Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden - Teil 3: Stimmt die dualistische Weltsicht des Christentums?

Im dritten Teil unseres Textauszugs aus dem spirituellen Roman Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden von Laurent Gounelle geht es um den Dualismus im Christentum und die schwerwiegenden Folgen einer (absichtlichen) Fehlübersetzung.
evidero Logo
von evidero Redaktion
Orangefarbener Schmetterling mit Blume© Pexels

Alice stellt die dualistische Weltsicht des Christentums, also Mensch und Gott als getrennt voneinander, infrage und findet in der Bibel Hinweise darauf, dass Gott nicht außerhalb von uns existiert, sondern wie eine schöpferische Kraft in uns ist. So verstehen es auch die fernöstlichen Religionen. Ist das etwa die universelle Wahrheit und der verborgene Schatz in uns? Wir stellen euch im dritten und letzten Teil unserer kleinen Serie genau den Textauszug vor, in dem Alice diese ungeheuerliche Entdeckung macht.

Alice stellte fest, dass das Thomasevangelium sich deutlich von den vier anderen unterschied. Dieser Text hatte nicht die Lebensgeschichte Jesu zum Inhalt. Er berichtete von keinem einzigen Ereignis, von keinem Wunder, sprach weder von der Verurteilung zum Tode noch von der Wiederauferstehung. Dieses Evangelium gab ausschließlich die Worte Jesu wieder, ohne Ausschmückungen oder Kommentare.

Kaum hatte Alice zu lesen begonnen, fühlte sie sich verunsichert. Die Worte klangen wie die eines fernöstlichen Meisters: Sie waren unverständlich und bisweilen widersprüchlich, ihr Sinn erschloss sich nicht unmittelbar, aber sie riefen auf mysteriöse Weise etwas in ihrem Inneren wach. Als sie die Lektüre beendet hatte, lehnte sie sich zurück, sah zum Fenster hinaus und betrachtete lange Zeit die Blumen, die Vögel und die Wolken.

Ist die dualistische Weltsicht im Christentum überhaupt wahr?

Das Thomasevangelium ließ vermuten, dass Jesus eine nicht dualistische Weltsicht hatte, die in weiten Teilen mit derjenigen Laotses und anderer fernöstlicher spiritueller Meister übereinstimmte und im Gegensatz zu der dualistischen Weltsicht stand, die die Kirche ihm zuschrieb, eine Weltsicht, nach der der Mensch vom Rest der Welt, aber auch von Gott getrennt war.

In diesem Evangelium rief Jesus dazu auf, das eigene Innere zu erkunden und sich selbst zu erkennen, und er wurde nicht müde zu betonen, dass Gott auch in jedem Einzelnen von uns wohnt. In jedem Einzelnen von uns … Aber weshalb sagte er dann in den kanonischen Evangelien das Gegenteil?

Alice erinnerte sich daran, dass sie wenige Wochen zuvor nachgeschlagen hatte, welche Worte Jesus in diesem Zusammenhang gebrauchte. Als eine Gruppe Pharisäer ihn fragte, wo das Reich Gottes zu finden sei, antwortete er eindeutig: “Es ist mitten unter euch” und nicht “in euch”. Wie war dieser Gegensatz zu erklären? Gab einer der Evangelisten die Worte Jesu falsch wieder, oder hatte Jesus selbst widersprüchliche Aussagen gemacht? […]

Laurent Gounelle Laurent Gounelle © Zoé Gardeur

Laurent Gounelle, existiert für Sie eine universelle Weisheit?

Ich glaube, es existiert eine universelle Weisheit. Was mich bei der Beschäftigung mit verschiedenen Religionen, ganz egal, ob sie nun monotheistisch sind oder nicht, erstaunt hat, ist, hinter den verschiedenen Formen eine Übereinstimmung in den Botschaften zu entdecken.

Dieser Gedanke brachte sie auf die Idee zu überprüfen, ob der Ausdruck “mitten unter euch”, der Jesus zugeschrieben wurde, nicht vielleicht von einer falschen Übersetzung herrührte. Sie suchte die entsprechende Stelle: Lukasevangelium, Kapitel 17, Vers 21. Mit nur wenigen Klicks gelangte sie zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Übersetzungen der Bibel.

