Paprika als Heilmittel: Paprika – die feurige Piroschka aus Ungarn

Dass Paprika ein gesundes Gemüse ist wissen die meisten. Aber dass sie auch bei Schmerzen und gegen freie Radikale wirksam ist? Erfahre hier alles darüber, wie die chemische Zusammensetzung der Paprika unserer Gesundheit hilft.
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von evidero Redaktion
Paprika ist sehr vitaminreich© 5second - Fotolia.com

Die ursprüngliche Heimat der Paprika ist Südamerika. Auf den Anbau von verschiedenen Arten von Paprika spezialisiert sich in der Europäischen Union (EU) vor allem Ungarn, das europaweit als Paprika – Supermacht angesehen wird. Piroschka heißt übrigens die „Kleine Rote“, abgeleitet von ungarisch pirosch = rot.

Woher stammt die Paprika?

Das, was wir an der Paprika und ihren Abkömmlingen wie Peperoni und Chili so schätzen, nämlich ihre Schärfe durch das Alkaloid Capsaicin hat wohl entwicklungsgeschichtlich zur Verbreitung der Paprikavarietäten in Mittel- und Südamerika beigetragen. Säugetiere reagieren auf diesen Pflanzenstoff mit Hitze- und/oder Schmerzempfinden, Vögel mit einem andersartigen Nervensystem aber nicht, sie sind also unempfindlich gegen diesen Wirkstoff.

Dadurch wurden Früchte, die zufällig reich an Capsaicin waren, nur von Vögeln mit ihrer größeren Reichweite gegenüber Säugetieren gefressen und fanden über die Samen größere Verbreitung. Zusätzlich hat man herausgefunden, dass Pflanzen mit einem höheren Capsaicin-Gehalt auch besser gegen Schimmelpilzbefall geschützt sind. Also um es ganz klar zu sagen, die Pflanze hat nicht die Entscheidung getroffen, mehr Capsaicin zu produzieren, um gegen den Schimmelpilz geschützt zu sein, sondern nur solche Pflanzen haben überlebt, die zufällig einen höheren Gehalt hatten. Das nennen wir dann natürliche Selektion.

Archäologen können nachweisen, dass Paprika schon tausende Jahre vor unserer Zeitrechnung in verschiedenen Kulturen Mittel- und Südamerikas als Nutzpflanze kultiviert war und sich als kultivierter Chili vom wilden Chili unterschied.

Nicht zuletzt durch den Handel mit Gewürzen und Pfeffer war Venedig reich geworden und so lag es für Seefahrernationen wie Portugal und Spanien nahe mutig nach Westen zu segeln, um unabhängig von Venedig und den Handelswegen der großen Karawanen in Vorderasien an die begehrten Gewürze zu gelangen. Von den Westindischen Inseln, woher sollte Kolumbus wissen, dass er einen neuen Kontinent entdeckt hatte, brachten die Seefahrer dort übliche scharfe Gewürze mit, die bald darauf bereits im 16. Jhdt. in Spanien angebaut wurden; daher auch der Name „Spanischer Pfeffer“.

So wirken Antioxidantien in der Paprika gegen freie Radikale

Durch einen erhöhten Vitamin C – Gehalt ist die Paprika ein präventives Nahrungsmittel gegen Fehlentwicklungen in unseren Körperzellen durch Radikale. Radikale sind kurzzeitig auftretende Molekülbruchstücke, die in einer sofortigen Folgereaktion wieder einen elektrochemischen Ladungsausgleich herzustellen suchen. Die Radikale entstehen beispielsweise durch den Einfluss hochenergetischer Strahlung, der wir ständig aus dem Weltraum oder durch die Sonne (UV-Strahlung) ausgesetzt sind; das Molekülbruchstück befindet sich in einem oxidierten Zustand oder hat den Verlust eines Elektrons, eines negativ geladenen Elementarteilchens zu verkraften.

