Voll im Trend: Urban Gardening

Urban Gardening – was soll das eigent­lich?

Urban Gardening hat viele Namen: City Farming, Gemeinschaftsgärten, mobile Landwirtschaft, Stadtlandwirtschaft, urbane Subsistenz, Schrebergarten. Was ist das?

Der Web-TV Themenschwerpunkt mit Filmen von David Vehreschild. Unser Autor, selbst überzeugter Gartenaktivist, unternimmt eine kritische Würdigung.

 

Das wild wuchernde Treiben hat viele Namen und viele neue Fans: Urban Gardening, Gemeinschaftsgärten – selbst der Schrebergarten hat in den letzten Jahren sein Spießerimage abgelegt und ist salonfähig geworden. Was ist da los?

Autor

Martin Rasper

Martin Rasper

Martin Rasper, Jahrgang 1961, studierte Geologie, Philiosophie und Journalismus und schreibt seit zwanzig Jahren über Themen aus Natur, Wissenschaft und Gesellschaft - davon lange Jahre als Redakteur von natur + kosmos sowie als freier Autor für die Süddeutsche Zeitung, das SZ Magazin, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Kulturzeitschrift du, country, merian und viele andere. Er lebt in München.

zum Profil
Berlin, so geht das Klischee, ist multikulti, Anarchie, Widerstand – ist wildes, ungeplantes Wachstum. Insofern gibt es im Moment vielleicht kein typischeres Stück Berlin als den Allmende-Garten auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Als Zwischennutzung bis 2016 darf das Allmende-Kontor eine 5000 Quadratmeter große Fläche für einen Nachbarschaftsgarten nutzen. Und die Leute aus dem Kiez nehmen das Angebot begeistert an. Gegärtnert wird in Hochbeeten, die auf abenteuerliche Weise aus Holzresten zusammengezimmert sind; der unmittelbare Boden ist wegen der jahrzehntelangen Vergangenheit als Flughafen zu heikel. Viele, die hier zugange sind, hatten vorher keine Gartenerfahrung; sie legen einfach los, mit viel Enthusiasmus und Fantasie.

Es geht primär ums Pflanzen, Säen, Ernten; um Selbstversorgung, um frisches gesundes Gemüse. Aber nicht nur. Es geht auch darum, etwas Sinnvolles zu tun, gemeinsam mit anderen und nicht zuletzt für einen selbst. Es geht darum, wieder teilzuhaben am Prozess der Lebensmittelerzeugung, denn der Mainstream geht trotz Öko-Boom und trotz aller Appelle zum regionalen Wirtschaften immer weiter Richtung Globalisierung und Industrialisierung.

„Die Leute fühlen sich zunehmend abgeschnitten vom Produktionskreislauf der Lebensmittel“

Frage zu 10 Thesen

 

„Die Leute fühlen sich zunehmend abgeschnitten vom Produktionskreislauf der Lebensmittel“, urteilen die Soziologen Daniel Dahm und Gerhard Scherhorn. Produkte wie Klebefleisch oder Analogkäse, der kein Käse ist, und die immer dreisteren Lügen auf den Verpackungen schärfen das Bewusstsein dafür, wie sehr sich die Food-Industrie von den Bedürfnissen vieler Menschen entfernt hat. „Zu lernen, wie Gemüse wächst und gezogen wird, heißt anfangen, die Codes der Lebensmittelindustrie zu knacken“, schrieb die Süddeutsche Zeitung am 22.10.2011.

Für Christa Müller, Geschäftsführerin der Stiftung-Interkultur, die viele Gartenprojekte unterstützt, ist das keine Bewegung zurück zu irgendetwas – sondern eine sehr zeitgemäße, die einen echten Ausweg weisen kann. „Modernität bedeutete ja bisher immer, dass man sich nicht selbst versorgen muss“, sagt Christa Müller, „sondern, dass man das delegiert. An die Bauern, an die Supermärkte, an die Lebensmittelindustrie. Und das hat ja auch eine Weile ganz gut geklappt. Aber jetzt spüren immer mehr Menschen, dass es so nicht weitergeht.“ Trotzdem stoßen die Stadtgärtner häufig auf Skepsis oder Argwohn. Vielen Zeitgenossen erscheint das Urban Gardening wie ein überdrehter Zeitvertreib neurotischer Stadtmenschen und überdies als gar nichts Neues. Wir haben die wichtigsten Kritikpunkte untersucht.

