Deutschland rundet auf: Eine Farce: Brechreizimpulse: Zweifel­hafte Mit­spieler bei „Deutschland rundet auf“

Wollen sich zweifelhafte Firmen ein gutes Image kaufen? Eine Kritik an der Kampagne "Deutschland rundete auf.
von Annette Bonse
© evidero

Bloß weil ein Unternehmen bei einer Aktion wie “Deutschland rundet” auf mitmacht, heißt das noch nichts, dass sie wirklich nachhaltig oder sozial ausgerichtet sind. Wir nehmen unter die Lupe, wer sich dort beteiligt. Und was dieses Unternehmen den Rest der Zeit auszeichnet.

Ich glaube, es war in einem Bonner Programmkino, vor ein paar Tagen: Gemütliche Popcorn-Atmosphäre, Vorfreude auf den Film. Und gerade in dem Moment, als ich mich so richtig gemütlich in den Sessel zurückfallen ließ, kam auf der Leinwand folgender Werbespot:

Deutschland rundet auf – Kinospot

Untermalt von mitreißender Musik sah man, wie sich ein einzelnes Centstück innerhalb von Sekunden vermehrte, bis die Masse an Centstücken schließlich eine ganze Deutschlandkarte füllte. Dazu beschrieb ein Sprecher mit salbungsvoller Stimme dieses Zukunftsszenario: „Stellen Sie sich vor, jeder von uns würde bei seinem Einkauf nur ein paar Cent spenden.“ Schon nach kurzer Zeit kämen dadurch Millionenbeiträge zusammen, die „nicht nur einigen wenigen helfen – sondern uns allen.“ Im Verlauf des Spots wurde die ganze Idee hinter der Kampagne namens „Deutschland rundet auf“ erklärt: Durch das Aufrunden seines Einkaufsbetrags kann der Kunde in den teilnehmenden Läden bei jedem Einkauf soziale Projekte unterstützen. Wir alle gemeinsam – das war die Message hinter dem Spot – können die Welt zu etwas Besserem verändern. Hach …

Ich bin sowieso kein Freund von schwülstiger Werbung, wenn sie für soziale Projekte wirbt, aber was mir diesen Kinoabend nachhaltig (um das Wort hier mal in anderem Zusammenhang zu verwenden) vermiest hat, war nicht der Spot oder die Aktion an sich, sondern die Namen einiger Unternehmen, die am Ende eingeblendet wurden. Neben den Namen von Firmen, gegen die meines Wissens nichts einzuwenden ist, fanden sich außerdem unter anderen diese sozialen Wohltäter:

„Reno“, das Schuhgeschäft, in dem laut Stiftung Warentest so gut wie keine Richtlinien zur CSR (Corporate Social Responsibility) existieren; „Netto“, der Markendiscounter, der Stundenlöhne von 5,50 Euro auszahlt und der erst im Jahr 2011 in der Medienkritik war, weil Mitarbeiter von Schikanen am Arbeitsplatz und unbezahlten Überstunden berichteten. Und last but not least „Kik“, der König der Billiganbieter, der Näherinnen in Bangladesch für ein Monatsgehalt von etwa 30 Euro beschäftigt und der in Deutschland das komplette Team einer Filiale auf die Straße setzte, weil sie dort einen Betriebsrat (Gehalt der Betriebsleiterin: 800 Euro Netto monatlich) gründen wollten.

Zu Kik ließe sich an dieser Stelle noch einiges mehr schreiben – ich empfehle aber stattdessen lieber eine der eindrücklichsten Fernseh-Dokumentationen, die ich in letzter Zeit gesehen habe: „Die Kik-Story“ aus dem Jahr 2010, in der der Reporter Christoph Lütgert den obersten Vertreter der Geiz-ist-geil-Mentalität unter die Lupe nahm. Die Skrupellosigkeit und Unmenschlichkeit, die Lütgert in deutschen Kik-Filialen aber vor allem in den Herstellungsfirmen in Bangladesch aufgedeckt hat, sind so unbeschreiblich, dass man diese Doku mit eigenen Augen gesehen haben sollte.

