Maurice Stanszus von WeGreen im Interview

“Wir würden auch den Lidl Online Shop aufnehmen”

Die Suchmaschine "WeGreen" soll es ermöglichen, nachhaltig im Netz nach Informationen zu suchen. Wir haben mit Geschäftsführer Maurice Stanszus über seine Idee gesprochen.
WeGreenHimmelIllustration: Peter Lemper © evidero

Maurice Stanszus strebt eine Nachhaltigkeitsampel für sämtliche Unternehmen und Produkte an, am liebsten als Standardsuchmaschine auch jenseits der Öko-Nische.

Evidero hat WeGreen, die laut Betreiber „erste umfassende Suchmaschine für Nachhaltigkeit im Internet”, getestet. Gründer und Geschäftsführer ist Maurice Stanszus, Bachelor of Business Administration. Er studierte an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin mit den Schwerpunkten Corporate Social Responsibility (CSR) und Konsumentenverhalten. Die Idee für die Suchmaschine entwickelte sich aus einem Forschungsprojekt an der Uni. evidero-Autorin Tanja Korsten hat Maurice Stanszus interviewt.

evidero Nach welchen Kriterien suchen Sie die Onlineshops aus, auf die Sie bestenfalls die Besucher leiten?

Wir nehmen alle Shops auf, die grüne Produkte verkaufen. Das können auch größere Shops sein, deren Anteil an grünen Produkten sehr klein ist. Natürlich bevorzugen wir die kleinen, wirklich grünen Shops, aber wir würden auch den Lidl Online Shop aufnehmen, selbst wenn dort nur ein einziges Fairtrade-Produkt vertrieben würde. An der schlechten Nachhaltigkeitsbewertung des Händlers Lidl ändert das selbstverständlich nichts.

evidero Sie werben für Transparenz. Wie kann es da sein, dass ich für detaillierte Firmenbewertungen bezahlen muss? (So geschehen bei der Bewertung von Hornbach durch RepRisk)

Wir machen so viel transparent wie möglich. Aber da wir keine eigenen Bewertungen durchführen, sondern lediglich auf die Bewertungen von Dritten wie z.B. RepRisk zurück greifen, haben wir keinen Einfluss darauf, wie viele Informationen von unseren Bewertungspartnern veröffentlicht werden. Wir zitieren die öffentlich zugänglichen Informationen, und wenn RepRisk ab einer gewissen Datentiefe eine Aufwandsentschädigung für seine Analysen verlangt, respektieren wir das.

evidero Bekommen Sie auch Provision beim Kauf von nicht nachhaltigen Produkten von ihren Handelspartnern?

Maurice Stanszus© WeGreen
Maurice Stanszus ist Geschäftsführer von WeGreen

Ja. Allerdings zeigen wir den Nutzern so oft wie möglich die grünen Alternativen. Wir verbieten aber niemandem, einen Porsche oder einen roten Prada-Schuh zu kaufen.

Warum zeigen Sie nicht nur bewertete Unternehmen an, sondern alle, die eine herkömmliche Suchmaschine auch anzeigt?

Wir streben an, dass unsere Nutzer WeGreen als Standardsuchmaschine nutzen, denn wir möchten auch Menschen jenseits der Öko-Nische erreichen, die bisher keine grünen Produkte kaufen. Natürlich streben wir es an, irgendwann für alle Unternehmen eine Nachhaltigkeitsbewertung zu haben, aber das ist angesichts der ungeheuren zu bewältigenden Datenfülle noch nicht komplett umgesetzt worden.

Warum lassen Sie die Kunden ebenfalls bewerten, obwohl diese keinerlei objektive Maßstäbe anlegen?

Genau aus diesem Grund hat die Nutzerbewertung hat nur einen sehr geringen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsampel. Wir fangen dieses Meinungsbild unter anderem deshalb ein und stellen es visuell prominent dar, damit verglichen werden kann, inwieweit Meinung und Fakten miteinander einhergehen. Darüber hinaus möchten wir unsere Nutzer animieren, sich aktiv an der Nachhaltigkeitsdiskussion zu beteiligen. Am Ende steht der Wunsch, dass die Summe aller Stakeholder, also Anspruchsgruppen, ein möglichst wahrheitsgetreues Gesamtbild erzeugt.

evidero Warum ist ein Produkt automatisch grün, wenn es die Firma ist, obwohl Sie zu den Herstellungsbedingungen der einzelnen Produkte keine Informationen haben?

Das ist nicht automatisch so. Die Nachhaltigkeitsampel setzt sich sowohl aus einer Bewertung des Herstellers als auch aus einer Bewertung des Produktes zusammen – häufig liegen auf Produktebene aber gar keine Informationen vor. In der Sortierung werden Produkte mit Produktinformationen bevorzugt, und falls solche nicht vorliegen, zählt die Herstellerampel. Es wird zudem deutlich gekennzeichnet, ob sich die Ampel auf das Produkt und/oder den Hersteller bezieht.

evidero Wie geht es mit WeGreen weiter? Können Sie sich vorstellen, Ihr Angebot noch weiter auszubauen, beispielsweise mit grünen Urlaubstipps?

Weitere Bereiche wie z.B. nachhaltige Events oder Urlaubstipps sind längerfristig geplant, momentan arbeiten wir allerdings an einer nutzerfreundlicheren Oberfläche mit neuem Design sowie einer Erweiterung der Produktdatenbank. Wir haben sechs Millionen Produkte, von denen nur circa 300.000 grün sind. Das wollen wir stark ausbauen, ebenso soll die Jobsuche stark verbessert werden. Eine hohe Priorität hat auch der Ausbau unserer Kommunikationsplattform wegreen+, mit der wir unsere Nutzer motivieren möchten, sich untereinander und mit den Unternehmen auszutauschen und so aktiv am Nachhaltigkeitsdialog teilzunehmen.

evidero Vielen Dank für das Interview.

Autorin

Tanja Korsten

Tanja Korsten

Tanja Korsten hat Germanistik und Linguistik an der Uni Köln studiert. In ihrer Freizeit widmet sie sich vor allem dem Sport...

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