1. Was soll daran neu sein? Gärten in der Stadt gab es doch schon immer.

Stimmt; wobei selbst der „normale“ Gemüseanbau im Hausgarten seit den siebziger Jahren stark nachgelassen hat. Neu aber ist jetzt die Vielzahl und Bandbreite der Gartenformen: Selbsterntegärten, Gemeinschaftsgärten, Nachbarschaftsgärten, mobile Gärten in Hochbeeten und Kisten. Neu ist vor allem auch das soziale Element, das alle urbanen Garteninitiativen betonen. Es geht ums gemeinsame Tun; es geht auch ums Lernen, um die Vermittlung von Wissen, um das Schaffen von Bewusstsein. „Der Sinn unserer urbanen Landwirtschaft ist es, Leute zusammen zu bringen, Kooperationen und Austausch herzustellen, der in dieser Art im städtischen Raum eher selten ist“, sagt Marco Clausen vom Berliner Prinzessinnengarten. „In unseren Gärten wird gemeinsam ein Raum hergestellt.“

2. Das Ganze ist eine Mode, die schon bald wieder abflauen wird.

Kistengärtnerevidero

Im Gegenteil: Alle Indizien weisen darauf hin, dass es sich um eine nachhaltige Bewegung handelt. Ein erstes Anzeichen war vor einigen Jahren die Entwicklung, dass Schrebergärten plötzlich nicht mehr als spießig galten, sondern zunehmend auch von jungen Leuten nachgefragt wurden. Dazu kamen die Internationalen oder Interkulturellen Gärten zur Förderung der Integration, durch gemeinsames Gärtnern von Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Es gibt sie bereits seit 1995 und ihre Zahl wächst stetig; derzeit sind es rund 120, dazu mehrere Dutzend in Planung. Ebenfalls stark im Wachsen begriffen – und noch relevanter für das Thema – ist das Modell der Selbsterntegärten, die besonders für Anfänger geeignet sind. Bezeichnend ist auch die wachsende Zahl der Urban-Gardening-Initiativen: Die Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg haben sich längst zu einem Anziehungspunkt des Viertels und darüber hinaus entwickelt; ähnliche Initiativen gibt es in vielen Städten. Schließlich ist Gärtnern Nachhaltigkeit an sich. „Wer einen Garten anlegt, übernimmt Verantwortung“, sagt Claudia Plöchinger vom Hamburger Gartendeck, „zum einen natürlich für die Pflanzen – das sind ja Lebewesen – aber auch für die Menschen, die in den Garten kommen und das auch weiterhin tun wollen.“

3. Eine Stadt kann sich niemals komplett selbst versorgen.

Stimmt. Behauptet auch niemand. Aber jedes Stück Gemüse, das in der Stadt angebaut wird, verbessert ihre CO2-Bilanz und spart Energie, die sonst für Erzeugung und Transport aufgewendet worden wäre. Außerdem ist ein Selbstversorgungsgrad von einigen Prozent, wie er selbst für größere Städte in unseren Breiten erreichbar ist, durchaus relevant; dazu kommen weitere Prozente, wenn das unmittelbare Umland nicht für den Weltmarkt produziert, sondern konsequenter die eigene Stadt versorgt. Und kleinere, locker bebaute oder sonstwie begünstigte Städte können leicht einen höheren Autarkiegrad erreichen. In den Entwicklungsländern, zumal in wärmerem Klima, gelten noch mal ganz andere Maßstäbe, vor allem dann, wenn sie in günstigen Klimazonen liegen. Paradebeispiel ist Havanna, das sich (wenn auch aus der Not geboren) mit Obst und Gemüse überwiegend selbst versorgt; aber auch in Städten wie Lagos, Nairobi, Accra oder Hanoi erzeugen die Stadtbewohner einen erklecklichen Teil selbst.

