Nachhaltigkeit- ein Definitionsversuch

Nachhaltigkeit – Der Allround­-Begriff

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Doch jeder versteht etwas anderes darunter. Was ist Nachhaltigkeit genau?
Einbahnstrasse© picture alliance / Zentralbild / Sebastian Kahnert

Nachhaltigkeit scheint allgegenwärtig zu sein und ist mit 14.000.000 Treffern bei Google gut vertreten. Was ist nun die Definition von Nachhaltigkeit?

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als ich zum ersten Mal das Wort „Nachhaltigkeit“ hörte: Es muss im Jahr 2002 gewesen sein, weil ich gerade in die 12. Klasse gekommen war. Eine Freundin sollte ein Referat über das Thema Nachhaltigkeit halten und wir unterhielten uns über diesen merkwürdigen Begriff, den wir beide zuvor noch nie gehört hatten. Okay, „Der Film hat mich nachhaltig beeindruckt“ – in solchen und ähnlichen Zusammenhängen war er uns natürlich bekannt. Aber das Substantiv?! Wir kamen zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeit wohl das Ziel beschreibt, sich so zu verhalten, dass Dinge, die heute existieren, auch in Zukunft erhalten bleiben. Auf welche Bereiche sich dieser abstrakte Prozess jedoch beziehen sollte war uns damals ziemlich schleierhaft.

Zehn Jahre später ist es kaum noch vorstellbar, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ damals noch so neu und unverbraucht war. Heute scheint das Wort allgegenwärtig: Eine Eingabe bei Google leitet unter den ersten Treffern unter anderem auf die Homepage eines Waschmittels, eines  Autoherstellers und einer Bankengruppe weiter. Außerdem ist dort die Rede von einer „Kultur der Nachhaltigkeit“, „Mut zur Nachhaltigkeit“ und „kreativer Nachhaltigkeit“. Würde man nur anhand dieser Google-Treffer-Phrasen versuchen, dem Wort auf die Schliche zu kommen, so wäre man danach wahrscheinlich so klug wie meine Freundin und ich vor zehn Jahren. Mal abgesehen davon, dass Nachhaltigkeit angesichts von 14.000.000 Treffern wohl kein Fremdwort mehr wäre.

Autorin

Annette Bonse

Annette Bonse

Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...

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Kein Wunder, dass das Wort – obwohl es inzwischen geradezu inflationär verwendet wird – trotz seiner Verbreitung auf viel Unverständnis stößt. So hat eine Studie von Forsa ergeben, dass mehr als ein Drittel aller Deutschen keine konkrete Vorstellung von „Nachhaltigkeit“ hat. Spontan verbanden nur 8 % den Begriff mit Umwelt- und Naturschutz, 4% Prozent mit regenerativer Energie. Erst als man die Umfrageteilnehmer gezielt nach bestimmten Bereichen fragte, wurde das Meinungsbild klarer. Auf die Frage, was sie als wichtig erachteten, um die Welt nachhaltiger zu gestalten, war die mit 78% am häufigsten gewählte Antwortmöglichkeit, dass das Bildungssystem verbessert werden müsse, um eine größere soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Gibt es sie denn überhaupt, die „eine“ Definition von Nachhaltigkeit? Laut Duden könnte man sagen, ja, denn dort finden sich folgende relativ klar umrissene Erklärungen: 1. Längere Zeit anhaltende Wirkung; 2 a. (Forstwirtschaft) forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann; 2 b. (Ökologie) Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. Vom Bildungssystem ist dort keine Rede. Kann man also sagen, dass die Teilnehmer der Umfrage den Begriff schlicht missverstanden haben? Oder ist es anders herum und das Verständnis des Dudens ist zu eng gefasst? Letztlich ist Nachhaltigkeit vielleicht auch ein Wort, das – gerade aufgrund seines generellen Charakters – von jedem Einzelnen selbst mit Bedeutung gefüllt werden muss.

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3 thoughts on “Nachhaltigkeit – Der Allround­-Begriff

  1. Es gibt eine grundlegende Definition der Enquete-Kommission des deutschen Bundestages in Form des "Drei-Säulen-Modells" . Hierin enhalten sind die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Die Untersuchungsergebnisse betreffen daher vor allem den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit. Mehr dazu kann man mit einem Klick über Wikipedia erfahren.

  2. Für mich persönlich mutiert das Wort "Nachhaltigkeit" langsam zum Unwort,viele wollen einfach nur "chic und up-to-date" daherkommen und führen das Wort ständig im Mund..es verbraucht sich viel schneller als z.B. "Bio".Und wenn man dann mal im Zweifelsfall nachhakt,dann kommt man meist doch nicht um Google oder -immer wieder gerne-den Duden herum,es kann im Endeffekt keiner genau eingrenzen,was mit Nachhaltigkeit nun gemeint ist!Finde das ziemlich merkwürdig bei so einem oft gebrauchten Wort,wenn der Trend mal wieder abflacht wird das Wort und schlimmstenfalls die gesamte "Bewegung"im Nebel verschwinden,und unsere Erde wird -einmal mehr-sich selbst überlassen…

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