Weltweiter Personen-und Güterverkehr: Grenzenlose Einigkeit zum grenzüber­schreitenden Verkehr

Auf dem International Transport Forum treffen sich die Verkehrsminister. Gesucht wird nachhaltige Lösungen für den weltweiten Personen- und Güterverkehr.
von Volker Eidems
ITF-Forum 2012 in LeipzigHendrik Schmidt (c) © epa

„Nahtloser Verkehr: Verknüpfungen schaffen“ war der Titel des 5. Jahrestreffens des International Transport Forum (ITF). Anfang Mai haben sich die Verkehrsminister der 53 Mitgliedsländer aus aus einigen Gastländern in Leipzig getroffen. Neu im Kreis: Chile als erstes Mitglied aus Südamerika. Die Minister wollten auf dem Treffen mit Wissenschaftlern und Verkehrsplanern über nachhaltige Lösungen für den weltweiten Personen- und Güterverkehr diskutieren.

Mehr als die Verabschiedung gemeinsamer Absichtserklärungen ist von einer solchen Konferenz selbstverständlich nicht zu erwarten, interessant kann jedoch ein Blick auf die Themen sein, die im Fokus standen.

Der grenzüberschreitende Verkehr rund um den Globus wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, so die vielgehörte Grundthese. Das wurde fraglos hingenommen. Für das ITF lautet die vorrangige Aufgabe, die Verkehrsströme möglichst reibungslos zu gestalten, um echte Nachhaltigkeit zu gewährleisten: nämlich die des Wirtschaftswachstums. Dies gelänge durch einen Ausbau der Infrastruktur, verbesserte und effizientere Transportmittel und die Abschaffung von „Flaschenhälsen“; da in manchen wirtschaftlich nicht so weit entwickelten Ländern nicht die entsprechende Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist, geht Zeit beim Transport verloren – etwa wenn die in den Industrieländern dringend benötigten Rohstoffe im Herkunftsland mit dem Traktor über die Schotterpiste transportiert werden. Was den Ausbau der Verkehrssysteme betrifft, blieben demnach immer noch Reibungsverluste. Und die gilt es natürlich zu verhindern.

Verschiedene Arbeitsgruppen setzten sich mit einzelnen Schwerpunkten auseinander: etwa die Zukunft des automobilen Verkehrs, Piraterie zu Wasser, Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen, Vulkanausbrüche sowie Sonstige Krisen, etwa im Luftverkehr.

Zeitgleich mit Beginn der Konferenz waren die neuesten Zahlen des IRTAD-Berichts (International Traffic Safety Data and Analysis Group) zur Verkehrssicherheit erschienen. In absoluten Zahlen: 1,3 Mio. Menschen wurden 2010 bei Verkehrsunfällen getötet, 50 Millionen verletzt. Während in vielen OECD-Ländern die Unfallzahlen zurückgehen, bereitet in Entwicklungs- und Schwellenländern die zunehmende Motorisierung Probleme, hier steigen die Opferzahlen stark an. Aber auch die Hälfte der EU-Staaten zählte 2011 mehr Unfälle.

Auf der Konferenz stand dieses Thema nicht im Mittelpunkt. Stattdessen kam aus dem Ministerium des deutschen Verkehrsministes Peter Ramsauer (CSU) ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen – ein Schuft, wer dahinter Ablenkung von den wirklich wichtigen Themen vermutet. Schließlich ist „der Flug zum Schiff […] gefährlicher als die Kreuzfahrt selbst“, wie es ein Kreuzfahrt-Experte im Zeit-Interview erklärte, als die Costa Concordia-Havarie hohe Wellen schlug. Das ITF jedenfalls glänzte durch die Einigkeit seiner Besucher, die Abschlusserklärung schloss mit dem Satz: „All Ministers of the International Transport Forum declare their determination to pursue policies toward greater connectivity and seamless transport.“ – und das ist doch auch mal schön.

Weitere Informationen:

International Transport Forum: http://www.internationaltransportforum.org/

Volker Eidems (Soziologe M.A.) ist gern unterwegs, am liebsten mit dem Rad. Wenn die Strecken aber zu lang oder die Koffer zu groß für den Fahrradanhänger sind, nutzt er möglichst das ökologischste alternative Verkehrsmittel – und das ist gar nicht so einfach zu ermitteln...