Die Einsicht, dass die Städte alles in ihrer Macht Stehende tun müssen, um mehr produktives Grün zu schaffen, setzt sich zunehmend auch bei europäischen Politikern und Stadtplanern durch. London hat vor einigen Jahren ein ehrgeiziges Programm begonnen, genannt „Capital Growth“. Mit Blick auf die Olympischen Spiele hat die Stadt sich vorgenommen, bis Ende des Jahres 2012 auf ungenutzten und „untergenutzten“ Flächen innerhalb des Stadtgebiets die Zahl von 2012 neuen Gärten zu erreichen, damit die Bürger wieder einen direkten Zugang zum Thema Lebensmittel bekommen. Die Stadt gibt den Anstoß und die finanzielle Unterstützung; aktiv werden müssen die Bürger selber. Bis zum Jahreswechsel 2011/2012 sind 1464 neue Gartenflächen geschaffen worden; das Programm gilt bereits jetzt als gelungen.

4. Die Städte sind viel zu dreckig, um dort gesundes Obst und Gemüse anzubauen.

gesteinsgarten©Heike Brückner/Stiftung Bauhaus Dessau

Stimmt nicht. Mit einer Ausnahme: Wo der Boden kontaminiert ist, etwa mit Altöl, Schwermetallen oder giftigen Kohlenwasserstoffverbindungen (oder wo ein begründeter Verdacht besteht), sollte man tatsächlich nicht direkt im Boden gärtnern. Sondern Hochbeete benutzen, wie die meisten Garteninitiativen es tun – und zwar mit guter Bioerde. Ansonsten aber ist die Stadt längst ein gutes Umfeld zum Gemüseanbau. Der Feinstaub lässt sich abwaschen, und die Autoabgase werden schon auf den ersten Metern vom Straßenrand fraktioniert, d.h. die leichtflüchtigen Bestandteile steigen senkrecht auf, während die schweren Teilchen wie Dieselruß von Bäumen und Hecken weitgehend abgefangen werden. Viele Supermarktprodukte, die von Feldern neben der Autobahn stammen (und bei welchen Produkten weiß man das schon?) sind womöglich stärker kontaminiert; massiv gespritzte Früchte sowieso.

Und was die Artenvielfalt angeht, ist die Stadt inzwischen oft besser dran als das Land. „Das Bild von der ‚schlechten Stadt‘ und dem ‚guten Land‘ muss dringend revidiert werden“, fordert Professor Josef Reichholf, langjähriger Hauptkurator an der Zoologischen Staatssammlung München, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Stadtnatur beschäftigt; „was den Einsatz von Giften, Überdüngung, Grund- und Abwasserbelastungen anbelangt, haben sich die Verhältnisse zwischen Stadt und Land in den letzten Jahrzehnten geradezu umgekehrt.“ Die Honigbienen beispielsweise leiden fast überall massiv unter dem flächendeckenden Pestizideinsatz und dem einseitigen Blütenangebot – ein paar Wochen lang Raps und Obstbaumblüte und dann kaum mehr etwas. In den Städten dagegen blüht den ganzen Sommer über immer etwas.

5. Wenn ein paar Leute in der Stadt Gemüse anbauen, ändert das nichts am Industriefraß und an der globalen Vorherrschaft der Saatgutkonzerne.

