Geld ist (nicht) alles

Neue Wege für unser Geld – Das Web-TV Magazin mit Jasmin Pour

Geld ist eine Illusion, an die man glaubt. Ist das Vertrauen gestört, schwindet der Glaube und Geld verliert den Wert, weil die Illusion platzt.

 

Weltweite Finanzwerte© evidero

 

Diese drei Sätze beschreiben den Kern der Finanzkrise, die trotz aller Rettungsversuche noch längst nicht überwunden ist, weil die Regierenden sich hartnäckig weigern, die wirklichen Ursachen für das Desaster zu benennen.

Sie lassen sich auf beiden Seiten des Atlantiks von Banken und Rating Agenturen treiben. Nach wie vor sind Banken zu groß, ist die überflüssige Luft aus den vielen Spekulationsblasen nicht entwichen. Solange der Devisenhandel und außerbörslich gehandelte Derivate das 25-Fache der Weltwirtschaftsleistung von gegenwärtig rund 63 Billionen Dollar ausmachen, wird die Wirtschaft kein Gleichgewicht finden, beschleunigt sich mit jeder Krise die Umverteilung hin zu den Reichen und Superreichen.

Autor

Jürgen Zurheide

Juergen Zurheide

Jürgen Zurheide (jz), geboren 1955 in Essen, dort aufgewachsen. Studium der Volkswirtschaftslehre zunächst in Bochum, später in Göttingen. Aus dem Volontariat bei der Hannoverschen Allgemeinen wurde mehr: seit 1985 landespolitischer Korrespondent unter anderem des Berliner Tagesspiegels und der Stuttgarter Zeitung in Düsseldorf...

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Bis heute sind alle ernsthaften Versuche gescheitert, die Finanzmärkte so zu regulieren, dass sie wieder eine dienende Funktion für die Realwirtschaft bekommen. Nach Subprime und Lehman Krise im Jahre 2008 haben die ohnehin stark verschuldeten Staaten die Realwirtschaft mit weiteren Schulden vor dem Absturz gerettet. Sie selbst haben sich dadurch aber in eine Art Babylonischer Gefangenschaft zu den Finanzmärkten gebracht: die mit Staatsgeld geretteten Banken und deren Kreditgeber befinden jetzt darüber, welche Staaten ihre Schulden zu welchen Konditionen refinanzieren können oder ob sie fallen gelassen werden, weil sich mit Wetten auf deren Ende mehr Geld “verdienen” lässt.

Schuldenweltmeister© evidero

Damit sind wir beim Kern des Problems: Den Provisionen und Gewinnen aus solchen Aktionen steht keine wirkliche Wertschöpfung gegenüber, sie sind nichts anderes als die Ausbeutung der Realwirtschaft durch die “Masters of the Universe”, wie sich die Golden Boys and Girls aus der Londoner City und von der Wall Street gerne feiern. Die Bilanzsumme der Deutschen Bank entspricht knapp der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland, der Bankensektor ist hierzulande dreimal so groß wie alle produzierten Güter und Dienstleistungen zusammen; in Großbritannien übersteigt die Bilanzsumme der Geldhäuser die Wirtschaftsleistung um das Fünffache, die Schweiz liegt beim Faktor Sechs! Die astronomischen Eigenkapitalrenditen entstehen durch gewaltige Kredithebel, die dadurch bewegten Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zur Wirtschaftsleistung, maximieren auf der anderen Seite aber die Risiken. Dabei kann Geld kein Geld verdienen, es wird allenfalls umverteilt – aus der realen in die virtuelle Welt. Wer eine Investition in der Realwirtschaft finanziert, kann damit gewinnen oder verlieren; wer sich in die virtuelle Welt der hybriden Finanzprodukte begibt, schafft sich ein eigenes Universum und koppelt sich völlig ab.

Weil die Menschen spüren, dass sie der Illusion, die Papiergeld erst werthaltig macht, nicht mehr trauen können, wenden sie sich ab und schaffen eigene Systeme wie eben Komplementärwährungen.

Hier gilt all das, was in der hybriden Welt verloren gegangen ist: Man glaubt an den Wert, weil man die Teilnehmer kennt und ihnen vertraut. Hinter dem Geld stehen wirkliche Werte, man erwartet nicht, dass Geld übermäßig Geld schaffen kann und gibt sich damit zufrieden. Geld ist kein Selbstzweck, allenfalls Mittel, um andere Zwecke zu erreichen, die Ziele können jenseits der in den Lehrbüchern gefeierten angeblichen ökonomischen Vernunft liegen. Das alles ist gut so, wird aber vermutlich nicht reichen, eine in der Welt verankerte Volkswirtschaft mit dem notwendigen Kapital auszustatten, um die vorhandenen Vorteile internationaler Arbeitsteilung zu generieren.

