pariser Pfarrer ihr gesagt hatte.

Duvernet griff nach der Flasche Crémant und schenkte ihnen nach. Sie lehnte nicht ab. “Gibt es irgendwo eine Verbindung zwischen dem Mentalen und dem Ego?”

“Das Ego entstammt prinzipiell der Angst: der Angst, nicht zu genügen, keinen Wert zu haben, insbesondere in den Augen der anderen. Nun entspringen unbegründete Ängste aber typischerweise einem mentalen Prozess. Und es sind auch unsere Gedanken, die dazu führen, dass wir uns für etwas halten, das wir gar nicht sind: Das Mentale drängt das Ego, in diese Rollen zu schlüpfen. Das Mentale kultiviert das Ego.”

Er nahm einen Schluck und fügte hinzu: “Der Buddhismus lädt dazu ein, sich von diesen verfluchten Rollen zu lösen.” Verflucht hatte er richtig wütend betont.

Was meinen die Buddhisten mit Loslösung?

“Die buddhistische Loslösung … Davon habe ich schon gehört, aber das hat mir immer Schwierigkeiten bereitet. Es erweckt den Eindruck, als müsste man in einem losgelösten Zustand leben, ohne etwas für das zu empfinden, was einen umgibt. Ich habe aber gar keine Lust, losgelöst von meinem Mann, meinem kleinen Sohn oder denen, die ich liebe, zu leben. Ich habe keine Lust, was sie betrifft, neutral oder gefühllos zu sein.

Wäre ich losgelöst von ihnen, würde es mich natürlich weniger treffen, sollte ihnen etwas zustoßen. Doch wenn alles normal verläuft, dann sehe ich nicht, weshalb ich auf diese Weise glücklicher sein sollte. Ganz im Gegenteil!”

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Was entdeckt Alice auf ihrer Suche nach dem verborgenen Schatz?

  • Der Schatz liegt im Materiellen verborgen
  • Die universelle Weisheit hinter allen Religionen
  • Nichts, es gibt keinen Schatz in uns

Kleiner Tipp: Die Antwort findest du im Text.

Erneutes Schweigen. “Man darf nicht alles wörtlich nehmen”, fuhr er mit seiner tiefen, schleppenden Stimme fort. “In der buddhistischen Loslösung muss man vor allen Dingen sehen, dass man gewinnt, wenn man sich von seinem Ego löst. Ihr Ego klammert sich an alles, was Sie aufwertet, was Sie aber gar nicht sind: die Rollen, in die Sie schlüpfen, die schönen Dinge, die Sie besitzen, Ihre schmeichelhaftesten Züge. […] In den fernöstlichen Lehren verweist das Verlangen auf das Ego.

Das Ego verlangt nach Materiellem

Das Ego verlangt nach einem Objekt, einer Beförderung, mehr Geld oder was weiß ich noch alles. Mit dem Gegenstand des Verlangens strebt das Ego immer weiter danach, sich zu stärken, sich aufzuwerten. Durch das, was man begehrt, versucht man unbewusst, die eigene Identität oder vielmehr das Gefühl von Identität aufzuwerten.

Man sollte dazu sagen, dass einen das, was man ist, verwirrt, also weiß man nicht mehr, wie man mehr man selbst sein soll. Und so verlangt man nach Dingen, die es einem ermöglichen sollen, etwas mehr zu existieren. Wenn Sie sich ein Kleidungsstück wünschen, ein Auto oder irgendetwas anderes, dann glauben Sie unbewusst, dass dieses Kleidungsstück oder dieses Auto dem, was Sie sind, noch etwas hinzufügen wird, Sie besonders oder interessant machen oder Sie aufwerten wird.

Kurz, als würde es Ihre Identität verstärken. Das ist natürlich eine Illusion, und die fernöstlichen Lehren wie der Daoismus, der Buddhismus oder der Hinduismus fordern die Menschen dazu auf, sich vom Verlangen zu befreien.”

“Aber warum denn? Wo ist das Problem?” “Man gelangt damit schnell in eine Abhängigkeit. Da das Verlangen auf einer Illusion basiert, ist nicht gewährleistet, dass die Identität durch das Objekt des Verlangens gestärkt wird, folglich nimmt die Suche kein Ende: Sie wünschen sich unablässig neue Dinge, die Ihnen niemals das geben, was Sie suchen. Deshalb sagt Laotse: Kein Fehler ist größer als Begehren nach Besitz. Oder auch: Darum der Weise: begehrt, nicht zu begehren.”

Dieser Text ist ein Originalauszug aus dem Buch “Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden” von Laurent Gounelle. Hier gelangst du zum ersten Teil unserer kleinen Serie. Teil 3 folgt in Kürze.
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