Und damit zurück zur Kampagne „Deutschland rundet auf“: Der Kunde geht also zu Kik, kauft dort sein T-Shirt für 4,99 Euro und spendet den restlichen Cent großzügig an Projekte, mit denen „benachteiligten Kindern die Hoffnung gegeben wird, dass es auch für sie eine Zukunft mit Liebe und mit Vertrauen gibt“. (O-Ton Werbespot). Dass sich für die Produktion dieses T-Shirts gleichzeitig Mütter und Väter in Bangladesch kaputt arbeiten, deren größtes Problem in Hinblick auf die Zukunft ihrer Kinder die Frage ist, wie sie deren nächste Mahlzeit finanzieren sollen – das spielt an dieser Stelle keine Rolle mehr.

Selten ist soziales Engagement höhnischer dahergekommen als in diesem Fall.

Autorin: Annette Bonse
Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...
  • Gerhardv Haase

    Nun würde mich aber doch interessieren, welchen Film du gesehen hast?

  • Christian Vater

    Liebe Annette, schön, dass Du Dich in Deinem Blog mit DEUTSCHLAND RUNDET AUF beschäftigst. Als ich Deinen Beitrag las, habe ich mich trotz Deiner kritischen Haltung gefreut, dass wir jetzt auch im Kino laufen. Nach Rücksprache mit unserer Mediaplanung haben wir aktuell jedoch noch garkeine Kinokopien ausgeliefert…kannst Du mir bitte mal sagen, in welchem Kino und wann Du den Spot gesehen hast? Viele Grüße, Christian Vater, Deutschland rundet auf

  • Ja, diese Spendenaktion "Deutschland rundet auf" ist in der Tat mehr als zweifelhaft.
    Die Menschen z.B. in Bangladesh sind deshalb verarmt, leiden Hunger weil z.B. KiK, dort seine Textilien zu Hungerlöhnen fertigen läßt – warum rundet KiK nicht >selbst< die Löhne dort auf ? Warum einen derart umständlichen Weg, wenn das "vermeintliche Helfen" auch viel schneller, direkter zu bewerkstelligen wäre. -> Achso, es geht in erster Linie um eine Kampagne zur Imagepflege ? Augenwischerei zur Verdeckung der wenig sozialen Löhne, die weiterhin bleiben würden? => Durch Spenden des Verbrauchers aufgerundete Löhne, damit die Unternehmen diese nicht aus eigener Tasche zahlen müssen? Dafür haben Sie aber jede Menge Geld übrig für derlei Imagepflege-Werbekampagnen. Die Würde der Menschen in Bangladesh jedenfalls würde nachhaltiger wiederhergestellt, wenn sie sich durch eigenen, angemessenen Arbeitslohn selbst ernähren könnten und nicht auf gönnerhafte-demütigende "milde Gaben, Spenden" angewiesen wären, ausgerechnet von denjenigen, denen sie Ihre elende Situation durch Ausbeutung zu "verdanken " haben.

  • Gast

    Genau. Und wieder ein Grund, nichts zu spenden. Weil die falschen Leute die Aktion unterstützen. Sind die Arbeitsbedingungen jetzt bei KiK besser, weil die ambitionierte Autorin diese Spendenaktion verteufelt? Ganz bestimmt!

  • Heinrich

    Wahnsinn, hier in Deutschland ist immer alles schlecht gemacht! Wenn man bei so einem Projekt Brechreiz bekommt, dann weiß ich nicht, was der Autorin passiert, wenn Sie mal etwas schlimmes erlebt! Hier wird etwas für einen guten Zweck gemacht, die Firmen zahlen dafür, es ist freiwillig und die Projekte sind bekanntlicherweise nachhaltig, dann verstehe ich nicht wirklich das man permanent ein Haar in der Suppe suchen muss! Liebe Annette, es wäre schön, wenn Sie das auch mal direkt den Kindern von Klasse2000, Eltern-AG, usw. direkt ins Gesicht sagen würden, dass es nur Blödsinn ist, mal schauen wer dann einen Brechreiz bekommt?

  • CARINA HAMEL

    VIELEN DANK FÜR DIESEN BEITRAG! ICH HATTE SCHON DAS GEFÜHL, ALLEIN DIE BREMSE ZU SEIN – ICH FINDS UNTERIRDISCH

  • Gast

    Ich habe vor Stunden einen Kommentar erstellt. Da er zu kritisch war, erscheint er hier anscheinend nicht. Das ist doch wirklich unglaublich!

