Yumwe - Gemeinsam Kochen: Alleine kochen muss nicht sein

Auf der Online-Plattform Yumwe können sich — einander bislang unbekannte — Menschen zum gemeinsamen Kochen und Essen in der eigenen Stadt verabreden.
von Sabrina Gundert
Sich bei Yumwe zum Kochen verabredenFoto: Screenshot @ Yumwe

Wer noch vier Plätze am Mittagstisch frei hat, kann diese online vergeben — oder sich selbst zu einem Abendessen bei jemand anderem in der eigenen Stadt einladen. Der Yumwe-Initiator Aurel Bantzer im evidero-Interview über Einsamkeit, die Kraft des gemeinsamen Kochens und die Sehnsucht nach Offline-Kontakten.

evidero   Mit Yumwe wollen Sie Menschen zusammenbringen, die gerne gemeinsam kochen und essen und neue Leute in ihrer Stadt kennenlernen möchten.
Gibt es einen Trend oder ein Bedürfnis in der Gesellschaft, neben all den sozialen Netzwerken über das Internet und Neue Medien, zurück zu mehr Gesellschaftlichkeit und Face-to-Face-Kontakten?

Definitiv. Die vielen Socialising-Plattformen wie meetup oder Gidsy zeigen den Wunsch vieler Menschen nach echter Begegnung, nach direktem Socialising. „Get offline“ — das ist das Bedürfnis vieler. So nett es ist, mit Facebook-„Freunden“ zu chatten — das wahre Bedürfnis nach Zusammensein stillt das nicht, denn man sitzt dabei ja doch alleine vor dem PC. Wir halten es für viel bereichernder, sich persönlich zu begegnen! Das Internet ist ein großartiges und unverzichtbares Tool, um sich zu vernetzen, um Menschen mit gemeinsamen — oder ganz unterschiedlichen — Interessen zusammenzubringen und zwar real und nicht nur virtuell. Dazu wollen wir mit der Mitkoch-Plattform Yumwe beitragen. Unser Motto ist „Raus aus dem Netz, ran an den Tisch!“

evidero   Und das klappt? Auch, wenn ich vielleicht eher schüchtern bin und sonst eigentlich nicht gleich auf fremde Menschen zugehe?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell fremde Leute sich bei solch einem Kochabend anfreunden. Auch der Schüchternste taut beim gemeinsamen Gemüseschnippeln auf. Wenn man zusammen etwas tun muss, zum Beispiel einen Kürbis vierteln, wird man einfach schnell miteinander warm. Bei Yumwe geht es vor allem um das gesellige Zusammensein bei einem schönen Essen, um den sozialen Mehrwert. Dazu kommt die Neugier auf neue Leute, oder auch das Wiedersehen mit alten Freunden.

evidero   Sind Events wie ein Abend, organisiert über Yumwe, denn eine Möglichkeit, langfristig neue Menschen kennenzulernen? Oder handelt es sich meist doch eher um einen gemütlichen Abend mit flüchtigen Bekanntschaften?

Auf den vielen Koch-Sessions, die es bisher gab, haben sich oft neue Kontakte und manchmal auch neue Freundschaften entwickelt. In einem Fall haben sich zwei Frauen, die sich über Yumwe kennengelernt haben, gleich zusammengetan und die nächsten Koch-Sessions gemeinsam gemacht, einfach weil sie sich so gut verstanden haben! Das gemeinsame Kochen ist ein perfekter Eisbrecher: Man hat sofort ein Gesprächsthema, wird gleich miteinander warm. Es ist wirklich toll zu beobachten. Wir scheinen da einen Nerv getroffen zu haben, und das freut uns sehr.

evidero   Woran liegt es denn eigentlich, dass es heute so schwer zu sein scheint, neue Menschen kennenzulernen?

Ich denke, es war noch nie so einfach wie heute, neue Leute kennenzulernen — aber es gibt auch immer mehr Ersatzbefriedigungen. Viele Menschen ziehen sich einfach in einen Chat zurück und belassen es dabei. Nicht umsonst spricht man von Vereinsamung. In Großstädten sind immerhin über 60 Prozent aller Wohnungen Single-Haushalte! Aber für die junge Generation sind zum Beispiel Singlebörsen kaum eine Option, die meisten finden das uncool. Bei Yumwe kocht man einfach zusammen — was dann passiert oder was sich daraus ergibt, ist jedem selbst überlassen. Das Schöne an der Plattform ist, dass sie alle Möglichkeiten des Kennenlernens zulässt: freundschaftlich, zwischenmenschlich, auch geschäftlich. Alles kann, nichts muss. Deshalb heißt es bei uns auch „Kochen macht Freunde“.

evidero   Was sind denn die häufigsten Gründe für Menschen zu sagen, heute lade ich mehrere, mir bis dato unbekannte Menschen zu mir zum Essen ein — oder gehe wiederum selbst zu jemand Fremden zum Essen?

Viele dieser Menschen befinden sich in einer Umbruchsituation; neuer Job, neue Stadt, neue Beziehung oder gerade Single geworden…oder sie haben einfach Lust auf kulinarischen Genuss und den sozialen Mehrwert des gemeinsamen Kochens.

evidero   Sagen Kochevents wie Running Dinner, bei dem jeder Gang eines Drei-Gänge-Menüs bei anderen Menschen in der eigenen Stadt eingenommen wird oder auch solche, wie sie über Yumwe organisiert werden, etwas über unsere Gesellschaft an sich aus?

Ich denke ja. Die Bereitschaft, neue Leute kennen zu lernen, ist stark gestiegen — bisher vor allem online, und immer stärker auch offline. Die globale Vernetzung schafft ein Gefühl von Verbundenheit. Erfolgreiche Communities wie zum Beispiel Couchsurfing.org haben den Weg geebnet und bauen die Hemmschwelle ab, Menschen in den privaten Wohnraum einzuladen. Und die zunehmenden Sharing-Angebote wie CarSharing oder Foodsharing vernetzen die Menschen auch offline. All diese Startups gehören zur „collaborative consumption“-Bewegung: Teile, was du hast. Unter dem Begriff „Sharing“ formiert sich gerade eine ganze Bewegung, ausgehend von dem Gedanken, dass geteilte Dinge oder Erlebnisse mehr Spaß machen, und zudem auch nachhaltiger und sozial verantwortlicher sind. Und es sind meist die Jüngeren, die dafür offen sind und solche verbindenden Ideen begeistert aufnehmen und verbreiten. Einige teilen, was sie besitzen, andere — wie auch Yumwe — teilen Erlebnisse und schöne Momente mit anderen. Wir freuen uns, Teil dieser Entwicklung zu sein!“

Expertin: Sabrina Gundert
Sabrina Gundert ist Schreibcoachin, freie Journalistin und Autorin. Ihr Studium der Geographie hat sie die äußere Welt erforschen lassen, das Schreiben die innere...

Weitere Informationen:

http://www.yumwe.de

http://www.meetup.com

https://gidsy.com/

http://www.rudirockt.de

https://www.couchsurfing.org

http://www.carsharing.de

http://foodsharing.de/