Stimmt. Aber wenn niemand etwas tut, ändert sich noch weniger. Außerdem erschöpft sich bei den meisten Stadtgärtnern die politische Aktivität nicht im Salatpflanzen. Sie sind nicht nur Gärtner, sondern auch Verbraucher, Staatsbürger, Steuerzahler und Wähler, die in ihrem gesamten Verhalten politisch wirken. Viele sind überdies bei Netzwerken wie Campact oder Attac aktiv, beteiligen sich an Demonstrationen oder Petitionen wie zur Saatgutfreiheit oder gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Bei der großen Demo für eine andere Agrarpolitik am 21. Januar 2012 in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt!“ sind viele Mitglieder von Garteninitiativen selbstverständlich mit von der Partie.

6. Das Selbstgärtnern ist doch romantisches Getue. Wenn die Städte wirklich produktiver werden sollen, brauchen wir High-Tech-Farmen.

Stimmt zum Teil. High-Tech-Gewächshäuser wird es künftig zunehmend geben – wenn auch nicht unbedingt die 30-stöckigen „Framscrapers“ die Dickson Despommier, ein Professor der Columbia-Universität, mit seinen Studenten entwirft. Aber grundsätzlich wird die Stadt als Produktionsstandort wegen der Nähe zum Verbraucher um so attraktiver, je stärker bei den Lebensmitteln die Transportkosten zu Buche schlagen. Und deshalb wird es sicherlich große Gewächshäuser geben, regelrechte Gemüsefabriken, die mit ihrem effektiven Wasser- und Energieeinsatz punkten werden. Das private Gärtnern wird aber aus den oben angeführten Gründen – Selbstbestimmung, Bewusstseinsbildung, Kompetenzerwerb, sozialer Aspekt – daneben mit Sicherheit bestehen bleiben.

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11 thoughts on “Urban Gardening – was soll das eigent­lich?

  1. Sehr interessante, unkonventionelle Lösungsvorschläge um das Leben in der Stadt noch grüner und damit menschenfreundlicher zu gestalten. Das *Aquaponic-Projekt* auf dem Dach einer ehemaligen Malzbrauerei in der Hauptsadt werde ich auf jeden Fall (da ich in Berlin wohne) weiter verfolgen. Die Fischzucht in den ehemaligen Brauereitanks und die angestrebte Nutzpflanzenkultur auf dem 7000 qm großen Dach, das Recycling der im Fischwasser enthaltenen Nährstoffe für die Nutzpflanzen – klingt spannend. Ob das Gemüse dann wohl ein bisschen nach Sushi schmeckt ?

  2. guter Artikel…. besonders da hier in der Türkei und im Besonderen Istanbul diese Amsätze noch sehr neu und bisher so gut wie nicht verbreitet sind, daher wäre es klasse wenn es in zukunft teile der themen von evidero auch auf englisch geben könnte.

    eine der ersten initiativen für urban gardening in Istanbul ist der Garten von Salt – kulturelles Zentrum in der zentralen Füssgängerzone von Istanbul. Hier hat der Architekt Fritz Haeg im Auftrag des Kulturzentrums einen urbanen Garten angelegt, der in der Türkei als Vorreiter gelten kann, und sich in einer Stadt in der das städtische Grün immer mehr verschwindet und kommerzialisierten Shoppingmalls zum Opfer fällt, hoffentlich zu einem nachahmungswürdigen Beispiel entwickelt. Ich empfehle jedem Istanbul Besucher einen Abstecher in diesen kleinen urbanen mini Garten, der um so mehr zeigt wie elementar wichtig solche Initiativen besonders in Megaploen wie Istanbul, Kairo oder Mexico City sind. Bleibt zu hoffen, dass dies nachahmung findet und zukünftig die Lebensqualität in dieser Stadt verbessert.
    http://www.saltonline.org/en/#!/en/92/garden-laun