  • Helmut Qualtinger

    Grundsätzlich ist es wohl so, dass die Kommentatoren zu diesem Artikel auf die Empörung der Autorin abheben und damit aber einen (oder sogar mehrere) Fehler begehen. Sicher hat Frau Bonse guten Grund festzustellen und sich aufzuregen, sich zu WUTEMPÖREN, darüber, dass allgemein als unsozial agierende bekannte Unternehmen, mittels dieser „Aktion“ versuchen ein soziales Mäntelchen auf dem Laufsteg des sozialen Engagements zu plazieren.

    Ja, das ist ein müder, "billiger" Versuch mittels eines halbherzigen social-sponsoring den dreckigen pelz zu waschen.

    Nur! Wer veranstaltet das? Wer bietet das an? Wer sieht und arbeitet hier ein Geschäftsfeld? Diese Aktion ist ein Angebot! Ein Angebot an Unternehmen, sich mittels cleverer Strategie ein positiveres Image zu verschaffen. Das ist übrigens einer der wesentlichen Schwerpunkte umfassender Marketingstrategien. Dahinter zu schauen sollte das eigentliche Anliegen eines Journalisten, der darüber schreibt, sein. Mit der eigenen Empörung über das Bekannte, Übliche, finde ich zwar auch Leser, jedoch in der Verwirrung und Ausfranzung des (Un-) Verständnisses zum Thema dann so, wie eben hier in diesem Thread.

    Dahinter (Deutschland rundet auf) stecken ausgefuchste Marketingstrategen, die sich über eine Stiftung und einer zugehörig gegründeten GmbH über nix anderes Gedanken gemacht haben als: Wie schaffen wir ein lukratives Angebot für Unternehmen mit dem Bedürfnis ihr Image mittels einer verbrämten Form des inzwischen allgemein üblichen social-sponsorings zu schaffen? Die Idee des „Aufrundens“ ist natürlich Klasse. Chapeau! Nur der Hintergedanke und die entsprechende Durchführung und Akquiseansprache an die sogenannten „Partner“ dürfte eine deutlichere Sprache sprechen. In Bezug zum eigentlichen Zweck des Ganzen.

    Die Sache ist groß angelegt. Da wurde jetzt schon viel Geld in die Hand genommen. Da wurden Kuratoren geworben, Gremien gegründet, Gutachterfirmen eingebunden, eine interne Struktur mit „hochqualifizierten" Mitarbeitern installiert – nur, bislang ist halt nur ein einziges benennbares Projekt der Förderung benannt. Das ist natürlich kein Engagement, wie viele hier vielleicht schon vemuteten, in Indien, Bangladesch oder einem ähnlich mit Problemen, insbesondere durch brutale Ausbeutung arbeitender Menschen besonders betroffenem Land. Nein dies ist ein Projekt in Deutschland. Eine Eltern aufs Elternsein vorbereitende Initiative. Gut. Bestimmt nicht unsinnig. Aber ….. immerhin hängen die Aufkleber zur Aktion schon im Netto-Laden meines Vertrauens (sprich um die Ecke).

    Ich bin mir sicher, dass das Konzept der „Veranstalter“ ausschließlich darauf abzielt marketingstrategische Imagearbeit zu leisten. Dafür werden sie sich, die Idee ist schließlich richtig gut, fürstlich bezahlen lassen. Ich bin mir aber auch sicher, dass das Konzept trotzdem nicht aufgeht. Nicht einemal mittelfristig. U.a. deshalb, weil der „Partnermix“ zu viele Unternehmen beinhaltet, deren Imagegewinn nicht vergelichbar ist mit einem entsprechenden Verlust, geschuldet der Tatsache, dass man sich in einem Topf mit den „Bösen“ befindet. Da werden viele wieder abspringen. Und(!!) vor allem deshalb, weil aufmerksame Medienleute das entsprechend thematisieren.

    Liebe Frau Bonse, das wäre ihr Job gewesen! Für Ihre Empörung empfinde ich allerdings auch große Sympathie.

