Zucker gefährdet die Gesundheit: Die bittere Wahrheit – Warum zu viel Zucker für uns zum Problem wird

Unsere Gesundheit wird entscheidend von unserer Ernährung beeinflusst. Wer zuviel Zucker zu sich nimmt, trägt das Risiko, schneller an Übergewicht, Demenz oder sogar Krebs zu erkranken.
Annette Coumont
von Annette Coumont
Zucker schadet der Gesundheit© kirill_µ - Fotolia.com

Dass Zucker im Übermaß schädlich ist, das weiß doch jedes Kind. Stimmt das? Nein, leider stimmt das nicht. Denn laut der jüngst alarmierenden Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO/Europa) ist bereits jeder zweite Erwachsene und jedes dritte Kind in Deutschland übergewichtig. Und der Trend hält an, denn es werden so viele zuckerhaltige Lebensmittel verzehrt wie nie zuvor. In 15 Jahren prognostiziert die WHO bereits Übergewicht bei der Mehrheit, nämlich bei nahezu zwei Dritteln der deutschen Bevölkerung.

Zu viel Zucker schadet der Gesundheit

Übergewicht bis hin zu Adipositas sind nur der sichtbare Teil der schädlichen Auswirkungen von Zucker. Übermäßiger Konsum von Zucker wird darüber hinaus für eine Reihe ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes, Zahnerkrankungen, Darmentzündungen, Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlafstörungen und allgemeiner Konzentrationsschwäche verantwortlich gemacht.

Die Folgen von zu hohem Zuckerkonsum betreffen unsere gesamte Gesellschaft und sind für die künftige Entwickung unserer Kinder eine Gefahr. Bereits jetzt sind laut Kinderärzten und Gesundheitsforschern der University of California in San Franciso über 35 Millionen Todesfälle weltweit allein auf übermäßigen Konsum von Zucker zurückzuführen. Tendenz steigend!

Die bittere Wahrheit über das süße Gift in 11 Fakten

1.   Zucker verursacht Übergewicht

Er wird im Körper fünfmal schneller zu Fett umgebaut als Stärke. Wer glaubt, nur Fett macht fett, irrt, denn mit Zucker nähren wir unsere Fettzellen. Außerdem kann er zu einer Fettleber führen, eine Insulinresistenz auslösen und zu einer lebenslangen Diabetis führen.

2.   Zucker macht nervös und begünstigt ADHS bei Kindern

Zucker kann aggressiv machen und ist vermutlich auch für das ADHS-Syndrom bei Kindern mitverantwortlich. Durch zu hohen Zuckerkonsum können sich Kinder schlechter konzentrieren und kommen nicht mehr zur Ruhe. Pro Tag sollten Kinder laut der jüngsten Empfehlung der WHO maximal 6 Teelöffel (25gr) Zucker zu sich nehmen. Achtung: In einer Dose Limonade (330ml) steckt mit 40gr schon fast die doppelte Menge!

3.   Zucker nährt Bakterien und schadet der Darmflora

Zu viel Zucker im Darm kann Blähungen, Verstopfung und Durchfall verursachen. Er zerstört die schützende Darmflora und führt zu vermehrter Bakterienbesiedlung im Darm. Pilze und Parasiten, vor allem der Hefepilz Candida, freuen sich dagegen, sie lieben Zucker.

4.   Zucker kann Sucht verursachen

Bei Entzug von Zucker leiden Menschen, die regelmäßig zuckerhaltige Getränke und Essen zu sich nehmen, unter Kopfschmerzen, Reizbarkeit und starkem Verlangen nach Süßem. Diese Entzugserscheinungen werden durch eine vermehrte Dopamin-Ausschüttung hervorgerufen. Ausführlicher werden die Auswirkungen von Zucker von Prof. Robert Lustig, (UCSF) im anschaulichen Video “Sugar – the bitter Truth” beschreiben.

5.   Zucker sorgt für Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen

Zunächst scheint er uns glücklich zu machen. Aber zu viel Zucker verändert die Blutzuckerwerte und kann zu starken Stimmungsschwankungen und Nervosität, bis hin zu Ängsten und Depressionen führen.

6.   Zucker kann Alzheimer begünstigen

Zumindest zeigen dies Studien. Denn eine Insulinresistenz und zu hohe Blutzuckerwerte gehen mit einem höherem Risiko für Alzheimer einher.

