Wegreen.de im Test

WeGreen – Transparenz­maschine mit Grünstich

Die gängigste Suchmaschine ist google. Nun gibt es eine nachhaltige Alternative: "WeGreen".
WeGreenPCIllustration: Peter Lemper © evidero

evidero hat die erste grüne Suchmaschine im Internet getestet. Die angezeigten Nachhaltigkeits-Ampeln haben für so manches Verkehrs-Chaos gesorgt.

Allzu viele Suchmaschinen gibt es im Internet nicht mehr, der Begriff „googeln“ ist übermächtig und längst dudenfähig geworden. Deshalb wurde ich richtig neugierig, als mir ein Kollege von einer grünen Suchmaschine erzählte. Wegreen.de ist laut Betreiber „die erste umfassende Suchmaschine für Nachhaltigkeit“, die nicht weniger als „die Tür zur ganzen grünen Welt im Internet öffnet“. Immerhin hat das Projekt auf Facebook schon über 1.600 Fans. Aber kann die Suchmaschine wirklich eine Alternative zu Google, Yahoo, Bing und Co. sein  und wie grün ist sie wirklich?

WeGreen will Produkte und Firmen nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten bewerten und stellt die Ergebnisse in einer Nachhaltigkeitsampel dar. Grün soll nachhaltige Produkte anzeigen, gelbe Punkte gerade noch mittelgute und rot wenig oder gar nicht nachhaltige. Die Informationen oder Bewertungen ermittelt WeGreen nicht selber, sondern übernimmt sie von verschiedenen unabhängigen Partnern, die aber allesamt nach unterschiedlichen Kriterien beurteilen. Findet der User ein Produkt, das ihm gefällt, egal ob nachhaltig oder nicht, leitet WeGreen ihn direkt an einen Onlineshop weiter. Für jedes verkaufte Produkt bekommt die grüne Suchmaschine Provision. Von den Werbeeinnahmen gehen 15 Prozent an Spendenprojekte, die die User selbst auswählen dürfen.

WeGreen im Praxistest

Tanja Korsten
Autorin

Tanja Korsten

Tanja Korsten hat Germanistik und Linguistik an der Uni Köln studiert. In ihrer Freizeit widmet sie sich vor allem dem Sport...

zum Profil von Tanja Korsten
So viel zur Theorie. Aber hält WeGreen auch seinen eigenen Maßstäben stand?
Mich hat der Begriff grüne Suchmaschine erst einmal irritiert. Denn als ich beispielsweise in das Suchfeld „Pizza“ eingegeben habe, kamen jede Menge übliche Ergebnisse. Die Suchmaschine zeigt also nicht nur ökologisch bewertete Ergebnisse an, sondern alle anderen auch. Nur bei einigen Resultaten sieht man einen roten, gelben oder grünen Punkt eingeblendet. Zu jeder Suche bietet mir die Suchmaschine grüne Alternativen an. Drei Mal hintereinander erscheint der Film „Pizza Pizza“ mit Julia Roberts, der grün bewertet wurde. Gehe ich allerdings auf den grünen Punkt, sehe ich Bewertungen, die mit dem eigentlichen Produkt rein gar nichts zu tun haben. Oder sehe nur ich den Zusammenhang nicht zwischen Schillers Werken in der Nationalausgabe von 1943 und Pizza? Wenigstens ist das Buch grün, aber warum eigentlich? Eine unabhängige Bewertung kann ich nicht finden, ich lese nur, dass die Materialien des Buches pflanzlichen Ursprungs sein sollen. Nice to know, aber eigentlich hatte ich ja nach Pizza gesucht …

Solche fehlerhaften Ergebnisse ziehen sich durch meine komplette Test-Suche, ob ich nun für den gesuchten Herrenpullover eine Bewertung eines „Umstands-und Stillshirts“ erhalte oder beim Hantelset die Bewertung eines Playmobil-Gewichthebers. Viel anfangen kann ich mit diesen Informationen nicht. Wie kommt es aber zu so krassen Fehlurteilen? Zurück zu meiner Ursprungssuche. Die Pizza-Treffer zeigen mir an, dass Pizza Hut mit Gelb bewertet wurde. Dabei verweist WeGreen auf die Schweizer RepRisk als Quelle. Warum RepRisk nur  oder immerhin?  den „mittelmäßigen” Index 19 vergeben hat, ist nicht erkennbar. Genauere Informationen sind kostenpflichtig  entsprechend dem Geschäftsmodell von RepRisk.

Bei meiner weiteren Recherche finde ich auch rot bewertete Firmen, Converse z.B. hat richtig schlecht abgeschnitten. Diese Bewertung stammt von Rank a Brand, das seine Informationen wenigstens kostenlos ins Netz stellt. Ich lese dort, „dass Converse nicht transparent berichtet, wie fair, klima- und umweltfreundlich die eigenen Produkte herstellt und gehandelt werden“. Das heißt wahrscheinlich, Converse hat auf die Fragen von Rank a Brand gar nicht geantwortet und aufgrund dieser fehlenden Transparenz eine rote Ampel bekommen. Ebenfalls etwas fragwürdig ist die Methodik, dass Produkte automatisch die Farbe des Herstellers – oder gar des Händlers  bekommen, wenn sonst keine Informationen vorliegen. So sind fast alle Schuhe von Jack Wolfskin mit Grün bewertet, obwohl keinerlei Informationen über die einzelnen Produktionsbedingungen vorliegen. Ebenso bei den Schuhen von Yessica. Bei einem anderen Händler gekauft kann selbst der grünste Schuh plötzlich rot anlaufen. Oder umgekehrt.

Fazit: Die grüne Tür führt in die Irre

Oft sind die Bewertungen von den Firmen oder Produkten an völlig falscher Stelle platziert. So finde ich grüne, gelbe oder rote Punkte neben Produkten, die mit diesen Ergebnissen nichts zu tun haben. Die Bewertungen als solche sind zum Teil nicht transparent oder in meinen Augen fragwürdig. Ich hatte das Gefühl, das einzige wirklich funktionierende Element auf der Website ist die Werbeplatzierung. Die hehre Absicht der Macher in allen Ehren – aber unterm Strich kann ich leider nicht bestätigen, dass mir die Tür zur ganzen grünen Welt im Internet geöffnet wurde …

Der Fairness halber soll erwähnt sein, dass WeGreen ein junges Start-up-Unternehmen ist und einfach noch nicht alles perfekt sein kann. Im evidero-Interview sagt WeGreen-Gründer Maurice Stanszus, seine Firma arbeite bereits an „einer Erweiterung der Produktdatenbank. Wir haben sechs Millionen Produkte, von denen nur circa 300.000 grün sind. Das wollen wir stark ausbauen.” Ist es überhaupt möglich eine verlässlich grüne Suchmaschine zu realisieren angesichts der unüberschaubaren Datenflut im Internet? Im Moment jedenfalls kommt die grüne Transparenzmaschine beim Grünwaschgang noch zu oft ins Schleudern.

Weitere Informationen:

http://wegreen.de/

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