Rüdiger May über Motivation: Das habe ich beim Boxen über Motivation gelernt

Motivation ist das, was antreibt. Doch was tun, wenn die Motivation auf dem Weg abhanden kommt? Ex-Box-Profi Rüdiger May gibt Tipps in seinem Blog.
von Rüdiger May
So sieht Motivation ausFoto: 09-15-08 @ Andrew Rich

Manchmal hat man einfach keine Lust mehr. Der letzte Rest Motivation, den man hatte, ist verflogen. Wie schafft man es dann wieder, sich selbst anzutreiben? Genau darum geht es heute in unserer Reihe “Vom Boxer lernen” mit Ex-Profi Boxer Rüdiger May.

Es gibt Tage, da fällt mir alles leicht, da brauche ich mich nicht für’s Training oder alles andere, was ich mir vorgenommen habe, zu motivieren. Und dann gibt es auch Tage wie die im März 2008, als ich den Kampf verloren habe, nach dem ich dann meine Karriere beendet habe.

An dieser Niederlage gegen Herbie Hide hatte ich eine Weile zu knabbern. Ich habe einige Tage lang keine Sportklamotten angezogen, nicht trainiert, fühlte mich antriebslos. Die Luft war raus. Irgendwann habe ich aber auch gemerkt, wie träge dieses Nichtstun mich gemacht hatte. In meinem Job als Trainer kam ich mir weniger kreativ als sonst vor. Und so habe ich wieder meine Handschuhe rausgeholt und trainiert.

Motivation finden ist manchmal notwendig

Motivation hat zwar nichts mit Qual oder Zwang zu tun, aber mit der Notwendigkeit. Der Notwendigkeit, etwas zu erledigen, was einem sonst über den Kopf wächst, weil man es zu lange nicht angeht. Wenn ich in solchen Situationen überlege, ob ich jetzt zum Beispiel eine kaputte Schranktür sofort repariere oder das auf später verschieben will, dann mache ich es doch lieber sofort.

Der Gedanke, dass mir die kaputte Schranktür auch morgen oder übermorgen noch ein schlechtes Gewissen machen könnte, treibt mich dann an, die Tür jetzt sofort zu reparieren.

Das habe ich im meiner Leistungssportler-Zeit überall vorgelebt bekommen, Probleme, etc. so schnell wie möglich zu lösen. Ich habe dann auch gespürt, wie gut ich dann Kämpfe bewältigt habe, vor denen ich erst Motivationsprobleme hatte und mich dann doch noch gut vorbereitet habe. Und Fights, in die ich hochmotiviert gegangen bin, liefen meist besser für mich. Das hat mich geprägt. Motivation bringt etwas!

Wichtige Dinge sollte man nicht aufschieben

Aufschieben dagegen hilft nicht. Wer beim Arzt jahrelang Kontroll-Termine auslässt, bekommt dann vielleicht eines Tages einen Befund, der nicht so rosig ist. Dann erst erkennen viele, dass es notwendig ist, etwas zu tun.

Was mir sehr bei der Selbst-Motivation hilft: Ziele vor Augen haben. Sich etwas vornehmen ist wichtig. Auch wenn sich Ziele währenddessen verändern.

Vielleicht hat jemand geplant, zehn Kilometer zu laufen und merkt dann, dass er platter ist, als er dachte. Dann hilft es trotzdem, „nur“ fünf Kilometer zu laufen, also das Ziel den Gegebenheiten anzupassen.

Andere Menschen zu motivieren, speziell in meinem Job als Trainer, das fällt mir leicht. Ich kann meistens lesen, wer wie drauf ist, wer etwa zu verbissen ans Training dran geht — oder wer schnell am Ende seiner Kräfte ist. Auch da setze ich dann individuelle Ziele, die ich gegebenenfalls während des Trainings verändere. Und auch beim Training versuche ich zu vermitteln: Motivation hängt mit der Einsicht, der Notwendigkeit zusammen, dass man das, was man vorhat, auch wirklich angeht.

Aufgezeichnet von Marc Saha

Experte: Rüdiger May
Rüdiger May (Jahrgang 1974) macht Sport seit er denken kann. Als Zehnjähriger bestritt er seinen ersten Box-Kampf, mit 19 Jahren wurde er Profi-Boxer...