  3. Mag sein, dass das Thema Natürlichkeit in unserer Gesellschaft ohnehin schon keine Rolle mehr spielt, aber wenn ich mir diese Zukunftsideen ansehe, hab ich eigentlich gar keine Lust mehr in der Stadt zu leben. Vielleicht ist mein Naturbedürfnis ja einfach nur konservativ – und romantisch verklärt, weil es auf dem echten Acker längst nicht mehr gemütlich zugeht –, aber das Essen aus Plastikkisten, ständiges Smartphone-Gemesse, -Georte und -Gestrahle macht die Stadt für mich nicht wirklich lebenswerter. Brauchen wir denn wirklich diese ganze Technik, den Überfluss, der dafür verantwortlich ist, dass wir die Ressourcen so krass übernutzen? Wäre eine Welt mit konventioneller Bio-Landwirtschaft wirklich nicht zu ernähren, wenn es dafür keine Vielflieger mehr gäbe, keine ständig laufenden Computer, keine Autokarawanen? Da bin ich immer noch skeptisch und habe das Gefühl, dass die Menschen wieder einmal nicht gefragt werden – die müssen es am Ende nur ausbaden.

  4. Sicher kann man sich mit den Produkten eines Stadtgartens nicht komplett selbst versorgen, aber es ist ohne viel Aufwand möglich, ein wenig frisches Obst, Gemüse und Kräuter selbst zu ziehen. Das macht nicht nur Spaß, sondern schmeckt auch viel besser als Ware, die zu früh geerntet wurde, damit sie nicht schon im Laden anfängt, zu gammeln. Wir haben in unserem Stadtgarten hinter dem Haus Tomaten, Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren und eine Kräuterspirale mit vielen duftenden Gewürzpflanzen. Dies alles macht kaum Arbeit, der Genuss ist aber umso größer. Neben den Bequemlichkeiten einer Stadt haben wir den Vorteil, gleichzeitig ein wenig mit der Natur leben und sie besser verstehen zu können. Was ist daran falsch?

  5. Ich versuche, es möglichst kurz zu machen.

    Beginnend, mit dem Eingeständnis eigener Verwirrnis. Da hat Frau Otto wohl doch recht.

    Ich bin doch tatsächlich davon ausgegangen, dass das evidero-Thema „Stadt im Wandel“ gleichzusetzen sei, mit dem, was wir so gemeinhin unter „Stadtentwicklung“ verstehen dürfen. Weit gefehlt! Stadtentwicklung in modern verstandenem Sinne beschäftigt sich mit Wohnungspolitik, kultureller Entwicklung, sozialem Ausgleich, Rückgewinnung und Ausgestaltung von öffentlichen Räumen, intelligenten Infrastrukturen, neuen Verkehrskonzepten, energieeffizienten Bau- und Versorgungskonzepten, mit Wohn- und Arbeitskonzepten, baukulturellen Aspekten, dem Ausgleich von Wirtschafts- und Bürgerinteressen, der Wiederbelebung verödeter Innenstädte, dem sozialen Ausgleich unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, intelligenter Integrationsarbeit, Bereitstellung von Bildungseinrichtungen und Kinderbetreuung, materieller und kreativer Kulturförderung, Verhinderung/Rückbau von Gettoisierung, Transparenz und intensive Bürgerbeteiligungsmodellen ….. und, und, und.

    Nicht so bei evidero. Dort versteht man in erster Linie unter dem Tema „Stadt im Wandel“ eine idealisierte Verlandwirtschaftung unserer Städte. Nichts gegen „Urban-Gardening“ (hies das nicht mal „Stadtgärtnerei ;)), nichts gegen interessante Großprojekte (Zumindest als Idee) wie das Brauereiprojekt. Wenn da nicht nur schon wieder der Karpfen vorbeischwimmen würde (das Wappentier von evidero?). Dass solche Projekte jedoch „die Stadt wandeln“ ? Nun denn. Eher sind solche Ideen ein sowieso typischer, kreativer Ausstoß einer Stadt wie Berlin. Scheitern meistens (die Großprojekte) an Unterfinanzierung, bzw. nicht stattfindender oder zu schmaler Subventionierung. Die Guerilla-Begrünung des Herrn Petrus lassen wir besser mal weg. Auch, dass per „Transition Town“ einmal mehr das Lieblingshobby des Initiators (Regionalgeld) durchs Bild wedelt … geschenkt. Ich wäre mal gespannt, was in einer echten Krise passiert, wenn „Normalbürger“ an die Türen der CSA-Mitglieder klopfen und um eine Gemüsespende bitten. So what.

