Zen-Buddhismus: Wie ich durch Zen ein Leben ohne Angst führe

Was genau ist eigentlich Zen Buddhismus und wie kann dieser mir in meinem Leben weiterhelfen? Zen-Meister Harry Mi Sho Teske erklärt es uns.
von Harry Mi Sho Teske
Meditieren gehört zum Zen-Buddhismus dazu, ist aber kein Muss07-20-11 © Christian Wheatley

Buddhismus kennt man. Eine Religion bzw Lebensweise aus Asien, deren Ziel die Erleuchtung ist. Zen-Buddhismus hat man vielleicht auch schon mal gehört, aber so richtig einordnen kann man’s eigentlich nicht, oder? Wir haben Zen-Meister Harry Mi Sho Teske gefragt, was genau Zen eigentlich ist und wie es sein Leben verändert hat.

Zen ist eine Methode, achtsam im Hier und Jetzt zu leben. Es geht darum, anderen Wesen zu nutzen oder zumindest ihnen nicht zu schaden. Ziel eines jeden Zen Praktizierenden sollte es sein, die alltäglichen Täuschungen und Verwirrungen aufzuheben.

Durch Zen die Erleuchtung finden

Ein Buch hat mich damals zum Zen-Buddhidmus gebracht. Einer meiner Reisekameraden als Zimmermann hatte es mir gegeben, es war “Leben aus Zen” von dem japanischen Autor Daisetz Teitaro Suzuki. Daran hat mich fasziniert, dass es durchaus möglich ist, vollkommen normal in der Welt zu leben und trotzdem die Erleuchtung zu erreichen. Suzuki hat in diesem Buch sehr schön beschrieben, wie die Verblendung in Form des Leidens zu überwinden ist.

Die Zen Praxis hat mich dazu gebracht, mein Leben und meine Situation völlig neu zu gestalten in einem Alter, in dem für die meisten Menschen der Lebensweg schon fest steht. Ich habe noch einmal ganz von vorne angefangen, zu sehen, zu hören, zu sprechen und Dinge aufzunehmen, die für einen Menschen in dem Alter normalerweise schon so zur Routine geworden sind, dass er sie nicht mehr bemerkt.

Die vier Wahrheiten des Zen-Buddhismus

Im Zen-Buddhismus sollte das Bestreben sein, die vier edlen Wahrheiten zu erkennen, als da sind:

1. Die Wahrheit vom Leiden

2. Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens

3. Die Wahrheit von den damit in Zusammenhang stehenden Ursachen

4. Der Weg, der zur Beendigung des Leidens führt

Durch Innenschau ist es durchaus möglich, die Ursachen des Leidens oder der Unzufriedenheit zu ergründen und sie dann ein für alle mal mit dem Methoden des Zen zu beseitigen. Die Methoden des Zen sind hauptsächlich das Sitzen in Stille (Zazen) und die Bewahrung der achtsam meditativen Haltung im Alltag.

Es geht darum, jede Handlung des Alltags mit bewusster und voller Konzentration zu vollziehen und nach Möglichkeit die Zerstreuung zu vermeiden, um auf dieser Grundlage schließlich die Weisheit zu entwickeln, die die Einheit des Lebens erkennt. Aus diesem Einheitsbewusstsein heraus sollte man dann zum Wohle aller Wesen wirken und schließlich die Erleuchtung erlagen.

Zen bringt Veränderung ins Leben und macht frei

Ich führe mittlerweile ein Leben ohne Angst. Mit der Freiheit, so zu sein wie ich bin, ohne Verstellungen und die ständige Frage, wie ich sein sollte. Weiterhin kann ich mich auf das Wesentliche im Leben konzentrieren und habe es geschafft, meine Anhaftung und Gier unter Kontrolle zu bringen.

Außerdem meditiere ich viel, zum Beispiel morgens und abends und studiere eine große Zahl an buddhistischen Büchern. Ich bilde Zen Schüler aus, gebe Seminare und Einzelstunden und bin als Zen Mönch angehalten, den Silas zu folgen, die als Tugendempfehlungen den Zen Mönchen mit auf den Weg gegeben werden.

Zen ist Meditation, Achtsamkeit und Entspannung zugleich

Im Zen geht es um die Ergründung der Wirklichkeit und um ein Leben im Einklang mit ihr. Der Bedarf nach Meditation ist nicht in jedem Fall gegeben, aber zur Entspannung trägt Zen schon dadurch bei, dass es Menschen, die leiden oder nach dem Wesen der Wirklichkeit suchen, eine konkrete und zielgerichtete Methode bietet. Und zwar eine Methode, die das Leiden und die Unzufriedenheit endgültig beseitigt und die Wirklichkeit bis auf den Grund erkennen lässt mit den Mitteln der Achtsamkeit, der Meditation und manchmal auch mit ein bisschen Entspannung.

Ist Zen eine Weise die Welt zu erklären oder ist Zen eine Methode sich selbst zu verändern? Die Antwort ist eindeutig: Zen ist niemals eine Doktrin zur Beschreibung der Welt. Es ist stets und ausschließlich eine Methode, die momentane Weltsicht zu verdeutlichen. Zen ist somit kein Etwas sondern ein ständiges “in die Welt treten”. Zen ist wie ein kleiner Vogel, der sich ständig einer neuen Situation gegenüber sieht.

Am 8. 12. 1996 wurde Harry Mi Sho Teske als Zen-Meister und Dharmanachfolger von Rei Shin Bigan Roshi bestätigt...
Tipps
Erfahre mehr über Zen-Buddhismus