Dafür benötigt man Banken als Kapitalsammelstellen, die der Realwirtschaft jene Mittel zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um ihre Geschäfte zu finanzieren. Sie müssen den Austausch zwischen jenen organisieren, die Geld im Moment nicht brauchen, sich als Gläubiger anbieten und jenen, die ihre wirtschaftlichen Aktivitäten mit Hilfe von Krediten auszuweiten beabsichtigen. Je weiter sich die Finanzwelt von dieser direkten Beziehung – etwa durch Verbriefung – entfernt, desto kritischer und spekulativer wird das Geschäft, um so größer wird die Gefahr späterer Kollateralschäden. Wer solche Geschäfte machen will, sollte sie in einer Art Spielcasino betreiben; erstens hoch besteuert und zweitens ausreichend getrennt vom normalen Bankensystem. Erst wenn die Staats- und Regierungschefs entsprechende Regeln durchsetzen, können sie darauf hoffen, die Krise dauerhaft zu lösen.

Groessten Banken© evidero

Das allein wird aber nicht reichen. Wir müssen uns auch Gedanken über unseren Maßstab für ökonomischen Erfolg machen. Bisher frönen wir dem Fetisch Wirtschaftswachstum in einer Art und Weise, dass wir die negativen Effekte ständig ausblenden. Umweltkatastrophen verursachen nicht selten Milliarden an Kosten; sie haben den perversen Nebeneffekt, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, obwohl sie die Lebensqualität vermindern. Hybride Finanzprodukte schaffen imaginäre Vermögenswerte, die auf dem Prinzip “Kettenbrief” beruhen, bei dem nur einige Wenige gewinnen, aber Viele verlieren. Diese Form der Blasenökonomie produziert zu viele Schäden, sie begünstigt Kapitalbesitzer und verändert die Verteilung des Wohlstandes zugunsten einiger Weniger in der Gesellschaft. Nach der Regulierung des Bankensektors brauchen wir deshalb ein Wachstums- und Wohlfahrtsmodell, das die Lebensqualität und die Chancen der Menschen in den Mittelpunkt stellt.

 

 

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18 thoughts on “Neue Wege für unser Geld – Das Web-TV Magazin mit Jasmin Pour

  1. Grossartiges Video! Sowohl inhaltlich als auch in der Produktion! Unbedingt ansehen!!! Einen winzigkleinen Verbesserungsvorschlag hätte ich dennoch: Bitte die 'Maske' bei der Moderatorin verbessern und die Kette abnehmen! Klasse Seite, werde ich auf jeden Fall empfehlen!

  2. bin in den inhalt noch nicht eingestiegen, da ich FORMAL mit dem lesen hier noch schwierigkeiten habe. komme aus dem print, deshalb:
    ZWISCHENÜBERSCHRIFTEN !
    zum thema: wenns bei euch nen wiwi ist, in usa gibt irgenwas von goods, bads und anti-bads.
    will heißen: 1_stell gutes her, verdiene gut. und dann:
    2_stell scheiße her, dann 3_steigt die nachfrage nach produkten, dieselbe wegzuräumen.
    irgendwie werd ich das gefühl nicht los, daß dieses modell bei der atom- und finanzindustrie
    mit vollem "erfolg" für die kaptalseite angewendet wird. :(

  3. Schöner Film, aber leider berücksichtigt er nicht: Unser Geld ist – seit Nixon 1971 den Quasi-Gold-Standard gekündigt hat – durch nichts weiter gedeckt als heiße Luft. Es ist im Prinzip das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist. Und was die Menschen nicht verstehen:

    Je länger die Zentralbanken durch Bond-Käufe (mit Geld, dass sie aus dem Nichts erschaffen) die Zinsen künstlich niedrig halten und damit das simple Marktgesetz von Angebot und Nachfrage auf den Kopf stellen (wenn viele Leute Geld möchten, dann muss der Preis für Geld, also der Zins, nach oben gehen), desto schneller geht das Vermögen aller "Sparer" in Rauch auf. Durch Inflation. Wir spüren die ersten Ausläufer gerade (Energiekosten, Rohstoffkosten, Food-Kosten).