Um den gestörten Zustand zu heilen, bedarf es eines Reaktionspartners, der diesen oxidierten Zustand wieder aufhebt. Es muss also sofort ein Antioxidans, ein Elektronen spendendes Reduktionsmittel, zur Verfügung stehen, damit der ungestörte Zustand wieder hergestellt werden kann. Sonst kann es zur Entstehung von Tumorzellen kommen, weil das Radikal gesunde Zellen angreift, um wieder an ein Elektron zu gelangen.

Da sich die Bildung von Radikalen in jeder Sekunde millionenfach in unserem Körper abspielt, fragst du dich natürlich, ob denn der Verzehr von Gemüse mit einigen Milligramm eines Antioxidans wie Vitamin C ausreichend sein kann. Ja, es kann ausreichend sein, denn allein in 100g Paprika mit etwa 140mg Vitamin C (das ist schon mehr als der Tagesbedarf eines Erwachsenen) sind rund fünf Trillionen Moleküle des Vitamin C enthalten, wie sich aus dem Molekulargewicht der Verbindung und der Avrogadro-Konstante leicht berechnen lässt. Eine Trillion ist eine Zahl mit 18 Nullen! Die kleinen Helfer gegen die Elektronenräuber sind also überall gegenwärtig und werden locker mit ein paar Millionen Baustellen fertig.

Paprika gegen Schmerzen

Die Hitzewirkung und Schmerzlinderung des Inhaltsstoffes Capsaicin wurde schon von den Ureinwohnern Amerikas als Heilmittel bei Zahnschmerzen und Arthrose genutzt und fand so auch Eingang in die europäische Volksmedizin. Als Wärmepflaster bei rheumatischen Beschwerden, Hexenschuss, Migräne und anderen Krankheiten werden Zubereitungen auch heute medizinisch genutzt.

Die schmerzlindernde Wirkung wird auf die Hemmung der Wiederaufnahme des Botenstoffs „Substanz P“ und auf eine verbesserte Durchblutung des Anwendungsgebietes zurückgeführt. Neuere Studien haben Hinweise auf das Abtöten von Prostatazellen bei Mäusen und Vorteile bei der Heilung von Erkrankungen des Herzmuskels aufgezeigt.

Eine statistische Auswertung verschiedener Studien zeigte, dass Capsaicin gegenüber Placebos chronische Schmerzen, deren Ursachen auf Nerven- oder Muskelentzündungen beruhen, signifikant senken kann. Über 50% der mit Capsaicin behandelten Gruppe berichteten von einer Schmerzlinderung, die zum Teil bis zu acht Wochen anhielt.

Paprika braucht viel Wärme und Feuchtigkeit zum Anbau

Paprika gehört zu dem wärmeliebenden Gemüse und braucht ziemlich intensiven Anbau. Erfordert Boden reich an Nährstoffen, Feuchtigkeit und Wärme. Allein in Europa gibt es mehr als fünfzig verschiedene Sorten, die unterschiedliche Anwendungen haben. Paprika ist das nationale Gewürz in Spanien und Ungarn, wird aber auch in den angrenzenden Ländern angebaut. Durch gezielte Zucht wird Paprika aber auch in nördlicheren Gefilden Europas erfolgreich angebaut.

In Ungarn und dem übrigen Südosteuropa hat man sich erst im 19. Jahrhundert mit dem Anbau dieses wärmeliebenden Gemüses näher befasst, als sich eine robuste Saatgutindustrie entwickelt hatte.

Diese erzeugte genug Hybridsorten mit weniger Anfälligkeit gegen Pilzkrankheiten, die im Vergleich zu Nicht-Hybridsorten deutlich höhere Erträge brachten und das auch in kälteren Klimazonen. In Ungarn und den Nachbarländern werden heute sechs Paprika Gruppen angeboten. In den Export gehen vor allem Sorten mit geringerem Capsaicingehalt, die dementsprechend auch milder sind.

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