  • Christian Vater

    Lieber Herr Qualtinger, nachdem ich von Frau Bonse leider noch nicht gehört habe, in welchem Kino sie denn nun unseren Spot gesehen hat, der Anlass für diesen Beitrag war, lese ich mit Interesse den Ihren. Gerne lade ich Sie und weitere Diskutanten dieses Forums ein, gemeinsam mit Ihnen auf unserer Facebook-Seite über meine Beweggründe zu sprechen, warum ich vor 3 Jahren privat mit meinen eigenen Mitteln die Stiftung gegründet habe und wie wir seitdem mit einem Team von passionierten Menschen und dank der pro-bono Unterstützung von vielen Unternehmen, Medien und vorallem ganz vielen engagierten Menschen versuchen, einen kleinen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme hier vor Ort in Deutschland zu leisten. Wie Sie selbst so schön sagen: Wir machen ein Angebot. Bei dem jeder mitmachen kann aber niemand muss. Bis bald hoffentlich auf facebook, damit viel mehr Menschen von Ihren Gedanken und dem Dialog profitieren können. Herzlich, Christian Vater, Gründer Deutschland rundet auf

    • Sascha Christen

      Sehr geehrter Herr Vater,
      Ihre guten Beweggründe in Ehren, aber Ihre Partner machen Sie und Ihre Aktion unglaubwürdig. Netto und Kik vorneweg – haben Sie 'Die Kik-Stroy' gesehen? Wissen Sie um die Arbeitsbedingungen in Bangladesh, China… Achso, nein, hier geht es ja um Deutschland ("So können alle mit wenigen Cents etwas zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen in Deutschland beitragen.")
      Und deshalb finde Sie auch gar nicht dabei, dass sich Firmen beteiligen, die sich nicht um die Menschen und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern kümmern? Mir scheint doch der Werbeeffekt für Deutschland im Vordergrund zu stehen, die tatsächliche Hilfe ist dagegen minimal, wenn man das deutsche Aufrunden mal ehrlich gegenrechnet und hinschaut, wo an anderer Stelle stündlich abgerundet wird!
      mit freundlichen Grüßen
      Sascha Christen

    • Robert Kreis

      Ich habe nur eine Frage stimmt es dass Sie ein Gehalt von über EUR 6000?

  • Helmut Qualtinger

    Lieber Herr Vater , dass Frau Bohnse ihren „Kinobesuch“ und dessen Ausschmückung als nettes Intro zum Artikel ihrer Fantasie entlehnt hat … mein Gott, dass ist doch klar. Sie hat den Spot auf youtube mitbekommen und zum Anlass ihrer Empörung und eines verkaufbaren Artikels erkoren. Ich bin der Meinung, dass sie da im Ansatz schon das Richtige (auch) sieht und benennt, aber nun mal das „Ganze“ des Projekts „Deutschland rundet auf“ nicht erfasst. Dazu hätte sie versuchen müssen hinter die Kulissen ihrer Organisation zu blicken. Das geht schon sehr weitreichend über Netzrecherche, wäre aber noch besser und „journalistischer“! über Anfragen (Telefonisch oder Fragenkatalog) an Ihr Hause selbst gewesen. Dabei sollten dann natürlich auch Fragen zum Umfang und Inhalt der „Partnerverträge“ gestellt werden. Vor allem bezüglich Ihres „Angebotes“ in Hinsicht marketingstrategischer Effekte, aber auch den Umfang finanzieller Leistungen die ein „Deutschland rundet auf“-Partner, mit Teilnahme am Projekt, an Ihr Unternehmen wiederum zu leisten hat. Über das Prozedere der Findung von Förderorganisationen, wer, wie warum das tut, darf, Kriterien diesbezüglich … und noch eine ganze Menge mehr. Hätten Sie das alles offen beantwortet?
    Zu Ihrem Angebot auf facebook weiter zu diskutieren muss ich sagen, dass mir bei einer ersten Draufsicht Ihrer Seite sehr auffällig wird, dass sich dort Claquere ihrer Sicht versammeln. Warum auch immer ;). Mit denen möchte ich nicht unbedingt „diskutieren“. Nicht aus Angst! Eher aus Gründen von Nervenerhalt und sinnvoller Zeitnutzung. Aber! Ich werde das noch mal überprüfen/im Auge behalten. Wie gesagt, war eine „erste“ Einschätzung. Herzlich, Helmut Qualtinger

