Erkältung nein danke: 10 Mythen rund um Erkältungen aufgedeckt

Wir haben zehn Mythen rund um das Thema Erkältung unter die Lupe genommen. Was stimmt und was stimmt nicht? Und noch viel wichtiger: wie schützt man sich am besten vor der Krankheit?
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von evidero Redaktion
Frau mit Mütze im WinterPhoto by Spencer Backman on Unsplash

Die klassische Erkältungszeit beginnt im Herbst und zieht sich durch den Winter hindurch. Die ersten Anzeichen sind meist Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Dann folgen Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und jede erdenkliche Kombination dieser Symptome.

Wer besonders stark unter diesen Symptomen leidet, spricht gerne von einer Grippe. Dabei ist eine Grippe keineswegs die intensivere Form der Erkältung.

Was ist eine Erkältung?

Fast immer sind Viren die Verursacher von Erkältungen. Diese Viren wiederum führen zu einer Infektion der Schleimhäute beziehungsweise einer Infektion der oberen Atemwege. Diese Schleimhautentzündung wird auch als grippaler Infekt bezeichnet, eine Grippe (Influenza) wird dagegen ausschließlich durch Grippeviren verursacht. Merke: ein grippaler Infekt ist nicht das gleiche wie eine Grippe. Und so sind wir auch direkt beim ersten Mythos rund um Erkältungen gelandet.

Erkältungsmythen: Was führt wirklich zu einer Infektion?

Im Herbst fängt die Erkältungszeit so richtig an. Die Viren schwirren durch die Gegend und finden über Mund, Nase und Rachenraum den Zugang zu unseren Schleimhäuten. Wer ein schwaches Immunsystem hat, wird dann häufig krank.

1. Mythos: Kalte Füße machen krank

Kalte Füße sind ein Symptom von grippalen Infekten. Ist man erstmal krank, werden die Füße weniger gut durchblutet und fühlen sich deshalb kalt an. Es gibt Studien, die bestätigen, dass Kälte einen Schnupfen begünstigen kann, aber ohne eine virale Infektion und ein geschwächtes Immunsystem kann Kälte nicht krank machen. Ergo: Der Mythos ist falsch.

2. Mythos: Mit nassen Haaren darf man im Winter nicht rausgehen

Das gleiche gilt bei diesem Mythos, der sich seit langer Zeit hartnäckig hält. Die Annahme, man müsse sich die Haare föhnen, bevor man das Haus verlässt, ist schlichtweg falsch. Denn weder Kälte noch Nässe können direkt zu einer Infektion führen.

3. Mythos: Laufen durch Regen führt zu Schnupfen

Ähnlich ist es mit dem Mythos, wer schutzlos durch den Regen läuft, werde krank. Das Immunsystem kann geschwächt werden und eine Infektion begünstigen, ausgelöst wird sie aber immer noch durch Viren. Hier spielt wahrscheinlich der entstandene Stress die größte Rolle. Und apropos Stress…

4. Mythos: Stress macht krank

An diesem Mythos ist tatsächlich etwas dran, denn das Stresshormon Kortisol schwächt das Immunsystem und kann Erkältungen begünstigen. Da Stress häufig lange anhält, ist das Immunsystem entsprechend geschwächt und erleichtert den Viren den Job um einiges.

Es bleibt festzuhalten, dass eine Erkältung in der Regel durch eine virale Infektion entsteht. Ist das Immunsystem zum Beispiel durch Stress, Schlafmangel, andere Krankheiten oder Mangelernährung geschwächt, kann es zu einer Infektion der oberen Atemwege kommen.

So vermeidest du eine Ansteckung

Um eine Ansteckung mit der Erkältung zu vermeiden, solltest du versuchen, die Übertragung der Viren zu verhindern. Die Tröpfcheninfektion funktioniert besonders leicht, wenn man in die Hand niest oder hustet. Deshalb am besten immer in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen und husten.

Um dich selbst vor der Übertragung zu schützen, solltest du deine Hände regelmäßig und gründlich waschen und gegebenenfalls auch das Händeschütteln vermeiden. Auch die Berührung von Türgriffen, Toilettenspülungen und Lichtschaltern können zur Virenübertragung führen, wenn die Hände nicht rechtzeitig gereinigt werden.

Gefährlich sind auch Klimaanlagen – und zwar nicht durch die Kälte, sondern durch die Erreger, die in die Luft gelangen. Sitzt man alleine im Auto, wird man durch eine Klimaanlage nicht krank. Verteilen sich die Erreger jedoch durch die Luftzirkulation, können diese eingeatmet werden.

Du hast Laufen zu gehen aber das kalte Wetter hält dich davon ab? Die Diplom-Sportwissenschaftlerin Ingalena Heuck weiß, worauf du achten musst

Hausmittel, Medikamente… was hilft gegen grippale Infekte?

Was aber tut man, wenn es doch schon soweit gekommen ist – was hilft gegen die Symptome der Erkältung? Auch darum reihen sich Mythen über Mythen, denen wir auf den Grund gehen wollen.

5. Mythos: Wer krank ist braucht besonders viel Vitamin C

Vitamin C ist ein Stoff, den der Körper selbst nicht herstellen kann. Eine Unterversorgung schwächt das Immunsystem und begünstigt dadurch den Infektionsausbruch. Leider hilft mehr aber nicht mehr. Vitamin C ist nicht nur in Zitronen reichlich zu finden, wer also eine ausgewogene Ernährung hat, braucht sich um eine Mangelerscheinung keine Sorgen zu machen. Ist der Infekt erstmal da, kann auch Vitamin C diesen nicht wegzaubern.

