Die Kampagne für Saubere Kleidung kritisiert Schönfärbereien

Gelungene Kritik am Social- und Green­washing der Billig­discounter – Der Spot „Schön!Färber!“

Billighersteller vergessen oft zu sagen, dass ihre Produkte unter unmenschlichen Bedingungen produziert werden. Das virale Video Schön!Färber! hingegen nicht.
Webstuhl© picture alliance / Godong

Wer sich zufällig auf die Homepage von Lidl verirrt, der findet eine heile Welt vor, wie sie sonst nur noch bei den Kindern aus Bullerbü existiert: Unter dem Stichwort „Verantwortung“ erfährt der interessierte Leser und Konsument, dass Lidl sowohl der Klima- und Umweltschutz als auch die Gesellschaft und die eigenen Mitarbeiter sehr am Herzen liegen. „Auf dem Weg nach Morgen“ lautet deshalb auch das selbsterklärte Motto des Discounters.

Vergleicht man die blumigen Beschreibungen auf der Homepage mit den Berichten des Bengalen Khorshed Alam über die Arbeitsbedingungen in den für Lidl produzierenden Kleiderfabriken in Bangladesch, so präsentiert sich jedoch mit einem Mal ein ganz anderes Bild. Statt von „Vertrauen“, „gesellschaftlichem Engagement“ und „engagierten Mitarbeitern“ (O-Ton Lidl-Homepage) erzählt Alam von Ausbeutung, Löhnen unter dem Existenzminimum und menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen.

Autorin

Annette Bonse

Annette Bonse

Annette Bonse hat ihre Kindheit und Jugend in Deutschlands Metropole der Wutbürger verbracht. Da von Stuttgarts revolutionärem Geist zu dieser Zeit noch nicht viel zu spüren war, verschlug es sie auf der Suche nach Alternativen zur schwäbischen Beschaulichkeit unter anderem nach Kansas, Montpellier und Guatemala...

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Ein von der „Kampagne für Saubere Kleidung“ im Jahr 2010 produzierter „Werbespot“ bringt diese von vielen Billigdiscountern praktizierte Doppelmoral auf sehr treffende und zynische Weise auf den Punkt: In dem Spot „Schön!Färber!“ sehen wir den Chef eines Unternehmens, der seinen devoten Marketingleiter damit beauftragt, das schlechte Image seines Konzerns aufzupolieren. Und natürlich kann der gewiefte Werbeprofi Herr Färber auch aus dem Stehgreif mit einer ganzen Latte von Vorschlägen zu Maßnahmen aufwarten, um der Firma einen nachhaltigen, ökologischen und sozialen Anstrich zu verpassen. Dafür darf er sich am Ende sogar ein Lob vom Chef abholen: „Schön!Färber!“…

„Adbusting“ nennt sich diese Form von Kritik, wie sie die Kampagne für Saubere Kleidung in dem vor Sarkasmus triefenden Spot betreibt. Das Wort setzt sich aus dem Englischen „advertisement“ (Werbung) und „to bust“ (umgangssprachlich für zerschlagen) zusammen: Werbungen meist von großen Konzernen und Firmen werden auf leicht veränderte Weise dargestellt und so umgestaltet, dass bei näherem Hinsehen die wahren Beweggründe dahinter offengelegt werden. Der Spot Schön!Färber! fordert auf diese Weise zur Auseinandersetzung mit dem Social- und Greenwashing der deutschen Billigdiscounter auf. Selten hat Kritik solch nachhaltigen Eindruck hinterlassen und gleichzeitig so viel Spaß gemacht!

Viel Spaß damit! Obwohl Spaß vielleicht nicht das richtige Wort ist.

Weitere Informationen:

Schön! Färber!

Kleiner Tipp für Adbuster-Freunde: Die Kampagne für Saubere Kleidung hat auch sehr gelungene Neuversionen der Prospekte von Aldi, Lidl und Kik herausgegeben.

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One thought on “Gelungene Kritik am Social- und Green­washing der Billig­discounter – Der Spot „Schön!Färber!“

  1. Nach dem fürchterlichen Brand in Bangladesch muß uns bewußt sein, unter welchen Bedingungen die "schönen Klamotten" für die deutschen Discounter gefertigt werden.
    Können wir die eigentlich noch guten Gewissens kaufebn?

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