  • Annette Bonse

    @ Christian Vater: Der Spot lief vergangene Woche in einem Bonner Programmkino vor einer Sneak Preview (der gezeigte Film war „Einer wie Bruno“, dessen offizieller Start erst in ein paar Wochen ist). Wieso der Spot vor dem offiziellen Start zu sehen war, konnte ich bisher trotz einiger Telefonate leider nicht abschließend herausfinden. Ebenfalls ein Sneak Preview? Beste Grüße Annette Bonse

  • Riccardo Wagner

    Ich bin Berater für CSR und Nachhaltigkeit und betrachte die Diskussion hier mit großem Interesse, weil Sie ein gutes Beispiel für die Untiefen in der Kommunikation von CSR-Projekte ist. Aus meiner Sicht ist "Deutschland rundet auf" ein tolles Projekt, das vor allen Dingen dazu beitragen kann, dass seit vielen Jahren stagnierende Spendenaufkommen in Deutschland zu steigern.

    Dazu brauchen wir innovative Wege und neue Ansätze, wie wir Sie ja auch mit der HelpCard gehen http://www.helpconsult.org und http://www.helpcard.org gehen – ich denke, dass das Projekt weder den Auftrag noch den Ansatz hat ganzheitliche CSR-Strategien zu bieten oder zu initiieren und dass eine weitere Beschäftigung der Unternehmen, die derzeit noch kritisiert werden mit dem Thema programmiert ist – natürlich auch dank der Kritik.

    Das Problem an diesen Diskussionen ist es, das aus meiner Sicht, sehr oft mehr Engagement von Unternehmen verhindert wird, weil der Shitstorm losbricht, sobald man sich aus der Deckung begibt und es nur selten ein Verständnis darf gibt, das in jedem Unternehmen CSR/Nachhaltigkeit ein jahrelanger Entwicklungsprozess ist, gerade weil er im Querschnitt das gesamte Unternehmen, alle Mitarbeiter, Partner, Strukturen und Produkte umfasst – Unternehmens- und Konzernführung ist ein wenig komplexer als die Entscheidung morgen nur noch Bio-Käse auf Brot zu nehmen.

    Die besten Grüße

    Riccardo Wagner http://www.betterrelations.de

  • Felix Bresser

    Liebe Frau Bonse,
    jetzt verstehe ich die Beweggründe für ihre – wie sie selbst sagten – kuriose Anfrage via Telefon. In unserem Gespräch, sowie via Email bat ich sie sich mit der zuständigen Werbevermittlungsfirma Heinefilm auseinander zu setzten. Anscheinend haben sie bis heute keine Antwort erhalten.
    Wie ich ihnen via Email mitteilte ist es mir ohne größeren Arbeitsaufwand nicht möglich gewesen zu rekonstruieren welche Werbespots in der entsprechenden KW gezeigt wurden. Ich habe mir aufgrund ihres Beitrages – trotz enomern Arbeitspensums – nun die Mühe gemacht und habe recherchiert dass der Spot " Deutschland rundet auf" nicht in unserem Kino lief! Der Spot hatte desweiteren keine Möglichkeit in unserem Hause zu laufen, da wir bisher keine Einschaltung für diesen Spot bekommen haben.
    Ich bitte sie hiermit höflich , das kleine 1*1 des Journalismus einzuhalten, die besagt, das Informationen die nicht zu 100% gesichert vorliegen nicht weiter gegeben werden. Illegale Werbeeinsätze können Kinobetreiber Werbesperrungen sowie Bußgelder kosten. Zwar wurde der Name unseres Kinos nicht genannt, nur ist eine Googlesuche mit Suchinhalt "Einer wie Bruno+Sneak+Bonn" schnell ausgeführt. Wir beabsichtigen nicht teil von Diskussionen zu werden die unserem Betrieb in ein schlechtes Licht rücken könnten.
    Desweiteren möchte ich sie darauf hinweisen, dass Kinobetreiber keinen Einfluss auf gezeigte Werbung haben. Werbungen werden ohne unsere Mittbestimmung in unserem Hause geschaltet, hierbei gelten natürlich die in Deutschland gültigen Legalitätsvorraussetzungen, wie z.B. die FSK.
    Für eine eventuelle neue Anfrage im Hause würde ich sie bitten, mir ihre Beweggründe für ihre Nachfrage im Vorraus zu nennen.