7.   Zucker beeinflusst die Intelligenz negativ

Je höher der Blutzuckerspiegel, desto kleiner ist laut wissenschaftlichen Studien der Hippocampus im Gehirn. Diese Region ist für das Langzeitgedächtnis verantwortlich und hängt direkt mit der Gedächtnisleistung zusammen. Bei Untersuchungen und Tests der Berliner Charité schnitten Menschen, die zu viel Zucker zu sich nehmen, schlechter bei allen Untersuchungen und Tests ab.

8.   Zucker begünstigt die Entstehung von Krebs

Denn Tumorzellen können sich mit Zucker wohl besser vermehren. Ob zu hoher Zuckerverzehr Krebs sogar überhaupt erst entstehen lässt, das erforscht ein internationales Team von Wissenschaftlern an der Harvard Medical School. Wäre das der Fall, dann spricht alles dafür, dass man bei erhöhtem Krebsrisiko gänzlich auf Zucker verzichten sollte.

9.   Zucker schwächt unser Immunsystem

Wer zu viel Zucker isst, dessen Immunsystem kann Krankheitserreger schlechter bekämpfen. Es steigt gleichsam die Neigung zu Entzündungen im Körper. Zucker zerstört auch das Vitamin C, welches eigentlich im Kampf gegen Viren und Bakterien benötigt wird. Über ein schwaches Immunsystem und die höhere Entzündungsneigung werden schwerwiegende Krankheiten wie Krebs begünstigt.

10.   Zucker beschleunigt die Alterung in den Zellen

Wenn zu viel Zucker gegessen wird, kann dies zur Verzuckerung (Glykation) des Hautgewebes führen. Die Zuckermoleküle heften sich dabei an die Kollagenfasern im Gewebe an und sorgen für eine Verhärtung. Durch den Verlust der natürlichen Elastizität im Gewebe können die Zellen schlechter von Giftstoffen gereinigt werden, was die Haut schneller schrumpelig und uns älter aussehen lässt.

11.   Zucker verdirbt den natürlichen Geschmackssinn

Wer viele zuckerhaltige Lebensmittel zu sich nimmt, dem kommt der natürliche Geschmack von Lebensmitteln, ohne oder mit wenig Zucker, fade und weniger befriedigend vor. Der Appetit auf mehr Zucker, sowie im Kontrast auf salzig-herzhafte Speisen, nimmt sogar immer weiter zu.

Je früher ein Mensch sich an den Verzehr von zu süßen Speisen gewöhnt, desto stärker werden seine späteren Ernährungsgewohnheiten davon bestimmt. Ein Kind bildet seine Ernährungspräferenz bereits vor dem dritten Lebensjahr aus. Als Kind ist die Chance also noch am größten, einen feinen Geschmackssinn und eine gesunde natürliche Ernährungsweise zu erlernen.

Die Zuckerfalle: Gefügig über den Geschmack

In Deutschland fängt die Diskussion um die Schädlichkeit von Zucker eigentlich gerade erst an und bereits jetzt wehren sich die Lebensmittel-Hersteller vehement mit Image- und PR-Kampagnen pro Zucker dagegen. Nicht ohne guten Grund, denn Zucker ist in nahezu allen industriell weiterverarbeiteten Lebensmitteln enthalten und die machen den Konsumenten vor allem über ihren angenehmen Geschmack gefügig.

Der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel fördert nachweislich die Entwicklung ungesunder Präferenzen und Gewohnheiten in Bezug auf die künftige Ernährung. Bei Kindern ist dies ein großes Problem, denn die Ernährungsgewohnheiten werden bereits in der Kindheit festgelegt und lassen sich später oftmals nur schwer ändern. Damit werden Ernährungsdispositionen geschaffen, die den süssen Produkten der Lebensmittelindustrie Tür und Tor in unseren Mägen öffnen.

Auf dem Weg zu einer bewussten Ernährung ohne Zucker

Nahezu jedes industriell hergestellte Lebensmittel enthält mittlerweile Zucker. Zucker, fetthaltige Speisen und Getränke stehen täglich mehrfach auf dem Speiseplan der meisten Menschen.

Kinder decken mittlerweile zwei Drittel ihres Tagesbedarf mit süßen Speisen, obwohl nur 25gr pro Tag angemessen wären. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sich dem übermäßigen Konsum von Zucker zu entziehen und bewusster damit umzugehen. Dabei müssen wir nicht auf ebenfalls gesundheitsschädliche künstliche Süßstoffe und “Light Produkte” zurückgreifen.