    Ach ja! Kurz fassen.

    Ergo: Was Dr. Michael LaFond zum Ende des ersten Video-Beitrages noch hoffnungsvoll als das formulierte, was Berlin kann und sollte – wird von evidero im Verlauf seiner eigenwilligen „Stadt im Wandel“-Betrachtung konsequent ignoriert. Aber, wie gesagt: mein Fehler!

    Grüße aus Berlin.
    Wir entwickeln uns!

    Frank Happel

  6. Es ist nicht mehr zu leugnen, es entwickelt sich ein neues Bewußtsein! Wir haben diesen Wandel schon sehr früh erkannt und sind letzten Herbst in Berlin in eine Dachgeschosswohnung mit 35qm Dachterrasse gezogen.
    Mindestens die Hälfte davon ist begrünt und wird in diesem Frühjahr für die Eigenversorgung vorbereitet.
    Von der Regenwurmzucht bis zum Komposthaufen und dem vielfältigen Gemüsebeet wird es alles geben.
    Das neue Bewußtsein ist aber viel tiefgreifender als nur der Anbau von eigenem Obst und Gemüse, es geht um viel mehr.
    Es geht um den Wandel der Zeit und die Besinnung auf den Menschen an sich, den der Kapitalismus wird bald aussterben und dann ist es gut zu wissen wo Du stehst.
    Die städtischen Gemüsegärten sind da nur die Vorboten einer neuen und besseren Zeit.

  7. Schöne Reportage, allerdings die "Witzenhäuser Kirschblüten" als regionale Wirtschaftsankurbelung zu betrachten ist nonsens…
    eine Währung die jederzeit 1:1 umtauschbar ist und keinem Wertverlust unterliegt kurbelt überhaupt nichts an, denn sie ist an den Euro gebunden und somit überflüssig. Ich wohne selbst gern in Witzenhausen, doch Kirschblüten habe ich mir noch nie auzahlen lassen, da es pure Schönrederei einer eigentlich gut gedachten Sache ist, die so wie sie umgesetzt wird, keinerlei Effekte hat. Würde die Kirschblüte nämlich jedes Jahr 10 % an Wert verlieren, dann wäre es ein wahrer Gewinn für die regionale Wirtschaft, doch das tut sie meines Wissens nach nicht…
    Damit kein falscher Eindruck entsteht: diese Regionalwährung hat nichts mit Transition Town oder der CSA zu tun, es gab sie bereits lange zuvor… das kommt in dem Artikel nicht so gut herüber…
    Die Arbeit der Transition Town Initiative und der CSA ist überaus vorbildlich und absolut unterstützenswert – weiter so, liebe Leute!

  8. Hallo Stefan Behrendt! Schön, dass Sie die Reportage schön finden. Zu Ihrem Kommentar. Die Regionalwährung Kirschblüte gibt es in Witzenhausen tatsächlich schon länger, als den Transition Town Gedanken – miteinander zu tun haben sie allerdings schon, so haben sowohl die Kirschblüte als auch Transition Town Witzenhausen den gleichen (Mit-) Initiator: Frank Viohl. Übrigens: Die Kirschblüte unterliegt sehr wohl einem gesteuerten Werteverlust (5%). Über Sinn (und ggf. Unsinn) einer Komplementärwährung können Sie als Witzenhausener sich wunderbar vor Ort informieren. Beste Grüße.

  9. Tolles Video zu diesem sehr aktuellen Thema. Veg and the City ist ganz neu dabei beim Thema urban gardening mit dem Ziel Bewusstsein zu schaffen, dass jeder in der Stadt Gemüse anbauen kann und 100'000 Wohnungen/Balkone in der Schweiz zu begrünen.

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