    Für eventuelle Rückfragen zu meinem Post stehe ich ihnen gerne über die ihnen bekannte Emailadresse zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Felix Bressser
    -Theaterleitung-

  • Veräppeltdichselber

    Also, hab recherchiert, was ich konnte – bin bei ebay.de, dort rechts oben "Communit"/Diskussionsforum auf
    "DAMIT ALLE ÜBER DIE RUNDEN KOMMEN" auf das Thema gestoßen. (Derselbe Initiator betreibt dort ein Thea "HOLZAUGE SEI WACHSAM" – lesen lohnt sich!
    Wäre ganz gut, wenn das auch jemand bei twitter/facebook einstellen könnte, ich bin da nicht 🙂

  • Mitleser

    Brechreiz löst bei mir ibs die Ansicht und der Werdegang (keinerlei eigene pro-bono oder ehrenamtliche Vorgeschichte, bezüglich der bisherigen Tätigkeiten vermutlich eher das Gegenteil: uA Beratung zur Effizienz/Rationalisierung?) des Haupt-Teams (der Verantwortlichen/Gründer) auf der Homepage von "d-r-a.de" aus: schauen auch aus wie klassische frisch gebügelte, gegelte/gefönte & dental-gebleachte BWL-Yuppies, die sich nach 2008 ein langfristig einträglicheres (keine Klientel weiß besser um " Kleinvieh macht Mist" angesichts Milliarden an Bezahlvorgängen jährlich in D) und Prestige-trächtigeres (Banker oder Berater ist heutzutage genauso Pfui wie Politiker, Versicherungs-Vertreter, Richter/RA uÄ) Betätigungfeld suchen.

    Äußerst unsympatisch auch zB KiK & Netto (fehlt egtl nur noch Lidl, Schlecker hat es wohl nicht mehr geschafft), sollen die doch lieber ihre Angestellten (Eltern von Kindern!) anständig bezahlen, damit sie NICHT von balsamisch eingetriebenen Cents in egal welcher Form unterstützt werden müssen. Sorry, aber für mich und was man im Bekanntenkreis so hört ("Der nächste, nun tagtägliche Spenden-Terror", "Wie wär´s mal mit Abrunden", etc) ist die Veranstaltung ein absolutes NoGo, erst Recht, wenn man so manche Info auf der Homepage querliest (das "Expääärten-Gremium" ist eine Lachnummer, namhafte Berater haben ihnen die Rechtsform der GmbH empfohlen,… endlos so weiter… *gähn*).

    Jungs, sucht Euch Arbeit und macht Euer fragwürdiges Projekt mit Nervfaktor* nebenberuflich, natürlich gänzlich pro-bono ohne jede Aufwandsentschädigung, geldwerte Vorteile oÄ ("ehrenamtlich" ist mittlerweile auch nur noch Augenwischerei zum Fremdschämen).

    *ich kenne Leute, die schon nur wegen der penetranten Nachfrage nach einer Payback-Karte beim Kassieren nicht mehr bei dm einkaufen, nur mal so als Hinweis (auch an weitere potentielle Möchtegern-Imagepolierer wie KiK oder Netto)

  • Gast

    Also auch wenn es mit dem Thema nur bedingt zu tun hat, würde mich als aufmerkamen Leser nun doch interessieren: Lief der Werbespot im Kino oder nicht? Wenn ja, müssten sich doch mindestens 100 Zeugen finden lassen…..

  • Annette Bonse

    Diese Frage stelle auch ich mir seit Beginn der Diskussion: Ich hatte auf die Nachfrage von Herrn Vater hin noch einmal bei meinen Freunden nachgefragt, mit denen ich damals im Kino war – und eine von ihnen meinte ebenfalls, dass der Spot gelaufen sei. Deswegen habe ich meine Antwort hier auf dem Blog guten Gewissens gepostet. Ich kann mir auch bis heute keinen anderen Ort vorstellen, wo wir diesen Spot sonst gesehen haben sollten, sodass sich eine Verwechslung erklären ließe. Da Herr Bressers Recherche das Gegenteil ergeben hat und meine eigene Recherche ergebnislos geblieben ist, muss ich eine definitive Antwort (zumindest zu diesem Zeitpunkt) leider schuldig bleiben.