    Aber das ist erst der Anfang. Keine Fiat-Währung (also Währung, die durch nichts "gepackt" ist) hat bisher überlebt. Die Mittelschicht wird komplett ausradiert, die Währungen werden zusammenbrechen und hoffentlich am Ende wieder ein Gold-Standard herrschen.

    • Ja, wenn ich auf der Suche nach dem
      objektiven Wesen des Geldes bin, komme ich
      heute zu dem Ergebnis, daß der Krankheitsherd
      darin liegt, daß das Geld ein Wirtschaftswert im
      Wirtschaftsbereich geblieben ist und daß die Heilung
      des kranken Geldes sich nur dadurch vollziehen
      kann, daß das Geld er kannt wird nicht nur
      im Konsumbereich als ein Rechtsdokument,
      son dern auch im Kreditie rungsprozeß, im Produktionsbereich!
      D.h. das Geld muß noch einmal
      eine Me ta mor phose durchmachen und aus
      seiner tauschwirtschaftlichen Stellung heraus
      in die Fähigkeitenwirtschaft hinein! Dann wäre
      man bei der Fähigkeit des Menschen angelangt.
      Dann wäre der Kreis in der Logik geschlossen, in
      dem jeder Mensch als Gestalter der Zukunft auch
      auftreten kann in seinem Unternehmen und seinen
      Beitrag leisten kann – aus seiner Menschenwürde
      – an der Gestaltung der Zukunft. …
      Beuys 11.1984

  4. Das wäre ein Rückschritt im Handel, da solche regionalen Währungen ohne echte Währungen ja nicht die nötigen Güter auf dem Markt erwerben könnten, die es in ihrer Region nicht gibt. Aber ok die ewiggestrigen können gerne zurück in vormittelalterliche Zeiten.

    • Volkswirt, warum ist das Prinzip des Schweizer WIR vormittelalterlich, wenn es sich doch regional bereits bewährt hat und auch mit den übergreifenden Währungen kompatibel ist, das heißt durch Rücktausch sind ebenso Güter außerhalb des Geltungsbereiches des WIR erwerbbar. Aber innerhalb der Region wird man Güter bevorzugen, die im WIR-Bereich auch erzeugt werden und gerade dieses Prinzip würde doch auch zu marktwirtschaftlich vernünftigen Abläufen führen, will sagen, warum soll ich in der Schweiz Käse essen, der in Argentinien erzeugt wird, wenn der WIR-Nachbar gerade die Käselaiber von der Alm rollen lässt? Warum muss ich Barsch aus dem Viktoriasee in Zentralafrika einfliegen lassen, wenn ich mit dem WIR Bodenseefelchen erwerben kann? Ist eine Beschränkung auf heimische Produkte tatsächlich ein Verlust an Lebensqualität?

  5. Nun, scheinbar gibt es ja seit Jahrtausenden ein Wissen darum, dass Zinsen schlecht für die Menschen sind? Im Islam, im Judentum und in unserer christliche "Leitkultur" gilt ein religöses Zinsverbot. Ein paar alte Gesetze zum nachlesen angehängt. Besinnliche Weihnachten.

    2. Buch Mose (Exodus) 22 , Vers 24:
    „(24) Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen."

    3. Buch Mose (Levitikus) 25, Vers 35-38:
    „(35) Wenn dein Bruder neben dir verarmt und nicht mehr bestehen kann, so sollst du dich seiner annehmen wie eines Fremdlings oder Beisassen, dass er neben dir leben könne; (36) und du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Aufschlag, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, dass dein Bruder neben dir leben könne. (37) Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen noch Speise geben gegen Aufschlag. …"

  6. Hallo Zusammen,
    das Video inspiriert mich. Vor 5 Jahren habe ich das buch "Geld ohne Zinsen und Inflation" von Margit Kennedy gelesen. Darin war das Wunder von Wörgl beschrieben – http://www.zeit.de/2010/52/Woergl/seite-1.
    Der Begründer Herr Unterguggenberger schrieb, nachdem nach sieben Jahren die sehr erfolgreiche Regionalwährung verboten gesetzlich verboten wurde "Hier ist die Not nicht von Gott gesandt, sondern durch Gesetze und menschliche Verwirrung verordnet".

