Der neue Bio-Trend: Bio-Tierfutter: Biofach 2012: Bizarrer Trend bei Bio­-Tierfutter

Auf der BioFach Messe finden sich nicht nur feine Produkte für den menschlichen Konsum. Auch die treuen Vierbeiner sollen – natürlich - Bio fressen.
von Torsten Mertz
©iStockphoto.com/kristian sekulic

Menschen, die sich ökologisch ernähren, sollten auch ihre Haustiere mit gesundem Futter versorgen, finden die dem entsprechend ökologisch ausgerichteten Hersteller. Und sie können damit auf einen wachsenden Markt bauen. Ein Luxussegment, fürwahr, aber eines, in das viel Geld fließt.

Wir kennen ja alle die Gaga-Werbespots mit den Kätzchen, die teure Pastetchen aus der Aluterrine schlabbern. Dann doch lieber ökologisch produziertes Futter, das keine Suchtstoffe enthält. Die Bio-Tierfutter sind frei von chemischen Zusatzstoffen, Hormonen und Konservierungsstoffen und ohne Gentechnik hergestellt. Das ist tatsächlich nicht selbstverständlich. Wichtig ist vor allem, dass ökologisches Tierfutter nicht die konventionelle Tierhaltung unterstützt, sondern die Reststoffe aus der ökologischen Fleischproduktion verwertet. Wer ein Putenschnitzel isst oder ein Bio-Steak, vergisst ja gerne, dass der größte Teil des geschlachteten Tieres gar nicht auf den Tellern landet. Wer isst denn heute noch Innereien oder kocht Hals und Knochen aus? Der Slow-Food-bewegte Blogger-Kollege Wurstsack beispielsweise erzählte mir jüngst: Wenn er ein Filet essen möchte, dann muss er sich auch in den nächsten Tagen Gedanken dazu machen, was er mit dem Herzen, der Milz oder auch den Ohren zubereitet. Das ist praktizierte Nachhaltigkeit und zeugt von Respekt vor dem Tier. Eine Denkweise, die in Zeiten des Überflusses leider weitestgehend verlorengegangen ist.

Da ist es doch durchaus begrüßenswert, wenn die Tierreste wenigstens in die Näpfe der felligen Schätzchen zuhause wandern und nicht in die Müllverbrennung. Und die Biolandwirte können am Verkauf gesunden, was wiederum gut für die Biofleischpreise im Laden sein könnte. Aber muss es denn „Paté Rind mit Spirulina“, „Paté Pute mit Aloe Vera“ oder „Böckchen Huhn & Pute mit Brennessel & Tomate in Sauce“ sein, wie bei der Firma Yarrah? Oder der „Bio-Snack Huhn, Möhren, Fenchel“ oder auch das Katzenfutter „Paté mit Karotten, Kartoffeln und Licht-Yams“ vom Demeter-Tierfutter-Produzenten defu …? Allerdings: Auch diese Kreationen veredeln Reste, die sonst im Abfall landen würden: Der Hühneranteil besteht aus Hals und Herz, das Rind aus Stichfleisch, Herz, Geschlinge, Lunge und Pansen. Wie Licht-Yams geerntet wird, bleibt hingegen im Dunklen.

Vegetarisches Hunde- und Katzenfutter findet man hingegen nur sehr vereinzelt. Denn das hält der gesunde Menschenverstand, aber auch Futterproduzent defu für ungesund und unnatürlich. Ein Mitarbeiter erläutert mir, dass der Magen von Hunden und Katzen zu kurz sei, um die notwendigen Nährstoffe aus vegetarischer Nahrung aufschließen und aufnehmen zu können. Das ist sicher richtig bei rohem Gemüse oder Getreide. Vegetarische Tierfutter hingegen enthalten gekochtes oder anderweitig erhitztes Futter, aus dem die Nährstoffe durchaus herausgelöst werden können. Davon ist man zumindest beim Versandhandel Bio-Tierkost überzeugt. Und was die Natürlichkeit angeht: Unnatürlich sei doch schon, dass Hunde in der Wohnung lebten und eine Leine um den Hals trügen. Ebenso unnatürlich sei es, dass Katzen aus Dosen fressen (und was in den Dosen drin ist). Treffend beschrieben hat dies auch Hans-Ulrich Grimm in „Katzen würden Mäuse essen.“ Nichts desto trotz hat Yarrah wenigstens ein vegetarisches Trockenfutter und das feine Fertigmenue „Bröckchen vegetarisch mit Hagebutte in Sauce“ im Angebot.

Auf der Vivaness, der parallel laufenden Messe für Naturkosmetik, habe ich nach Anti-Aging-Produkten für Haustiere gesucht, aber keine gefunden – vielleicht ein Zukunftsmarkt. Für Nutzvieh hingegen gilt Anti-Aging schon länger: Kaum ein Huhn, Puter oder Schwein lebt länger als ein Jahr …

Torsten Mertz ist Geograph, Redakteur und Autor. Er arbeitet in einem renommierten Münchner Nachhaltigkeits-Verlag, ist Verfasser des “Schnellkurs Ökologie” und schreibt gerade an einem weiteren Band der Kochbuch-Reihe „Gemüse ist mein Fleisch“. Bei evidero bloggt er über sein Lieblingsthema: die Gewissensfragen, mit denen sich ein interessierter Konsument heute konfrontiert sieht.