Es gibt eine ganze Reihe von Zuckeralternativen, tolle Rezepte zum Kochen und Backen ohne Zucker, leckere zuckerreduzierte oder zuckerfreie Süßspeisen und sogar Schokoladen, die unseren Appetit auf Süßes stillen können.

Interview mit unserem Experten: Zucker als der heimliche Killer.

Links, Infos, Bücher zum Thema Zucker:

  • http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/who-prognose-uebergewicht-in-europa-immer-haeufiger-a-1032230.html
  • www.foodwatch.de: Wie die Industrie aus Kindern Junkfood Junkies macht
  • WHO – Regionalbüro für Europa http://www.euro.who.int/de
  • Universität Paderborn: Ernährungsstudie EsKIMo: http://www.bmel.de/cae/servlet/contentblob/378624/publicationFile/25912/EsKiMoStudie.pdf
Annette Coumont
Annette arbeitet als freie Redakteurin und Autorin mit Schwerpunkt Achtsamkeit und bewusst nachhaltige Lebenstile. Sie schreibt auch für die evidero Redaktion…
Zuckeralarm
Diese Bücher können wir für mehr Informationen empfehlen
  • Camaru

    Solange man sein Essen nicht selber macht, mampft man in fast “allem” versteckten Zucker mit. Unglaublich wo dieses leckere “weiße Gift” überall drin steckt 🙁

  • Anka Valentin

    Was ist mit Kokosblütenzucker? Wäre das eine annehmbare Alternative?

    • evidero

      Liebe Anka,

      der Vorteil von Kokosblütenzucker besteht darin, dass er nicht raffiniert wird und dadurch im Gegensatz zum raffinierten Industriezucker noch Nährstoffe enthält, Zum Beispiel Magnesium oder Kalzium. Außerdem hat er einen niedrigeren glykämischen Index als “normaler” Zucker, das bedeutet, dass der Insulinspiegel nicht so stark ansteigt. Trotzdem sollte man damit natürlich nicht zu verschwenderisch umgehen.

      Für die Gesundheit ist er also eine super Alternative. Für die Figur macht es aber keinen Unterschied, welchen Zucker man nimmt 🙂 Hier kannst du noch mehr erfahren: http://www.evidero.de/kokosbluetenzucker-als-zuckeralternative

  • Silvia Huppertz

    Der Xucker ist ja im Kommen, was ist denn damit?

    • evidero

      Liebe Silvia,

      hier unser Statement zu Xucker aus unserer Übersicht über Zuckeralternativen:

      Zuckerverbindung: Xylit E 967

      Einer der neueren Zuckerersatz Trends ist der Birkenzucker, auch Xucker genannt. Er basiert auf dem Zuckeralkohol Xylit und wird gerne in verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt, da er nicht schädlich für die Zähne ist. Der Name Birkenzucker ist jedoch irreführend, denn er suggeriert, dieser Zuckerersatzstoff wäre natürlicher und damit gesünder. Wie die Kennzeichnungsnummer E 967 anzeigt ist auch Xylit jedoch letztlich ein Lebensmittelzusatzstoff der Chemie, es wird vor allem aus Holz und Maiskolben gewonnen.

      Der Nachteil: Wie auch bei den anderen Zuckeralkoholen haben wir einen chemisch hergestellten Zuckerersatz vorliegen. Zwar enthalten viele Pflanzen Xylit, jedoch in einer so geringen Menge, dass für die Herstellung sehr aufwendige Verfahren angewendet werden müssen. So kann man mit Xucker zwar Kalorien sparen – gesund ist das jedoch nicht.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter 🙂

      PS: Hier findest du unsere Bewertung zu allen Zuckeralternativen: http://www.evidero.de/gesunde-suessungsmittel

      • Silvia Huppertz

        Ganz lieben Dank für die Information. Ich nehme diesen nur im Kaffee ansonsten nutze ich Stevia zum Backen beispielsweise. Fakt ist, dass mein Zuckerwert, der jahrelang bei 140 nüchtern lag, nun nicht nüchtern bei 100. Da werde ich mir wohl eine andere Alternative zulegen müssen und bin gespannt, was ihr noch so berichten werdet. Auf Birkenzucker habe ich verzichtet, da er tödlich für Hunde ist und dies wenigen bekannt ist. Mein Hund spielt schonmals gerne Staubsauger. Danke Euch für die Informationen