  • Mr Lennox

    Aber könnte man mit den aufgerundeten Beträgen nicht gleich KIK-Näherinnen in Bangladesh unterstützen?
    Oder würde da das honore Engagement des Unternehmens ad absurdum geführt?

  • Gast

    Wurde denn im Kino auf- oder abgerundet?

  • Franke

    Deutschland rundet auf…das ist wohl die größte Verarschung seit der Riester-Rente. Erst hat der Handel gesagt, die Preise werden nicht durch den Euro erhöht. Was wurde gemacht? 1 zu 1 hatten sich die Preise in nicht einem Jahr angeglichen!
    Und jetzt hat irgendein Schlaule gemerkt das Kleinvieh auch Mist macht… Zahlt erstmal vernünftige Löhne bevor Ihr soziales Gewissen heuchelt! Brot für die Welt, aber die Wurst bleibt da… Meine Güte.. unsere Kinderdörfer quillen über aber ich kann mir Vormittags eine 5-Minütige Bettelwerbung für arme Kinder in Afrika anschauen, mit Verlaub unsere Kinder sind mir wichtiger!

    Deutschland rundet auf? Deutschland lässt sich abzocken!

  • ischel

    naja ich denke es gehen nicht viele spenden ein…..

    ich kann auch nicht spenden….wer spendet mir? ich habe arbeit verdiene wie ich finde gut und lebe nicht überzogen trotzallem reicht das verdiente grade aus um das nötigste zu beschaffen.
    Benzinpreise und steigende Lebensmittelpreise zwingen viele EBEN JEDEN CENT umzudrehen. und das wären nur 2 beispiele!

    "DEUTSCHLAND RUNDET AUF" wird denke ich nicht sehr lange existieren….ICH persönlich kann nicht aufrunden denn ich brauche jeden cent zum leben.

  • Gast 2

    Könnte es nicht sein, dass es darum geht die Kleingeldmenge unter diesem Deckmantel zu reduzieren?
    50 1-Cent-Stücke kosten bei einer bekannten Bank z.B. 1€.
    Kik wird zwar nicht soviel zahlen, aber das könnte ein Sparversuch sein.

    • Robert Kreis

      Was für eine Bank?

  • Gast 2
  • Alfred Stecher

    Alfred Stecher 09.04.2012
    Typisch Deutschland. Immer ein Haar in der Suppe finden wollen. Nur nicht glauben, dass es soziales Engagement ausschließlich für "DEUTSCHE BEDÜRFTIGE", ohne Hintergedanken gibt.

  • thea

    Genau es ist schließlich immer einfach an allem herumzumeckern und Nichts zu tun. Das Prinzip ist doch gerade, dass du nicht großzügig sein musst, um etwas Gutes zu tun. Nicht nur Kik beutet die Näherinnen in Bangladesh aus (nein, das macht auch Tommy Hilfiger), dadurch, dass jemand nicht spendet, wird deren Grundeinkommen trotzdem nicht steigen und die Kinder der Angestellten von Kik müssen später unter denselben Umständen bei Kik arbeiten, weil niemand ihnen bei Erwachsenwerden ausreichend Unterstützung entgegenbringen konnte/wollte.

  • Anna

    gähn…. uah.. Vater..Nicht aufrunden bitte !!

  • Die Kritik des Artikels geht trotzdem an KIK und Co, nicht an die Spendenaktion, oder?

  • Stefan

    Ich habe mich jetzt durch die meisten Posts gelesen. Wie mein Vorredner bereits erwähnt, richtet sich die Kritik vornehmlich an die Einzelhändler. Sofern man dem Projekt tatsächlich eine wohlwollende Absicht gegenüber der deutschen Gesellschaft unterstellt, sind die Gründer für "Deutschland rundet auf" über jeden Partner dankbar. Da wird mit Sicherheit in erster Linie nicht geschaut, wer sich beteiligt…
    Die Hintergründe und Gedanken bzgl. des CSR sind natürlich ebenfalls sehr interessant, aber ich denke das inzwischen das Image einiger Unternehmen weitreichend geschädigt ist, da dürften derartige Initiativen kaum helfen. Die Vielzahl der Verbraucher ist heute aufgeklärt, nutzt allerdings dieses Wissen nur sehr bedingt (sei es aus Bequemlichkeit oder diversen weiteren Gründen).