    Meine Fragen an die Leser hier sind:

    1) Wie können wir sicher sein, dass solche Projekte nicht wieder verboten werden?
    2) Wenn 1 Kiemgauer = 1 EUR ist, und wir immer noch zurücktauschen müssen, hat der Kiemgauer auch die Inflation von 3%
    3) Die regionale Einschränkung macht mir ein ungutes Gefühl, weil ich halt immer an einem Punkt, wo es überregional wird tauschen muss und somit weiterhin abhängig bleibe.
    4) Was durch Regionalwährung entsteht sind monopole und oder oligopole Märkte in einer Region. Somit ist der Wettbewerb eingeschränkt und der Innovationsdruck ggf. auch die Qualität der Produkte/Leistungen sinkt? (Es kann aber auch sein, dass ich so sehr in meiner anerzogenen "Wachstumsdenke" das Nicht-Wachstum als Sinken sehe).

    So weit meine ersten Gedanken.

    Euch allen auch ein besinnliches Weihnachtsfest.

  7. Für mich klingt das Mittel der Währungsdiversität eher wie ein Mittel zur Unterdückung von Geldgeilheit, was aber nicht bedeutet, dass diese auch abgeschafft werden kann.

    Übrigens finde ich es nicht sehr konstruktiv an dieser Stelle den Koran oder die Bibel zu zitieren. Zwar stimme ich darin überein, moralische Prinzipien vor wirtschaftlichen Nutzen zu stellen, aber religiös-idologische Überlegenheit vorzuführen, ist gänzlich unpassend!

    Neben einer Reform der Währungssysteme ist es notwenig, menschlich korrektes Verhalten und den Umgang mit Geld unter einen Hut zu bringen, und nicht das eine als unabhängig vom anderen zu betrachten. Letzteres wird eher in einem Kontext gesehen, der nur mittelbar einen Einfluss auf andere hat.

  8. Eine simple Geschichte, die jeder versteht: Auf der Welt leben drei Menschen. Der erste hat einen Euro. Den verleiht er an den zweiten Menschen. Dieser wiederum verleiht ihn an den dritten Menschen. Nun möchte der erste seinen Euro wiederhaben, weil er sich was kaufen will. Der zweite hat den gleichen Wunsch. Meine Frage: Was nun?

  9. Im letzten Jahr hatte ich einmal hier in Köln im Rahmen der Reihe: Mittwochs eine Stunde Architektur im Haus der Architektur Köln(hdak) einen Vortrag zu dem Thema gehört: http://www.hda-koeln.de/2011-07-13.html.

    Ich finde das ja ganz gut. Wegen der Ökologie und auch den sozialen Kontakten, Sinngebung und Selbstversorgung etc..

    Allerdings habe ich auch gedacht: Warum nicht auch Flächen für die Zeit der Nichtbebauung einfach einmal als Brachland liegen lassen ? Analog den Truppenübungsplätzen und, nun ja, dem ehemaligen Todesstreifen längs der deutsch-deutschen Grenze, könnte sich hier dann die Natur einfach frei entwickeln. Zumindest für einige Jahre. Ohne planenden und nutzenden Eingriff der Menschen. Könnte doch auch interessant sein und überraschende Ergebnisse bringen, die man ggfs. per Videokameras oder Beobachtungtürmen verfolgen kann.

    Auch das scheint mir eine Alternative für temporäre, in dem Fall, Nicht-Nutzung von Gelände. Nicht immer jeden Quadratzentimeter nutzen. Der Natur Raum lassen.

    Eigentümer haben manchmal Bedenken eine Gartennutzung zu gestatten. Aus Angst, dass sich diese Nutzung verfestigt und nachher vielleicht nur gegen Widerstand zurückzunehmen ist. Bei einer Nicht-Nutzung als Brachland könnte natürlich die Angst bestehen, dass sich in dieser Zeit seltene Pflanzen oder gar Tiere ansiedeln. Dann wären militante Umweltinitiativen zum Erhalt von "Kölnmolch, evidero-Fledermaus oder Eigelsteinkreuzkümmelkraut ;-)" nicht auszschliessen.

    Nun, was mich angeht: Ich habe einen Garten vor und hinter mein klein Häuschen. Aber selber Anbauen, da fehlt mir doch die Zeit und auch die Lust

    Mein Beitrag für eine etwas bessere Umwelt, ist dass ich selber, zumindest für die Mittagsmahlzeiten, fast jeden Tag koche. Das macht mir Lust, das mache ich gerne. Die Einkäufe dafür erledige ich i.a. in einer Kartoffelgroßhandlung mit angeschlossenem Bauernmarkt. Oder auch bei einem kleinen Gemüsehändler. Oder auch auf Wochenmärkten. In der Hoffnung, dass ich dort einigermaßen umweltverträglich hergestellte Produkte bekomme.

    Ständig hinterfragen kann und will ich das aber auch nicht.

    Lemm[y]i

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