Rüdiger May über Stabilität: Stabilität ins Leben bringen

Stabilität ist beim Boxen besonders wichtig. Ex-Profi-Boxer Rüdiger May gibt Tipps, wie man im und außerhalb des Boxrings stabil bleibt.
von Rüdiger May
Körperliche Stabilität ist nicht allesFoto: 04-05-13 © kristian sekulic

Stabilität ist besonders beim Boxen wichtig. Aber auch außerhalb des Boxrings sollte man Instabilität vermeiden. Ex-Box-Profi Rüdiger May weiß, wie.

Stabilität ist das A und O beim Boxen. Die Grundregel für die Boxstellung heißt: Als Rechtshänder stellt man sich erst einmal mit den Füßen schulterbreit hin, macht mit dem linken Fuß einen Halbschritt nach vorne und neigt dann den Oberkörper leicht nach vorne. Sobald der Oberkörper nach vorne geht, geht die Hüfte nach hinten, man beugt die Knie leicht und tariert das Gewicht dann so aus, dass es direkt in der Mitte zwischen beiden Füßen ist. Linkshänder machen das natürlich seitenverkehrt.

Körperliche und mentale Stabilität finden

Wenn man so steht, dann kann einem eigentlich kein Gegner was anhaben. Und das kann man im doppelten Sinne verstehen. Aus der körperlichen Stabilität, dem sicheren Stand, resultiert eigentlich alles. Wer fest und sicher steht, kann gut austeilen, aber auch Schläge des Gegners abwehren. Man ist stets in der Lage, aus einem starken Fundament heraus zu agieren oder zu reagieren.

Das gleiche gilt auch für die mentale Balance. Wenn man mental nicht ausbalanciert ist, dann hat man auch Probleme mit den Angriffen oder der Verteidigung. Man muss schon davon überzeugt sein, was man vor hat. Sonst ist eine Attacke schon von vornherein gescheitert. Das gilt auch, wenn ich Schläge des Gegners parieren will; stehe ich instabil und fühle mich instabil, hat der Gegner leichtes Spiel mit mir.

Oft ist es so, dass man sich mental nicht ganz ausbalanciert fühlt, sich dann aber über die körperliche Arbeit wieder zurück in den Kampf bringt, das habe ich selber schon erlebt. Anders herum kenne ich es auch: Ich bin mental stabil, aber gerate körperlich ins Schlingern. Wenn ich dann meine innere Stabilität auf den Körper übertrage, ist alles wieder im Lot.

Durch die richtige Atmung innerlich gefestigt sein

Dass ich instabil bin, merke ich daran, dass die Bewegungsabläufe anfangen, unrund zu werden. Wenn ich merke, dass ich während des Schlags oder nach dem Schlag keinen richtigen Stand habe. Wenn der Gegner mich angreift — und ich mehr durch den Boxring stolpere als federe oder gleite.

Instabilität kenne ich natürlich auch aus allen möglichen Lebenssituationen außerhalb des Boxrings. Ich versuche dann immer einen klaren Kopf zu behalten und stabil zu bleiben oder zu werden. Meist muss ich mich dann nur kurz sammeln.

Und vor allem: richtig atmen. Wer in Hektik gerät, tendiert dazu flach zu atmen bis hin zur Hyperventilation —  und dann kommt der ganze Teufelskreislauf erst einmal in Gang. An Stabilität ist dann gar nicht zu denken. Deswegen versuche ich so tief wie möglich zu atmen. Das hilft mir, das ganze Stress-Rad auf Stillstand zu bringen. Das ist wie ein Druck auf die Reset-Taste. Nach und nach beruhigen sich Körper und Seele — und ich stehe wieder stabil.

Aufgezeichnet von Marc Saha

Experte: Rüdiger May
Rüdiger May (Jahrgang 1974) macht Sport seit er denken kann. Als Zehnjähriger bestritt er seinen ersten Box-Kampf, mit 19 Jahren wurde er Profi-Boxer...