  • Stefan

    Und jeder der über Kik und co. schimpft: Es liegt in der Hand der Verbraucher diese Unternehmen zu meiden. Uns wird nur das geboten was wir vom Markt verlangen. Würde die Nachfrage nach Billigprodukten nicht bestehen, gäbe es die entsprechenden Angebote nicht. Demnach müssten wir uns an die eigene Nase fassen und Anbieter bevorzugen, welche sich nachweislich bemühen, ein vernünftiges CSR zu betreiben, FairTrade Produkte etc. führen. Allerdings kostet dies Zeit und Geld, die einige vornehmlich auf das Posten ihrer genervten Haltung gegenüber dem Einzelhandel hier verwenden.

    Also: macht was draus!

    p.s.: Einen oder zwei Cent dürften wohl in jeder Geldbörse vorhanden sein, unabhängig von Spritpreisen und Co. Eigentlich geht es uns immer noch viel zu gut in Dt….

  • Julia Schmitz

    Wussten Sie, dass von den vielen gesammelten Cents Monat für Monat 650.000 Cents (= 6.500 Eur !!!) als Gehalt auf das Konto von Christian Vater laden ?( s. Berliner Zeitung vom 12.09.2012 ) Sowas macht mich ehrlich gesagt ziemlich sauer. Es sind oftmals die vielen "kleinen" Leute, die ihre Cents spenden, die wesentlich weniger als Herr Vater monatlich verdienen – und diese stehen nicht als die vermeintlich großen Gönner im Rampenlicht. Das veranlasst mich, meine Cents lieber direkt an Bedürftige zu spenden – ohne irgendwelche dubiosen Umwege.

    • Philipp

      Naja. Immerhin legt er sein Gehalt selber offen.
      Und diese Kosten übernimmt ja gerade nicht der, der aufrundet, sondern die GmbH:

      Eine GmbH trägt die laufenden Kosten und wird durch eine Gebühr der teilnehmenden Unternehmen finanziert. Die Cents wiederum gehen an eine eigens gegründete Stiftung und so zu hundert Prozent an soziale Projekte.

      (Auch aus der BZ http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/-aufrun

  • Andreas

    Nicht aufregen Leute. Jeder vernünftig denkende Mensch weiss, daß es nicht sein kann das die "aufgerundeten" Beträge 100% an soziale Projekte weitergeleitet werden obwohl es laut Werbespot ( Fernsehen ) versprochen wird. Gehälter für die Mitarbeiter und vor allem für den Werbespot müssen doch bezahlt werden!!!!!!!
    Demzufolge ist das ganze schon eine Lüge an sich selbst.
    Aber mal eine Frage: die meisten Leute wollen doch betrogen und belogen werden denn wenn es nicht so wäre gäbe es doch Werbung im allgemeinen doch garnicht. Oder seh ich was Falsch????
    Ich bin jedenfalls alt genug um zu sehen das dies hier ein ganz großer Schwindel ist und bestehe auf die Herausgabe meines Wechselgeldes. Des weiteren Falle ich überhaupt erst gar nicht auf solche "sozialen" Spendenaufrufe im allgemeinen herein. Diese Masche läuft nicht bei mir.Ich Spende lieber selbst gekauftes Futter für die armen Tiere im Tierheim. (Kein Bargeld )

    Ich Spende kein Bargeld!!! ——— KEINER macht was umsonst – Jeder will was Verdienen – Nur ein Bruchteil kommt an—–

    • Janeck

      @ Andreas: ohne die Initiative jetzt abschließend bewerten zu wollen, sollte man aber auch von "vernünftig denkenden Menschen" verlangen können, sich zu informieren. Und wenn ich dies nicht tue, wäre "ein vernünftig denkender Mensch" auch vorsichtiger mit Begriffen wie "Lüge" oder "Betrug". Die teilnehmenden Firmen entrichten an d-r-a eine Gebühr von der sich die Inititative trägt – also auch Herr Vaters Gehalt. Dass man nicht mal eben Spenden eintreiben kann, die ich mir dann in die Tasche stecke, ist in Deutschland zumindest schwierig. Es läuft sicherlich vieles verkehrt in unserem Land (und in der Welt sowieso), aber so ganz wild, wie sich hier manche das zurecht malen um ihre Stammtisch-Empörungs-Tiraden abzusondern läuft es dann doch nicht immer…