Über Sprossen, Rucola und Ingwer: Gaumen sucht den Superstar

Auch beim Essen gibt es Trends. Lebensmittel und Gewürze werden wiederentdeckt, andere werden vom Speiseplan gestrichen.
von Otto Ris
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Essen ist Kultur und in der Kultur gibt es Trends und Moden. Sprossen, Rucola und Ingwer gehören in unsere Küche – wie lang noch? Was kommt als nächstes?

Wie im wahren Leben, so folgt auch unsere Koch- und Esskultur Trends und Moden. Wenn auch nicht bei allen drei Mahlzeiten an jedem Tag, so lässt sich doch immer wieder feststellen, dass in Castrop-Rauxel, in Wannefeld und in Tuttlingen häufig die gleichen Lebensmittel aufgetischt werden. Zumindest gilt das für einige kulinarische Leuchttürme, die die Flut an anderen Genüssen jeweils für kurze Zeit überstrahlen. Dabei finden sich bei den Trend-Lebensmitteln so viele Altstars, wie in drei Staffeln Dschungel-Camp und Musikantenstadl nicht zusammen kommen. Und das ganz ohne PR-Maschinerie und gewieftes Management. Und jedes Mal fragt man sich, wie hat nun wieder dieses fast vergessene Geschöpf aus Gottes Garten den Weg zurück in die Trend-Charts deutscher Küchen geschafft?

Exemplarisch sei hier an die Altstar-Top 3 der jüngeren Moden erinnert:

Ingwer

bekannt seit:                       3000 Jahren

besondere Kennzeichen: gilt als Heilpflanze, schmeckt aber am besten als Bier-Bestandteil

die große Frage:                 Muss denn nun wirklich in jedes Apfelmus auch etwas von dem Rhizom?

Rucola

bekannt seit:                       6000 Jahren

besondere Kennzeichen: sieht selbst jung irgendwie welk aus

die große Frage:                 Wie hat das Unkraut Rauke diesen Imagewandel hinbekommen?

Sprossen

bekannt seit:                       man Amöben und andere Einzeller kennt

besondere Kennzeichen: bleiben zwischen den Zähnen hängen

die große Frage:                 Wie wird man das Image des Pflanzen-Baby-Massenmörders wieder los?

Wie auch immer diese Altstars den Weg auf den Trend-Teller geschafft haben – sicher ist, dass ihnen längst vergessen geglaubte Lebensmittel nachfolgen werden. Wer wird es schaffen, sich als nächster in den kollektiven Magen zurückzubringen? Und ist die Zeit reif für ein nachhaltiges und wirklich regionales Trendgemüse? Wann schaffen Graupen, Quitten und Fenchelsamen den ganz großen Wurf? Fragen, die nur bei den heimischen Ceranfeld-Castings durch die Vergabe von Recall-Rezepten geklärt werden können.

Autor: Otto Ris
Der Autor ist als Medienschaffender selbst nicht an der Produktion von Kochsendungen fürs Fernsehen vorbei gekommen und hat über die Jahre schon mit vielen Sterneköchen zusammen gearbeitet. Deshalb hat er die Gelegenheiten zu tiefen, schonungslosen Topftauchgängen, kann aber genauso gut über den Tellerrand hinwegsehen...