In der Neuen Jerusalemer Bibel fand sie zu ihrer Enttäuschung gleichfalls die Worte “mitten unter euch”. Dann fiel ihr Blick auf eine Fußnote mit folgender Erläuterung: “Die Übersetzung ist vom Kontext her wenig naheliegend.” Aha … Sie suchte weiter. Eine weitere renommierte Übersetzung schrieb ebenfalls “mitten unter euch”. Auch hier verwies ein Sternchen auf eine Fußnote, die Alice sofort las: “Bisweilen auch innerhalb von euch. Diese Übersetzung hat jedoch die Schwäche, dass sie dem Reich Gottes eine rein innere und private Natur zuschreibt.”

Ist Gott in uns anstatt außerhalb von uns?

Sie suchte weiter, bis sie auf eine Seite mit der griechischen Originalversion des Lukasevangeliums stieß, wo sie den Vers 21 und den dort verwendeten Ausdruck ausmachte: entós hymôn estín. Sie gab diese Worte auf mehreren Online-Übersetzungsseiten ein. Alle lieferten dasselbe Ergebnis: Es ist innerhalb von euch. Weil sie ahnte, dass sie sich allmählich dem Kern der Sache näherte, stellte sie weitere Nachforschungen über das Wort entós an und fand heraus, dass es nicht nur das Innere bezeichnete, sondern sogar das tiefste Innere des menschlichen Seins.

Gewinnspiel
Gounelle Schatz BuchcoverDu möchtest den ganzen Roman lesen? Dann bestelle hier das Buch oder nimm an unserem Gewinnspiel teil.

Wir verlosen 5x “Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden”. Beantworte einfach die folgende Frage und schicke die Lösung bis zum 01.11.2017 per Email an gewinnspiele@evidero.de

Was entdeckt Alice auf ihrer Suche nach dem verborgenen Schatz?

  • Der Schatz liegt im Materiellen verborgen
  • Die universelle Weisheit hinter allen Religionen
  • Nichts, es gibt keinen Schatz in uns

Kleiner Tipp: Die Antwort findest du im Text.

Sie ließ sich in ihrem Stuhl zurückfallen. Das war ungeheuerlich. Die Übersetzer hatten bewusst “Gott ist in eurem Inneren” durch “Gott ist mitten unter euch” ersetzt, weil ihnen diese Aussage besser passte. Unfassbar.

Wir sind alle Teil des Ganzen – ähnlich wie in fernöstlichen Religionen

Dass die Evangelisten die Worte Jesu möglicherweise unbeabsichtigt verändert hatten, weil jeder sie in seiner eigenen Weise aufgefasst hatte, hatte Alice eingeleuchtet. Aber dass Übersetzer sie gezielt verändert hatten, überstieg ihr Verständnis. Und das änderte natürlich alles.

Je mehr man sich einer nicht dualistischen Weltsicht näherte, der zufolge wir alle, die wir nur Sternenstaub sind, ein Teil des Ganzen und somit ein Teil Gottes sind, desto mehr zeichnete sich eine Auffassung ab, von der Alice glaubte, sie sich zu “Gott” vorstellen sollte. Eine schöpferische Kraft? Ein kollektives Bewusstsein, an dem jeder Einzelne einen kleinen Anteil hatte?

[…] “Und doch”, fuhr Alice fort, “findet sich das göttliche Wesen des Menschen, von dem die hinduistische Legende spricht, überall auf der Welt. Im Judentum heißt es in den Psalmen: `Ihr seid Götter.´ Die Buddhisten sagen: `Wir besitzen alle Buddha-Natur.´ Und selbst Jesus hat gesagt: `Ich und der Vater sind eins´, nachdem er dargelegt hat, dass sein Vater auch unser Vater ist.

Weil die Juden das als Gotteslästerung ansahen, haben sie ihn verfolgt und schließlich zum Tode verurteilt. Der Gipfel ist, dass die Kirche sich auf Jesus berufen hat, aber unaufhörlich diejenigen wegen Gotteslästerung verfolgt hat, die diese nicht dualistische Auffassung vertreten haben […] Der Gedanke, dass Gott in uns ist, legt nahe, sowohl auf uns selbst als auch auf das Leben zu vertrauen”, sagt sie. “Vielleicht ist ja das der wahre Glauben.”

Das war unser letzter Teil unserer exklusiven Leseprobe. Hier findet ihr Teil 1 und Teil 2. Lies im Buch, welche Bedeutung die Befreiung des Egos und die Liebe für die universelle Wahrheit hinter allen Religionen haben.
evidero Logo
Gesundheit und Glück, danach strebt jeder. evidero gibt dir täglich neue Inspirationen, wie du ein bewussteres, gesünderes und glücklicheres Leben führen kannst.
Buchtipps
Mehr zu lesen