Da Heißgetränke gegen das Reizgefühl und eine verstopfte Nase helfen, entsteht das Gefühl, eine heiße Zitrone könnte den Infekt bekämpfen, das hitzeunbeständige Vitamin C wird aber eigentlich durch heißes Wasser abgetötet. Ergo: Wenn heiße Zitrone hilft, dann nur durch den Placebo-Effekt beziehungsweise weil es Symptome wie Halsschmerzen erträglicher macht.

6. Mythos: Kranke sollten heiße Milch mit Honig, warmes Bier oder Ingwertee trinken

Nun wissen wir schon, dass Heißgetränke zwar angenehm sind, aber einen grippalen Infekt nicht beseitigen können. Was aber ist dran an heißer Milch, warmem Bier oder Ingwertee?

Heiße Milch mit Honig

Besonders die heiße Milch mit Honig wird heiß diskutiert, da manch einer auch behauptet, Milch würde verschleimen. Dieses Gefühl tritt tatsächlich auch auf, wenn die Milch sich mit dem Speichel verbindet. Ist die Milch aber erstmal geschluckt, braucht man sich keine Sorgen um Verschleimung machen, denn im Verdauungstrakt spielt Speichel keine Rolle mehr. Da Honig entzündungshemmend wirken kann, könnte an diesem Mythos durchaus etwas dran sein, wissenschaftlich bewiesen ist es allerdings nicht.

Warmes Bier

Warmes Bier ist grundsätzlich nicht zu empfehlen, da Alkohol austrocknend wirkt und das Immunsystem schwächt. Wer auf alkoholfreies Bier zurückgreift, könnte sich tatsächlich etwas gutes tun, denn manche behaupten, der Hopfen und die Bitterstoffe im Bier könnten das Immunsystem stärken. Auch hierfür konnten wir weder verifizierende, noch falsifizierende Studien finden (Untersuchungen, die diese These bestätigen oder verneinen könnten).

Frischer Ingwertee

Die ätherischen Öle im Ingwer fördern die Durchblutung und das wiederum verringert das Risiko einer Infektion. Ergo: Ingwertee schützt präventiv, ist die Krankheit erst mal ausgebrochen, kann Ingwertee die Symptome nur noch gefühlt verringern. Das gleiche gilt übrigens für Kurkumatee.

7. Mythos: Wer krank ist, gehört ins Bett

Das ist nur eingeschränkt richtig. Durch die Erkältung ist das Immunsystem angegriffen und der Körper kann sich nicht mehr so gut wehren. Entsprechend sollte man sich schonen (besonders mit Fieber) und weitere Infektionen vermeiden. Allerdings ist die strikte Bettruhe nicht unbedingt nötig, denn das Schonen ist etwas sehr individuelles.
Dazu kommt, dass trockene Heizungsluft die Schleimhäute austrocknet, was der Genesung nicht unbedingt gut tut. Hingegen wirkt sich frische Luft positiv auf das Immunsystem aus.

8. Mythos: Wenn die Erkältung sich anbahnt, schnell in die Sauna

Davon ist sogar abzuraten. Denn ist die Infektion erstmal ausgebrochen, befeuert man die Vermehrung der Viren durch Hitze nur. Präventiv wirkt Sauna hervorragend, da die Wärme die Durchblutung fördert und das Immunsystem stärkt. Nach Ausbruch, also schon wenn sich Schlappheit und Kopfschmerzen bemerkbar machen, sollte man nicht mehr versuchen, die Viren auszuschwitzen – auch nicht durch ein heißes Bad.

Bei Halsschmerzen einen Schal tragen

Zwar wirkt Wärme durchblutend, doch wird auch das Tragen eines Schals diskutiert. Denn auch hier besteht die Möglichkeit, dass Viren sich schneller vermehren und die Infektion bloß befeuert wird. Andere Meinungen besagen, dass die Wärme am Hals das Abtransportieren von Schleim begünstigt. Somit bleibt dieser Mythos ungeklärt.

9. Mythos: Wer krank ist darf keinen Sport machen

Auch das ist nicht ganz richtig. Zwar kann Sport das Immunsystem belasten, doch sorgt Bewegung auch für eine bessere Durchblutung und schützt präventiv das Immunsystem. Entsprechend sollte man sich mit einer Erkältung nicht völlig verausgaben, Bewegung kann aber durchaus sehr gut tun. Hierbei sollte man einfach auf sein Gefühl vertrauen und sehen, wie der Körper reagiert. Bei Fieber hingegen sollte man keinen Sport treiben.

Besondere Vorsicht gilt bei nicht erkannten Herzmuskelentzündungen. Die eher unspezifischen Beschwerden können anfangs auch als grippaler Infekt gedeutet werden. Bei einer Herzmuskelentzündung ist von sportlichen Betätigungen abzuraten.

10. Mythos: Ohne Fieber sind Erkältungen nicht ansteckend

Das ist falsch. Erkältungen sind auch dann schon ansteckend, wenn die Symptome noch gar nicht zu spüren sind. Deshalb sollten die vorhin genannten Hygieneregeln immer gelten, nicht nur, wenn man sich krank fühlt.

Fazit: Was stärkt das Immunsystem wirklich?

Zusammenfassend lässt sich festhalten: präventiv wirken…

  • Bewegung und Sport
  • eine ausgewogene Ernährung
  • Saunagänge und Massagen
  • frische und feuchte Luft
  • regelmäßiges und gründliches Händewaschen
  • Klimaanlagen und Menschenmassen meiden

Ist die Infektion ausgebrochen, muss man diese im Prinzip einfach aussitzen. Medikamente können die Symptome genau wie Hausmittel zwar etwas lindern, führen aber nicht dazu, dass die Infektionen schneller wieder verschwindet. Auch Antibiotika können gegen Viren nichts ausrichten, diese wirken nämlich nur bei bakteriellen Infektionen.

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